Spaßbremsen

22 Aug

Es macht mir keinen Spaß.

Es macht mir keinen Spaß, den Spielen des VfB in der Hinrunde zu folgen.

Und es macht mir keinen Spaß, die Diskussionen zu verfolgen, die sich rund um den VfB im Zuge dessen entspannen. Denn es ist doch ohnehin die gleiche Soße jedes Jahr. Der Kader genügt nicht den Ansprüchen für das internationale Geschäft und durch die Sparmentalität der Vereinsführung treibt man den VfB in den sportlichen Abgrund und wird sich mit Sicherheit auf einen Abstiegskampf einrichten müssen.

Verweist man dann darauf, dass das doch vor einem Jahr genau so gewesen sei, dann wird gerne darauf verwiesen, dass doch jetzt aber die Situation ganz anders und viel schlimmer sei. Jetzt würde dem Kader schließlich wirklich die Qualität fehlen, während die anderen groß aufgerüstet hätten, hat man sich wieder nur mit Zweitliga- und anderen Ergänzungsspielern verstärkt.

Warum schaut man nicht mal nach Hamburg? Da hat man schließlich erst für großes Geld zwei hochkarätige Spieler dazu geholt, von denen einem sogar absolut die Zukunft gehört: David Rozehnal und Marcus Berg!

Oh warte, das war ja letztes Jahr.

Aber gut, lassen wir diese Spielereien mal beiseite, schließlich haben wir mit dem 0:2 gegen Mainz heute zum Auftakt einen ordentlichen Schuss vor den Bug bekommen. Dass Mainz mit den Verstärkungen und dieser Offensivkraft aller Voraussicht nach auch diese Saison sicherlich eher in Richtung erster Tabellenhälfte orientiert sein wird, sei an dieser Stelle mal dahingestellt – relevant für die Beurteilung ist es ohnehin nicht.

Ich weiss, Christian Gross ist bei vielen noch mehr oder weniger sakrosankt, aber die Aufstellung, wie sie sich heute darstellte ist meiner Meinung nach nicht dem entsprechend, was der Kader eigentlich kann.

Hinten hat Ulreich heute einen meiner Meinung nach sehr guten Job erledigt und wenn man ihm was wollen würde, könnte man ihm höchstens beim 2:0 vorwerfen, er sei zu weit vorne gestanden – da musste er aber meines Erachtens eigentlich auch stehen, so wie die Flanke erst mal kam. Letztlich war der Kopfball ein wenig glücklich für Rasmussen, dass er so perfekt hinten rein fiel.

Mit den Aussenpositionen gehe ich soweit auch einigermaßen D’accord in Anbetracht dessen, dass Celozzi noch angeschlagen war und auch wenn Molinaro und Degen auch manchmal heute patzten. Ich denke, wenn das Gesamtkonstrukt besser funktioniert, dann werden auch die beiden wieder mehr glänzen (zumindest mal Molinaro).

Es hakte heute allerdings mehr als gewaltig in der Zentrale unserer Defensive, was irgendwie kein Wunder ist, denn das absolute Prunkstück der letzten Saison war heute personell tutto completti anders besetzt. Im Vergleich zur letzten Saison waren dort vier neue Namen:

In der Innenverteidigung sind Delpierre verletzt und Tasci noch hinter seiner Form zurück, so dass mit Niedermeier und Boulahrouz die nominelle B-Lösung hier antrat. Wo im Vorjahr noch Khedira und Träsch die Zentrale vor der Abwehr sauberhielten waren zudem heute mit Gentner und Kuzmanovic ebenfalls zwei „Neue“ aktiv. Klar, alles talentierte Leute, aber eben doch auch einigermaßen normal, dass es an der Abstimmung hapert.

Was ich in diesem Zusammenhang nicht verstehe (von Seiten Gross), sind vor allem zwei Dinge:

Er mag Boulahrouz ja Tasci zu Beginn vorziehen, weil der in Fitnessproblem hat. Aber spätestens zur Halbzeit muss doch Gross erkennen, dass Boulahrouz ein riesiges Sicherheitsrisiko ist – und allerspätestens dann nachdem er auch das zweite Gegentor mitzuverantworten hat. Dass Tasci da nicht mal eine Option zu sein scheint, beunruhigt mich zunehmend…

Die zweite große Frage, die ich mir stelle ist, warum Gross weder heute noch am vergangenen Donnerstag von der Doppelsechs Kuzmanovic/Gentner abgerückt ist. Nachdem er letztes Jahr noch in Interviews kundtat, dass er Träsch für zu wichtig im defensiven Mittelfeld erachte, als dass er ihn auf der RV-Position „verschwenden“ würde, so spielt Träsch mittlerweile überall – nur nicht als Bestandteil der Doppelsechs.
Gerade heute gegen Mainz, wo teilweise unfassbar große Lücken zwischen Innenverteidigung und Mittelfeld entstanden sind, hätte ein Träsch mit seiner Laufstärke und seiner Zeckigkeit hervorragend neben Kuzmanovic (oder meinetwegen neben Gentner – beide waren ähnlich unauffällig) gepasst, um dies auszustopfen.

Ich kann nur hoffen, dass Gross das auch einsieht, und bald die Aufstellung entsprechend ändert. Audel dürfte schließlich bald auch mal für einen Starteinsatz fällig sein und dann könnte man mit dem Franzosen auf links, sowie Gebhart auf rechts antreten.

Im Sturm könnte ich mit der Variante Cacau/Marica durchaus leben, da Marica einigermaßen auffällig agierte (zumindest in Hälfte eins), allerdings fände ich Harnik eben als Variante für einen Starteinsatz neben Cacau auch mal spannend. Einfach um zu sehen, wie das so zusammen klappt.

Ob diese Änderungen mehr Erfolg bringen würden? Garantieren kann ich das natürlich nicht, aber die Änderungen würden für mich definitiv mehr Sinn ergeben, als es die in meinen Augen eher planlose Wechselei von Gross in der zweiten Halbzeit heute gab.

Das Spiel krankte heute vor allem in der Defensive bei uns, aber bis auf den Rotationswechsel Harnik gegen Degen (wodurch Träsch auf die RV-Position zurückrutschte) wurden nur Offensivwechsel vorgenommen. Das Zentrumsquartett, wo es am meisten haperte, wurde hingegen von Gross komplett unberührt verlassen.

Stattdessen wurde noch mit Gebhart einer der offensiv auffälligsten Spieler rausgenommen, was ich mir ebenfalls nur bedingt erklären kann.

Vielleicht verfolgt ja irgendeinen Masterplan, den ich so noch nicht verstehe und der dann bald zum Tragen kommt. Aber solange er mich nicht vom Gegenteil überzeugt, bleibe ich erst einmal bei der Meinung, dass Gross sich da momentan mit der Aufstellung verzockt und nicht das volle Potential der Mannschaft ausschöpft.

Zudem wird es einfach Zeit, dass Delpierre zurückkehrt…

8 Antworten to “Spaßbremsen”

  1. Inge Meysel August 23, 2010 um 10:11 am #

    Also ich glaube besser hätte ich die momentane Situation nicht zusammenfassen können.

  2. hirngabel August 23, 2010 um 10:35 am #

    Hach, runter wie Öl geht dat – wenn et nich so doof wäre insgesamt…

  3. Hosti August 23, 2010 um 1:06 pm #

    Mal aus Mainzer Sicht, also vermeintlich objektiv: Man hat gemerkt, dass ihr schon ein paar Pflichtspiele hattet, entsprechend war der VfB am Anfang etwas sicherer am Ball. Natürlich hat der gehaltene Elfer auch Mut gemacht bzw. mit dem direkten Gegentor bei euch für Verunsicherung gesorgt. Insgesamt wunderte ich mich aber schon ein wenig über die fehlende Struktur und Stabilität eurer Elf und warum die durch den Verkauf eines defensiven Mittelfeldspielers und den Abgang des Torwarts so weg sein kann. Als großen Antreiber hatte ich Khedira jetzt auch nicht in Erinnerung. Einzig Gebhardt fand ich sehr überzeugend und ich habe die Punkte geistig schon eingesteckt nachdem er ausgewechselt wurde. Progebnyak der später kam löst beim Gegner auch nicht unbedingt große Sorge aus. Es fehlt neben Gebhardt noch ein zusätzlicher echter Leader in der Abwehr meiner Ansicht nach. Lehmann hatte diesen Part vielleicht letzte Saison mit übernommen. Ansonsten musst du uns aber nicht künstlich größer machen als wir sind. In Mainz rechnet jetzt kaum einer damit, dass wir diese Saison nochmal so weit oben stehen. Der VfB hätte es in dieser Verfassung auch gegen viele Zweitligisten schwer gehabt. Ansonsten wünsche ich euch erstmal noch eine gute Vorrunde und dass eure Verletzen bald zurückkehren, vielleicht behebt das ja schon die aktuellen Probleme.

    • hirngabel August 23, 2010 um 1:38 pm #

      Hi Hosti,

      Danke für Deine „objektive“ Meinung. =)
      Also, erstmal habe ich es eben versucht Euch künstlich größer zu machen. Ich bin aber definitiv davon überzeugt, dass Ihr wieder um einen einstelligen Tabellenplatz mitspielen könnt in dieser Saison. Nicht umsonst habe ich in meinen beiden kicker-Mannschaften je 2 Mainzer dabei – und Holtby war einer der ersten, auf die ich geboten hatte. =)

      Ansonsten habe ich es ja oben im Text versucht darzustellen, dass ich der Meinung bin, dass sich Gross insgesamt verzockt hat. Das Potential ist auch bei dem Personal aus meiner Sicht durchaus gegeben, es wurde nur nicht optimal eingesetzt in meinen Augen.

      Khedira war letztes Jahr auf alle Fälle Leader und auch stimmungsmäßig wohl sehr wichtig für die Gruppe. Im Gegensatz bspw. zu Lehmann, der zwar sportlich super wichtig war, aber ich glaube teamintern eher eine Aussenseiterrolle einnahm.

      Die Frage ist in der Tat wie das kompensiert wird und Gebhart spielt da sicherlich eine Rolle, aber das ist sicherlich ein Thema, das sich erst im Laufe der Zeit wirklich lösen wird. Hierarchien müssen halt wachsen.
      Mit der Zeit wird zudem hoffentlich auch das Selbstvertrauen wieder wachsen – wobei Zeit hier natürlich in Siegen gemessen wird.

      Naja, schauen wir mal, wie es weitergeht. Letzte Saison habt ihr im ersten Heimspiel ja auch gegen ein Team gewonnen, das am Ende noch ganz okay abgeschnitten hat…

  4. Johannes August 23, 2010 um 4:59 pm #

    Moin,
    deinem Artikel kann ich in großen Teilen zustimmen. Auch wenn ich denke, dass Tasci sich seit geraumer Zeit selbst überschätzt, schlechter als die beiden hätte er gestern auch nicht auftreten können. Aber wenn er doch keine Chance bekommt bei diesem Trainer, hätte man auch versuchen können, ihn meistbietend zu verscherbeln, das wäre dann unter Umständen noch sinnvoller gewesen.

    Was mich aber eigentlich zum Kommentieren veranlasst hat: Ich habs prompt nachgeguckt, und es war leider nicht das erste Heimspiel der Meenzer letztes Jahr, sondern das dritte. Ich befürchte, DARAUS lässt sich für uns nichts ableiten…

    Gruß, Johannes

  5. hirngabel August 23, 2010 um 5:22 pm #

    @Johannes
    Zugegeben, ich hätte selbst mal nachprüfen sollen. Allerdings war es das zweite Heimspiel – bzw. dritte Saisonspiel – von Mainz. =)

    Bei Tasci bin ich natürlich auch nicht komplett sorgenfrei, aber in Anbetracht der Nicht-Leistung von Boulahrouz (zum wiederholten Male jetzt), muss er von Gross doch zumindest mal in Erwägung gezogen werden.
    Und, wie Du schon richtig sagst, wenn Gross gar kein Vertrauen in ihn hätte, dann hätte man spätestens bei den Hamburger Millionen zuschlagen müssen.
    Auf der anderen Seite – verkauft haben wir nun wirklich mehr als genug Spieler mittlerweile. Nachdem heute auch noch Rudy gegangen ist ohne dass Ersatz in Aussicht ist, mache ich mir schon so allmählich Gedanken über Fragen wie Kaderbreite und auch wirtschaftliche Lage des Vereins…

    • Johannes August 23, 2010 um 10:42 pm #

      Nicht so schlimm😉

      Natürlich hätte man Tasci nicht gehen lassen dürfen, wenn man nicht Ersatz an der Angel gehabt hätte – jemand, der die Aufgaben erledigen kann und trotzdem nicht mault, wenn auf die Bank gesteckt.
      Und es stimmt, 23 Spieler, so wenige haben nicht mal die Bayern, und dort hat das angeblich System.

      Aber was die wirtschaftliche Lage betrifft – Du meinst nicht, dass man Substanz verkauft hat, um den laufenden Betrieb nicht zu gefährden?
      Wenn dem so wäre, wäre es wirklich gefährlich; das passt aber nicht zu dem, was ich von der JHV mitgekriegt habe, bzgl. Erhöhung des Kapitals etc.

  6. hirngabel August 23, 2010 um 11:33 pm #

    Normalerweise vertraue ich der Vereinsführung einigermaßen, dass man wirtschaftlich vernünftig handelt und halte mich eher zurück bei den Milchmädchenrechnungen von wegen, was an Transfererlösen eingenommen wurde und was man ausgegeben hat.

    Aber so allmählich beginnt es mich halt doch zu irritieren, da die Lücke zwischen offensichtlichen Einnahmen und Ausgaben doch immer weiter auseinander klafft. Spätestens mit dem doch sehr einträglichen Verkauf von Rudy muss man eigentlich doch viel Geld übrig haben. Wenn aber jetzt doch „nur“ ein Transfer für 1,5-2 Mio Ablöse kommt, dann drängt sich ein wenig der Verdacht auf, dass hier irgendwo im operativen oder administrativen Bereich oder wo auch immer erheblich Geld fehlt, was man irgendwie kompensieren muss.

    Aber vermutlich muss man abwarten, was der VfB noch so machen wird auf dem Transfermarkt – denn klar ist, dass man mit 23 Leuten eigentlich unter keinen Umständen in eine Saison mit 3 Wettbewerben gehen kann.

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