Chefübergangsübungsleiterwechsel-theater – Die xte.

12 Dez

Nun ist es also offiziell gemacht worden, was ohnehin schon seit gestern, wenn nich sogar schon früher, jeder wusste:

Bruno Labbadia ersetzt Jens Keller als Chefübergangsübungsleiter des VfB Stuttgart und ist damit der fünfte Trainer, der sich innerhalb von zwei Jahren im Schwabenland versuchen darf.

Es ist einigermaßen unverständlich, warum man sich mit der Bekanntgabe einen ganzen Tag Zeit ließ, obwohl nicht nur die Spatzen, sondern irgendwann sogar schon die Ziegel von den Dächern pfiffen, dass Keller am Samstag vormittag entlassen wurde und mit Labbadia auch schon der Nachfolger in den Startlöchern stand.

Natürlich ging es wohl noch um die Fixierung einiger vertraglicher Details, sowohl was die Zukunft von Keller im Verein anging, als auch was die Details des Vertrags mit Labbadia angeht. Aber dass die Vereinsführung des VfB auch in dieser Sache wieder keine Kommunikationshoheit hat spricht Bände und gibt erneut ein schlechtes Bild ab. Matthias Sammer hat das im heutigen Doppelpass ganz gut und deutlich angesprochen, als er von Gremien sprach, die beim VfB gerne reinreden und mindestens eben so gerne mit der Presse sprechen.

Wie war das noch mal mit dem stinkenden Fisch und dem Kopf?

Unabhängig aber von den strukturellen Problemen des Vereins, die es früher oder später zu beheben gilt, hatte die Profimannschaft in der Tat auch ein akutes Problem mit Jens Keller. Dementsprechend begrüße ich grundsätzlich den Schritt Keller loszuwerden und durch jemand anders zu ersetzen.

Man kann zwar die Frage nach Henne und Ei stellen, aber es war eben schon am Freitagabend gegen Hannover offensichtlich, dass dort ein waidwunder, verzweifelter Mensch am Spielfeldrand stand, der nichts mehr zu verlieren hatte und dementsprechend während des Spiels mit jedem personellen Wechsel auch das System zu ändern versuchte. Das wirkte, wie gesagt, einigermaßen verzweifelt und zeigte deutlich, dass Keller klar war, dass er hier siegen musste.

Dass man dies von der Mannschaft nicht sagen konnte, vor allem in Halbzeit 1, war dann leider auch mehr als bezeichnend.

Natürlich kann man bei den in dieser Saison überraschend starken Hannoveranern mal verlieren, aber eben nicht in unserer Situation. Und wenn man dann die Gesamtentwicklung unter Keller betrachtet, dann war die Konsequenz, die man an diesem Wochenende gezogen hat (bzw. wohl schon im Laufe der vergangenen Woche) durchaus richtig.

Was man der Vereinsführung in diesem Fall zumindest nicht vorwerfen kann, ist fehlender Aktionismus.

Denn während Jens Keller wohl komplett freigestellt wurde und sein Co Jürgen Kramny zurück zur U19 gehen wird, hat man sich zudem auch von Konditions- und Rehatrainer Christian Kolodziej getrennt (seit 2004 im Verein). Etwas überraschender war aber, zumindest für mich, dass man den früheren Torwarttrainer und jetzigen Teambetreuer Jochen „Goalie“ Rücker, der seit nunmehr 23 Jahren im Verein ist, aus dem Einzugsbereich der Profimannschaft entfernt. Die Gründe für diese beiden Maßnahmen wird man wohl nicht erfahren, aber man kann natürlich seine Schlüsse daraus ziehen…

Mit Bruno Labbadia hat man sich nun einen Mann ins Haus geholt, der alles andere als unumstritten ist, manche würden ihn sogar als „in der Bundesliga verbrannt“ bezeichnen, nachdem er bei beiden bisherigen Bundesligastationen sehr viel zerbrochenes Porzellan hinterlassen hat. Dementsprechend ist es kaum erstaunlich, dass die Reaktionen der Fans anderer Vereine (und teilweise natürlich auch von VfB-Fans) so irgendwo zwischen Häme, Unglaube und Mitleid variieren – je nachdem wie man halt zum VfB steht.

Fraglos ist diese Personalie mit einigem Risiko verbunden, wenn man sich Labbadias Vergangenheit so anschaut. Aber, wie von 1ng0 hier sehr gut ausgeführt haben wir ja durchaus auch schon Trainer wieder zum Blühen gebracht, die eigentlich für die Liga schon tot waren, wie eben Magath oder Veh, die ja seinerzeit beide damals als schwer vermittelbar galten.

Wenn Labbadia, wie er bei der Vorstellung heute mittag behauptete, sich tatsächlich ausgiebig Gedanken gemacht hat, über die Dinge, die in Leverkusen und Hamburg nicht gut gelaufen sind, und er für sich auch die Schlüsse daraus ziehen kann, dann habe ich durchaus Hoffnung, dass es was geben kann mit ihm beim VfB.

Missversteht mich nicht, ich erwarte keine erfolgreiche Labbadia-Ära, was allerdings nichts mit Labbadia an sich zu tun hat, sondern damit, dass ich das Thema „Langfristigkeit“ für einen Mythos halte, der für einen Bundesligaverein nur in absoluten Ausnahmefällen realisierbar ist. Und schon gar nicht beim VfB, dem Zahnarztwartezimmer der Bundesliga („Der Nächste bitte!“). Es würde mir erstmal schon reichen, wenn Labbadia bewirkt, dass man bald rauskommt aus den Abstiegsrängen und diese Gefahr mit ihm schnell bannen kann.

Wie es dann im Sommer weitergeht, kann man dann immer noch schauen.

Würde ich zumindest sagen, wenn sich unsere Vereinsführung nicht wieder dazu entschlossen hätte, Labbadia direkt mal mit einer Vertragsdauer von zweieinhalb Jahren auszustatten. Manchmal beschleicht mich da doch der Verdacht, es handelt sich bei den Verantwortlichen um einen Haufen naiver Träumer, denn gelingt zwar der Nichtabstieg, aber das nur mit Ach und Krach und viel Unzufriedenheit, dann hat man Labbadia entweder für zwei weitere Jahre an der Backe – oder aber darf die fünfte, satte Abfindungssumme zahlen. Ich kann das Gefühl da leider nicht verdrängen, dass man als VfB hier einen schlechteren Deal als nötig gemacht hat.

Nun ja, abgesehen von diesen Begleiterscheinungen und auch von dem was in der Vergangenheit bei Labbadia passiert ist, wird Bruno Labbadia von mir definitiv erstmal Vertrauen bekommen. Der Fußball, den er zu Beginn seiner Zeiten bei HSV und Bayer 04 hat spielen lassen, war nun mal jedes Mal sehr ansehnlich und auch erfolgreich – und das würde mir, wie gesagt, schon erst einmal absolut reichen, würde es doch bedeuten, dass man das Schreckensszenario „Liga 2“ bald abwenden könnte.

15 Antworten to “Chefübergangsübungsleiterwechsel-theater – Die xte.”

  1. jens1893 Dezember 12, 2010 um 5:23 pm #

    Ich will bei dem ganzen Thema doch eigentlich nur Hoffnung haben und einen Silberstreif sehen können. Nicht mehr und auch nicht weniger.

    Können die Herren vielleicht nur ein einziges mal die richtige Entscheidung fällen? Anstatt sich jetzt hier für den Rest der Saison einen Feuerwehrmann im Stile eines Hans Meyer zu holen, der dann im Sommer aber wieder weg wäre, stattet man hier jetzt irgendeinen Trainer vom Karussell mit einem Vertrag über 2,5 Jahre aus, schmeißt neben dem alten Cheftrainer noch 2 weitere Betreuer raus und bezeichnet das dann als den grossen Neustart. Mit einem Meyer hätte man dann wenigstens im Sommer die Chance zu einem echten Neuanfang, weil der dann wieder weg wäre und man sich dann wirklich mal gezielt nach einem Trainer umgucken und evtl. auch wo rauskaufen könnte und nicht irgendwas vom Karussell nehmen müsste, aber nein, wir wursteln ja lieber genauso weiter wie bisher und geben hier einem Typen, dessen Name in Deutschland quasi komplett verbrannt ist, einen Vertrag über 2,5 Jahre. Das passt natürlich aber auch wunderbar ins allgemeine Bild, da ein Labbadia hier kaum grosse Ansprüche stellen kann, da er auf diesen Job angewiesen ist und quasi dem Himmel danken muss, dass er nach seinen Stationen in Leverkusen und Hamburg überhaupt noch mal einen Job als Cheftrainer bei nem Bundesligisten kriegt.

    • Schwob Dezember 12, 2010 um 10:59 pm #

      Ihr beide sprecht mir sowas von aus dem Herzen! Genau meine Gedankengänge,präzise zusammengefasst. Ich bin völlig ungläubig zu sehen, dass sie Labbadia einen so langen Vertrag angeboten haben! Da fällt man vom Glauben ab! Und auch wenn Labbadia sagt, dass er sich tatsächlich seine Gedanken zu seinen vorherigen Stationen gemacht hat, bin ich gespannt, ob er auch die richtige Schlüse daraus gezogen hat und sie dann auch bei uns umsetzen kann.

      Und Marcel, das hier gewonnene Trikot habe ich brav im Stadion getragen, nur leider hatte es noch nicht den erhofften Erfolg gebracht. Ich hoffe, im Februar in Frankfurt funktionert es besser, wenn der VfB dann bei der Eintracht auf Labbadias neuer Erfolgswelle in obere Gefilde der Tabelle surft!

    • hirngabel Dezember 13, 2010 um 1:22 pm #

      @Schwob
      Danke für die Rückmeldung. Hatte Freitagabend noch an Dich gedacht. =) Natürlich blöd, dass es kein Glück gebracht hat. Aber das wird sich bestimmt ändern. Irgendwann… Vielleicht dann sogar schon gegen die Eintracht.

      Die lange Vertragsdauer ist in der Tat absolut unverständlich in Anbetracht der jüngeren Historie von Verein, sowie auch Trainer. Da würde es mich echt interessieren, was die Verantwortlichen geritten hat.
      Bei Labbadia selbst muss man momentan einfach hoffen und schauen, was die Zeit bringt. Bin auf jeden Fall nicht bereit, ihn im Vorfeld schon zu verdammen.

  2. 1ng0 Dezember 12, 2010 um 10:33 pm #

    oh, ein verweis auf mich. wie schön, das ehrt mich. und wie heimzkamke schon sagte: nicht nur magath, sondern auch veh haben ja beim vfb die kurve gekriegt. würde mich nicht beschweren, wenn es bei labbadia auch so liefe. aber irgendwie fehlt mir der glaube…

    man munkelt ja, zu den problemen in hamburg und leverkusen sei es auch deshalb gekommen, weil er sich mit der einen oder anderen spielerfrau eingelassen haben soll. dann wird der boka ja bald noch mehr horrorpässe spielen, wenn ihm erst der trainer seine gina-lisa ausgespannt hat.

    • hirngabel Dezember 13, 2010 um 1:13 pm #

      @1ng0
      Naja, wenn man den Hamburg-Insidern so Glauben schenken mag, dann ist das mit der Spielerfrauenaffäre wohl eher „Urban Legend“ bzw. üble Nachrede und wohl eher nicht so viel dran.
      Siehe hier:

      Von daher sollte man da vielleicht nicht zu viel rein interpretieren.

    • 1ng0 Dezember 15, 2010 um 7:45 pm #

      @hirngabel: hmm, ich habs auch von einem journalisten, sogar einem relativ prominenten und meist gut informierten. aber klar, üble nachrede ist die wahrscheinlicherer variante…

    • hirngabel Dezember 17, 2010 um 10:59 am #

      @1ng0
      Die Wahrheit wird man wohl ohnehin nie erfahren. Von daher, so lange ich Labbadia nicht schlecht finde (ergo solange der VfB Erfolg hat), werde ich diese Geschichte ab sofort stets ins Reich der Legenden verweisen.

  3. jasi2106 Dezember 13, 2010 um 12:40 am #

    Wie immer kann ich bei deinen Blogs nur schreiben: sehr schön die Situation zusammengefasst. Kann ich nur zustimmen.

    Momentan fällt mir kein Grund ein, wieso er so einen langen Vertrag bekommen sollte. Bei den letzten Trainern wurde immer noch argumentiert, dass man jetzt erst mal schauen möchte und dann entscheidet – eine 180° Wendung. Das ist beim VfB in letzter Zeit nun auch nicht so verwunderlich…

    Laut StN ist Keller nicht komplett freigestellt, sondern wird Spiele beobachten und Spieler scouten:
    http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.trainerrauswurf-kellers-herz-schlaegt-weiter-fuer-die-roten.06796893-04e1-47fd-b9bc-5ac6a35ca018.html?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

    • hirngabel Dezember 13, 2010 um 2:00 pm #

      Ja, das mit der Scout-Tätigkeit von Keller habe ich dann im Nachhinein auch gelesen. Auch Kolodziej wird nach wie vor im Verein bleiben, aber dann als Fitnesstrainer im Jugendbereich.

      Ich kanns mir sinnvoller Weise nur so erklären, dass man sich eine Sicherung in Form von „keine Abfindung bei Rauswurf“ oder aber Kündigungsoptionen bei Nichterreichen gewisser Ziele eingebaut hat. Aber vermutlich ist das schon zu viel erwartet…

  4. heinzkamke Dezember 15, 2010 um 1:06 pm #

    Die zweieinhalb Jahre kommen einerseits überraschend und erscheinen auch mir nicht so wirklich klug. Andererseits frage ich mich, ob der VfB einen guten Kandidaten (für den, das will ich unterstellen, die Vereinsführung Herrn Labbadia hält) in der aktuellen Situation so leicht nach Cannstatt locken kann. Will sagen: richtig schlecht ist die Verhandlungsposition eines (hoffentlich tatsächlich) guten Bewerbers nicht. Und sollte es tatsächlich so sein, dass –wie die Stuttgarter Zeitung zu wissen glaubt – der VfB im Sommer 2011 eine Ausstiegsklausel nutzen kann (nein, ich meine nicht den Abstieg), hätte man möglicherweise gar nicht so unklug gehandelt wie weithin gedacht.

    • hirngabel Dezember 17, 2010 um 10:57 am #

      Danke für den Linkservice. Mit der Klausel (über etwas ähnliches hatte ich ja im vorigen Kommentar spekuliert) würde das Ganze natürlich in einem etwas sinnvolleren Licht erscheinen.

      Nun ja, wir werden sehen. Wie man ja gestern sehen konnte, steht eine vorzeitige Entlassung Labbadias ja gar nicht zur Debatte, wenn man schon internationale Schwergewichte wie Odense BK mit 5:1 aus dem eigenen Hexenkessel fegt.

    • heinzkamke Dezember 17, 2010 um 3:43 pm #

      Word!

    • heinzkamke Dezember 17, 2010 um 3:44 pm #

      Schönes Ding übrigens bei dogfood!

  5. hirngabel Dezember 17, 2010 um 3:51 pm #

    Danke! Dafür, dass ich in den zwei Stunden vor dem Spiel knapp nen Liter Glühwein konsumiert hatte, bin ich mit dem Ergebnis bei AAS auch durchaus zufrieden. Manchmal sind spontane Aktionen doch die besten. =)

  6. Präsident Dezember 20, 2010 um 3:32 pm #

    War überrascht, daß der VfB den „Labbes“ holt. Und trotzdem hats ein 3-5 gegeben. Neue Besen und so.

    Ach ja, der Labbes hat in Lautern alles mitgenommen was einen Rock trug…

    Ich glaube, daß es ein Fehler war Held zu vergraulen/ziehen zu lassen.

    Bin auf die Rückrunde gespannt.

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