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Humildad.

9 Aug

ES MACHT WIEDER SPASS!

ENDLICH.

In den letzten zwei Jahrzehnten war das Motto des VfB ja in aller Regel „Wir können alles, ausser Saisonstart.“ (oder erweitert betrachtet „Hinrunde“,  wobei das eher nur für die letzten Jahre so gilt). Doch dieses Jahr war mal wieder einer der seltenen Momente, in denen eine Spielzeit mit einem sportlichen Erfolgserlebnis begonnen wurde.

Passend zum neuen Ambiente selbstverständlich, denn schließlich wurde ja unser neues, endlich komplettes Wohnzimmer offiziell eingeweiht am vergangenen Samstag – wie ja nun wirklich allerorten ausgiebig berichtet wurde.

Und man muss sagen: Es ist ein schickes Stadion geworden, das dank der Dachkonstruktion definitiv seinen eigenen Charakter behalten hat. Dazu gibt es dann noch so ein paar kleine Eigenheiten, wie die Turnhalle in der UK oder die Fenster zum Spielfeld hin in den Herrentoiletten der CK und natürlich noch weitere Dinge, die man ganz gut durchdacht hat.

Blick von der UK in Richtung neuer Cannstatter Kurve

Blick von der UK in Richtung neuer Cannstatter Kurve

Einen besseren Eindruck vom Stadiongefühl, speziell aus der Cannstatter Kurve bekommt man übrigens bei heinzkamke, der as usual a grandios Blogbeitrag verfasst hat.

Das Wichtigste allerdings ist natürlich das Geschehen auf dem Platz und nicht das Drumherum. Und auch da konnte man sich als VfB-Fan nicht großartig beklagen. Gründe (zu klagen) hätte man durchaus finden können, aber hey, es war der erste Spieltag, da kann noch nicht alles rund laufen. Und nach dem Verlauf der letzten Saison ist ja ein bisschen Demut ohnehin angebracht (zumindest wenn es nach offiziellem Vereinssprech geht…).

Das Spiel begann wie ein Spiel eben so beginnt nach einer Sommerpause, die man nicht als überlegener Deutscher Meister und ohne großen Personaladerlass hinter sich gebracht hat: Etwas hektisch und fahrig, geprägt von Nervosität auf beiden Seiten.

Glücklicherweise war es in diesem Jahr der VfB, der sich als erstes Team von der Debütnervosität hat lösen können und bald zu ersten Chancen kam. Chancen, die teilweise erschreckend kläglich vergeben wurden, oder wie bei der Schwalbe von Gentner unnötig weggeworfen wurden.

Aber wie gesagt: Demut…

Und immerhin: Trotz einigem Geflippere im Mittelfeld hat man sich diese Chancen erspielt (wenn auch teils durch Zufall). Gegen ein Team, das am Samstag seiner namhaften Besetzung zwar nicht ganz gerecht wurde, aber dennoch viel individuelle Qualität besitzt – hat man doch schließlich keinen relevanten Abgang zu verzeichnen, sondern im Gegenteil mit Fuchs und Holtby zwei starke Zugänge.
So kamen dann auch nach knapp einer halben Stunde die Schalker zu ersten Chancen, darunter zwei, die durchaus vielversprechend waren, aber ihr Ziel verfehlten.

Gerade als die Schalker sich etwas besser ins Spiel fanden, kam der VfB dann allerdings zu einer Ecke – und wie schon beim Pokalspiel gegen Wehen Wiesbaden sollten sich auch am Samstag die Standardsituationen wieder als eine unserer schärfsten Waffen im Arsenal erweisen. Auch dieses Mal wieder von Hajnal geschlagen, fand sie den Kopf von Neuzugang Maza, der sich sehr vehement aber fair im Kopfballduell gegen Papadopoulos durchsetzte und den Ball zum freistehenden Cacau bekam, der ihn ins rund 1 Meter entfernte Tor verlängerte. Cacau stand im übrigen auch deshalb so frei, weil er sich von Lewis Holtby davon stehlen konnte, nachdem dieser von Neuer-Nachfolger Fährmann weggestoßen wurde, um selbst mehr Platz zu bekommen.

Bis zum Pausenpfiff war dann weiter der VfB am Drücker und hätte die Führung durchaus höher gestalten können, hätten die Herren Gentner, Harnik, Cacau, etc. nicht weiter so eklatante Abschlussschwächen an den Tag gelegt.

Aber wie gesagt: Demut…

Die zweite Halbzeit begann dann mit einer personellen Änderung auf Schalker Seite, sowie einer gefühlt strategischen Änderung bei unserem Team. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass man in Hälfte 2 insgesamt ein ganzes Stück tiefer stand und sich vorwiegend darauf verlagerte Konter zu fahren. Keine risikofreie Strategie, zumal man letzte Saison genau deswegen schon häufiger auf die Fresse fiel.

So ein bisschen erkennt man das auch an den beiden folgenden, komplett überladenen Grafiken. Aber Grafiken sind ja derzeit „in“. Da muss man als Blogger auch mal dem Trend folgen.

Spielgeschehen in Hälfte 1

Spielgeschehen in Hälfte 1

Spielgeschehen in Hälfte 2

Spielgeschehen in Hälfte 2 (Quelle: bundesliga.de)

Aber zum Einen stand am Samstag die Stuttgarter Abwehr ziemlich sicher und ließ wenig zu, zum anderen war aber auch die Schalker Offensive unter dem Strich überraschend harmlos. Zudem gelang es dem VfB recht bald nach Wiederanpfiff die Führung auf ein etwas komfortableres 2:0 zu erhöhen.
Auch hier war wieder eine Standardsituation von Hajnal der Ausgangspunkt, nachdem der Ungar einen Freistoß im Halbfeld schnell auf den sprintenden Molinaro passte, der wiederum maßgenau in den Strafraum flankte und mit Martin Harniks Kopf den passenden Abnehmer fand.

Der Rest des Spiels lässt sich dann relativ leicht erzählen: Schalke drückte auf einen Anschlusstreffer, ohne dabei wirklich druckvoll zu agieren oder gar gefährlich zu sein, während der VfB sich darauf konzentrierte die Bälle halbwegs vom Strafraum wegzuhalten (was meist gelang und ansonsten waren Maza, Tasci oder Ulreich da) und gelegentlich mit einem Konter die gegnerische Defensive ebenso wie das eigene Unvermögen im Abschluss bloß zu stellen.

Aber: Demut… sagte ich schon, oder?

Erst kurz vor Schluss gab es dann noch einmal einen wirklich erwähnenswerten Moment, als Kuzmanovic einen genialen Diagonalpass [=> vgl. Delpierrsche Diagonale, die] auf den kurz zuvor eingewechselten Shinji Okazaki schlug, der erst den hochgelobten Fuchs (der an allen drei Toren eine gewisse Mitschuld trug) aussteigen ließ, bevor er den Ball mit einem wundervollen Strahl ins lange Ecke drosch.

Damit war der Deckel auf einem Spiel drauf, das so in der Nachbetrachtung irgendwie seltsam wirkte. Einerseits war Schalke weder gefühlt, noch von den statistischen Werten so drastisch unterlegen, dass ein 3:0 zwingend war. So gab es für Schalke auf der statistischen Habsenseite zum Beispiel 15 zu 14 Torschüsse , 51,9% gewonnene Zweikämpfe, 51,7% Ballkontakte und drastische 25 zu 4 Flanken zu verzeichnen.

Andererseits sagt eben die reine Quantität der Werte absolut nada über die Qualität der Situationen aus (fragt mal bei den Münchnern nach…) und so hätte sich Schalke gefühlt auch nicht über eine 5:0-Packung beschweren können, wenn man einige Situationen im Hinterkopf hat, wo Stuttgarter frei vor dem Tor standen…

Vor allem in Halbzeit 2 war ja wie erwähnt die Defensive vor allem gefordert.
In erster Linie stand dabei Sven Ulreich im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit, der in der letztjährigen Hinrunde insgesamt dreimal zu Null spielte, wobei das die beiden absoluten Freakspiele gegen Mönchengladbach (7:0) und Bremen (6:0) beinhaltete. Jetzt startet er direkt mit einem „Shutout“ und bekam durchaus zurecht verbales Lob der Untertürkheimer Kurve in Form von Sprechchören, schließlich waren da ein paar durchaus gute Paraden dabei, die nicht selbstverständlich gehalten werden mussten. Bzw. von denen der eine oder andere Ball vor einem Jahr vermutlich noch reingegangen wäre (um hier mal haltlose Behauptungen aufzustellen, die meine Argumentation scheinbar untermauern, aber doch nix aussagen…).
Insgesamt musste er jedenfalls von den 15 abgegebenen Torschüssen bei 9 eingreifen, auch wenn nicht jeder Schuss/Kopfball wirklich gefährlich war.

Einen ebenso großen Anteil am Zu-Null-Spiel wie Ulreich hatte aber sicherlich auch die im letzten Jahr zurecht oft gescholtene Abwehrreihe an diesem Samstag. Personell gab es im Vergleich zum Quasi-Stammpersonal der Rückrunde dabei trotz all des Buheis in den letzten Wochen effektiv lediglich eine Veränderung: Maza spielte an Stelle des verletzten Niedermeiers in der Innenverteidigung. Seine drei Nebenleute waren allerdings mit Molinaro, Boulahrouz sowie IV-Partner Tasci schon in den ersten Monaten von 2011 regelmäßiger im Einsatz.
Der mexikanische Neuzugang fügte sich direkt mal prächtig ein und zeigte am Samstag deutlich, dass er eine Verstärkung sein kann. Vor allem in der zweiten Halbzeit zeigte er sich mehrfach als „Turm in der Schlacht“ und entschärfte diverse Flanken und Standardsituationen in Strafraumnähe durch Kopfbälle und Befreiungsschläge. Bedenkt man, dass wir  gerade bei Standardsituationen im letzten Jahr häufig schwammen könnte seine Kopfballstärke und auch Ruhe in dieser Hinsicht Gold wert sein. Zudem hatte er mit 68,4% die besten Zweikampfwerte des Teams. Ein Tor bereitete er zudem vor.
Aber auch der oft kritisierte Serdar Tasci spielte am Samstag eine sehr starke Partie und sorgte mit dafür, dass der Strafraum in der Regel in Stuttgarter Hand war und nur selten gefährliche Situationen in Tornähe zustande kamen.

Die beiden Aussenverteidiger Boulahrouz und Molinaro lieferten ebenfalls mindestens solide Leistungen ab, wobei der Italiener natürlich den auffälligeren Auftritt hatte, als er das 2:0 per maßgenauer Flanke vorbereitete. Im Übrigen die einzige Flanke (von nur 4), die ein Stuttgarter zum Mitspieler brachte. Effektivität nennt man das wohl.
Boulahrouz hingegen knüpfte in erster Linie an seine Leistungen der Rückrunde an, was bedeutet, dass er bestätigte eine ordentliche Option für rechts hinten zu sein, mit der wir über die Runden kommen würden – aber eben nur, wenn sich defensiv niemand mehr verletzt oder gesperrt wird. Realistisch ist das nicht…

Wenn man von Defensivverbund spricht, muss selbstverständlich auch die Doppelsechs erwähnt werden, die von Kuzmanovic und Kvist gebildet wurde. Hier stand natürlich vor allem der zweite Neuzugang, William Kvist, im Fokus, der so etwas wie der Königstransfer dieser Sommerpause sein dürfte.
Laut Eigenaussage steht er vor allem dafür, den einfachen Pass zu spielen und nicht zu zaubern. Und tatsächlich hatte ich im Stadion den Eindruck, dass er bei 90% der Aktionen mit dem Rücken zum gegnerischen Tor stand. Das ist statistisch nicht ganz belegbar, allerdings hat er rund die Hälfte seiner Pässe tatsächlich quer oder nach hinten gespielt.

Passübersicht von William Kvist

Passübersicht von William Kvist (Quelle: bundesliga.de)

Trotz des vorwiegenden Sicherheitsdenkens deutete er allerdings auch an, dass er durchaus auch offensiv sinnvoll agieren kann. So gab es ca. in Minute 65 eine Situation, in der Kvist aus der Bedrängnis raus einen Zuckerpass die Linie entlang schlug, den leider Gentner (oder evtl. Harnik) nicht ganz vernünftig verarbeiten konnte, sonst wäre daraus eine exzellente Konterchance entstanden. Mehr zu Kvist wird es in den nächsten Tage in zwei separaten Texten geben.

Wer in der öffentlichen Wahrnehmung hingegen ein wenig zu kurz kam, war sein Nebenmann Kuzmanovic, der am Samstag eine starke Partie ablieferte. Der Serbe zeigte sich extrem passsicher (31 von 35), dazu sehr einsatzfreudig (64,3% gewonnene Zweikämpfe, mit 11,5km die höchste Laufleistung des Teams) und krönte seine Leistung mit dem oben schon erwähnten Zuckerpass auf Okazaki vor dem 3:0.

In der Offensive war wie zu erwarten natürlich einmal mehr Hajnal die Schaltzentrale. Auch wenn er im laufenden Spiel nicht ganz so brillierte, war er sehr aktiv, und glänzte vor allem wieder einmal mit seinen Standardsituationen, die sich in dieser Saison bislang zur echten Waffe entwickeln. 4 der 5 Pflichtspieltore resultierten bislang direkt oder indirekt aus seinen Ecken oder Freistößen!

Auch Harnik knüpfte im Guten, wie im Schlechten an die Leistung im Pokalspiel an: Überaus bemüht, sich immer wieder Chancen erspielend, aber auch sehr unglücklich im Abschluss. Glücklicherweise konnte er dann aber letztlich doch zumindest ein Tor für sich verbuchen, so dass hier zumindest keine Serie entsteht, an der sich Fans und Presse aufhängen könnten. Im Übrigen sein erstes Kopfballtor in 50 Bundesligaspielen.

Ein Kopfballtor erzielte auch die einzige Spitze Cacau. Hier ist es ebenfalls sehr gut, dass er zumindest einen Torerfolg für sich verbuchen konnte, nachdem er im Pokalspiel sehr glücklos und auch ohne Anbindung ans Spiel des restlichen Teams wirkte. Letzteres bestätigte sich am ersten Spieltag nicht wirklich, die Glücklosigkeit im Abschluss setzte sich allerdings teilweise fort. Zumindest bis zur Rückkehr von Schieber hoffe ich, dass er nicht mal wieder in eines seiner berüchtigten Löcher fällt, sondern aus dem Erfolg vom Samstag und vermutlich auch dem Länderspielerlebnis am Mittwoch gegen Brasilien Selbstvertrauen und Spielfreude ziehen kann.

Von den drei Einwechselspielern zog naturgemäß der Torschütze Okazaki die meiste Aufmerksamkeit auf sich – durchaus zurecht, erzielte er doch ein wunderschönes Tor. Er sorgte auch für mein persönliches Bild des Tages, als er lange nach Abpfiff als einer der letzten VfB-Spieler noch auf dem Rasen stand und zur Leinwand hochschaute, wo sein Tor in der Wiederholung gezeigt wurde. Seinen Gesichtsausdruck hätte ich gerne von Nahem gesehen…

Zum dritten Neuzugang, der am Samstag eingesetzt wurde, Ibrahima Traoré vielleicht noch ein kurzes Wort: Vielleicht wird man mir diesen Satz irgendwann mal um die Ohren hauen, aber ich sehe nicht, dass er sich bei uns dauerhaft etablieren wird. Taktisch wirkt er zu naiv, verliert in dummen Dribblings in der eigenen Hälfte den Ball und ist zudem alles andere als robust im Zweikampf (auch wenn er mich einmal positiv überraschte, als er einen Schalker Spieler blockte).

Aber wir werden sehen. Wichtig ist erst einmal, um zum Beginn zurückzukehren, dass der VfB wieder Spaß macht! Die Kritik kann erst einmal hintenangestellt werden, sofern die Mannschaft auf den bislang gezeigten Leistungen aufbauen kann.

Und ohnehin hat man sich als VfB-Fan schließlich in Demut zu üben, daher erwarten wir für kommenden Samstag mal nicht allzu viel. Schließlich geht es gegen die Bayernbezwinger vom Niederrhein, die am Sonntag einen beeindruckenden Defensivbeton angerührt haben. Ich bin gespannt, wie der VfB mit einer solchen Mannschaft umgehen kann, die Qualität der Standards gibt auf jeden Fall Hoffnung.

Und wenn ich dann daran denke, in welchem psychischen Zustand ich mich bei der letzten Begegnung beider Teams im vergangenen Februar befand, dann fällt es tatsächlich nicht schwer, Demut an den Tag zu legen…

PS: Tabellenführung, bitches!

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Lobbyarbeit

17 Okt

Wer hier halbwegs regelmäßig mitliest wird sicherlich schon mitbekommen haben, dass ausführliches Schiedsrichter-Bashing hier in der Regel kein Forum findet. In erster Linie hat das natürlich damit zu tun, dass ich selbst mal einige Jahre lang Schiedsrichter war und dementsprechend einschätzen kann, wie schwierig gewisse Situationen zu entscheiden sind, besonders wenn es sich um Abseitsentscheidungen handelt, wo die Linienrichter eben nicht die Zeitlupen des Fernsehzuschauers zur Verfügung haben, sondern gleichzeitig das Abspiel, sowie die in der Regel gegenläufigen Bewegungen der Verteidiger und der Angreifer im Auge behalten muss (von sonstigen Geschehnissen wie möglichen Fouls mal ganz abgesehen).

Dieses Verständnis stößt allerdings natürlich an gewisse Grenzen, wenn man als Fan mit ansehen muss, dass Fehlentscheidungen zu neuralgischen Zeitpunkten eines Spiels das Endergebnis vermutlich maßgeblich beeinflussen. Zumal sich der eigene Verein derzeit in einer mehr als misslischen Tabellenlage befindet und ein entsprechend anderes Resultat erst einmal erheblich zur Verbesserung der allgemeinen Stimmungslage und auch erst einmal der Tabellenlage geführt hätte.

Nun ist natürlich alle Theorie grau und das was-wäre-wenn-Spiel doch eher müßig, schließlich soll man ja nicht über vergossene Milch weinen. Aber einen sehr unangenehmen Beigeschmack, ein Geschmäckle, hat das ganze dann eben doch in meinen Augen, wenn man bedenkt, wie im Vorfeld des Spiels Trainer/Manager Magath über die Presse seine Meinung über die gemeine Benachteiligung Schalkes durch die deutsche Schiedsrichtergilde lautstark kund tat.

Ob das nun in direktem Zusammenhang zu sehen ist, dass es erst diese Äußerungen mit einigermaßen großem medialen Echo gab und dann ein reguläres Tor von Stuttgart, das abgepfiffen wurde sowie einen Elfmeter, den man nicht hätte geben dürfen, weil der Gefoulte selbst im Abseits stand? Oder ob es doch eher reine Koinzidenz war? Beantworten wird man das selbstverständlich letzten Endes nicht, so dass ich hier nicht mehr als den verschrobenen und zu belächelnden Verschwörungstheoretiker geben kann.

Schließlich kann man bei den beiden fragwürdigen Entscheidungen immer noch einwenden, dass sie eben nur höllisch schwer erkennbar waren. So war ich selbst beim vermeintlichen 2:0 im Stadion verdammt sicher, dass es klar Abseits war und auch die Abseitsstellung von Metzelder vor dem Elfmeter habe ich nicht gesehen (was aber auch daran lag, dass ich das Foul selbst nicht gesehen habe, da es quasi abseits des Spielgeschehens stattfand – wobei sich der Assistent, der in diesem Fall das Foul anzeigte, schon sicher sein sollte, dass so ein Foul dann auch ein wirkliches Foul ist…)

Was ich aber als wirklich starkes Indiz dafür werte, dass Magath mit seinen Ablenkungsmanövern in Sachen Schiedsrichterschelte zumindest intern auf sehr fruchtbaren Boden traf, war die in meinen Augen absolut irrwitzige Tatsache, dass das Schiedsrichtertrio nach den ersten 45 Minuten (in denen es eben das eigentlich reguläre Tor des VfB gab) mit gellenden Pfiffen und „Schieber, Schieber“-Rufen in die Kabine begleitet wurden, obwohl zuvor nun wirklich rein gar nichts dramatisches zu Ungunsten der Königsblauen vorgefallen war.

Das spricht dann schon durchaus Bände…

Dass ich nicht weiter auf das Spiel eingehe, schiebe ich jetzt erstmal auf meine immer noch verletzte Hand (die tut nach rund 550 Wörtern doch etwas schmerzen). Ich werde das allerdings morgen oder so an anderer Stelle (sprich: bei spox – EDIT: hier klicken) nachholen. Zu sagen gibt es schließlich durchaus noch ein paar Dinge, die sich mehr auf den sportlichen Aspekt beziehen. Im grünen Bereich war das schließlich bei weitem noch nicht, auch wenn wir eben unter normalen Umständen das Spiel mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit gewonnen hätten.

Der Heldt vom Erdgasfeld

2 Jul

In den vergangenen vier Jahren zählte der VfB Stuttgart mit den Platzierungen 1, 6, 3 und 6, dem Erreichen eines DFB-Pokalfinals, sowie der jeweils zweimaligen Qualifikation für Champions League und UEFA-Cup (bzw. Europa League) unbestreitbar zu den absoluten Topclubs des deutschen Profifussballs. Einhergehend damit war zudem eine (weitere) wirtschaftliche Gesundung und ein kontinuierlicher Anstieg der durchschnittlichen Zuschauerzahl (mit baubedingter Ausnahme der letzten Saison). So kann man insgesamt in der Zeit seit 2006 von einer richtiggehenden Erfolgsgeschichte im Schwabenländle sprechen.

Relativ eng verbunden ist dieser Erfolg sicherlich unbestreitbar mit einem Namen: Horst Heldt.

Der Ex-Manager in spe [Q: vfb.de]

Heldt - Der Ex-Manager in spe (Quelle: vfb.de)

Nach rund 4 Jahren als Spieler stieg er in der Winterpause 2006 zum Sportdirektor auf und konnte sich schon einen Monat später einen Namen machen, indem er den damaligen Trainergott Giovanni Trappatoni kickte und im Zuge dessen seinen Favoriten Armin Veh beim Vorstand durchsetzte – der dann ja bekanntermaßen in der Saison darauf, der ersten kompletten Saison mit Heldt als Sportdirektor, Deutscher Meister mit dem VfB wurde und das Pokalfinale erreichte.

Auch als Veh wegen Erfolgslosigkeit gefeuert werde musste, verhielt er sich relativ geschickt und fällte die richtige Entscheidung mit der Beförderung seines Intimus Babbel, der die Mannschaft auf Platz 3 und wieder in die Champions League brachte. Dementsprechend war die Beförderung Heldts in den Vorstand des VfB eine durchaus angebrachte Belohnung in dessen Zug Heldt auch direkt mal seinen Vertrag um vier Jahre bis 2013 verlängern ließ.

Und selbst die Trennung von eben jenem mit ihm befreundeten Babbel, die durchaus nicht wenigen zu lange dauerte, bachte ihm allgemein durchaus noch einigermaßen viel Respekt ein, zumal Nachfolger Gross dem Team dann wieder ordentlich Leben einhauchen konnte.

Wie oben erwähnt also im Grunde alles eine richtig schöne Erfolgsgeschichte.

Und doch hat sich Horst Heldt nun entschieden, das Weite zu suchen und sein Glück bei einem Verein zu suchen, der in der abgelaufenen Saison zwar bedeutend besser abgeschlossen hat als der VfB – was aber gleichzeitig auch eher die Ausnahme darstellt. Von den gemeinhin in der Presse kolportierten immensen finanziellen Problemen, mit denen dieser Verein zu kämpfen hat, mal ganz zu schweigen. Das kann ich ohnehin nicht wirklich beurteilen, so als Aussenstehender… (Sollte allerdings nur die Hälfte daran wahr sein, was so berichtet wird, dann… Nuja…)

Nun fühlt er sich also „unterbezahlt und nicht genügend wertgeschätzt“, wenn man der einschlägigen Presse Glauben schenken darf, die die Meldung am Mittwoch vergangener so mir nichts, dir nichts platzen ließ.

Das ist insofern schon mal relativ aufrichtig, dass er tatsächlich erwähnt, dass es ihm zu wenig Kohle ist, die er in Stuttgart verdient. Da ich keine Ahnung habe, welche Zahl auf seiner monatlichen Gehaltsabrechnung so erscheint (größer als meine wird sie sicherlich sein), kann man da natürlich ganz schwierig etwas zu sagen. Es erscheint vor dem Hintegrund der -kolportierten- Finanzlage der Schalker allerdings schon ein wenig kurios, dass er sich dann ausgerechnet für diesen Verein entscheidet. Aber wer bin ich, da zu urteilen?

Das Thema mit der Wertschätzung ist dann allerdings noch mal ein ganzes Stück komplexer.

Ich muss ihm insofern sicherlich recht geben, dass er bei den Fans nie die riesige Wertschätzung erfahren hat, die man in Anbetracht der durchaus großen Erfolge in seiner Amtszeit als Aussenstehender vielleicht vermuten könnte. So trägt er bei vielen Fans eher weniger schmeichelnde Spitznamen wie „Der KFZ-Lehrling“ oder „Shopping-Hotte“ und auch wenn Heldt vermutlich eher selten die diversen Internetforen durchliest, so wird er sicherlich durchaus auch mitbekommen haben, dass das Fanvolk nicht einheitlich alles gutheisst, was er in den vier Jahren beim VfB so geleistet hat.

Das hängt einerseits natürlich mit den Saisonverläufen zusammen, die zwar am Ende alle immer ein durchaus akzeptables Ergebnis hervorbrachten mit der jeweiligen Qualifikation fürs internationale Geschäft, aber zwischendurch auch immer wieder leichte bis mittelschwere Depressionen auf Seiten der Fans verursachten. Wenn man im Laufe der Saisons jeweils immer wieder droht in die Bedeutungslosigkeit der Plätze um Hannover und Frankfurt zu fallen (oder wie in dieser Spielzeit sogar noch schlimmer bei Bochum und Nürnberg), dann fordert das natürlich Fragen heraus, schließlich muss es doch für eine Mannschaft eigentlich möglich sein eine Saison mal annähernd konstant zu spielen.

Und da kommen wir dann natürlich direkt zum zweiten Thema und dem was Heldt am häufigsten vorgeworfen wird: Seine Qualitäten bei der Kaderzusammenstellung.

In seiner ersten richtigen Transferphase schuf er mit der Verpflichtung von Danijel Ljuboja direkt einen verhältnismäßig teuren Problemfall, der den VfB noch über Jahre beschäftigen sollte, trotz mehrerer Leihen. Dennoch war diese erste Transferphase einigermaßen erfolgreich, gingen so doch mit Pardo, Osorio, Hilbert und Boka gleich vier Spieler auf „sein“ Konto, die dem Verein über Jahre hinweg sehr wichtig sein sollten (plus Da Silva mit Abstrichen für eine Saison).

Das „Grauen“ vieler Fans begann dann so richtig allerdings erst im Jahr darauf, als er zumindest mitverantwortlich im Sommer ’07 für zwei Transfers war, die Unmengen an Geld verschlungen haben, ohne einen halbwegs adäquaten Gegenwert erzielt zu haben: Die Verpflichtungen von Yildiray Bastürk und Ciprian Marica, der zwar zumindest allmählich ins Rollen zu kommen scheint, aber seinerzeit eben eine Rekordablöse gekostet hat. Und auch die Verpflichtungen von Gledson und Raphael Schäfer in der selben Saison stellten sich eher als Missverständnise heraus.

Auch im Jahr darauf gab es mit Simak einen Transfer, der von vielen Fans sehr kritisch gesehen wurde (vor allem im Zusammenhang mit der vorherigen Bastürk-Verpflichtung), während er gleichzeitig mit Gentner und Beck zwei junge talentierte Spieler ziehen ließ, die nicht wenige Fans sehr gerne weiter mit dem Brustring auflaufen hätten sehen wollen.

Erneut ein Verkauf erhitzte im letzten Jahr dann wieder viele (wenn nicht fast alle) Fan-Gemüter und zwar der Rekord-Transfer von Mario Gomez. Zwar kann man hier für den eigentlichen Verkauf nicht viel an Heldt meckern (auch wenn es viele taten, weil die Ablöse für viele zu niedrig erschien), aber viel Streit und Ärger auf Fanseite entzündete sich dann erneut an der in den Augen vieler sehr unzufriedenstellend gelaufenen Nachfolgersuche, die als ein langes Hickhack mit vielen Namen und wenig Ergebnissen (ich sach nur Ba, Huntelaar, Helmes, Love, etc.) erschien und bei der Heldt nicht die glücklichste Figur ablieferte.
Mit dem Einkauf Pogrebnyaks konnten diese wütenden Seelen denn auch nur mittelprächtig abgekühlt werden.

Und trotz all dieser Dinge, die ihm zumindest von Teilen der Fans angekreidet wurde, muss man es doch auch einfach so sehen, dass ein Manager immer auch eine streitbare Figur ist, vermutlich sein muss. Ich nehme mal an, dass selbst der Bremer Manager Klaus Allofs unter den eigenen Fans nicht immer nur Zustimmung bekommt für seine Entscheidungen. Ich sag nur Carlos Alberto.

Aber das ist eigentlich völlig normal, schließlich hat kein Fußballmanager der Welt eine 100% reine Weste was Erfolge bei Transfers angeht.

So oder so, war ich persönlich eigentlich immer recht zufrieden mit Heldt als Manager – die Bilanz unter dem Strich stimmte, wie oben geschildert, ja eben doch immer.

Nichtsdestotrotz gab es etwas, was auch mich immer leicht irritierte. Mit relativ großer Regelmäßigkeit tauchten nämlich durchaus immer wieder Gerüchte auf, die ihn mit anderen Vereinen in Verbindung brachten, wie beispielsweise schon früher mit Schalke, mit dem Hamburger SV oder auch zu Magath-Zeiten mit Wolfsburg.

Das alleine wäre dabei nicht sonderlich irritierend, denn so läuft nun mal das Geschäft und ich habe es meistens auf die Medien abgeschoben, die doch eh nur für Unruhe sorgen wollen. Irritiert hat mich dabei vor allem, dass es bei keinem dieser Gerüchte, sofern ich das recht rekapituliere, mal ernsthafte Dementis von Seiten Heldt gegeben hat. Stattdessen scheint Heldt das im Gegenteil immer ganz recht gewesen zu sein, um den eigenen Marktwert zu erhöhen.

Nun hat ihm das Schachern intern wohl scheinbar nicht mehr ausgereicht und er scheint sich jetzt entschieden zu haben, sein Glück woanders zu suchen. Schade, aber so ist es dann wohl.

Es wird natürlich schon einige dreckige Wäsche gewaschen, die über das hinausgeht, was ich in diesem Eintrag erwähnt habe, aber das ist bei der Art und Weise des Abgangs natürlich kaum anders zu erwarten.

Der VfB muss sich nun aber -neben der Frage der Ablösesumme, die auf jeden Fall nötig sein MUSS, liebe Schalker- vor allem mit der Neubesetzung seiner Position befassen müssen – zu einer Zeit, in der eben jener Manager eigentlich mit am aktivsten sein müsste. Noch einmal explizit vielen Dank dafür, Herr Heldt.

Namen machen in der Presse schon einige die Runde, wobei sich mit Fredi Bobic ein relativ klarer Favorit herauskristallisiert zu haben scheint, gefolgt von Andreas Müller – dem Ex-Schalker.

Ginge es nur um die beiden Namen würde ich relativ klar für Bobic votieren, da ich die Rogon-Kungeleien von Müller keinesfalls beim VfB haben möchte. Allerdings muss es Bobic aus meiner Sicht auch nicht wirklich sein – auch wenn ich nicht viel mehr gegen ihn einzuwenden habe, als dass ich seinen Erfahrungen aus Bulgarien nicht wirklich traue, ausreichend Qualifikation zu sein.

Daneben geistern natürlich die Namen diverser alter VfB-Haudegen durch die Gazetten, wie beispielsweise Buchwald oder Müller, wo es mich zugegeben tendentiell aber eher schüttelt. Vor allem bei ersterem.

Mein persönlicher Favorit wäre im Übrigen, wenn ein neuer Manager denn VfB-Stallgeruch haben muss, Gerhard Poschner, der insgesamt einen ganz guten Job bei Real Saragossa gemacht zu haben scheint und sich dort sicherlich einige Erfahrungen und ein gewisses Netzwerk aufbauen konnte. Eine weitere Alternative mit der ich vielleicht leben könnte wäre wohl Jan Schindelmeiser, der Ex-Hoffenheim-Manager. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob er sich in die beim VfB vorhandenen Strukturen neben Jochen Schneider & Co einordnen könnte, oder ob er von Hoffenheim nicht zu viele Freiheiten gewohnt ist.

Durch diese Personalie hat die VfB-Sommerpause auf jeden Fall mal wesentlich mehr Farbe bekommen, als man es vorher von ihr erwarten konnte. Nötig war das nicht, aber damit müssen wir jetzt scheinbar leben. Eine komplett ruhige Sommerpause wäre ja auch zu schön gewesen.

Dennoch werde ich mich jetzt erst einmal bis auf Weiteres wieder in den Sommerschlaf begeben und mit dem Bloggen weitermachen, wenn es in Richtung Bundesligastart geht. Bis dahin wird es hier -sollte es nicht große Ereignisse geben- erst einmal wieder ruhig bleiben (mit einer Ausnahme).

Daher wünsche ich weiterhin viel Spaß beim Rest der WM. Auf einen klaren Sieg gegen Argentinien!

brustring zum Nachhören

23 Sep

Seit dem Bundesligastart entsteht ungefähr im Zweiwochenrhythmus in der Müchner Küche des geschätzten Bloggerkollegen probek ein Podcast zum Thema Fußball im Allgemeinen und der Bundesliga im Speziellen.

Viele tolle Blogger haben schon ihre fundierten Meinungen zu ihren Vereinen und anderen Themen dort per Skype- oder Telefonzuschaltungen kundgetan – und gestern gelang es auch mir mich mal soweit aufzudrängen, dass probek auch mich zur aktuellen Stuttgarter „Krise“ interviewte. Und auch wenn ich nix wirklich Neues erzählen konnte, so konnte ich mir doch zumindest ein bisschen Selbsttherapie betreiben (und die Gesamtdauer des Podcasts auf eine absurde Dauer hochschrauben =)).

Neben mir äusserten sich auch noch mars zur Wiedergeburt des 1. FC Köln und Torsten Wieland zur sportlichen, wie wirtschaftlichen Situation des FC Schalke. Darüber hinaus gibt es noch einen interessanten Einspieler von Jürgen Kalwa zum Magazin „Spielmacher“, das von mehreren Bloggern quartalsweise herausgegeben wird.

Viel Spaß beim Hören.

Ab ca.    1:40min – 1. FC Köln
Ab ca. 24:40min – FC Schalke 04
Ab ca. 50:40min – VfB Stuttgart (<- das bin ich)
Ab ca. 73:40min – Einspieler „Spielmacher“

Kommentare zum Podcast an sich bitte zentral bei probek.
Inhaltliches Feedback zu meinen Ansichten kann natürlich auch gerne hier gegeben werden.