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FC Barcelona für Anfänger – Der Blick auf die Bundesliga

19 Feb

Im Rahmen einer kleinen Gemeinschaftsaktion mit dem spanischen Blog www.diarioyoya.com zum FC Barcelona wird es in den nächsten Tagen bis zum Champions League-Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und Barca einige Gastbeiträge auf beiden Blogs geben. Auf beiden Seiten werden jeweils die eigenen Teams analysiert, was Spielsysteme und Entwicklung in den vergangenen Jahren angeht, aber auch dargestellt wie im jeweiligen Land eigentlich der andere Verein bzw. die andere Liga gesehen wird. Alles natürlich hochgradig subjektiv.

Der heutige, dritte Beitrag wurde geschrieben von User Ignashevich und zeigt seinen Blick auf die Bundesliga und den deutschen Fußball. Übersetzung von User Obi.

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Mir gefällt die Bundesliga.

Ein Freund vom Diario Yoya bat mich, einen Artikel zu schreiben zum Thema: Was denkt man bei uns über den deutschen Fußball und speziell über den VfB Stuttgart?

Schwer, hier eine Antwort zu finden, wenn die Antwort an Deutsche adressiert ist. Der Grund? In Spanien interessiert der deutsche Fußball nur wenige Leute und dementsprechend ist der VfB Stuttgart kein Verein, der „verfolgt“ wird.

Schuld daran ist der mittelmässige Fußballer mit dem Namen Jean-Marc Bosman, der vor Gericht klagte, recht bekam und somit den modernen Fußball änderte: freie Bewegung von Profi-Spielern in der Euopäischen Union und von argentinischen und brasilianischen Spielern mit europäischen Pass. Das bedeutet, jeder Spieler kann in irgendeinem Verein spielen, grenzenlos, und so bekommen die wirtschaftlich großen Fußballnationen die Besten.

Obwohl viele es bevorzugen. auf der Bank eines großen Vereins zu sitzen, anstatt ein großer in einem „normalen“ Verein zu sein. Dadurch haben die Ligen in Holland, Belgien, Portugal, Frankreich und Deutschland das Potenzial von früher an die Ligen aus Spanien und England abgegeben.

Diese Ligen sind die stärksten wenn man nach dem Kapital und den Einschaltquoten schaut. Es scheint so, als ob man in diesen Ligen spielen muss, um in der Elite mitspielen zu können. In Vereinen wie Manchester United, Chelsea, Liverpool, Inter, Real Madrid und Barcelona spielen die Besten der Besten, auch wenn einige vielen Minuten auf der Bank sitzen.

Es ist eine Kluft zwischen diesen großen Vereinen und den anderen entstanden. Die „anderen“ Vereine wissen, dass früher oder später die besten Spieler zu einem dieser großen Vereine wechseln möchte. So geschah es mit Kaká und Ibrahimovic, die besten Spieler der italienischen Liga, die diesen Sommer nach Spanien gewechselt sind und so wird es mit Ribéry sein, der im Juni Deutschland verlassen wird.

Das bedeutet aber nicht, dass es keine Leute gibt, die den deutschen Fußball mögen. Ich persönlich finde ihn durchaus reizvoll. Es war nämlich so… in der Zeit als ich mich in diese Sportart verliebte wurden deutsche Spiele samstags im katalanischen Fernsehen Live gezeigt. Ich habe mir alles angeschaut. Chapuisat, Yeboah, Sammer, Labbadia, Polster, Walter, Matthäus, Basler, Kuka… das waren die ersten Spieler, die ich mir Samstag für Samstag anschaute. Dies geschah weit bevor ich den spanischen Fußball verfolgte. Heutzutage glaube ich, wird diese Essenz bewahrt.

Eine Liga, wo es immer 4-5 Titelanwärter gibt, die sich Woche für Woche an der Tabellenspitze ablösen, die vollen und farbenfrohen Tribünen voller „Fußball-Atmosphäre“, diese orangenen Fußbälle auf verschneiten Plätzen, die Spieler die in der Kälte, bedingt durch die Kälte, Rauch aus dem Mund atmen. Dies alles und noch viel mehr machen aus der Bundesliga eine spezielle, echte Liga, die glücklicherweise auch nicht durch die Macht des Kapitals „vernichtet“ werden kann.

Und der VfB? Hier ist es ein Verein, der ziemlich indifferent ist. Trotz des chronischen und historisch bedingten Pessimismus, glaube ich, dass es wohl keinen Barça-Fan gibt der glaubt das Stuttgart unsere Jungs rund um Pep Guardiola schlagen wird. Die Nachricht „Stuttgart steckt in der Krise“ ist hier in den Köpfen der Menschen. Trotzdem sollten wir nicht übersehen, dass sich durch den Trainerwechsel die Mannschaft beachtlich verbessert hat, mit fünf Siegen in Folge. Aus Stuttgart ist somit ein ernst zu nehmender Gegner geworden, im Gegensatz zum VfB als Markus Babbel noch Trainer war.

Das spannende für uns wird sicherlich die Rückkehr von Hleb sein, einem Spieler der sein bestes in Stuttgart gab, der aber in Barcelona kläglich gescheitert ist.  Hier nannten wir ihn „den weißrussischen Touristen“. Er hat hier nämlich nur die Stadt besichtigt. Fußball hat er hier nicht wirklich gespielt. Sehenswert wird sicherlich auch das Wiedersehen von Lehmann, diesem eigenartigen Torwart der im Champions League Finale in Paris „glänzte“. Mich persönlich motiviert die aufmerksame Betrachtung der Leistung eurer starken Spieler wie Kuzmanovic, Progrebniak, Gebhart, Khedira und Tasci. Ihr wisst wahrscheinlich auch schon, dass früher oder später die Bayern kommen werden um euch die guten Spieler – wenn Sie gute Leistungen zeigen – abzukaufen. Und wenn sie sich bei den Bayern weiter verbessern, sie an einen europäischen Top-Klub abgegeben werden:
Der große Fisch frisst den kleinen Fisch.

Europäischer Fußball, ein Fußball weitaus weniger Demokratisch wie noch vor ein paar Jahren, glücklicherweise aber ein Fußball – und die Bundesliga ist hier ein gutes Beispiel – der trotzdem die Massen bewegt, spektakulär ist und uns Tore, viele Tore Woche für Woche schenkt.

Das war’s Freunde. Viel Glück in der Bundesliga. Überlasst uns bitte die Champions League – wir haben da nämlich noch eine offene Rechnung von maximaler Wichtigkeit im Bernabéu-Stadion.

Teil 1: Die Ära Guardiola
Teil 2: Taktik & Aufstellung