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Die Neuen 2010/11 (10): Shinji Okazaki

1 Mrz

Shinji Okazaki - The next Shinji? [Quelle: vfb.de]

Shinji O. - The next Shinji K.? Quelle: vfb.de

Sieht man einmal von Torhüter Sven Ulreich ab, wurde beim VfB in den letzten Wochen wohl keine Personalie so sehr diskutiert, wie die des Japaners Shinji Okazaki. Der Stürmer, der vom japanischen Erstligisten Shimizu S-Pulse verpflichtet wurde, war schließlich für viele VfB-Fans so etwas wie ein kleiner Hoffnungsträger. Ein Faktor dabei war sicherlich, dass er beim Gewinn des Asien-Cups mit insgesamt 5 Toren glänzen konnte. Daneben hatte er allerdings eben auch den Vorteil auf seiner Seite, dass er nur einer von zwei Transfers in der Winterpause war, sowie auch die Tatsache, dass wenig über ihn bekannt war, wodurch er sicher auch automatisch als Projektionsfläche für die Hoffnungen vieler Anhänger taugte.

 

Der von den Medien, aber natürlich auch unter uns Fans sicherlich noch weit mehr diskutierte Aspekt seiner Verpflichtung war aber natürlich die ganze Chose rund um seine Spielerlaubnis, die mindestens zwei Wochen lang auf sich warten ließ und erst auf Intervention der FIFA hin zum EL-Hinspiel gegen Lissabon auf der VfB-Geschäftsstelle eintraf. Von dem was man hier mitbekam, hatte sich wohl der Präsident von Shimizu S-Pulse unvermittelt dazu entschieden, dass man wohl doch gerne eine Ablösesumme erzielen würde und so auf einmal behauptete, dass Okazaki für die Dauer eines Tages zwei gültige Verträge hätte. Nun ja, die FIFA jedenfalls hat zugunsten des VfB entschieden, so dass wir wohl auf der richtigen Seite der Geschichte standen. Ganz und gar nicht „richtig“ war allerdings das Kommunikationsverhalten der VfB-Offiziellen rund um diese Geschichte, als man zumindest zeitweise der Öffentlichkeit die wahren Gründe von Okazakis zeitweiliger Nichtberücksichtigung vorenthielt. Aber gut, in diesem Eintrag soll es um den Spieler Okazaki gehen und nicht um das dilettantische Verhalten der VfB-Oberen.

Mit einem Alter von 24 Jahren zählt Okazaki sicherlich nicht mehr unbedingt zur Kategorie „vielversprechendes Nachwuchstalent“, aber mit Sicherheit ist er auch noch nicht über seinen Zenit hinaus und besitzt noch Entwicklungspotential. Zudem ist es vielleicht auch nicht der verkehrteste Ansatz, den großen Sprung von Japan in die deutsche Profiliga erst zu wagen, wenn man ein gewisses Alter und damit auch eine gewisse Reife erreicht hat.

In den deutschen Medien und den Aussagen der Vereinsverantwortlichen des VfB wurde Okazaki vorwiegend als „Offensivallrounder“ angepriesen, der im Sturm und im Mittelfeld so ziemlich alle Positionen spielen könne. In der Tat wurde er wohl auch in Japan zeitweilig als Flügelspieler eingesetzt, doch sowohl beim unten stehenden Interview mit einem Shimizu-Blogger, als auch bei einer Unterhaltung mit einem japanischen Fan via Twitter wurden vor allem seine Qualitäten als klassischer Strafraumstürmer hervorgehoben. Eine Position, auf der er beim VfB bislang im Grunde noch gar nicht wirklich eingesetzt worden ist.

Eine Qualität wurde in allen Unterhaltungen mit japanischen Fans immer wieder hervorgehoben: Der Fakt, dass Okazaki ein sehr leidenschaftlicher und kampfwilliger Spieler sei – ein Eindruck, den er, zumindest aus meiner Sicht, durchaus auch schon bei seinen wenigen Auftritten in Stuttgart hinterlassen hat, wo er bislang recht unermüdlich die linke Aussenseite beackert hat.

Dass ihm dabei meist noch etwas die Bindung ans Spiel fehlt, ist angesichts der nicht vorhandenen gemeinsamen Vorbereitungszeit mit den Mitspielern kaum erstaunlich. Vor allem in Leverkusen im Stadion fiel es auf, dass doch recht häufig das Spiel an ihm vorbei lief. Nichtsdestotrotz hatte er auch dort die gefährlichsten Aktionen jenseits der zwei erzielten Tore auf seinem Konto zu verbuchen.

In Anbetracht der anhaltenden Formschwäche von Cacau, der langwierigen Verletzung von Pogrebnyak und der Verbannung Maricas aus dem Stuttgarter Kaders, sowie der allmählichen Rückkehr zu voller Fitness bei Timo Gebhart wäre es sicherlich eine Überlegung wert, wenn man in den nächsten Spielen mal eine offensive Formation mit Okazaki als einziger Spitze, sowie der offensiven Mittelfeldreihe mit Gebhart – Hajnal – Harnik ausprobieren würde.

So oder so scheint der Mann, der in 3 Saisons in der J-League 29 Tore und 8 Assists in 74 Einsätzen für sich verbuchen konnte, sowie Stammspieler der japanischen Nationalmannschaft ist, bis auf Weiteres einen Startplatz unter Labbadia gesichert zu haben – was ich ehrlich gesagt nicht unbedingt vorher erwartet hätte. Auch wenn es natürlich zugegebenermaßen dem großen Verletzungspech und der ohnehin verfahrenen Situation in Stuttgart geschuldet ist, dass er überhaupt so schnell ins kalte Wasser geschmissen werden musste.

Wie weiter oben schon angedeutet habe ich auch dieses Mal einen Blogger des Ex-Vereins von Shinji Okazaki gefunden, der bereit war mir für einige Fragen Rede und Antwort zu stehen.

Um die Aussagen nicht durch etwaige Übersetzungsfehler zu verfälschen werde ich auch dieses Mal wieder den Originaltext auf Englisch (Barry von S Pulse UK Ultras ist -überraschenderweise- Engländer) beibehalten. Sollte jemand eine Übersetzung wünschen, dann bitte Bescheid geben und ich werde dies gerne in den Kommentaren nachholen.

For most of the fans here in Germany, Shinji Okazaki is completely unknown and nobody knows more than that, according to the local media, he can be used in „all offensive positions“ – whatever that means. As what type of player would you describe him? What are his strengths?

I’d call him a poacher style striker. He works hard and runs his socks off to get into the crucial position to hit it home. He’s not the fastest player, but can read the game well and is often that half a step ahead of the defender.

And what about his weaknesses?

Maybe the lack of pace, but he tends to work around that. One aspect I don’t like of his game is the ease at which he goes down in the box. It’s a J. League-wide problem, but he is as guilty as anyone.

If I can trust my „youtube scouting“, Okazaki seems to score quite a lot of goals with his head. Would you say this is just because, Japanese defenders are not the tallest or is this just a stupid klischee?

Well, you could say that, but by the same token, Okazaki isn’t a very tall man, so it all kind of balances out! 🙂:) He does score a lot with his head, but they are often quality headers. He seems to have a unnatural amount of strength and accuracy in his neck.

Another source of scepticism is the „tradition“ that Asian players often had problems to establish themselves in the Bundesliga because of the very physical play. Do you think he has what it takes to make it in the Bundesliga quickly?

I’ll be honest, I’ve never watched much Bundesliga so can’t comment too much, but as for the step up in level, he’s never looked out of place against higher class opponents when playing for his country. Like I mentioned before, he’s got a nasty habit of going to ground under nothing challenges (see the Asia Cup semi final with South Korea) if there’s chance of a penalty. Apart from that, he’s a pretty solid bloke and an honest player who can hold his own when he wants to. I guess any move from J. to Europe is going to take time to get used to, but I think he’ll be OK.

One last question, because we have made bad experiences in that regard: Does Okazaki have a history of injuries?

No, there’s no history of injuries to worry about. The few games he missed last year were the result of knocks or strains which he he shook off in no time.

Thank you very much for answering my questions!

Shinji Okazaki wird beim VfB Stuttgart das Trikot mit der Nummer 31 tragen.

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