Die Neuen 2010/11 (7): Mauro Camoranesi

2 Sep

Das Transferfenster ist zu. Und nachdem der Königstransfer Petric leider, leider nicht funktioniert hat, ist nun also die Verpflichtung von Ex-Weltmeister Mauro Camoranesi wohl der Transfer, mit dem insgesamt vermutlich die meisten Hoffnungen verbunden sind. Und wohl eben so viele Befürchtungen.

So oder so ist der Mann, der 8 Jahre lang für Juventus Turin in der Serie A gespielt hat, sicherlich der mit Abstand prominenteste Spieler unter den 7 Neuzugängen, die zum Kader des VfB Stuttgart in diesem Sommer hinzugestoßen sind.

163 Einsätze in der Serie A (das Jahr bei Verona nicht mitgezählt), 45 Champions Leaue-Spiele, 55 Einsätze für die italienische Nationalmannschaft, einmal italienischer Meister, einmal Weltmeister – das sind die groben Rahmendaten des 33jährigen, der im rechten offensiven Mittelfeld beheimatet ist und als Flügelspieler klassischer Prägung gilt.

Torgefahr ist allerdings nicht unbedingt seine Stärke, kommt er in dieser Zeit doch „nur“ auf 19 Liga-Tore und 20 Assists. Das auf 8 Jahre verteilt ist ein… sagen wir mal ausbaufähiger Wert.

Das größte Problem, dass von vermutlich den meisten VfB-Fans ausgemacht wurde, ist bei Camoranesi allerdings wohl sein mit fast 34 Jahren (im Oktober) für einen Profifussballer schon einigermaßen fortgeschrittenes Alter und der damit verbundene körperliche Zustand. Das kann ich natürlich auch nicht wirklich beurteilen, aber selbst in der vergangenen Saison kam er immerhin noch auf 24-Ligaeinsätze (wenn auch 10 davon nur als Einwechselspieler), bzw. insgesamt knapp 1300 Spielminuten in der Serie A. Ganz schlecht kann es um ihn also nicht bestellt sein.

Der relevantere Punkt, warum Camoranesi eine Verstärkung werden kann, ist aber sicherlich die mit eben jenem Alter verbundene Erfahrung, die für die insgesamt aus recht vielen jungen Spielern zusammengesetzt ist, durchaus wichtig sein kann. Gerade im Mittelfeld, wo mit Audel der älteste Spieler zarte 26 Jahre alt ist (den schon unfassbare 28 Jahre alten Elsón mal ausgeklammert).

Zugegeben, ein paar Jahre weniger hätten es sicherlich auch getan, da man mit einem 28-30 Jahre alten Spieler etwas langfristiger gedacht hätte – aber gut, nun müssen wir mit dem leben, was uns die Vereinsführung vorgesetzt hat. Zumindest die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen scheinen durchaus in Ordnung zu sein, wenn man den in der Presse verbreiteten Angaben trauen kann: Keine Ablösesumme scheint bestätigt zu sein, in Anbetracht der Tatsache, dass Turin den Vertrag auflöste. Beim Gehalt gehen die Meldungen wie üblich etwas auseinander, aber wenn die 2,5-3 Millionen stimmen, dann wäre das einigermaßen adäquat wie ich finde.

Nun, die offenen Fragen, die die Personalie umschwirren, werden letztlich erst im Laufe der nächsten Wochen beantwortet werden, wenn sich dann aufm Platz zeigt, ob der gebürtige Argentinier wirklich nur ein Panikkauf ist, wie hier im Blog schon vermutet wurde, oder doch oben erwähnter Königstransfer.

Aber selbstverständlich hindert mich das natürlich nicht eben diese Fragen dennoch an einen Juve-Fan zu stellen, der Camoranesi gut kennt. Erfreulicherweise habe ich mit Rav, Betreiber der Seite juvefc.com, jemanden wirklich kompetenten und zudem auch sehr netten gefunden. Weiterer Vorteil: Er ist Engländer, was die Verständigung doch sehr leicht macht.

Ich habe mich dazu entschieden, dieses Mal wieder einfach nur den Originaltext einzukopieren, da ich die Antworten sehr gut geschrieben finde und die Übersetzung dem vermutlich nicht gerecht werden würde. Zudem dürften die meisten Leser mit Englisch ja doch ziemlich gut zurecht kommen. Sollte aber jemand Schwierigkeiten haben, bin ich gerne bereit, in den Kommentaren noch eine entsprechende Übersetzung zu bieten.

Mauro Camoranesi was with Juve FC for 8 years. What were your feelings when you heard that his contract was released and he will be moving to another club? Do you regret loosing a great player or do you wish him goodbye, since his time was over anyway (24 matches last season, including 10 as a sub)?

I first heard that Mauro would be leaving Juventus soon after the appointment of the new Juventus coach Luigi Del Neri, at the start of the summer. While Del Neri likes to use wingers in his preferred 4-4-2 formation, it soon became clear that Camoranesi didn’t feature in his plans and would be one of the first of the ‚Old Guard‘ to leave the club after many years of service. In all honesty, my initial feelings were very mixed – A large part of me was very sad to see a player of his stature leave the club, especially as he was one of a select few that opted to stay with Juventus during our season in ‚Purgatory‘ (Serie B – The 2nd division of Italian football) – His commitment to the club in those dark days will never be forgotten. However, after the torrid season Juventus have just endured, the wholesale change that’s taking place at the club is being welcomed by the majority of supporters (including me), even if it means seeing stalwarts like ‚Gaucho‘ leave the club. I think in the psyche of many fans that while the ‚old guard‘ represents times of glory, it’s also a reminder that we haven’t really moved on as a club since our return to Serie A.

Overall, i’m glad to see Mauro go, not just for the benefit of Juventus, but also for the player. He obviously has a part to play in the plans for Stuttgarts‘ new season and it would be a real waste of his talent to see him on the bench each week.

I must admit that my „image“ of Mauro Camoranesi is one of a very rough and sometimes nasty player, although he only was sent-off one time in 163 Serie A matches. Is it just a clichee or how do you judge him?

The opinion that Mauro is a ‚rough‘ player is a total misconception – As you say, he’s only ever been sent off once in his 8 seasons in Serie A and while he can be a temperamental character at times, his professionalism and experience come to the fore when he’s on the pitch. While he’s not known for his tackling, Mauro can make decisive challenges when called upon, but in all honesty, he’s generally better at drawing tackles from the opposition! It may take him a little while to adapt to the pace of the German game, but once he’s had a few starts, you’ll see the best of him.

Aside from the „character“ aspect – what are his strengths as a football player? Our coach Christian Gross was looking for fast and technically strong wingers to implement his vision of offensive football. Can he cater to these requirements?

In terms of his character, Mauro is a consummate professional, both on and off the pitch – Beyond this, he has fantastic vision when on the ball and his positioning and mentality is that of a an attack minded player. While he’s no slouch when it comes to supporting the defence, his real strengths lie in running down the wing and delivering quality balls into the box. He also has a knack of drifting into the centre of the pitch to offer more of an attacking threat and he’s quick to shoot if he spies an opportunity. Above all, I think his years of experience playing at the highest level of Italian football will stand him in great stead in Germany and he should have no problems adapting to Stuttgart’s style of play.

Mauro Camoranesi will turn 34 years old next month – do you think he is still able to compete at a higher level or is he just looking for some „easy cash“ at the end of his carreer, which is something several VfB supporters worry about?

There’s no denying that Mauro is getting on in years! As you rightly say, he’s going to be 34 soon and while many other players would consider retirement at this stage, Mauro’s love of the game and his desire to continue to compete at the highest level has been paramount to his decision to leave Juventus for Stuttgart. A lot of players would have been content to sit out the remainder of their contracts on the bench, but Mauro wants to play, pure and simple. When he’s on the pitch, you can see his desire and enjoyment for the game – That always shines through. I’m sure he’ll quickly dispel any concerns that VFB supporters may have about his age and condition when he’s bombing up and down the wing !

Thank you very much, Rav, for your very meaningful answers. I hope Mauro can affirm your positive opinion here in Stuttgart. Good luck for your season!

Mauro Camoranesi wird beim VfB das Trikot mit der Rückennummer 16 tragen.

Übrigens, einen entsprechenden Eintrag mit Interview zu Mamadou Bah, dem letzten der VfB-Transfers kann ich nicht versprechen. Die Recherche war bislang nicht übermäßig ergiebig.
Wenn jemand einen Tipp haben sollte – gerne her damit.

12 Antworten to “Die Neuen 2010/11 (7): Mauro Camoranesi”

  1. BigEasyMuc September 2, 2010 um 9:56 pm #

    Schöner Beitrag und interessantes Interview. Ich glaube, dass ihr noch viel Freude an Camoranesi haben werdet.

  2. nedfuller September 2, 2010 um 10:41 pm #

    Klasse.

    Ein tolles Interview geführt und mein Bild von Camoranesi verändert. Danke und weiter so!

  3. heinzkamke September 3, 2010 um 9:03 am #

    Das klingt doch gut.
    Sowohl inhaltlich, mit Blick auf Camoranesi, als auch sprachlich – Briten sprechen einfach besser englisch als Franzosen😉

  4. hirngabel September 3, 2010 um 10:40 am #

    Danke für das insgesamt positive Feedback. Ich bin ja auch nur so gut, wie der Interviewte es zulässt. =)

    @BigEasyMuc
    Ich würde mich mehr als freuen, wenn Du mit Deinem Glauben bzgl. der Freude recht behältst.

    @heinzkamke
    Ja, das ist doch immer wieder erstaunlich, dass es durch die Bank so ist, dass Briten grundsätzlich besser Englisch sprechen, als Franzosen…
    Wobei: Beim Audel-Interview habe ich ja ausdrücklich gesagt, dass er sehr gerne auf Französisch hätte antworten können. Aber gut. Mal schauen, wie das jetzt mit Bah/Straßburg wird…

  5. MAGsein September 3, 2010 um 11:22 am #

    Als Turin abstieg, hatte ich wohl registriert, dass Buffon seinem Verein treu blieb (und ihn dafür ins Herz geschlossen :-)), nicht jedoch, dass Camoranesi genauso handelte. Das nimmt mich von allen im Beitrag aufgezählten positiven Eigenschaften am meisten für ihn ein. Noch ein Aspekt am Rande: Könnte sich auch positiv fürs Team/für Molinaro auswirken, einen weiteren, dazu noch gestandenen italienischen Spieler in der Mannschaft zu haben.

    • calogeromira September 3, 2010 um 6:11 pm #

      Viel Glück für Mauro Camoranesi und Gianluigi ”Gigi“ Buffon.

  6. hirngabel September 3, 2010 um 11:48 am #

    @MAGsein
    Ja, definitiv eine Sache, die sehr für ihn spricht, dass er auch während der „Purgatory“ (super Begriff übrigens) bei Juve blieb.

    Und klar, dass ein dritter italienisch sprechender Spieler (Kuzmanovic!) jetzt im Team ist, kann sicherlich nicht wirklich schaden. Wobei, spricht nicht sogar auch noch Celozzi italiano? Oder schmeiss ich das durcheinander?

  7. jasi2106 September 3, 2010 um 11:04 pm #

    Wirklich sehr interessante Infos und Interview🙂

    Es dauert jetzt vielleicht etwas bis er sich eingelebt hat und dem VfB dann hoffentlich helfen kann. Und nebenbei ist er ja doch recht günstig noch.

    @hirngabel: Ja, er kann auch italienisch. Ich glaube seine Mutter oder Vater ist aus Italien und er könnte auch für deren Nationalmannschaft spielen.

  8. el pibe September 6, 2010 um 11:11 am #

    very well done. das gilt für den blog, als auch für mauros debüt am samstag.

    wir werden von seiner erfahrung profitieren, ganz sicher. er macht auch auf mich den eindruck, als habe er noch was vor….was man ja nicht jedem spieler in seinem alter nachsagen kann.

    birgit schönau, ihres zeichens schreiberin für die sueddeutsche, hat einen ebenfalls sehr lesenswerten artikel zu unserem last-minute-schnäppchen geschrieben:

    http://www.sueddeutsche.de/sport/vfb-stuttgart-verpflichtet-camoranesi-ein-mann-mit-stacheln-1.993999

  9. hirngabel September 6, 2010 um 11:50 am #

    Interessanter Artikel auf jeden Fall. Vielen Dank für den Link.

    Insgesamt klang die Berichterstattung über Camoranesis ersten Auftritt ja durchweg positiv. Mal schauen, ob er das auch gegen ernsthafte Gegner bringen kann.

  10. heinzkamke September 8, 2010 um 12:20 pm #

    Ich hatte des SZ-Artikel zwar gelesen, aber aus mir unverständlichen Gründen nicht gesehen, wer ihn geschrieben hatte. Wenn sogar die Sterneköchin den Neuen lobt…

Trackbacks/Pingbacks

  1. Tschubby-Tschubby « Brustring - Oktober 1, 2010

    […] Contadors Fleischlieferung übrig hatte – der Mannschaftsabend scheint gefruchtet zu haben. Wenn Mauro Camoranesi plötzlich seine Position hält und in 90 Minuten nicht einmal den Ball mit der Hacke spielt; wenn […]

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