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Spaßbremsen

22 Aug

Es macht mir keinen Spaß.

Es macht mir keinen Spaß, den Spielen des VfB in der Hinrunde zu folgen.

Und es macht mir keinen Spaß, die Diskussionen zu verfolgen, die sich rund um den VfB im Zuge dessen entspannen. Denn es ist doch ohnehin die gleiche Soße jedes Jahr. Der Kader genügt nicht den Ansprüchen für das internationale Geschäft und durch die Sparmentalität der Vereinsführung treibt man den VfB in den sportlichen Abgrund und wird sich mit Sicherheit auf einen Abstiegskampf einrichten müssen.

Verweist man dann darauf, dass das doch vor einem Jahr genau so gewesen sei, dann wird gerne darauf verwiesen, dass doch jetzt aber die Situation ganz anders und viel schlimmer sei. Jetzt würde dem Kader schließlich wirklich die Qualität fehlen, während die anderen groß aufgerüstet hätten, hat man sich wieder nur mit Zweitliga- und anderen Ergänzungsspielern verstärkt.

Warum schaut man nicht mal nach Hamburg? Da hat man schließlich erst für großes Geld zwei hochkarätige Spieler dazu geholt, von denen einem sogar absolut die Zukunft gehört: David Rozehnal und Marcus Berg!

Oh warte, das war ja letztes Jahr.

Aber gut, lassen wir diese Spielereien mal beiseite, schließlich haben wir mit dem 0:2 gegen Mainz heute zum Auftakt einen ordentlichen Schuss vor den Bug bekommen. Dass Mainz mit den Verstärkungen und dieser Offensivkraft aller Voraussicht nach auch diese Saison sicherlich eher in Richtung erster Tabellenhälfte orientiert sein wird, sei an dieser Stelle mal dahingestellt – relevant für die Beurteilung ist es ohnehin nicht.

Ich weiss, Christian Gross ist bei vielen noch mehr oder weniger sakrosankt, aber die Aufstellung, wie sie sich heute darstellte ist meiner Meinung nach nicht dem entsprechend, was der Kader eigentlich kann.

Hinten hat Ulreich heute einen meiner Meinung nach sehr guten Job erledigt und wenn man ihm was wollen würde, könnte man ihm höchstens beim 2:0 vorwerfen, er sei zu weit vorne gestanden – da musste er aber meines Erachtens eigentlich auch stehen, so wie die Flanke erst mal kam. Letztlich war der Kopfball ein wenig glücklich für Rasmussen, dass er so perfekt hinten rein fiel.

Mit den Aussenpositionen gehe ich soweit auch einigermaßen D’accord in Anbetracht dessen, dass Celozzi noch angeschlagen war und auch wenn Molinaro und Degen auch manchmal heute patzten. Ich denke, wenn das Gesamtkonstrukt besser funktioniert, dann werden auch die beiden wieder mehr glänzen (zumindest mal Molinaro).

Es hakte heute allerdings mehr als gewaltig in der Zentrale unserer Defensive, was irgendwie kein Wunder ist, denn das absolute Prunkstück der letzten Saison war heute personell tutto completti anders besetzt. Im Vergleich zur letzten Saison waren dort vier neue Namen:

In der Innenverteidigung sind Delpierre verletzt und Tasci noch hinter seiner Form zurück, so dass mit Niedermeier und Boulahrouz die nominelle B-Lösung hier antrat. Wo im Vorjahr noch Khedira und Träsch die Zentrale vor der Abwehr sauberhielten waren zudem heute mit Gentner und Kuzmanovic ebenfalls zwei „Neue“ aktiv. Klar, alles talentierte Leute, aber eben doch auch einigermaßen normal, dass es an der Abstimmung hapert.

Was ich in diesem Zusammenhang nicht verstehe (von Seiten Gross), sind vor allem zwei Dinge:

Er mag Boulahrouz ja Tasci zu Beginn vorziehen, weil der in Fitnessproblem hat. Aber spätestens zur Halbzeit muss doch Gross erkennen, dass Boulahrouz ein riesiges Sicherheitsrisiko ist – und allerspätestens dann nachdem er auch das zweite Gegentor mitzuverantworten hat. Dass Tasci da nicht mal eine Option zu sein scheint, beunruhigt mich zunehmend…

Die zweite große Frage, die ich mir stelle ist, warum Gross weder heute noch am vergangenen Donnerstag von der Doppelsechs Kuzmanovic/Gentner abgerückt ist. Nachdem er letztes Jahr noch in Interviews kundtat, dass er Träsch für zu wichtig im defensiven Mittelfeld erachte, als dass er ihn auf der RV-Position „verschwenden“ würde, so spielt Träsch mittlerweile überall – nur nicht als Bestandteil der Doppelsechs.
Gerade heute gegen Mainz, wo teilweise unfassbar große Lücken zwischen Innenverteidigung und Mittelfeld entstanden sind, hätte ein Träsch mit seiner Laufstärke und seiner Zeckigkeit hervorragend neben Kuzmanovic (oder meinetwegen neben Gentner – beide waren ähnlich unauffällig) gepasst, um dies auszustopfen.

Ich kann nur hoffen, dass Gross das auch einsieht, und bald die Aufstellung entsprechend ändert. Audel dürfte schließlich bald auch mal für einen Starteinsatz fällig sein und dann könnte man mit dem Franzosen auf links, sowie Gebhart auf rechts antreten.

Im Sturm könnte ich mit der Variante Cacau/Marica durchaus leben, da Marica einigermaßen auffällig agierte (zumindest in Hälfte eins), allerdings fände ich Harnik eben als Variante für einen Starteinsatz neben Cacau auch mal spannend. Einfach um zu sehen, wie das so zusammen klappt.

Ob diese Änderungen mehr Erfolg bringen würden? Garantieren kann ich das natürlich nicht, aber die Änderungen würden für mich definitiv mehr Sinn ergeben, als es die in meinen Augen eher planlose Wechselei von Gross in der zweiten Halbzeit heute gab.

Das Spiel krankte heute vor allem in der Defensive bei uns, aber bis auf den Rotationswechsel Harnik gegen Degen (wodurch Träsch auf die RV-Position zurückrutschte) wurden nur Offensivwechsel vorgenommen. Das Zentrumsquartett, wo es am meisten haperte, wurde hingegen von Gross komplett unberührt verlassen.

Stattdessen wurde noch mit Gebhart einer der offensiv auffälligsten Spieler rausgenommen, was ich mir ebenfalls nur bedingt erklären kann.

Vielleicht verfolgt ja irgendeinen Masterplan, den ich so noch nicht verstehe und der dann bald zum Tragen kommt. Aber solange er mich nicht vom Gegenteil überzeugt, bleibe ich erst einmal bei der Meinung, dass Gross sich da momentan mit der Aufstellung verzockt und nicht das volle Potential der Mannschaft ausschöpft.

Zudem wird es einfach Zeit, dass Delpierre zurückkehrt…

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Der letzte Schritt

4 Mai

Bevor ich hier (etwas) weiter aushole, möchte ich erst einmal auf einen exzellenten Blogeintrag von steph1893 bei Gedanken eines Fans hinweisen. Der Beitrag „Vom Abstiegskampf nach Europa.“ stammt zwar noch aus der vergangenen Woche vor dem Spiel gegen Mainz, ist aber eine sehr gelungene Beschreibung des mentalen Zustands eines VfB-Fans, dem ich mich in sehr weiten Teilen anschließen kann. Sehr lesenswert.

Zum Spiel des VfB selbst kann ich aus den bekannten Gründen leider nicht viel beitragen, da die Liga Total!-Konferenz ziemlich wenig vom Spiel gegen Mainz zeigte und die Spielzusammenfassungen bei Sky und vor allem von Sport1 (im Grunde total überflüssig) keine nennenswerten Erkenntnisse hervorbrachten.

Ein wenig Spiel- und vor allem Stimmungsbericht wird es dann sicherlich in den nächsten Tagen bei Alexis geben, während heinzkamke wohl ebenfalls passen wird, da auch er das Opfer brachte und den Samstag in München weilte.

Lohnenswert sollte sicher auch ein Blick auf die Homepage der Lostboys 99 sein, einer unserer hochverehrten Ultragruppierungen, die in aller Ausführlichkeit die Choreo zum Abschied der Cannstatter Kurve dokumentiert hat. Neben Bildern wird dort dann demnächst auch ein Video zu finden sein, wie es schon bei den ersten beiden Teilen des Abschieds der Fall war.

Ansonsten bleibt natürlich vom Spieltag aus VfB-Sicht vor allem ein leichtes Gefühl der Enttäuschung, aber auch ein sehr positives Ereignis haften.

Dieses positive Ereignis war natürlich die Bekanntgabe der Vertragsverlängerung unseres neuen Wunderstürmers Cacau. Und, wie sollte es anders sein, kaum ist das Vertragsgeschachere zu Ende, schon trifft er nicht mehr… Immer diese Legionäre…

Nein, mich freut’s natürlich, dass wir mit Cacau unseren diese Saison erfolgreichsten Stürmer halten konnten, wenngleich ich vor allem hoffe, dass die Vereinsspitze nach wie vor ein wirtschaftlich sinnvolles Paket geschnürt hat. Denn so sehr ich Cacau schätze, ist er doch eben in den vorangegangenen Jahren selten derart torgefährlich gewesen, wie es derzeit der Fall ist. Okay, wenn er teuer bezahlt wird, aber regelmäßig bis 2014 Knallertorquoten erreicht – ich würde mich dagegen natürlich nicht sträuben.

Die leichte Enttäuschung hat natürlich schon wesentlich unmittelbarer mit dem Spielgeschehen zu tun, das sich da am Samstag in Stuttgart abspielte. Denn, dass gegen Mainz gewonnen würde und damit der Einzug in die Europa League vorzeitig und vor heimischem Publikum gefeiert werden könnte, war eigentlich im Vorfeld klar eingeplant worden. Blöderweise schienen das dann aber auch die Spieler gedacht haben, die sich im schwäbischen Regen nicht so richtig engagiert zeigen und bis auf eine Großchance zu Beginn durch Marica erst einmal vorwiegend die Karnevalisten aus der Rheinstadt südwestlich von Frankfurt gewähren ließen. Dementsprechend logisch war dann auch der Führungstreffer durch Fathi, dessen Hackentor die einzig logische Variante war, um Lehmann in seinem Abschiedsspiel vor heimischem Publikum zu überwinden. Übrigens nach Vorbereitung von Simak.

Und eben jener Jan Simak, der in der Winterpause vom VfB nach Mainz wechselte war dann erneut der Vorlagengeber beim zweiten Tor, das dann der Youngster Schürrle schoss. Naja, die üblichen Geschichten, die der Fußball halt so schreibt. Warum kann er sich nicht vor dem Spiel verletzen, wie Elson beim Spiel von Hannover gegen uns?

Dass es dann doch nicht ganz schlimm wurde, lag dann an Publikumsliebling Ciprian Marica, der mit seinen Saisontoren Nummer 9 (durch eine herrliche Slapstick-Einlage der Mainzer begünstigt) und 10 einmal mehr einen Rückstand drehte.

Leider, leider reichte es nicht mehr zum kompletten Drehen, obwohl die Gelegenheiten in der Schlussviertelstunde wohl noch durchaus da waren.

So aber muss der letzte Schritt dann eben im Saisonfinale in Sinsheim gegen den Traditionsverein aus dem Kraichgau getan werden, dem Gegner bei dem im Hinspiel die Aufholjag auf eben jene internationalen Plätze so richtig losging, dank eines 3:1 Siegs.

Ich mache mir darüber eigentlich keine großen Sorgen, aber hoffe, dass es Gross gelingt, die Spieler dazu auch wirklich zu motivieren dort eine zwingendere Leistung abzuliefern, als es am Samstag über weite Strecken der Fall war. Für Hoffenheim geht es schließlich um nichts mehr, so dass man dort möglichst frühzeitig für klare Verhältnisse sorgen sollte. Alleine schon um ein eigenes Zittern vermeiden zu können…

Auf der anderen Seite steht dann aber immer auch noch der Hamburger SV vor der nicht gerade kleinen Herausforderungen in ihrem Spiel einen Sieg einfahren zu müssen gegen niemand geringeren als die Intimfreunde von Werder Bremen, die ihrerseits wiederum mindestens einen Punkt brauchen, um ihre eigene CL-Qualifikationsplatzierung verteidigen zu können. Zumal: Wenn Gladbach sich auch gegen Leverkusen wieder so willig abschlachten lässt, wie gegen Hannover, dann bräuchte Werder selbst ebenfalls einen Sieg – auch sie stehen also dementsprechend unter Zugzwang, so dass es der HSV dort garantiert nicht einfach haben wird.

Man könnte nun auch noch mal wieder anfangen, die große „Was wäre wenn“-Arie anzustimmen und damit zu hadern, dass ein Sieg gegen Mainz zudem auch noch die Chancen offen gehalten hätte, ein, zwei Plätze nach oben zu rutschen, was jetzt, in Anbetracht dessen, dass der BVB ein Freilos gegen sorgenfreie Freiburger hat, nicht mehr möglich erscheint. Oder wie gut man im Rennen wäre, wenn das Hinspiel gegen Mainz schon nicht durch diesen dämlichen Elfmeter versaut worden wäre.

Aber gut, das führt zu nix. Et is wie et is. Sagt der Eingeborene hier in Köln.

Da gibt es andere Dinge, über die man sich mehr aufregen könnte, wie beispielsweise der Daily Hleb, der dieses Mal rummemmt, weil er an seinem Geburtstag erst nach einer Stunde mit den anderen Kindern im Sandkasten spielen durfte. Bitte, geh nach München, dann kann ich Dich wenigstens aufrichtig Scheisse finden und muss nicht mehr so zwiegespalten sein. Oder über diejenigen VfB-Fans, die in Anbetracht der Transfergerüchte, schon wieder den Abstiegskampf für nächstes Jahr prognostizieren.

Aber ach, das macht doch keinen Spaß und da habe ich jetzt gerade auch keine Lust mehr drauf.

Daher schließe ich mit was Schönem und verweise nochmal auf unseren kleinen Statistikcheck.

Der Hinrunden-Rückrunden-Check: +25 Punkte, +26 Tore

Transfers 2009/2010 (WP): Jan Simak nach Mainz

19 Jan

Heute ist etwas passiert, von dem ich tatsächlich nicht mehr mit gerechnet hätte: Quasi völlig aus heiterem Himmel wurde nämlich heute verkündet, dass der VfB Jan Simak nach Mainz verkauft.

Ganz ehrlich, nachdem sich der Transfer nach Bielefeld zerschlagen hatte, habe ich mich innerlich darauf eingestellt, dass wir neben Bastürk auch noch Simak bis zum Ende der Vertragslaufzeit im Sommer mit „durchschleppen“ müssen.

Dementsprechend froh war ich dann heute über die Botschaft, dass er sich mit sofortiger Wirkung dem FSV Mainz 05 anschließt. Natürlich wäre ich noch froher gewesen, wenn es soweit erst gar nicht gekommen wäre, seinen Weggang herbeizusehnen. Denn eigentlich hielt und halte ich vom Spieler Jan Simak doch ziemlich viel und ich hätte mich sehr darüber gefreut, wenn er es geschafft hätte, seine fußballerischen Qualitäten auch bei uns dauerhaft einzubringen. Doch leider hat das irgendwie nicht so richtig funktionieren wollen. Teils sicherlich darin begründet, dass er schon mit einer Verletzung im Sommer 2008 zu uns kam und teils auch darin, dass der VfB nie „sein“ System gespielt hat, sondern sich meist auf ein 4-4-2 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern fokussiert hat, wodurch Simak nicht die Zentralposition im OM übernehmen konnte, sondern zumeist über Aussen kommen musste, was seiner Spielweise nicht so entgegen kam.

Immerhin war er für ein paar durchaus wichtige Tore im Laufe seiner Zeit gut, aber eben leider nie auf Dauer und eben immer nur punktuell. Dementsprechend bleibt mir nicht viel anderes übrig als ihm viel Glück zu wünschen und zu hoffen, dass er am Bruchweg wieder zu alter Stärke zurückfindet und mehr Chancen bekommt, als zuletzt bei uns.

Mit kolportierten 200.000€ Ablösesumme (zumindest laut Stuttgarter Nachrichten) hat man immerhin noch ein bisschen Geld rausgeschlagen, wenngleich auch nicht die 0,5-1,0 Millionen, die im Rahmen des möglichen Bielefeld-Deals gehandelt wurden. Andererseits, bei einer Restvertragslaufzeit von einem halben Jahr und einem Spieler, der ohnehin kaum noch eine Rolle gespielt hätte, geht das schon in Ordnung sehr, da man so nicht nur einen „unbrauchbaren“ Spieler weniger im Kader hat, sondern ihn zudem auch von der Gehaltsliste.

Wenn jetzt noch Bastürk…

Aber lassen wir das, heute sind schon genug komische Sachen (Slomka?!) passiert…

Notwendigkeiten

14 Dez

In einem meiner früheren Leben war ich, für ca. 5 Jahre, mal als Schiedsrichter aktiv, durchaus erfolgreich und überwiegend hat dies auch recht viel Spaß gemacht. Die meiste Zeit davon war ich natürlich dank meines eigenen, jugendlichen Alters im Jugendbereich unterwegs.
Einer dieser Einsätze führte mich damals zu einer Begegnung zwischen den beiden C-Jugend-Mannschaften des VfL Leverkusen und dem entsprechenden Nachwuchs des 1. FC Köln und blieb in meiner Erinnerung deswegen haften, weil ich dort den unfassbarsten, weil unnötigsten Elfmeter zu sehen bekam (und diesen dann natürlich auch pfeifen musste).
Leider kann ich nicht mehr mit Bestimmtheit sagen welche Mannschaft es genau war, aber auf jeden Fall war es ein Eckball, der von der linken Seite in den Strafraum geschlagen wurde. Dieser Eckball gelangte allerdings direkt zu einem Abwehrspieler der ihn daraufhin in Richtung Mittelfeld klärte. Plötzlich allerdings stieg aus dem Gewühl kurz vor der Strafraumgrenze ein anderer Spieler hoch und gab dem Ball mit der Hand einen zusätzlichen Stoß. Blöd nur eben, dass der Spieler zur verteidigenden Mannschaft gehörte. Ich war dermaßen perplex, dass es noch so zwei, drei Sekunden gedauert haben dürfte, bis ich selbst realisierte, was da geschehen war, um dann eben zu pfeifen und auf Strafstoß zu entscheiden. Der Elfmeter wurde dann natürlich verwandet, aber ob es tatsächlich einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang des Spiels hatte, daran kann ich mich leider nicht mehr wirklich erinnern. Es blieb eben lediglich diese unfassbar unnötige Aktion hängen, die zu dem Elfmeter führte.

Zum heutigen Bundesligaspiel des VfB Stuttgart in Mainz lassen sich für mich nun gleich zwei Brücken schlagen.

Die eine Brücke ist eine eher persönliche. Denn während meiner Zeit als Jungschiedsrichter war ich natürlich auch an der Linie bei Seniorenspielen aktiv und dort unter anderem auch zwei Saisons in der Verbandsliga bei einem sehr talentierten Schiedsrichter – der heute nachmittag beim Spiel in Mainz an der Seitenauslinie vor der Gegentribüne im Einsatz war und bis auf eine große Fehlentscheidung in Sachen Abseits in Halbzeit 2 alles richtig gemacht hat.

Die zweite Brücke ist natürlich leichter zu schlagen und geht natürlich über die offensichtliche, weil spielentscheidende Szene, über die jetzt die ganze Bundesligawelt spricht: Lehmanns Tätlichkeit gegen Bancé, die zum Elfmeter geführt hat, der dann den Ausgleich und zwei verlorene Punkte bedeuteten. Und für mich einen dicken Hals der von hier bis nach London reicht.

Tatsächlich war ich in dieser Saison, glaube ich, noch bei keiner unserer zahlreichen Niederlagen und Remis derart sauer, wie es heute abend der Fall war. Klar, frustriert, enttäuscht und verärgert war ich in dieser Hinrunde schon zuhauf nach dem Schlusspfiff in VfB-Spielen – aber derart wütend und sickig war ich tatsächlich noch nicht. Denn es ist mir einfach vollständig unbegreiflich, wie ein Spieler, der die Erfahrung von fast 400 Bundesligaspielen sowie zahlreichen internationalen Einsätzen auf dem Buckel hat, sich derart verhalten und den -unfassbar wichtigen- Sieg der eigenen Mannschaft aufs Spiel setzen kann.

Wenn Lehmann als Torwart einen Spieler foult, der gerade aufs Tor zuläuft, foulen muss, dann kann ich das ja noch nachvollziehen, aber wenn er in einer Situation, wo er selbst den Ball sicher hat und einen Gegenangriff einleiten könnte, dann eine persönliche Rache an Bancé vollziehen muss, dann ist das einfach nur unsagbar dämlich und aus meiner Sicht auch für den Verein, der einen Sieg heute dringend nötig gehabt hätte, eigentlich nicht hinnehmbar.

Bislang habe ich mich ja doch meistens aus sportlicher Sicht vor Lehmann gestellt und ihn selbst heute während des Spiels noch meinen Eltern gegenüber verteidigt mit den Worten: „Er ist zwar sicherlich ein Arschloch, aber er ist eben unser Arschloch.“
Das war nach der Szene, in der er sich die Schulter hielt, nachdem ihn Ivanschitz im Vorbeilaufen leicht touchierte.

Circa 20 Minuten später will und kann ich das so nicht mehr sehen, sondern würde jetzt vielmehr dafür plädieren, Lehmann gar nicht mehr einzusetzen. Ich mein, die Saison ist eh fürs Klo und mit den internationalen Plätzen werden wir dieses Jahr wohl kaum noch etwas zu tun haben. Von daher können wir jetzt ruhig mal experimentieren und schauen, ob es mit Ulreich vielleicht hinhaut. Für den Klassenerhalt sollte es auch mit ihm sicherlich reichen, schließlich kann er uns auch nicht viel mehr Punkte kosten, als ein Lehmann in dieser derzeitigen Gemütsverfassung, bei der man fast vermuten muss, dass er in dieser Woche ganz schwer an seinem Karriereende bastelt. Denn schon seine Aussagen unter der Woche (die mit Sicherheit nicht ganz ohne einen wahren Kern waren, aber doch eben für einen Arbeitgeber auch nicht hinnehmbar) waren alles andere als fördernd für eine weitere gemeinsame Zukunft – von seiner Weigerung die Geldstrafe zu bezahlen, mal ganz zu schweigen.

Aber, eben, ich habe mittlerweile doch auch kein Problem mehr damit, wenn Lehmann sich nun aufs Altenteil begibt und ein paar Hubschrauberflugstunden nimmt oder was auch immer er so gerne machen möchte.

Tja, und nun haben wir fast 800 Wörter geschrieben, aber so gut wie noch gar nichts über das Spiel an sich.

Aber das Problem ist halt leider, dass die Riesenkrawatte, die ich jetzt habe, alles andere überschattet. Und zudem das Spiel an sich eben leider auch kein so richtig gutes war. Und zudem leider auch wieder so ablief, wie sonst fast immer und es dementsprechend auch nicht viel mehr zu beschreiben gibt, als ich es ohnehin schon zu Dutzenden Spielen in diesem Halbjahr geschrieben habe: Gut begonnen, diesmal sogar wieder mit einem frühen Tor, und dann im Laufe der Spieldauer immer weiter nachgelassen bis es dann eben zum Lehmannschen Fallout kam.

Abgesehen von diesem bekannten, generellen Nachlassen hatte ich aber heute eigentlich nicht das Gefühl, dass es schief gehen würde. Zwar stand der VfB in der zweiten Halbzeit nicht mehr ganz so stark in der Defensive, wie noch im ersten Durchgang, wo man eine wirklich konzentrierte Defensivleistung ablieferte, aber man hatte dann doch auch nicht direkt das Gefühl, dass die Mainzer Offensive genügend Gefährlichkeit besitzen, um das Tor tatsächlich zu machen. Dann gab es aber eben erst die Aktion, wo Bancé in überflüssigem Maße Lehmann attackierte (und dafür nicht mal Gelb bekam) und dann halt leider das andere doofe Ding, was zum Elfmeter führte.

Eine negative Erwähnung muss zum Abschluss leider auch noch Pogrebnyak bekommen. Schön, dass er das Tor mal wieder getroffen hat (nach toller Vorarbeit von Boka, der insgesamt wieder eine gute Leistung ablieferte), aber in der zweiten Halbzeit schien er irgendwie erschreckend unmotiviert. Trottete weitestgehend herum und erhielt dann als Höhepunkt noch beinahe einen Platzverweis für ein sehr unnötiges, überhartetes Einsteigen gegen Polanski. Da hätte aus meiner Sicht Gross eigentlich früher reagieren müssen und ihn gegen Cacau oder Schieber austauschen.

Zum Schluss noch ein Wort zu Bancé:
Oscarverdächtig!