Tag Archives: Zdravko Kuzmanovic

Eupho-rien.

24 Okt

In der vergangenen Woche interviewte mich Alex von den Clubfans United für ihren Blog zum anstehenden „kleinen Süd-Derby“ (Zitat: kicker.de) und schon die erste Frage brachte  mich stark ins Schwitzen. Er fragte nämlich, wie denn die Stimmung derzeit im Ländle sei in Sachen VfB.

Nun bin ich ohnehin schon selten wirklich repräsentativ, so als Exil-VfB-Fan, aber diesmal war es so, dass das letzte VfB-Spiel, von dem ich mehr als das Ergebnis mitbekommen hatte, der 3:0-Sieg gegen Hannover 96 war, am 5. Spieltag. Danach weilte ich bis Mitte vergangener Woche in den USA und habe dementsprechend selten mehr als das Ergebnis nachlesen können.

Als ich mir allerdings (nach dem Interview) die Blogeinträge, Forenkommentare und Tweets der geschätzten Mit-VfB-Fans so durchlas, dann kam mir der Verdacht, dass ich vermutlich ohnehin keine eindeutige Stimmungslage hätte ausmachen können. Und da half auch der samstägliche Auftritt bei den Clubberern nicht viel.

Irgendwie scheint es mir nämlich so, dass alle VfB-Fans derzeit nicht so richtig wissen, woran sie sind mit dem VfB und was sie mit der bisherigen Saison so anfangen sollen.

Einen Großteil der „Schuld“ daran trägt, da lehne ich mich mal aus dem Fenster, vermutlich die Person Bruno Labbadia, bzw. die mit ihm verbundenen Erwartungen, oder vielmehr das Mißtrauen, dass ihm die große Mehrheit der VfB-Fans entgegenbringen dürfte.

Während ich mit Gross in erster Linie Respekt für seine Fachkompetenz verband, bei Babbel lange Zeit eine große Sympathie für seine Art und seine Begeisterungsfähigkeit hegte und selbst bei Veh natürlich noch lange der Meistertitel nachhallte, verbinde ich mit unserem heutigen Trainer in erster Linie ein Gefühl der Reserviertheit (um nicht zu sagen grundsätzlicher Skepsis). So dürfte es vermutlich der Mehrheit gehen, und das ist natürlich keine gesunde Basis, um so etwas wie Euphorie zu erzeugen.

Das mag unfair erscheinen in Anbetracht der teils tollen und insgesamt sehr erfolgreichen Rückrunde unter Labbadia, aber so ist nun mal die interne Gefühlslage. Zumal die bisherige Saison eben dem Vernehmen nach in Sachen Resultate zwar als sehr erfolgreich zu bezeichnen ist (bester Saisonstart seit der Meistersaison…), aber eben spielerisch -allem Vernehmen nach- nur wenig überzeugend verlief. Dem Spiel der Mannschaft fehlt der Esprit, es fehlen die positiven Identifikationsfiguren und zudem gibt es diverse kleinere Nebenschauplätze, die ein insgesamt nicht sonderlich gutes Gefühl hinterlassen, das dadurch verstärkt wird, dass man -mindestens unterbewusst- ständig auf den Labbadia-typischen Einbruch der Mannschaft wartet.

Letzteres schien am Samstag endlich so weit zu sein, als der VfB erst zum ersten Mal seit dem Leverkusen-Spiel in Rückstand geriet und eine absolut unterirdische erste Hälfte ablieferte, die offensiv jeder Beschreibung spottete und defensiv eigentlich gut war – wenn da nicht die altbekannten Schwächen bei Standards gegen uns gewesen wären…
In der zweiten Hälfte schien es dann erst einmal besser zu werden, auch wenn es dann ein mindestens glücklicher, wenn nicht unberechtigter Handelfmeter war, der zum Ausgleich führte. Das Spiel schien sogar kurzzeitig dabei zu sein zu unseren Gunsten zu kippen – wenn da nicht wieder die altbekannten Schwächen bei Standards gegen uns gewesen wären…

Dass es am Ende doch noch zum erneuten Ausgleich reichte, hatte ich nicht mehr zu hoffen gewagt. Womöglich war der Treffer zum 2:2 von Maza begünstigt durch die Unerfahrenheit der von zahlreichen Verletzungen gebeutelten Nürnberger Mannschaft, aber dennoch hat mir der Kampfgeist des VfB-Teams schon ein wenig imponiert, sich auch nach zwei Rückständen nicht aufzugeben.

Ich habe keine Ahnung, wo es diese Saison für den VfB lang gehen wird. Mit Platz 5 und 17 Punkten ist die Ausgangslage rein mathematisch überdurchschnittlich gut und auch im Pokal sollte bei einem Heimspiel gegen den FSV Frankfurt (bei allem Respekt) ein Weiterkommen absolute Pflicht sein.

Auch ich schließe mich übrigens den Forderungen an, dass Timo Gebhart am Mittwoch im Pokal dringend mal wieder etwas Einsatzzeit bekommen muss. Darüber hinaus fehlt es mir an Hintergründen, um die Situation um ihn herum einschätzen zu können, aber ich hoffe, dass Labbadia wieder verstärkt auf ihn setzt, da seine Art und sein Spielstil unserer Offensive eigentlich nur gut tun kann.

Am kommenden Samstag steht mit der zuletzt wieder stabilisierten Borussia aus Dortmund, die zwei Punkte vor uns liegen, ein ziemlich harter Prüfstein an. Ich bin gespannt, ob wir das spielstarke Team knacken können.

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Humildad.

9 Aug

ES MACHT WIEDER SPASS!

ENDLICH.

In den letzten zwei Jahrzehnten war das Motto des VfB ja in aller Regel „Wir können alles, ausser Saisonstart.“ (oder erweitert betrachtet „Hinrunde“,  wobei das eher nur für die letzten Jahre so gilt). Doch dieses Jahr war mal wieder einer der seltenen Momente, in denen eine Spielzeit mit einem sportlichen Erfolgserlebnis begonnen wurde.

Passend zum neuen Ambiente selbstverständlich, denn schließlich wurde ja unser neues, endlich komplettes Wohnzimmer offiziell eingeweiht am vergangenen Samstag – wie ja nun wirklich allerorten ausgiebig berichtet wurde.

Und man muss sagen: Es ist ein schickes Stadion geworden, das dank der Dachkonstruktion definitiv seinen eigenen Charakter behalten hat. Dazu gibt es dann noch so ein paar kleine Eigenheiten, wie die Turnhalle in der UK oder die Fenster zum Spielfeld hin in den Herrentoiletten der CK und natürlich noch weitere Dinge, die man ganz gut durchdacht hat.

Blick von der UK in Richtung neuer Cannstatter Kurve

Blick von der UK in Richtung neuer Cannstatter Kurve

Einen besseren Eindruck vom Stadiongefühl, speziell aus der Cannstatter Kurve bekommt man übrigens bei heinzkamke, der as usual a grandios Blogbeitrag verfasst hat.

Das Wichtigste allerdings ist natürlich das Geschehen auf dem Platz und nicht das Drumherum. Und auch da konnte man sich als VfB-Fan nicht großartig beklagen. Gründe (zu klagen) hätte man durchaus finden können, aber hey, es war der erste Spieltag, da kann noch nicht alles rund laufen. Und nach dem Verlauf der letzten Saison ist ja ein bisschen Demut ohnehin angebracht (zumindest wenn es nach offiziellem Vereinssprech geht…).

Das Spiel begann wie ein Spiel eben so beginnt nach einer Sommerpause, die man nicht als überlegener Deutscher Meister und ohne großen Personaladerlass hinter sich gebracht hat: Etwas hektisch und fahrig, geprägt von Nervosität auf beiden Seiten.

Glücklicherweise war es in diesem Jahr der VfB, der sich als erstes Team von der Debütnervosität hat lösen können und bald zu ersten Chancen kam. Chancen, die teilweise erschreckend kläglich vergeben wurden, oder wie bei der Schwalbe von Gentner unnötig weggeworfen wurden.

Aber wie gesagt: Demut…

Und immerhin: Trotz einigem Geflippere im Mittelfeld hat man sich diese Chancen erspielt (wenn auch teils durch Zufall). Gegen ein Team, das am Samstag seiner namhaften Besetzung zwar nicht ganz gerecht wurde, aber dennoch viel individuelle Qualität besitzt – hat man doch schließlich keinen relevanten Abgang zu verzeichnen, sondern im Gegenteil mit Fuchs und Holtby zwei starke Zugänge.
So kamen dann auch nach knapp einer halben Stunde die Schalker zu ersten Chancen, darunter zwei, die durchaus vielversprechend waren, aber ihr Ziel verfehlten.

Gerade als die Schalker sich etwas besser ins Spiel fanden, kam der VfB dann allerdings zu einer Ecke – und wie schon beim Pokalspiel gegen Wehen Wiesbaden sollten sich auch am Samstag die Standardsituationen wieder als eine unserer schärfsten Waffen im Arsenal erweisen. Auch dieses Mal wieder von Hajnal geschlagen, fand sie den Kopf von Neuzugang Maza, der sich sehr vehement aber fair im Kopfballduell gegen Papadopoulos durchsetzte und den Ball zum freistehenden Cacau bekam, der ihn ins rund 1 Meter entfernte Tor verlängerte. Cacau stand im übrigen auch deshalb so frei, weil er sich von Lewis Holtby davon stehlen konnte, nachdem dieser von Neuer-Nachfolger Fährmann weggestoßen wurde, um selbst mehr Platz zu bekommen.

Bis zum Pausenpfiff war dann weiter der VfB am Drücker und hätte die Führung durchaus höher gestalten können, hätten die Herren Gentner, Harnik, Cacau, etc. nicht weiter so eklatante Abschlussschwächen an den Tag gelegt.

Aber wie gesagt: Demut…

Die zweite Halbzeit begann dann mit einer personellen Änderung auf Schalker Seite, sowie einer gefühlt strategischen Änderung bei unserem Team. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass man in Hälfte 2 insgesamt ein ganzes Stück tiefer stand und sich vorwiegend darauf verlagerte Konter zu fahren. Keine risikofreie Strategie, zumal man letzte Saison genau deswegen schon häufiger auf die Fresse fiel.

So ein bisschen erkennt man das auch an den beiden folgenden, komplett überladenen Grafiken. Aber Grafiken sind ja derzeit „in“. Da muss man als Blogger auch mal dem Trend folgen.

Spielgeschehen in Hälfte 1

Spielgeschehen in Hälfte 1

Spielgeschehen in Hälfte 2

Spielgeschehen in Hälfte 2 (Quelle: bundesliga.de)

Aber zum Einen stand am Samstag die Stuttgarter Abwehr ziemlich sicher und ließ wenig zu, zum anderen war aber auch die Schalker Offensive unter dem Strich überraschend harmlos. Zudem gelang es dem VfB recht bald nach Wiederanpfiff die Führung auf ein etwas komfortableres 2:0 zu erhöhen.
Auch hier war wieder eine Standardsituation von Hajnal der Ausgangspunkt, nachdem der Ungar einen Freistoß im Halbfeld schnell auf den sprintenden Molinaro passte, der wiederum maßgenau in den Strafraum flankte und mit Martin Harniks Kopf den passenden Abnehmer fand.

Der Rest des Spiels lässt sich dann relativ leicht erzählen: Schalke drückte auf einen Anschlusstreffer, ohne dabei wirklich druckvoll zu agieren oder gar gefährlich zu sein, während der VfB sich darauf konzentrierte die Bälle halbwegs vom Strafraum wegzuhalten (was meist gelang und ansonsten waren Maza, Tasci oder Ulreich da) und gelegentlich mit einem Konter die gegnerische Defensive ebenso wie das eigene Unvermögen im Abschluss bloß zu stellen.

Aber: Demut… sagte ich schon, oder?

Erst kurz vor Schluss gab es dann noch einmal einen wirklich erwähnenswerten Moment, als Kuzmanovic einen genialen Diagonalpass [=> vgl. Delpierrsche Diagonale, die] auf den kurz zuvor eingewechselten Shinji Okazaki schlug, der erst den hochgelobten Fuchs (der an allen drei Toren eine gewisse Mitschuld trug) aussteigen ließ, bevor er den Ball mit einem wundervollen Strahl ins lange Ecke drosch.

Damit war der Deckel auf einem Spiel drauf, das so in der Nachbetrachtung irgendwie seltsam wirkte. Einerseits war Schalke weder gefühlt, noch von den statistischen Werten so drastisch unterlegen, dass ein 3:0 zwingend war. So gab es für Schalke auf der statistischen Habsenseite zum Beispiel 15 zu 14 Torschüsse , 51,9% gewonnene Zweikämpfe, 51,7% Ballkontakte und drastische 25 zu 4 Flanken zu verzeichnen.

Andererseits sagt eben die reine Quantität der Werte absolut nada über die Qualität der Situationen aus (fragt mal bei den Münchnern nach…) und so hätte sich Schalke gefühlt auch nicht über eine 5:0-Packung beschweren können, wenn man einige Situationen im Hinterkopf hat, wo Stuttgarter frei vor dem Tor standen…

Vor allem in Halbzeit 2 war ja wie erwähnt die Defensive vor allem gefordert.
In erster Linie stand dabei Sven Ulreich im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit, der in der letztjährigen Hinrunde insgesamt dreimal zu Null spielte, wobei das die beiden absoluten Freakspiele gegen Mönchengladbach (7:0) und Bremen (6:0) beinhaltete. Jetzt startet er direkt mit einem „Shutout“ und bekam durchaus zurecht verbales Lob der Untertürkheimer Kurve in Form von Sprechchören, schließlich waren da ein paar durchaus gute Paraden dabei, die nicht selbstverständlich gehalten werden mussten. Bzw. von denen der eine oder andere Ball vor einem Jahr vermutlich noch reingegangen wäre (um hier mal haltlose Behauptungen aufzustellen, die meine Argumentation scheinbar untermauern, aber doch nix aussagen…).
Insgesamt musste er jedenfalls von den 15 abgegebenen Torschüssen bei 9 eingreifen, auch wenn nicht jeder Schuss/Kopfball wirklich gefährlich war.

Einen ebenso großen Anteil am Zu-Null-Spiel wie Ulreich hatte aber sicherlich auch die im letzten Jahr zurecht oft gescholtene Abwehrreihe an diesem Samstag. Personell gab es im Vergleich zum Quasi-Stammpersonal der Rückrunde dabei trotz all des Buheis in den letzten Wochen effektiv lediglich eine Veränderung: Maza spielte an Stelle des verletzten Niedermeiers in der Innenverteidigung. Seine drei Nebenleute waren allerdings mit Molinaro, Boulahrouz sowie IV-Partner Tasci schon in den ersten Monaten von 2011 regelmäßiger im Einsatz.
Der mexikanische Neuzugang fügte sich direkt mal prächtig ein und zeigte am Samstag deutlich, dass er eine Verstärkung sein kann. Vor allem in der zweiten Halbzeit zeigte er sich mehrfach als „Turm in der Schlacht“ und entschärfte diverse Flanken und Standardsituationen in Strafraumnähe durch Kopfbälle und Befreiungsschläge. Bedenkt man, dass wir  gerade bei Standardsituationen im letzten Jahr häufig schwammen könnte seine Kopfballstärke und auch Ruhe in dieser Hinsicht Gold wert sein. Zudem hatte er mit 68,4% die besten Zweikampfwerte des Teams. Ein Tor bereitete er zudem vor.
Aber auch der oft kritisierte Serdar Tasci spielte am Samstag eine sehr starke Partie und sorgte mit dafür, dass der Strafraum in der Regel in Stuttgarter Hand war und nur selten gefährliche Situationen in Tornähe zustande kamen.

Die beiden Aussenverteidiger Boulahrouz und Molinaro lieferten ebenfalls mindestens solide Leistungen ab, wobei der Italiener natürlich den auffälligeren Auftritt hatte, als er das 2:0 per maßgenauer Flanke vorbereitete. Im Übrigen die einzige Flanke (von nur 4), die ein Stuttgarter zum Mitspieler brachte. Effektivität nennt man das wohl.
Boulahrouz hingegen knüpfte in erster Linie an seine Leistungen der Rückrunde an, was bedeutet, dass er bestätigte eine ordentliche Option für rechts hinten zu sein, mit der wir über die Runden kommen würden – aber eben nur, wenn sich defensiv niemand mehr verletzt oder gesperrt wird. Realistisch ist das nicht…

Wenn man von Defensivverbund spricht, muss selbstverständlich auch die Doppelsechs erwähnt werden, die von Kuzmanovic und Kvist gebildet wurde. Hier stand natürlich vor allem der zweite Neuzugang, William Kvist, im Fokus, der so etwas wie der Königstransfer dieser Sommerpause sein dürfte.
Laut Eigenaussage steht er vor allem dafür, den einfachen Pass zu spielen und nicht zu zaubern. Und tatsächlich hatte ich im Stadion den Eindruck, dass er bei 90% der Aktionen mit dem Rücken zum gegnerischen Tor stand. Das ist statistisch nicht ganz belegbar, allerdings hat er rund die Hälfte seiner Pässe tatsächlich quer oder nach hinten gespielt.

Passübersicht von William Kvist

Passübersicht von William Kvist (Quelle: bundesliga.de)

Trotz des vorwiegenden Sicherheitsdenkens deutete er allerdings auch an, dass er durchaus auch offensiv sinnvoll agieren kann. So gab es ca. in Minute 65 eine Situation, in der Kvist aus der Bedrängnis raus einen Zuckerpass die Linie entlang schlug, den leider Gentner (oder evtl. Harnik) nicht ganz vernünftig verarbeiten konnte, sonst wäre daraus eine exzellente Konterchance entstanden. Mehr zu Kvist wird es in den nächsten Tage in zwei separaten Texten geben.

Wer in der öffentlichen Wahrnehmung hingegen ein wenig zu kurz kam, war sein Nebenmann Kuzmanovic, der am Samstag eine starke Partie ablieferte. Der Serbe zeigte sich extrem passsicher (31 von 35), dazu sehr einsatzfreudig (64,3% gewonnene Zweikämpfe, mit 11,5km die höchste Laufleistung des Teams) und krönte seine Leistung mit dem oben schon erwähnten Zuckerpass auf Okazaki vor dem 3:0.

In der Offensive war wie zu erwarten natürlich einmal mehr Hajnal die Schaltzentrale. Auch wenn er im laufenden Spiel nicht ganz so brillierte, war er sehr aktiv, und glänzte vor allem wieder einmal mit seinen Standardsituationen, die sich in dieser Saison bislang zur echten Waffe entwickeln. 4 der 5 Pflichtspieltore resultierten bislang direkt oder indirekt aus seinen Ecken oder Freistößen!

Auch Harnik knüpfte im Guten, wie im Schlechten an die Leistung im Pokalspiel an: Überaus bemüht, sich immer wieder Chancen erspielend, aber auch sehr unglücklich im Abschluss. Glücklicherweise konnte er dann aber letztlich doch zumindest ein Tor für sich verbuchen, so dass hier zumindest keine Serie entsteht, an der sich Fans und Presse aufhängen könnten. Im Übrigen sein erstes Kopfballtor in 50 Bundesligaspielen.

Ein Kopfballtor erzielte auch die einzige Spitze Cacau. Hier ist es ebenfalls sehr gut, dass er zumindest einen Torerfolg für sich verbuchen konnte, nachdem er im Pokalspiel sehr glücklos und auch ohne Anbindung ans Spiel des restlichen Teams wirkte. Letzteres bestätigte sich am ersten Spieltag nicht wirklich, die Glücklosigkeit im Abschluss setzte sich allerdings teilweise fort. Zumindest bis zur Rückkehr von Schieber hoffe ich, dass er nicht mal wieder in eines seiner berüchtigten Löcher fällt, sondern aus dem Erfolg vom Samstag und vermutlich auch dem Länderspielerlebnis am Mittwoch gegen Brasilien Selbstvertrauen und Spielfreude ziehen kann.

Von den drei Einwechselspielern zog naturgemäß der Torschütze Okazaki die meiste Aufmerksamkeit auf sich – durchaus zurecht, erzielte er doch ein wunderschönes Tor. Er sorgte auch für mein persönliches Bild des Tages, als er lange nach Abpfiff als einer der letzten VfB-Spieler noch auf dem Rasen stand und zur Leinwand hochschaute, wo sein Tor in der Wiederholung gezeigt wurde. Seinen Gesichtsausdruck hätte ich gerne von Nahem gesehen…

Zum dritten Neuzugang, der am Samstag eingesetzt wurde, Ibrahima Traoré vielleicht noch ein kurzes Wort: Vielleicht wird man mir diesen Satz irgendwann mal um die Ohren hauen, aber ich sehe nicht, dass er sich bei uns dauerhaft etablieren wird. Taktisch wirkt er zu naiv, verliert in dummen Dribblings in der eigenen Hälfte den Ball und ist zudem alles andere als robust im Zweikampf (auch wenn er mich einmal positiv überraschte, als er einen Schalker Spieler blockte).

Aber wir werden sehen. Wichtig ist erst einmal, um zum Beginn zurückzukehren, dass der VfB wieder Spaß macht! Die Kritik kann erst einmal hintenangestellt werden, sofern die Mannschaft auf den bislang gezeigten Leistungen aufbauen kann.

Und ohnehin hat man sich als VfB-Fan schließlich in Demut zu üben, daher erwarten wir für kommenden Samstag mal nicht allzu viel. Schließlich geht es gegen die Bayernbezwinger vom Niederrhein, die am Sonntag einen beeindruckenden Defensivbeton angerührt haben. Ich bin gespannt, wie der VfB mit einer solchen Mannschaft umgehen kann, die Qualität der Standards gibt auf jeden Fall Hoffnung.

Und wenn ich dann daran denke, in welchem psychischen Zustand ich mich bei der letzten Begegnung beider Teams im vergangenen Februar befand, dann fällt es tatsächlich nicht schwer, Demut an den Tag zu legen…

PS: Tabellenführung, bitches!

Tschubby-Tschubby

1 Okt

Bitte was? Gut, da sollte ich wohl etwas weiter ausholen…..ist noch gar nicht so lange her, da musste ich diesen Begriff ständig hören. Mein damaliger Coach benutze ihn geradezu inflationär. Es war sein ganz persönliches Synonym für „HackeSpitze123“ oder besser gesagt „Schönspielerei“. Mit dieser nämlich, so seine Meinung, gewänne man keinen Blumentopf. So weit, so korrekt.  Auch wir hatten damals eine Mannschaft, die man ganz gut mit dem VfB dieser Tage vergleichen konnte. Der Kader war ausgewogen und gut zusammengestellt, die Mischung aus jung und alt passte und wir waren in der Lage, einen gepflegten Ball zu spielen. Doch sehr zum Leidwesen unseres Coaches verließen wir uns zu oft eben genau darauf. Vernachlässigten Grundsätzliches, wie hohe Einsatz-und Laufbereitschaft, Zweikampfhärte, taktische Disziplin. Und verloren. Verloren Spiele gegen Gegner, die wir noch eine Saison zuvor vom Allerfeinsten zerlegt hatten. Und der Trainer tobte…..“Hört endlich auf mit Tschubby-Tschubby, verdammt nochmal!“ – die Kabinenwände wackelten, ich denke, das muss ich nicht weiter ausführen.  Nun denn – es kam der Tag, an dem der Schalter umgelegt wurde.

Auch beim Verein für Schönspielerei Bewegungsspiele  1893 e. V. scheint dieser Tage etwas Ähnliches passiert zu sein. Keine Ahnung was da am Montag gesprochen wurde oder ob der Koch im Vivaldi noch etwas von Alberto Contadors Fleischlieferung übrig hatte – der Mannschaftsabend scheint gefruchtet zu haben. Wenn Mauro Camoranesi plötzlich seine Position hält und in 90 Minuten nicht einmal den Ball mit der Hacke spielt; wenn Christian Molinaro trotz bösem Tritt auf die Zähne beißt und sich ohne zu Murren für die Truppe reinhaut; wenn Christian Gentner auf dem Flügel sein mMn bisher bestes Spiel seit seiner Rückkehr aus der Autostadt macht; wenn Cacau endlich mal gegenüber dem Unparteiischen und seinen Mitspielern die Schnauze hält und versucht sein Spiel zu spielen; wenn Ciprian Marica einem vertändelten Ball hinterher wetzt und ihn sich in der eigenen Hälfte wieder zurückholt; wenn Neuzugänge bei ihrer Premiere aufspielen, als wären sie schon immer da gewesen; wenn die ganze Mannschaft mit dem Siegtorschützen an der Seitenline jubelt – dann darf man mit Fug und Recht behaupten, dass es „Klick“ gemacht zu haben scheint.

Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!

Der VfB festigte gestern die Tabellenführung in der Europa League, er baute sie dank der Berner Schützenhilfe sogar aus. Sicher, das ist immer eine Momentaufnahme und ja, der Gegner war nicht der Stärkste – aber das zählt heute alles nicht. Denn die hochbezahlten Kicker haben sich – imho erstmals in dieser Saison – auf das Wesentliche beschränkt/konzentriert. Unter hohem Druck, wohlgemerkt. Solide Hausmannskost, wenn man so will. Die Positionen wurden gehalten, jeder hat sich auf seine Aufgabe konzentriert und beschränkt, Wille, Biss, Teamgeist  – all das wurde abgerufen.  Klar, ein kleiner Wackler war dabei, als man sich nach einem Einwurf wie eine Schülermannschaft hat überrumpeln lassen und den Ausgleich hinnehmen musste. Liegt momentan einfach drin, muss man so hinnehmen. Aber die Moral stimmte und schlussendlich hat man das Spiel hochverdient gewonnen. Wenn (ja, ich weiß, der gute alte Konjunktiv) es die Mannschaft nun endlich schafft, dies alles Spiel für Spiel auf den Platz zu bringen, dann wird es peu á peu aufwärts gehen. Man wird nicht vor Rückschlägen gefeit sein, das kann und vor allem darf man nicht erwarten. Aber diese werden die Mannschaft nicht mehr aus der Bahn werfen.

Vor einige Wochen schrieb ich in einem Forum, Frankfurt werde die Initialzündung. Der eigentliche Saisonstart. Gestern (so hoffe ich, sonst muss ich [erneut] zu Kreuze kriechen) wurde ich eines Besseren belehrt.

El Pibe

Die Neuen 2010/11 (3): Christian Gentner

30 Jul

Der dritte in dieser Serie vorgestellte Neueinkauf ist chronologisch betrachtet eigentlich der erste gewesen, schließlich stand der Wechsel von Christian Genter schon offiziell zum Ende der vergangenen Winterpause fest.

Schon damals habe ich diesen Transfer etwas näher beleuchtet und die drei Ebenen dieser Personalie versucht zu analysieren. Das Urteil bleibt nach wie vor im Grunde das Gleiche.

Wirtschaftlich macht der Transfer auf jeden Fall Sinn, da man einen Mittelfeldspieler dieser Stärke nur höchst selten ablösefrei bekommen kann und auch die emotinale Komponente betrachte ich nach wie vor als absolut stimmig (Stichwort: „Rückkehr des verlorenen Sohns“).

Einzig in Bezug auf die sportliche Ebene dieser Verpflichtung war ich mir im Januar nicht sicher und bin es heute auch noch nicht in allerletzter Konsequenz. Wenngleich natürlich in Anbetracht des gestern bekannt gewordenen Verkaufs von Sami Khedira an Real Madrid man hier tatsächlich vermuten könnte, dass man eben jenem absehbaren Verlust schon im Winter vorbeugen wollte.

Denn nun hat man trotz des Verlusts einer Leaderfigur zumindest sportlich nach wie vor eines der am besten besetzten besetzten defensiven Mittelde der gesamten Bundesliga. Zudem mit Christian Gentner (24), Christian Träsch (22) und Zdravko Kuzmanovic (22) ein nach wie vor absolut junges mit nach wie vor viel Potential für die Zukunft.

Die Frage ist dann, wie sich -nun ohne Khedira- Christian Gross entscheiden wird in der Frage der Besetzung. Es scheint sich bislang herauszukristallisieren, dass Träsch gesetzt sein wird, während sich Kuzi und Gentner um den Platz neben ihn streiten werden.

Um an dieser Stelle mal eine gängige Floskel aus der gemeinen Sportjournaille zu verwenden: Gentner könnte in diesem Zusammenhang allerdings „ein Opfer seiner eigenen Flexibilität“ werden.
So wird gemeinhin vermutet, dass Gentner durchaus auch beim VfB auf der Position im linken Mittelfeld spielen könnte. Einerseits fehlt dem VfB da bislang ein adäquater Neuzugang und andererseits hat Gentner ja schon bei Wolfsburg in der Regel im linken Mittelfeld gespielt – und das durchaus stark, hat er sich doch dort damals sogar ins Blickfeld der Nationalmannschaft gespielt.

Ein kleiner aber feiner Unterschied ist allerdings, dass Wolfsburg im Mittelfeld vorwiegend mit einer klassischen Raute agierte, während sich Gross aber eindeutig zur beim VfB dominierenden Philosophie des 4-4-2 mit Doppelsechs bekannt hat. Dementsprechend hat er auch klar geäußert, dass er auf den Aussen im Mittelfeld entsprechend schnelle Flügelspieler sehen möchte – und in das Profil fällt Gentner eigentlich nicht rein.

Eine andere Alternative wäre natürlich nach wie vor die Rückbeorderung Träschs auf die Rechtsverteidigerposition und dementsprechend eine Doppelsechs Gentner & Kuzmanovic. Da dies allerdings schon in der vergangenen Saison eine von vielen vorgebrachte Option war (nur eben mit Khedira & Kuzmanovic), von der Gross quasi nie Gebrauch gemacht hat, halte ich das für eher wenig wahrscheinlich.
Erst recht, wenn der VfB nun auch noch mit Degen einen einigermaßen etablierten Rechtsverteidiger holt.

Dementsprechend bleibt es wohl dabei, dass es auf einen Zweikampf zwischen Kuzmanovic und Gentner um den Platz neben dem defensivstarken Träsch hinauslaufen wird. Gut, immerhin werden wir dank der Europa League Teilnahme, deren endgültige Qualifikation wir dann kommende Woche endgültig klar machen können, nicht wenige Saisonspiele haben, so dass sicherlich alle drei Spieler ihre regelmäßigen Einsätze bekommen zu werden.

Um die Entwicklung Gentners in den vergangenen drei Jahren noch ein bisschen ausführlicher erklärt zu bekommen, habe ich mich zudem noch kurz mit Marvin vom VfLWolfsburgBlog unterhalten.

Christian Gentner kam im Sommer 2007 als Leihspieler zum VfL Wolfsburg und konnte sich recht schnell dort durchsetzen, wurde später (nach seiner Verpflichtung) sogar eine der tragenden Säulen in der Meistermannschaft. Hattest Du damals mit einem derart positiven Verlauf gerechnet als er zum VfL kam?

Keineswegs. Als Gentner noch beim VfB spielte, war er keine Stammkraft. Ich war zwar schon damals von ihm überzeugt, aber ich hätte nicht gedacht, dass er derart wichtig werden würde, zumal das Leihgeschäft im Sommer 2009 enden sollte. Ein Jahr vorher jedoch entschied er sich dafür, beim VfL bleiben zu wollen und unterschrieb einen Vertrag. Ich denke das lag an den doppelt so viel Spielen, die er im Vergleich zur Vorsaison beim VfB absolviert hatte. Er wurde also schon im ersten Jahr zur Stammkraft. Außerdem half er entscheidend mit, den VfL in den UEFA-Cup zu führen. In den nächsten beiden Spielzeiten überzeugte Gentner noch mehr, entwickelte sich kontinuierlich weiter und machte 08/09 & 09/10 in der Liga alle Spiele und glänzte sogar als Vorbereiter. Gentner ist jemand, auf den man sich immer verlassen kann, der kaum mal ein schwaches Spiel zeigt. Dass ich mal so begeistert von ihm sein würde, hatte ich am Anfang nicht erwartet.

Wie bewertest Du nun die Rückkehr zu seinem „Heimatverein“? Ein Verlust für Wolfsburg?

Ein Verlust ist das auf jeden Fall. Wie ich schon angesprochen hatte, absolvierte Gentner zwei Spielzeiten hintereinander jedes Spiel. Zusammengerechnet kommt er in seinen Bundesligaeinsätzen beim VfL auf 35 Scorerpunkte. Für einen Mittelfeldspieler, der sehr mannschaftsdienlich spielt, also auch viel nach hinten arbeitet, eine beachtliche Zahl.
Die Rückkehr an sich ist für den VfL zwar verdammt schade, ich persönlich halte den Wechsel jedoch für nachvollziehbar. Mit dem VfL wurde Gentner zur Stammkraft, qualifizierte sich überraschend für den UEFA-Cup und wurde noch überraschender Deutscher Meister. Jetzt kam eine verschenkte Saison. Ich denke er hat erkannt, dass der nächste Schritt notwendig ist. Damals sah er beim VfL bessere Perspektiven für sich. Diese sieht er nun beim VfB. Denn hier kann er sich international beweisen. Ich denke beim VfL wäre es für ihn schwierig geworden, sich wieder 100%ig neu motivieren zu können. Erst in 2 Jahren könnte er wieder mehr erreichen, als er es nicht ohnehin schon mit dem VfL getan hat. In Stuttgart wird er bessere Möglichkeiten sehen, sich weiterzuentwickeln.

Bei Wolfsburg spielte Gentner ja meist auf der linken Seite der Mittelfeldraute, obwohl seine erklärte Lieblingsposition die im zentralen defensiven Mittelfeld ist. Wo siehst Du seine Stärken? War er so viel schwächer als Josue, um sich gegen ihn durchsetzen zu können?

Schwächer als Josue ist Gentner ganz bestimmt nicht. Er ist schlichtweg ein ganz anderer Spielertyp. Denn im Gegensatz zu Josue ist Gentner im Mittelfeld flexibel einsetzbar. Gentner kann im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden oder auch wie bei uns links außen. Josue hingegen ist ein Spielzerstörer und aufgrund seiner Größe für keine andere Position derart geeignet. Allein deswegen rutschte Gentner auf die linke Außenbahn. Und wie sich herausgestellt hat, war das keine schlechte Entscheidung, zumal er auf seiner angeblichen Lieblingsposition in der Nationalmannschaft nicht wirklich überzeugen konnte.
Alles in allem sehe ich Gentners Stärken in seiner Flexibilität sowie in seiner mannschaftsdienlichen Spielweise. Er spielt offensiv zwar nicht so auffällig wie ein Misimovic, trotzdem weiß er stets zu gefallen, auch im Rückwärtsgang.

Vielen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen! Ich wünsche dem VfL Wolfsburg natürlich auch viel Erfolg für die kommende Saison. Ich bin sehr gespannt, zu was das Team mit den gut klingenden Verstärkungen und mit McLaren in der Lage ist.

Christian Gentner wird in der kommenden Saison die Rückennummer 20 auf seinem Trikot haben, die zuletzt übrigens 2007/08 von Ciprian Marica getragen wurde.

VfB Kaderplanung – Saison 2010/11 (Teil 2)

1 Apr

Wie angekündigt kommt nun heute abend der zweite Teil meiner kleinen Vorausschau auf die Kaderplanung für kommende Saison mit den entsprechenden Gedanken zur anstehenden Transferperiode.

Nachdem ich mich gestern vorwiegend mit Torwartposition und Abwehr auseinandergesetzt habe, werde ich mich heute etwas ausführlicher mit Mittelfeld und Sturm befassen – wenngleich natürlich vor allem in den Kommentaren von gestern schon viel über die Sturmposition geredet wurde, bedingt durch Cacaus gestrige Ankündigung den Verein in diesem Sommer zu verlassen.

Aber zuerst noch einmal die Übersicht über die Vertragssituationen mit einer kleinen Einschätzung, wer sicher beim VfB bleiben wird und wer nicht. Ich möchte an dieser Stelle auch nochmal explizit festhalten, dass die folgende Einstufung kein Spiegelbild meiner persönlichen Meinung ist, wer gehen und wer bleiben soll.


Bleibt Fraglich Geht

TOR Ulreich (2011) Stolz (2012) Lehmann (Karriereende)

ABWEHR Niedermeier (2014) Boulahrouz (2012) Osorio (Vertragsende)

Boka (2012) Tasci (2014)

Delpierre (2012) Molinaro (2010)

Celozzi (2012)

MITTELFELD Didavi (2012) Hilbert (2010) Hleb (Leihende)

Funk (2012) Mandjeck (2011)

Gebhart (2013) Elson (2011)

Gentner (2014)

Khedira (2011)

Kuzmanovic (2013)

Lanig (2011)

Rudy (2012)

Schwarz (2011)

Träsch (2012)

Walch (2011)

STURM Marica (2012) Pogrebnyak (2012) Cacau (Vertragsende)

Schieber (2012)

Riedle (2011)

Vielleicht fällt es dem einen oder anderen auf, im Vergleich zur Tabelle von gestern, stehen dieses Mal noch zwei weitere Namen drin, die ich dort ursprünglich vergessen hatte: Georges Mandjeck und Elson, die beiden Spieler, die derzeit vom VfB an andere Vereine verliehen sind und im Sommer zurückkehren müssten.

Also, eigentlich. Denn da gibt es natürlich diverse Variablen, die es zu klären gilt: Will der VfB den Spieler zurückhaben? Will der Spieler zurückkehren? Was wollen FCK und Hannover?

Bei Georges Mandjeck vermute ich mal, dass die Tendenz relativ deutlich Richtung Abschied gehen dürfte. Zum einen hat er sich in Kaiserslautern sehr gut etabliert mit mittlerweile 26 Saisoneinsätzen, zumeist über 90 Minuten. Zum anderen spielt er eben auf einer Position, die beim VfB wohl am stärksten besetzt ist. Es würde mich daher nicht überraschen, wenn er im Sommer endgültig nach Hannover Kaiserslautern gehen würde.

Bei Elsón ist die Gemengelage sicherlich etwas komplizierter. Anläßlich der feststehenden Leihe in dieser Winterpause hatte ich hier im Blog ja schon mal meine Meinung zu ihm dargelegt, die weitaus weniger uneingeschränkt positiv ist, als es bei zahlreichen anderen VfB-Fans der Fall ist. Und so richtig hat er mich bisher auch in Hannover nicht davon überzeugen können, dass er tatsächlich die Verstärkung wäre, die sich so einige von ihm erhoffen.
Zwar hat auch er sich bei seinem Leihverein etablieren können, aber er glänzte bislang auch nicht derart, als dass er sich wirklich aufzwingen würde. Das viel Schwerwiegendere Problem ist aber, dass es Elsons Position im zentralen Mittelfeld eigentlich gar nicht im Stuttgarter System gibt. Da aber zudem Hannover vermutlich den Gang in die zweite Liga antreten wird, bin ich wirklich sehr gespannt, was mit Elson passieren wird. Eine Prognose wage ich hier nicht abzugeben.

Eine weitere recht spannende Personalie dürfte Roberto Hilbert werden. Sein Vertrag läuft zum 30. Juni diesen Jahres aus und bislang ist über weiter fortgeschrittene Vertragsverhandlungen meines Wissens noch nicht wirklich etwas bekannt geworden. Ich sag mal, ich würde mich über eine Vertragsverlängerung freuen, da er eigentlich eine gute Option für die Aussen ist, rechts wie links. Ich weiss, er bringt uns Fans durchaus gerne mal zu Verzweiflung, aber er hat das Potential ein sehr guter Bundesligaspieler zu sein.

Es stellt sich natürlich auch hier mal wieder die Frage, ob er weiter Lust hat, eher nur zweite Geige zu spielen, da Gebhart auf der rechten Seite die Nase vorn hat, und auf links vermutlich Neueinkauf Gentner gesetzt sein dürfte. So dieser denn für die linke Aussenbahn gedacht ist.

Ohnehin wird es mit dem Personal sehr spannend sein, wie sich das System im Mittelfeld in der kommenden Saison darstellen wird. Mit Khedira, Kuzmanovic, Träsch, Gentner und Lanig, sowie Youngster Patrick Funk, wird man gleich 6 Leute haben, die sich um eigentlich 2 Positionen im zentralen Mittelfeld schlagen. Und ja, ich glaube nach wie vor daran, dass Sami Khedira nächste Saison weiter für den VfB auflaufen wird. Ich hatte gestern ja schon auf das entsprechende Interview verlinkt, indem sich unser Ersatzkapitän sehr eindeutig pro VfB 2010/2011 geäussert hat. Und ich glaube ihm.

Sicher gehen wird hingegen Aliaksandr Hleb. Das hatte sich ja im Laufe der letzten Wochen und Monate recht klar abgezeichnet und wird von vielen sicherlich auch begrüßt werden. Klar ist sicherlich, dass er sich mit seinem Auftreten und seinen Aussagen keine großen Freunde gemacht hat, nichtsdestotrotz bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass er für unser Offensivspiel sehr wichtig war bzw. ist, wie ich ja schon mal hier analysiert habe.
So als Gesamtpaket, denke ich aber, dass es besser ist wenn man ab dem Sommer wieder getrennte Wege geht, da er unter dem Strich für das was er gezeigt hat und wie er sich dem Team gegenüber verhalten hat, einfach zu teuer ist.

Und wenn ich mir so insgesamt das Personal ansehe, wie es sich derzeit darstellt, dann lasse ich mich an dieser Stelle dazu verleiten, eine Prognose rauszuhauen:
Sollte Khedira nicht doch noch wechseln, dann wird es im Mittelfeld in diesem Sommer keine weitere Neuverpflichtung neben Christian Gentner mehr geben!

Es sei denn: Christian Gross entscheided sich im kommenden Jahr ein anderes System zu spielen und auf 4-3-3  umzustellen, mit Pogrebnyak als Target Player und zwei schnellen Offensivspielern auf Außen, sowie einer Kombination aus Gentner, Khedira und Kuzmanovic im Mittelfeld.

In diesem Fall würde es vermutlich Sinn machen, als Alternative zu Hilbert noch einen Mann für die linke Aussenbahn zu holen, den man so gesehen auch als Mittelfeldspieler einstufen könnte.

[Vergessen sollte man natürlich nicht, dass man mit Rudy für zentral oder rechts, Funk für zentral, Walch für offensiv, Didavi für links, sowie Schwarz für rechts oder zentral noch diverse Youngsters als Optionen hat.]

Ob Systemumstellung oder nicht, es sollte auf jeden Fall klar sein, dass es auf jeden Fall im Sturm einen Transfer geben muss, in diesem Sommer. In den Augen vieler Fans (und im Grunde auch meiner), war der Sturm diese Saison ohnehin schon zu dünn besetzt mit gerade einmal drei Stürmern für zwei Positionen, die mit viel gutem Willen wirklich höheres Niveau vorweisen können, sowie ein bis zwei Talenten in der Hinterhand.

Nun wird im Sommer mit Cacau auch noch der in dieser Saison bislang erfolgreichste Torschütze wegfallen, wodurch die Personaldecke im Angriff dann doch ein wenig besorgniserregend wirkt.

Klar ist aus meiner Sicht, dass Ciprian Marica auch in der kommenden Saison bleiben wird und ein weiteres Jahr die Gelegenheit bekommen wird, endlich zu rechtfertigen, warum er damals so verdammt viel Geld gekostet hat.
Bei Pavel Pogrebnyak kann ich es ehrlich gesagt relativ schwer einschätzen, da ihn doch verhältnismäßig viele Wechselgerüchte über weite Teile dieser Saison begleitet haben. Aber nüchtern betrachtet ist es eigentlich Quatsch, dass ich ihn in die „Fraglich“-Kategorie eingestuft habe, denn ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Vereinsführung gleich zwei von drei Stürmern in diesem Sommer ziehen lassen würde. So gesehen könnte ich ihn vermutlich doch eher in die „Bleibt“-Kategorie umsortieren, zumal ich doch einige Hoffnungen in ihn für nächstes Jahr setze, da ich mir relativ sicher bin, dass er dann ein 10+-Tore-Stürmer sein wird.

Wer nun kommen wird?

Da habe ich natürlich keine Ahnung und vor allem auch keine große Lust, jetzt Namedropping zu betreiben (was natürlich niemanden hier hindern soll, Tipps/Wünsche/Vermutungen in den Kommentaren rauszuhauen).

Aber zumindest möchte ich zum Abschluss noch mal kurz die Liste der Positionen zusammenfassen, von denen ich denke, dass wir sie brauchen und dass sie realistisch auch passieren werden:

  • ein Ersatztorhüter mit Erfahrung
  • ein rechter Verteidiger (sofern Träsch nicht wieder nach hinten rückt)
  • ein Stürmer (bevorzugt mit eingebauter Knipsergarantie)

Je nach dem, wie die anderen Personalien laufen könnten zusätzlich natürlich weitere Transfers notwendig werden, wie ich ja in diesem und dem vergangenen Text schon dargestellt habe.
Und natürlich noch die Frage, ob man noch einen weiteren Spieler für das linke offensive Mittelfeld benötigt.

Gedanken, Kritik und Widerspruch sind natürlich in den Kommentaren wie immer sehr willkommen.

Frohe Ostern!