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Gedanken zur Sommerpause (1)

12 Jul

Wenn man sich derzeit so durch die einschlägigen Fankommentare rund um den VfB liest -sei es auf Twitter, Facebook oder in Foren- so ist von Euphorie in Bezug auf die kommende Saison eher wenig zu spüren. Zwar sind die meisten Fans nicht komplett negativ eingestellt, aber eine gewisse Skepsis herrscht doch, an die Erfolge früherer Jahre anknüpfen zu können oder auch „nur“ das Resultat der letzten Spielzeit zu bestätigen.

 

Auch ich kann mich selbst davon derzeit nicht ausnehmen. So gerne ich hier Optimismus versprühen würde, wird mir das in Anbetracht der Gesamtsituation wohl kaum gelingen. Dabei stehen derzeit sowohl hinter der Qualität als auch der Quantität des Teams mindestens jeweils ein großes Fragezeichen, wenn man berücksichtigt, dass es aller Voraussicht nach ein nicht gerade unstressiges Europa League-Gruppenprogramm zusätzlich zu den zwei nationalen Wettbewerben zu bestreiten gibt.

 

Nun ist es derzeit eigentlich noch recht früh, um den Kader abschließend zu beurteilen, aber wenn die Vereinsoberen die Öffentlichkeit und die Medien nicht komplett an der Nase herumführen, dann wird es vermutlich nicht mehr als 2 weitere Neuverpflichtungen geben – wenn überhaupt. Zumal es gut möglich ist, dass diesen Neuverpflichtungen gleichzeitig auch Abgänge gegenüberstehen. Aber gut, dass ist derzeit noch graue Theorie.

 

Schauen wir uns also mal den Kader an, so wie er derzeit bestückt ist.

 

Die vermutlich wenigsten Fragezeichen gibt es auf der Torwartposition. Sven Ulreich hat sich in der vergangenen Spielzeit als unumstrittener Stammtorhüter und Leistungsträger etablieren können und zählt sicherlich zu den 6-8 stärksten Torwächtern der Liga. Dahinter gab es tatsächlich ein bisschen Bewegung im Kader. Nachdem man im Winter schon den langjährigen Ersatzkeeper Alexander Stolz in Richtung Karlsruher SC abgab (und nicht zu vergessen auch Bernd Leno endgültig an Leverkusen verkaufte), entstand eine nominelle Lücke, die nun durch André Weis gefüllt wurde.

Weis wechselte selbst erst vor einem Jahr vom TuS Koblenz in unsere zweite Mannschaft, wo er sich auf Anhieb mit starken Leistungen in den Vordergrund spielte und sich eine Chance bei den Profis verdient hat. Der Dritte im Bunde der Torhüter ist nach wie vor der Oldie Marc Ziegler, der sportlich vermutlich eher keine große Rolle mehr spielen wird.

 

In der Abwehr sieht das Bild schon weitaus uneindeutiger aus.

Mit Matthieu Delpierre, Stefano Celozzi und Khalid Boulahrouz gleich drei Abgänge zu verzeichnen. Alle Abgänge sind für sich genommen nachzuvollziehen, auch wenn basierend auf den Leistungen der vergangenen Saison der Verlust von Boulahrouz durchaus etwas schmerzt. Dem gegenüber stehen gerade mal ein externer Neuzugang in Form von Tim Hoogland, sowie ein „interner“ Neuzugang in Person von Antonio Rüdiger, der in der letzten Saison offiziell noch bei den Amateuren spielte, aber schon ein paar Einsatzminuten bei den Profis sammeln konnte.

 

In der Innenverteidigung schaut es dabei noch ganz okay aus. Mit Serdar Tasci und Georg Niedermeier, sowie Maza hat man drei Leute, die allesamt schon punktuell exzellente Spiele hingelegt haben und unter dem Strich zumindest soliden Ansprüchen genügen. Entscheidend ist auf dieser Position sicherlich, ob Tasci an seine starke letzte Saison anknüpfen kann. Er sollte erst einmal gesetzt sein, daneben dürfte Niedermeier die Nase vorne haben, den Labbadia ja bekanntermaßen gerne mag. Rüdiger dürfte seine Chancen als Backup bekommen, wenn es zu Verletzungen kommt.
Schwierig bis kritisch ist die Lage auf den Aussenverteidigerpositionen. Auch hier stehen derzeit vier Spieler unter Vertrag, wobei Arthur Boka und Cristiano Molinaro wohl für links eingeplant sind, während für die rechte Seite Gotoku Sakai und der für ein Jahr von Schalke ausgeliehene Tim Hoogland bereit stehen. Wobei „bereit stehen“ hier etwas irreführend ist.

So fehlt Tim Hoogland nach diversen Verletzungen und Erkrankungen nahezu komplett die Spielpraxis mit gerade einmal 212 Einsatzminuten in 3 Bundesliga- und einem Europa League-Spielen. Und auch Gotoku Sakai, einer der Senkrechtstarter der letzten Rückrunde, ist zumindest mit einem Fragezeichen behaftet, da er aufgrund einer Olympiaabstellung einen Teil der Saisonvorbereitung verpassen wird. Mal ganz davon abgesehen, dass er überhaupt erst einmal gesund wieder zurückkehren muss aus London…

Läuft alles optimal, dann hat man beide Position zwar doppelt besetzt, aber in Anbetracht der gerade erwähnten Voraussetzungen und der vielen Spiele ist dies nicht gerade als wahrscheinlich einzustufen. Es würde also nicht groß überraschen, wenn es im Laufe der Saison einige Wechselspielchen in der Abwehrreihe geben wird (auch Rüdiger kann bspw. RVT spielen). Auch ist nicht ausgeschlossen, dass der eine oder andere Aussenverteidiger von den Amateuren zumindest kurzzeitig hochbeordert wird. Ein Kandidat wäre da der 18jährige Steffen Lang, von dem man sich einiges verspricht.

 

Neben der Kaderbreite stellt sich aber auf der Aussenverteidigerposition auch dringend die Qualitätsfrage. Molinaro hat ohne Frage einige starke Spiele im VfB-Dress abgeliefert, nimmt sich aber auch gerne mal Auszeiten und wurde nicht umsonst immer mal wieder von anderen Spielern zeitweise verdrängt. In noch ausgeprägterem Maße gilt dies für Arthur Boka, der zu selten über einen längeren Zeitraum gute Leistungen abliefern konnte, als dass man auf ihn als klaren Startelfspieler setzen könnte.

Bei Hoogland ist sicherlich Potential da, aber in Anbetracht der schon erwähnten ewig langen Krankheits- und Verletzungsphasen ist es nicht auszuschließen, dass man mit ihm einen Fehlgriff getätigt hat und einen Spieler ein Jahr lang „durchschleppt“. (Dass er offensichtlich ohne Kaufoption ausgeliehen wurde und nach einer guten Saison sofort wieder weg ist, sei an dieser Stelle mal nicht behandelt – es hat mit der anstehenden Saison schließlich nichts direkt zu tun.)

Der vermutlich stärkste der vier Aussenverteidiger, Sakai, wird, wie schon erwähnt, einen Teil der Saisonvorbereitung verpassen. Zudem ist er mit 21 Jahren noch relativ jung, so dass Schwankungen in seiner Formkurve auch nicht komplett auszuschließen sind.

 

Bleiben alle fit und spielen dauerhaft am oberen Limit ihres Leistungsvermögens, dann müssen wir uns in Sachen Aussenverteidigern sicher nicht hinter vielen Teams der Bundesliga verstecken. Die Frage ist aber eben wie realistisch dies ist. Fallen zwei Spieler gleichzeitig weg, sei es aufgrund einer Formkrise oder einer Verletzung, dann wird es auf dieser Position sehr schnell sehr dünn und könnte sich als einer der Schwachpunkte des Kaders herausstellen.

 

In der Gerüchteküche geistern derzeit noch zwei Namen rum, die lose mit dem VfB in Verbindung gebracht werden. Wobei sich die Personalie Stanislav Manolev (Rechtsverteidiger) vom PSV Eindhoven wohl mit der Verpflichtung von Hoogland erst einmal erledigt hat. Auch der andere Kandidat erscheint mir nur bedingt realistisch: Reto Ziegler, Linksverteidiger, seines Zeichens unter Vertrag bei Juventus Turin – finanziell eher nicht vorstellbar ohne dass man einen anderen Spieler abgibt…

Teil 2 mit Mittelfeld und Sturm sowie einem allgemeinen Ausblick gibt es dann morgen.

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