Die Neuen 2010/11 (9): Tamas Hajnal

9 Feb

Kurz eine Notiz in eigener Sache:
Da es beruflich momentan ordentlich rund geht, schaffe ich es leider nicht zwei Spielbesprechungen pro Woche zu schreiben, daher verweise ich an dieser Stelle mal wieder auf den entsprechenden Text zum Spiel in Mönchengladbach bei spox.

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Tamas Hajnal - Die 10 mit der 28 [Quelle: vfb.de]

Tamas Hajnal - Die 10 mit der 28 (Quelle: vfb.de)

Eine der Geschichten des Spiels am vergangenen Samstagabend gegen die Borussia war natürlich die Leistung unseres Neueinkaufs Tamas Hajnal, der zu Beginn der zweiten Hälfte ins Spiel kam – und mit ihm eine drastische Wende in das des VfB, für den in der ersten Halbzeit das Prädikat „Stümper“ noch ein Kompliment gewesen wäre.

 

Zur „Geschichte“ wurde sein Einstand natürlich nicht nur wegen seiner ansprechenden Leistung, sondern vor allem vor dem Hintergrund seiner jüngeren Vergangenheit und die daraus resultierenden Erwatungen an den 29jährigen Ungarn, der von der Dortmunder Tribüne an den Cannstatter Wasen wechselte. Zu nicht gerade leicht vermittelbaren Konditionen: Leihe bis zum Saisonende ist ja noch okay, aber bei Klassenerhalt (was ja auf jeden Fall passieren wird) dann ein verpflichtender Anschlussvertrag bei einer Abslösesumme von wohl 2 Mio. Euro mit Laufzeit bis 2013 (ein Jahr länger als in Dortmund) – das ist für einen Spieler mit seiner Vergangenheit schon nicht ohne.

Obwohl er schon Mitte Dezember beim VfB in der Gerüchteküche gehandelt wurde, dauerte es dann doch bis zum letzten Tag der Transferperiode, bis in dieser Personalie von Bobic und Verein Vollzug gemeldet wurde – ein Umstand, der von nicht wenigen Fans kritisiert wurde. Schließlich war es nun wirklich nicht so, als ob man sich mit Dortmund in einem harten Verhandlungsmarathon durchsetzen musste, bei einem Spieler, der bei seinem Verein nicht mehr wirklich eine Rolle spielte.

Der Ungar kam mit Länderspieleinsätzen auf insgesamt magere 4 Spiele, darunter lediglich einen von Beginn an, in der Regionalliga West bei der zweiten Mannschaft des BVB. Zugegeben, das wurde auch bedingt durch zwei Muskelfaserrisse, aber wirft man den Blick noch eine Saison weiter zurück , dann wird auch dort schon klar, dass Hajnal beim BVB nicht mehr in der ersten Reihe spielte. Zwar war er mit 21 Bundesligaeinsätzen quantitativ noch einigermaßen gut dabei – nach seinem Bänderriss im Herbst 2009 kam er anschließend allerdings nie wieder in die Stammelf zurück, so dass im Anschluss nur drei Startelfeinsätze, 11 Einwechslungen gegenüberstanden. Ein deutlicher Rückschritt im Vergleich zu seiner Premierensaison, wo er noch 30 Bundesligaspiele beim BVB von Beginn an absolvierte (mit 5 Toren und 12 Assists im Übrigen).

Seinen Durchbruch feierte er ein Jahr zuvor in der Saison 07/08 beim Karlsruher SC (32S / 8 T / 9V), wohin er wiederum ein Jahr zuvor vom damaligen Zweitligisten Kaiserslautern (32 S / 7  T / 9 V) gewechselt war.

Seine ersten Bundesligaeinsätze hatte Hajnal übrigens nicht erst beim KSC, sondern schon satte 8 Jahre zuvor beim FC Schalke 04 in der Saison 99/00, die ihn als Jugendspieler zwei Jahre zuvor aus Ungarn in den Pott holten. Richtig durchsetzen konnte er sich dort allerdings nie, so dass er 2004 nach Belgien wechselte, um anschließend über die Pfalz wieder in den deutschen Profifußball zurückzukehren.

Was im Gegensatz zu Hajnals Schalker Zeit ungleich bekannter ist, ist natürlich die Tatsache, dass es sich bei ihm um einen Spielmacher relativ klassischer Prägung handelt. Was gleichzeitig auch einer der Hauptkritikpunkte an seiner Verpflichtung war, da der VfB im System der letzten Jahre (4-4-2 mit Doppelsechs) eine solche Position nun mal nicht offen hat. Versuche gab es für diese Position in den letzten Jahre zahlreiche, als gescheitert kann man (fast) alle bezeichnen: Bastürk, Farnerud, Elson, da Silva und wie sie alle heissen.

Nun also Tamas Hajnal.

Und um unsere liebgewonnene Tradition beizubehalten, habe ich natürlich auch zu Tamas Hajnal einen Fan des abgebenden Vereins dazu breitschlagen können, in einem Interview ein paar Fragen zum Ungarn zu beantworten und so ein bisschen mehr über unseren Neueinkauf zu erfahren. In diesem Fall war BVB-Blogger Tinneff so freundlich mir Rede und Antwort zu stehen.
[Zur Erklärung sei im Übrigen angemerkt, dass das Interview letzte Woche stattfand und Hajnals Premierenauftritt noch nicht mit einbezogen war.]

Viel positives Feedback hat die Leihe von Hajnal bislang nicht bekommen. Unter anderem bekam der ungarische Spielmacher Prädikate wie „lauffaul“ oder „Ballverschlepper“ verliehen. Kannst Du diese Eindrücke bestätigen?

Hajnals Stärke ist es sicherlich nicht, im laufintensiven Spiel vorne wegzugehen. Auch ist er nicht in der Lage, das Tempo zu forcieren und hochzuhalten, wenn es nötig ist. Es wirkt immer monoton und etwas langsam.
Hajnals Stärken sind ganz klar die Standardsituationen und sein Passspiel. Auch hat er einen guten Schuss. Ich denke schon, dass er bei defensiver Absicherung beim VfB besser zur Geltung kommt als beim BVB, zumal der VfB nicht das laufintensive Spiel auf den Rasen legt wie der BVB. Ohne defensive Absicherung geht allerdings bei Hajnal kaum was. Die Defensive ist eine weitere Achillesferse.

In Dortmund konnte sich Hajnal nie wirklich durchsetzen, trotz wechselnder Konkurrenz. Lag es nur an ihm?

Scheinbar ist es so, dass er den Trainer nicht überzeugen konnte. Ob dies nun am Einsatz, der Fitness oder überstarken Konkurrenz lag, mag ich nicht zu beurteilen. Es ist natürlich auch kein einfaches Los, wenn man mit Zidan, Lewandowski, Kagawa und Götze Spieler zur Konkurrenz hat, die allesamt jünger sind und darüber hinaus besser in des schnelle Passspiel der Borussia passen. Und auf der 6er Position hat Hajnal nichts verloren. Offensiv ist Nuri Sahin unersetzlich und der wichtigste Mann im Kader mit überragenden Leistungen und defensiv haben wir halt mit Bender jemanden, der neben der körperlichen Statur, die man im defensiven Mittelfeld braucht und zudem auch die Gabe, sich in jeden Zweikampf zu werfen.

In den vergangenen Jahren stand bei Stuttgart eigentlich meist das 4-4-2 mit Doppelsechs als unumstößlich festgeschrieben. Kann Hajnal in diesem System überhaupt irgendwo sinnvoll eingesetzt werden oder muss mit ihm auch zwangsläufig eine Systemumstellung einher gehen, wie es einige Fans vermuten?

Er kann die 6 offensiv spielen, ist aber als klassischer 10er deutlich stärker. Ohne euren Kader und die taktischen Möglichkeiten genau zu kennen, ist Hajnal im alten 4-3-3 oder im 4-2-3-1 auf der Position hinter den/der Spitze(n) am stärksten, zumal er auch einen guten Schuss aus der Distanz hat. Im 4-4-2 ist euch meiner Meinung nach keine Hilfe.

Gibt es vielleicht noch etwas, was Du uns als Hoffnung mit auf den Weg geben kannst?

Also in Dortmund hat der VfB gut ausgesehen fand ich. Klar, der BVB hatte Chancen ohne Ende und hätte hoch gewinnen können, aber im Spiel nach vorne war durch aus Qualität erkennbar. Was fehlt ist halt die Kostanz und ein guter Innenverteidiger, wenn Delpierre oder Tasci ausfallen. Niedermeier hat kein Bundesligaformat in meinen Augen.

Vielen Dank für das Interview! Und natürlich Herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft. Sowohl was die Packers angeht, als auch für den BVB in ein paar Monaten. =)

Tamas Hajnal wird das Trikot mit der Nummer 28 tragen.

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Später in dieser Woche (und ich hoffe, ich verspreche da nicht zu viel) wird es im Übrigen noch einen entsprechenden Eintrag zu unserem anderen Neueinkauf der Winterpause geben, dem Japaner Shinji Okazaki. Das Interview ist schon geführt, allerdings muss ich noch Zeit finden um den Beitrag zu schreiben  – womit wir dann wieder beim Ausgangspunkt des Beitrags wären…

1) Viel positives Feedback hat die Leihe von Hajnal bislang nicht bekommen. Unter anderem bekam der ungarische Spielmacher Prädikate wie „lauffaul“ oder „Ballverschlepper“ verliehen. Kannst Du diese Eindrücke bestätigen? 

Hajnals Stärke ist es sicherlich nicht, im laufintensiven Spiel vorne wegzugehen. Auch ist er nicht in der Lage, das Tempo zu forcieren und hochzuhalten, wenn es nötig ist. Es wirkt immer monoton und etwas langsam.
Hajnals Stärken sind ganz klar die Standardsituationen und sein Passspiel. Auch hat er einen guten Schuss. Ich denke schon, dass er bei defensiver Absicherung beim VfB besser zur Geltung kommt als beim BVB, zumal der VfB nicht das laufintensive Spiel auf den Rasen legt wie der BVB. Ohne defensive Absicherung geht allerdings bei Hajnal kaum was. Die Defensive ist eine weitere Achillesferse.

2) In Dortmund konnte sich Hajnal nie wirklich durchsetzen, trotz wechselnder Konkurrenz. Lag es nur an ihm?

Scheinbar ist es so, dass er den Trainer nicht überzeugen konnte. Ob dies nun am Einsatz, der Fitness oder überstarken Konkurrenz lag, mag ich nicht zu beurteilen. Es ist natürlich auch kein einfaches Los, wenn man mit Zidan, Lewandowski, Kagawa und Götze Spieler zur Konkurrenz hat, die allesamt jünger sind und darüber hinaus besser in des schnelle Passspiel der Borussia passen. Und auf der 6er Position hat Hajnal nichts verloren. Offensiv ist Nuri Sahin unersetzlich und der wichtigste Mann im Kader mit überragenden Leistungen und defensiv haben wir halt mit Bender jemanden, der neben der körperlichen Statur, die man im defensiven Mittelfeld braucht und zudem auch die Gabe, sich in jeden Zweikampf zu werfen.

3) In den vergangenen Jahren stand bei Stuttgart eigentlich meist das 4-4-2 mit Doppelsechs als unumstößlich festgeschrieben. Kann Hajnal in diesem System überhaupt irgendwo sinnvoll eingesetzt werden oder muss mit ihm auch zwangsläufig eine Systemumstellung einher gehen, wie es einige Fans vermuten?

Er kann die 6 offensiv spielen, ist aber als klassischer 10er deutlich stärker. Ohne euren Kader und die taktischen Möglichkeiten genau zu kennen, ist Hajnal im alten 4-3-3 oder im 4-2-3-1 auf der Position hinter den/der Spitze(n) am stärksten, zumal er auch einen guten Schuss aus der Distanz hat. Im 4-4-2 ist euch meiner Meinung nach keine Hilfe.

4) Gibt es vielleicht noch etwas, was Du uns als Hoffnung mit auf den Weg geben kannst?

Also in Dortmund hat der VfB gut ausgesehen fand ich. Klar, der BVB hatte Chancen ohne Ende und hätte hoch gewinnen können, aber im Spiel nach vorne war durch aus Qualität erkennbar. Was fehlt ist halt die Kostanz und ein guter Innenverteidiger, wenn Delpierre oder Tasci ausfallen. Niedermayer hat kein Bundesligaformat in meinen Augen.

3 Antworten to “Die Neuen 2010/11 (9): Tamas Hajnal”

  1. VM (Tinneff) Februar 9, 2011 um 8:27 am #

    Hi Hirngabel,

    vielen Dank für die Glückwünsche. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr nicht absteigt, damit ich nächste Saison meine Wettgewinn bei dir einlösen kann🙂

    Gruß
    VM

  2. jens1893 Februar 10, 2011 um 1:48 am #

    Hätte selber noch eine Frage an den werten Gast aus Dortmund.

    Wieso hat ein Antonio da Silva in Dortmund seine Einsätze gekriegt bzw kriegt sie immer noch, während ein Hajnal quasi komplett aussen vor war und keinerlei Chance mehr hatte? Bonus, weil da Silva Klopps Junge aus Mainz ist?

    Deine oben geschilderte Beschreibung zu Hajnal deckt sich mit meinen zu Hajnal gesammelten Eindrücken aus seiner Zeit in KL, KA und DO, auch wenn du natürlich Hajnal besser kennen dürftest wie ich … allerdings halte ich da Silva für quasi den genau gleichen Spielertypen wie Hajnal und zu da Silva konnte man sich ja hier 2 Jahre lang seine eigene Meinung bilden. Feines Füßchen, gute Pässe, gute Standards, Dynamik und Schnelligkeit gleich Null, größere Mängel beim Thema Zweikampfverhalten und Zweikampfhärte. da Silva zumindest war für mich nie ein Typ für die Startelf, allerdings ein Spieler, den man immer für 20-30 Minuten reinschmeissen konnte und der fast immer eine sehr gute Aktion hatte.

  3. VM (Tinneff) Februar 10, 2011 um 10:50 am #

    Hi Jens,

    ich denke, dass du mit deiner Einschätzung zum Verhältnis da Silva Klopp ziemlich gut liegst. Bei da Silva war ich wirklich überrascht, was er gerade was seine Pässe betrifft im Repertoire hat.

    Ich vermute einfach, dass sowohl Hajnal als auch Feulner bei Klopp nicht so gezeigt haben im Training wie z.B. da Silva. Und letzterer scheint im defensiven Mittelfeld ein bisschen besser zu sein als Hajnal/Feulner.

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