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Die Neuen 2010/11 (5): Philipp Degen

13 Aug
Philipp Degen, Eidgenosse - Quelle: vfb.de

Philipp Degen, Eidgenosse Quelle: vfb.de

Vergangenen Sonntag wurde der vierte Neuzugang vom VfB Stuttgart bekanntgegeben: Philipp Degen wird für ein Jahr auf Leihbasis das Trikot mit dem Brustring überstreifen und die Anfield Road gegen den Cannstatter Wasen austauschen.

Damit wurde dann der Transfer bekanntgegeben, der von den bisherigen wohl unter den eigenen Fans der umstrittenste ist und auf das größte Maß an Skepsis trifft.
Denn eigentlich ist umstritten auch das falsche Wort, denn der überwiegende Grundtenor ist eben, dass der 2 Jahre lang vorwiegend verletzt gewesene oder auf der Bank gesessene Rechtsverteidiger eigentlich keine Verstärkung für den VfB Stuttgart sein kann. Zumal er bei seiner erstem Periode in der Bundesliga, bei der Dortmunder Borussia, auch nicht den allerbesten Eindruck hinterlassen hatte.

Daher habe ich mich entschieden heute mal statt eine Gesamtanalyse zu machen, einfach nur mal die Top 5 Gründe zu bringen, warum die Ausleihe von Degen eben doch eine gute Idee ist. Für die Gegenargumente gibt es dann weiter unten wieder ein Interview mit einem Blogger des Ex-Vereins – und natürlich sind dafür auch noch die Kommentare offen, so dass sich gerne auch ein paar BVB-Fans hier gegen zu Degen äussern können…

Nun aber meine 5 Gründe, warum es gut ist, Degen jetzt im Team zu haben.

1) Sein Alter

Dank der Verluste diverser älterer Spieler, ist das durchschnittliche Alter des Teams rasant nach unten gegangen – zumal zwei der ersten drei Neuzugänge mit 21 und 24 Jahren darüber hinaus auch noch sehr jung waren. Um also zu vermeiden, dass man nun (und bei potentiellen Schwächephasen) dauernd zu hören bekommt, dass die Mannschaft einfach zu jung sei, tut jeder zusätzliche Spieler, der über dem Durchschnittsalter liegt (momentan: 25,625 Jahre), absolut Not.

2) Seine Erfahrung

Klar, die Jahre in Liverpool waren absolut nicht von Erfolg geprägt, sondern eher dem Gegenteil. Aber in Anbetracht des Verlusts an Europapokal- und Länderspielen, die der Kader durch die diversen Abgänge zu verkraften hat, kann Degen mit seinen Erfahrungen (vielleicht auch weil sie so negativ waren) sicherlich auch sehr hilfreich für die vielen jungen Leute im Team sein.

3) Er ist Rechtsverteidiger

Durch den Weggang von Osorio und die relativ sichere Beorderung von Träsch auf die Position im zentralen Mittelfeld haben wir hier, auch in Anbetracht der bislang nicht wirklich unter Beweis gestellten Qualitäten von Boulahrouz auf dieser Position, einen klaren Mangel an entsprechender Kadertiefe. Dem wurde nun Abhilfe geschaffen mit der Verpflichtung von Degen. Und dadurch, dass es nur eine Leihe ist, ergibt sich nun die Chance für Celozzi, dass er sich entweder noch ein Jahr in seinem Schatten weiterentwickelt – oder jetzt doch schon den Durchbruch schafft.

4) Seine Vorgeschichte mit Gross

Der Durchbruch gelang Philipp Degen Anfang dieses Jahrtausends beim Schweizer Club FC Basel – der zu dieser Zeit vom jetzigen VfB-Coach Christian Gross trainiert wurde. Seine stärkste Zeit, die in der er dann eben auch in das Visier von Bundesligist Borussia Dortmund, erlebte er also unter dem Mann, der ihn jetzt wieder haben wollte und trainieren wird. Das ist sicherlich für mich (und auch für die meisten anderen VfB-Fans) das einzige wirklich ernsthafte Pro-Argument.

5) Er ist Schweizer

Der Schweizer an sich ist ja Rudeltier und fühlt sich erst so richtig wohl, wenn er Landsmänner (so genannte „Eidgenossen“) um sich scharen kann – wie man ja eindeutig an der Neubesetzung des Trainerpostens der zweiten Mannschaft sehen konnte. Daher kann es für das Wohlbefinden unseres Trainergotts eigentlich nur positiv sein, dass wir nun neben Zdravko Kuzmanovic auch noch einen weiteren Mann im Kader haben, den Gross zum abendlichen Fondue-Essen einladen kann.

Aber nun habe ich auch wirklich genug Advocatus Diaboli gespielt – anstrengend genug war es jedenfalls, sich das obige aus den Fingern zu saugen. Daher wollen wir nun mal, wie angekündigt, jemand anders sprechen lassen, denn auch dieses Mal habe ich wieder einen Blogger des abgebenden Vereins gefunden, der mir für ein paar Fragen zur Verfügung stand.

Freundlicherweise hat sich Redfloyd vom Liverpool FC-Blog „Have you ever been to Liverpool?“ bereiterklärt, uns seine Meinung über Degen kund zu tun. Die Übersetzung stammt natürlich von mir und sollte, denke ich, einigermaßen akkurat gelungen sein. Sicherheitshalber packe ich die englischen Originalantworten auch noch mal unten in die Kommentare. Bei der Übersetzung fiel mir zudem auf, dass wir bei Frage 4 wohl ein wenig aneinander vorbei geredet haben. Aber sei’s drum…

13 Einsätze in 2 Jahren für die Profimannschaft, 5 davon nur als Einwechselspieler, sind eine relativ verheerende Bilanz für einen Profifußballer in seinen besten Jahren. Verletzungen, starke Konkurrenz, zu schwache Leistungen – was, denkst Du, ist der Grund dafür, dass sich Degen nie in der ersten Mannschaft von Liverpool etablieren konnte?

Ich denke, der Hauptgrund, dass Degen sich nie im Profiteam etablieren konnte, waren seine Verletzungen. Er begann direkt mit einem Rippenbruch in seinem ersten (Vorbereitungs)Spiel für uns, zu denen sich dann auch noch Probleme mit dem Mittelfuß gesellten. Daher muss ich fair zu ihm sein und annehmen, dass ihm, wenn er mal zum Einsatz kam, oft Spielpraxis fehlte oder er sich an das neue Team gewöhnen musste. Obwohl er in der abgelaufenen Saison meistens fit war, gab ihm Rafa [Rafael Benitez, jetzt Ex-Coach – Anm. d. Red] zudem nie über mehrere Spiele am Stück, die Gelegenheit sich zu zeigen, was es ihm offensichtlich schwer machte, sein Leistungsvermögen zu zeigen. Was er wirklich bei uns hätte erreichen können ist fraglich, da er so viel Zeit auf OP-Tischen verbracht hat, aber ich schätze, dass es nicht gereicht hätte um dauerhaft in der Startaufstellung zu stehen.

War denn alles schlecht oder hat er zumindest mal die Qualitäten angedeutet, warum ihn Liverpool überhaupt verpflichtet hat?

Nicht wirklich. Als Degen verpflichtet wurde, erzählte man uns, dass er gerne nach vorne geht. Unglücklicherweise erlebten wir dadurch die Probleme, die wir jetzt noch teilweise mit Glen Johnson haben.
Auch wenn seine Vorstöße ohnehin oftmals auf Kosten der Defensive gehen, so hatte man oftmals sogar den Eindruck, als wenn er erst gar nicht verteidigen will oder sogar nicht kann?
Das Ergebnis, ähnlich wie bei Johnson, war, dass er häufig Gegentore dadurch verschuldete, dass er nicht nah genug beim Gegner war oder generell einfach zu weit vorgerückt war. Dazu gab es zu häufig zu leichte Ballverluste. Alles Anzeichen dafür dass es ihm entweder an Selbstvertrauen mangelte oder einfach daran, dass er grundsätzlich Schwierigkeiten hatte, sich an das Niveau der Premier League zu gewöhnen.

In Stuttgart war seine Position bislang von einem vielversprechenden aber noch unkonstanten 21 Jährigen besetzt, der in 18 der 34 Saisonspiele im letzten Jahr in der Startelf stand. Daher scheint es zumindest nicht ausgeschlossen, dass Degen auch bei uns wieder auf der Bank landet. Wie hat er sich bei Euch verhalten? Haben wir damit zu rechnen, dass er meckern und kritisieren wird, wenn er unzufrieden mit seiner Situation ist?

Ich würde mich ja an den Youngster halten – er klingt nach einem wesentlich besseren Plan für die Zukunft.
Natürlich sollte es immer dem Spieler vorbehalten sein, zu beindrucken, sich zu ruhig zu verhalten und sich selbst in die Startelf zu spielen, sich „unersetzbar“ zu machen. Degen’s Verhalten wirkte auf jeden Fall in Ordnung, selbst wenn er gar nicht im Team war. Seine Äusserungen in Interviews waren vernünftig und pragmatisch, und konzentrierten sich darauf, sich selbst verbesseren zu wollen oder die Verletzungen überwinden zu wollen. Er folgte eben nicht dem Beispiel von Yossi Benayoun, der sich stets beklagte, wenn er nicht aufgeboten wurde.
Ich glaube er wollte wirklich unbedingt gute Leistungen zeigen, aber gerade gegen Ende schien sein Selbstvertrauen vermutlich schon sehr gelitten zu haben. Es ist nicht leicht, in ein Team zurückzukehren und dann ins Spiel zu kommen, wenn es ohnehin insgesamt absolut nicht gut läuft, wie es bei uns in der letzten Saison der Fall war.
Kurzum, es funktionierte alles einfach nicht gemeinsam und letztlich ist dem Verein wohl nun auch die Geduld ausgegangen.

Falls Du es Dir zutraust: Denkst Du, dass Philipp Degen die Chance hat, sich selbst als Startplatzkandidat bei einem Verein mit Europa League Ambitionen und gelegentlichen Champions League-Auftritten zu etablieren?

Wenn er es will, ja. Er hatte einiges Pech bei und kam nie richtig in die Gänge, was nicht gleichbedeutend damit ist, dass man ihn nun komplett abschreiben sollte. Vielleicht war es ja das Beste, dass er nun gewechselt hat?
Er braucht jedenfalls eine solche Veränderung, regelmäßige Einsätze in der ersten Mannschaft, mehrere Einsätze am Stück, um sein Selbstvertrauen wiederzugewinnen. Und, beim besten Willen, ich glaube nicht, dass Roy Hodgson in der Lage wäre, ihm dies bei Liverpool garantieren zu können.
Vielleicht, wenn er bei Euch gut spielt, dann könnte er eine weitere Chance erhalten, aber ich bin mir relativ sicher, dass Hodgson seine eigenen Pläne hat und Degen, teilweise unverschuldet, hat nicht wirklich genug getan, als dass er unbedingt ein Teil dieser Pläne sein müsste.
Trotz allem wünsche ich ihm viel Glück und hoffe, dass Stuttgart von ihm profitieren kann.

Vielen Dank!

Philipp Degen wird beim VfB die Nummer 2 auf seinem Rücken tragen.

Das Neue, Der Neue, Die Neuen

21 Jul

Ein altbekannte, deutsche Redewendung lautet „Alles neu macht der Juli“ – naja, zumindest so ähnlich.

Im Fußball stimmt das zumindest in der Regel so ungefähr, denn das ist häufig der Monat in dem die Vereine so richtig in die Vorbereitung für die neue Saison einsteigen und dementsprechend viele personelle Weichen gestellt werden.

So natürlich auch beim VfB Stuttgart und so natürlich auch hier im Blog.

Dem aufmerksamen Leser dieses Blogs (und jetzt auch den Feed-Abonnenten) wird es sicherlich schon aufgefallen sein, dass ich die Sommerpause genutzt habe, um dem Blog ein neues Aussehen zu verpassen. Das neue Design macht den Blog hoffentlich etwas aufgeräumter und besser lesbar, ein Kritikpunkt, der schon von dem einen oder anderen Leser vorgebracht wurde.

Ein Umzug auf eine eigene Domain und damit ein wirklich „eigener“ Blog ist übrigens momentan nicht geplant, da ich die Notwendigkeit derzeit nicht sehe sondern mit wordpress.com als Plattform eigentlich sehr zufrieden bin. Aber mal schauen, vielleicht wage ich mich im nächsten Jahr in der Sommerpause mal da ran.

Auch beim VfB wird wie erwähnt kräftig an den Weichenstellungen für die nahende Saison gebastelt – auch wenn sich die Ergebnisse bislang noch im überschaubaren Rahmen bewegen.

Der Neue auf der Managerposition soll laut Aussagen auf der Mitgliederversammlung in den nächsten Tagen vorgestellt werden und ein ehemaliger Bundesligaprofi sein. Angeblich wird derzeit mit 5 Kandidaten ernsthaft verhandelt, wobei laut diversen Medienberichten die beiden Ex-VfB’ler Fredi Bobic und Gerhard Poschner momentan die Favoriten seien.

Ich könnte mit beiden Kandidaten wohl mehr oder weniger leben, wobei allerdings Poschner mein eindeutiger Favorit wäre. Im Gegensatz zu Bobic, der ja zur Zeit noch in der bulgarischen Provinz ein hoffenheimeskes Projekt gemeinsam mit seinem alten Spezi Krassimir Balakov hochzieht, hat Poschner sich zumindest zwei Jahre lang als Sportdirektor eines Vereins in einer europäischen Topliga bewähren können.

Nicht, dass ich es Bobic nicht zutrauen würde, auf der Managerposition auch eine gute Rolle zu spielen – aber neben dem Erfahrungsvorsprung, den Poschner ihm gegenüber aufweist, denke ich auch dass Poschner dank seiner Tätigkeit bei Real Saragossa vermutlich über das etwas hochwertigere Netzwerk im internationalen Fußball verfügt. Ein sicherlich nicht zu unterschätzender Vorteil auf der Position.

Aber egal ob es Poschner oder Bobic (oder doch jemand anders) wird, denke ich, dass wir wirtschaftlich und von den Strukturen her zumindest so gut aufgestellt sind, dass wir, auch dank der Person Jochen Schneider, weiterhin eine gute Rolle in der Bundesliga spielen dürften. Die Bekanntgaben über den wirtschaftlichen Zustand und die Bestätigung auf der Mitgliederversammlung, dass man weiterhin vernünftig wirtschaften will, kann ich zumindest nur begrüßen.

Achja, vielleicht kann man es ja mal mit einer Doppellösung Poschner/Bobic probieren. Und wenn man dann noch Marco Haber vom 1. FC Kaiserslautern loseisen könnte, dann könnte man vielleicht sogar wieder versuchen einen Angriff auf die Musikcharts zu starten…

Auch im Bereich der Neuverpflichtungen hat sich seit der Sommerpause noch nicht allzu viel Neues getan, schließlich stehen die Transfers von Martin Harnik und Marc Ziegler schon seit geraumer Zeit fest, Christian Gentners Verpflichtung wurde sogar schon im vergangenen Winter bekannt.

Dementsprechend wird es so allmählich mal Zeit, mich darum zu kümmern die Neuen im VfB-Dress hier vorzustellen, was in den nächsten Tagen hier geschehen wird. Und ja, damit ist die Sommerpause hier im Blog dann auch beendet und hier wird es dementsprechend wieder etwas aktiver werden.

Ich hoffe natürlich, dass ich nicht allzu lange warten muss, um neben diesem Trio auch noch ein bis drei weitere Neueinkäufe hier vorstellen zu können. Die Gerüchteküche kocht momentan zumindest auf recht hoher Flamme.

Die Verpflichtung von Ibrahima Traoré vom FC Augsburg steht ja schon seit längerem auf der Agenda, auch wenn sich immer noch nichts Entscheidendes in dieser Hinsicht zu bewegen scheint. Meiner Meinung nach wäre es aber auf jeden Fall ein Transfer, der sehr zu befürworten wäre und eindeutig das Potential hätte, eine Lösung mit Zukunft im linken Mittelfeld zu sein.

Seit kurzem auch verstärkt im Fokus der Medien sind zudem noch zwei weitere Spieler, die mit dem VfB in Verbindung gebracht werden. Mit André Ayew von Olympique Marseille ist darunter einer der Shooting Stars der WM, der mir bei seinen Auftritten für Ghana sehr gut gefallen hat und für den kolportierten Betrag von 1 Mio. € sicherlich ein absolutes Schnäppchen wäre, wenn er die Leistungen der WM bestätigen kann. Mit 20 Jahren ist er zudem auch noch extrem jung und sollte seine besten Jahre noch vor sich haben. Als Allrounder im offensiven Mittelfeld wäre er zudem eine weitere vielversprechende Ergänzung, um das Flügelspiel zu beleben.

Mit Philipp Degen ist seit heute noch ein weiterer Spieler ins Gespräch gebracht worden, der allerdings auf einer Position spielt, die bislang noch nicht sonderlich beachtet wurde beim Thema Neueinkäufe. Mit immerhin 27 Jahren ist er dabei ein angenehmer Kontrapunkt zu den eher jungen Spielern, die sonst so mit dem VfB in Verbindung gebracht werden und könnte damit ein wenig mehr Erfahrung in die ansonsten recht junge Mannschaft bringen, die ja doch die Verluste einiger routinierter Spieler zu verkraften haben wird. Die Frage stellt sich natürlich in Bezug auf sein Leistungsvermögen, in Anbetracht dessen, dass er nach seiner insgesamt recht starken Zeit bei Dortmund nun zwei Jahre lang beim FC Liverpool kaum ein Bein auf den Boden bekommen hat, sondern meist nur auf der Bank und dem Trainingsplatz aktiv war.

Spannender scheint aber alles in allem derzeit für die Medien natürlich zu sein, was mit Sami Khedira in der nahen Zukunft passieren. Real Madrids Interesse darf als gesichert gelten, wobei dann heute auf einmal Berichte über einen angeblichen Vorvertrag beim FC Bayern München in diversen Medien auftauchten – etwas was kurioserweise auch schon bei Mario Gomez behauptet worden war…

Ein ablösefreier Wechsel zu den Bayern im Sommer 2011 wäre dabei so ziemlich der Super-GAU für wohl die allermeisten VfB-Fans, inklusive mir. Daher hoffen wir mal, dass das einfach nur eine reine Ente ist.