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Die Neuen 2010/2011 (2): Martin Harnik

29 Jul

Wesentlich kürzer als die doch sehr ausführliche Biografie von Marc Ziegler liest sich die Vita unseres zweiten Transfers. Kein Wunder, ist Martin Harnik ja mal eben schlanke 11 Jahre jünger als der neue Ersatztorhüter des VfB.

Gemeinsam haben beide allerdings, dass sie mit sehr großer Wahrscheinlichkeit erst einmal auf der Ersatzbank Platz nehmen dürften. Denn dass Martin Harnik auf Anhieb den Sprung in die Startelf vorbei an den teuren Spielern Cacau, Marica und Pogrebnyak schafft, ist dann doch eher unwahrscheinlich, auch wenn Harnik unbestrittenes Potential hat und in den ersten Testspielen auch schon mehrfach zum Einsatz kam und treffen konnte.

Eine gewisse Treffsicherheit konnte man ihm zumindest bei seiner letzten Station in Düsseldorf beim Zweitligaverein Fortuna durchaus unterstellen, da erzielte er schließlich immerhin 13 Tore in 30 Einsätzen. Kurioserweise immerhin 12 davon innerhalb von 16 Partien am Stück Mitte der Saison.

Martin Harnik war in dieser Spielzeit allerdings nicht „Eigentum“ der Fortuna, sondern war dort nur ausgeliehen von Werder Bremen, wo er seit 2006 unter Vertrag stand, aber in zwei Jahren der Profikaderzugehörigkeit (ab 2007) nur auf relativ magere 17 Bundesligaeinsätze und einen Ligatreffer kam.

Dies hing allerdings nicht unbedingt mit mangelnder Qualität zusammen, sondern auch mit mehreren Verletzungs- und Krankheitsunterbrechungen, die ihm besonders die Saison 2008/09 verhagelten. Erst stoppte ihn ein Aussenbandanriss im Knie mitten in der heissen Phase der Vorbereitung zum Saisonauftakt, dann erlitt er eine weitere Bänderverletzung, die dafür sorgte dass er nicht nur weite Teile der Hinrunde sondern auch die Winterpausenvorbereitung weitestgehend verpasste, was ihn entsprechend zurückwarf.

Kam er in der ersten Mannschaft nicht zum Zug, so durfte er währenddessen allerdings zumindest meistens im Regionalligateam zum Einsatz, so dass er regelmäßige Spielpraxis bekam, bis sich Allofs und Schaaf dann eben dazu entschieden ihn an Düsseldorf zu verleihen.

Neben der bislang nicht überragenden aber doch schon überdurchschnittlichen Vereinskarriere, konnte der 23jährige auch auf Nationalmannschaftsebene schon einige Erfolge verzeichnen und war unter anderem Stammspieler der allerdings nicht sonderlich erfolgreichen österreichischen Nationalmannschaft bei der Heim-EM 2008.

Harnik besitzt zwar auch die deutsche Staatsbürgerschaft (er ist schließlich in Hamburg geboren und aufgewachsen), hat sich aber frühzeitig dazu entschieden für den ÖFB anzutreten und ist dort diverse Jugendauswahlmannschaften durchlaufen, bevor er 2007 sein Debüt für die A-Nationalmannschaft geben durfte. Zwei Länderspieltore in 16 Spielen darf er sich bisher auf seine Vita schreiben.

Um noch einen etwas besseren Eindruck von dem jungen Nachwuchsstürmer zu bekommen, der eine der schlechtesten Internetpräsenzen eines Bundesligaprofis hat, die ich je gesehen habe, habe ich auch dieses Mal erfreulicherweise einen Interviewpartner finden können, der ihn bei seinem Ex-Verein ausführlich beobachten konnte.

Dirk vom Fortuna Düsseldorf-Blog F95inside stand mir hierfür erfreulicherweise Rede und Antwort.

Martin Harnik hatte während seines einjährigen Leihauftritts bei der Fortuna einen etwas eigenwilligen Saisonverlauf: Zu Beginn schien er bei Trainer Norbert Meier keine Rolle zu spielen, bis er dann vom 8. bis zum 24. Spieltag 12 Tore erzielte und in mehreren Partien der Matchwinner für Düsseldorf war. Danach allerdings dauerte es bis zum 34. und letzten Spieltag bis Harnik den 13. Saisontreffer erzielen konnte. Das Fazit der Leihe fällt daher vermutlich eher gemischt aus – oder vermute ich da falsch?

Dadurch das Martin nicht die ganze Vorbereitung mitgemacht hat und Norbert Meier erstmal auf Jovanovic und Bulykin gesetzt hatte kam Martin am Anfang nur sporadisch zum Einsatz. Da aber Bulykin nicht überzeugen konnte und Martin sich super in das Spielsystem integriert hatte wurde er zum Stammspieler.  Die Durststrecke zwischen dem 24. und dem letzten Spieltag erkläre ich mir, dass Martin sich einfach vom Kopf her zuviele Gedanken gemacht hat wo er in der neuen Saison spielen soll. Es war ja nicht so das er nicht kämpferisch und spielerisch völlig enttäuscht hat, aber er hat einfach die Bude nicht mehr getroffen. Als Zusammenfassung ist zu sagen: Danke Martin!!! Er hat sich bei Fortuna in die Herzen der Fans gespielt und immer Topleistung gebracht. Da ich bei Fortuna arbeite kann ich Dir noch sagen, dass er menschlich eine super Persönlichkeit ist. Er hat sich innerhalb der Mannschaft und auch im ganzen Verein super integriert.

Was für ein Stürmertyp ist Martin Harnik denn? Welche Stärken zeichnen ihn aus?

Martin ist ein Offensive Allrounder, der eigentlich alle offensiven Postionen spielen kann. Er ist schnell, technisch gut und hat ein gutes Spielverständniss. Er holt sich auch oft die Bälle im Mittelfeld. Dies allerdings kreide ich ihm manchmal, dass er sich zu sehr um andere Aufgaben kümmert und dann das Tore schießen vergisst. Aber man weiß ja nie, was der Trainer von Ihm verlangt hat.

Und wo siehst Du bei dem jungen Stürmer noch Verbesserungspotenzial?

Er muss auf jedenfall noch robuster werden, kaltschnäuziger vor dem Tor agieren und manchmal auch ein bißchen egoistischer spielen. Gerade das zeichnet Topstürmer aus.

Die Schlüsselfrage natürlich zuletzt: Traust Du es Martin Harnik zu, sich in der ersten Bundesliga, bei einem Verein mit Ambitionen auf das internationale Geschäft auf Anhieb durchzusetzen? Gerade in Konkurrenz zum etablierten Cacau und den hochbezahlten Pogrebnyak und Marica?

Die Frage ist wirklich schwer zu beantworten. Würde er bei z.B. einem Aufsteiger wie St. Pauli spielen würde er seine Einsätze bekommen. Ob er sich gegen so starke Konkurrenz wie Cacau, Marica und Progrebnyak durchsetzen kann muss die Zeit zeigen. Es ist ja auch die Frage was Gross für ein System spielen möchte. Es könnte ja auch sein, dass Martin über rechts spielen soll, dies wäre auch eine Position für ihn. Alles weitere wird die Saison zeigen, in Bremen hat er sich nicht wirklich durchgesetzt, aber da hatte er auch eine riesen Konkurrenz.

Ich wünsche Ihm auf jedenfall alles Gute im Schwabenlande und hoffe ihr habt viel Freude an ihm.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, Dirk. Ich wünsche Euch jedenfalls viel Erfolg für den Aufstiegskampf und würde mich freuen, Euch in naher Zukunft mal wieder in der ersten Liga zu sehen.

Martin Harnik wird in der kommenden Saison beim VfB das Trikot mit der Nummer 7 tragen.