Déjà-vu

23 Sep

Ich kann mir nicht helfen – irgendwie erinnert mich die momentane Situation doch sehr deutlich an den Saisonstart der letzten Runde. Damals war man ebenso rumpelig in den Spielbetrieb gestartet, hatte sich im Pokal mehr schlecht als recht gegen unterklassige Gegner durchgesetzt, war passabel in den internationalen Wettbewerb gestartet und hatte den Ligastart versaut. Auch damals rotierte der Trainer viel. Babbel einst aus dem Fehlglauben heraus, sein Kader würde dies als Herausforderung annehmen, Gross dieses Jahr mehr oder minder notgedrungen, aufgrund des verspäteten Einsteigens der WM-Fahrer und der vielen Verletzten.

Auch damals gab es ein Spiel nach dem die Anhänger wie auch die Verantwortlichen dachten, jetzt wäre der Knoten geplatzt und man hätte endlich das wahre Gesicht der Mannschaft gesehen. Der Gegner waren die völlig indisponierten Adler, am Samstag schlugen die Fohlen im Neckarstadion auf. Frankfurt wurde letztes Jahr 3:0 geschlagen, Gladbach mit 7:0 pulverisiert. Im Waldstadion schoss einst Baumschüler Schieber zwei Tore. Jener Schieber, der auch gestern erfolgreich war. Nur leider im falschen Trikot. Irgendwie scheint es en vogue zu sein, dass Ex- Spieler (oder verliehene) gegen uns treffen. Gestern Schieber, im Breisgau Schuster nach Vorarbeit von Heiko Butscher, im letzten Jahr ist mir da noch das peinliche Pokalaus in Fürth in Erinnerung, als Ex-Amateur Bernd Nehrig die Kleeblätter mit seinem Tor eine Runde weiter brachte. Wenn ich noch ein wenig recherchieren würde, fände ich bestimmt noch mehr Ehemalige, die in den letzten 24 Monaten gegen uns genetzt haben.  Ferner werde ich heute noch nen Zwanni drauf setzen, dass Rudy gegen uns trifft.

Auf das Spiel gestern möchte ich gar nicht mehr allzu lange eingehen – und schon ganz gewiss nicht auf den Referee, dem die Springerpresse die Schuld an der gestrigen Niederlage in die Schuhe schieben will. Die Mannschaft hat wie schon gegen Freiburg, Mainz, Babelsberg und Dortmund dieselben Schwächen offenbart: Ein zentrales Mittelfeld, das völlig neben der Spur ist und nicht in der Lage zu sein scheint, unserem Spiel die nötigen Impulse zu geben. Keine Ordnung auf dem Platz, kaum zielstrebige Angriffe, beide Außenbahnspieler ziehen permanent in die Mitte und stehen sich auf den Füßen rum, Alibi-Flanken aus dem Halbfeld, et cetera pp. Eigentlich dachte ich nach den Spielen gegen YB und Gladbach, wir wären schon einen Schritt weiter. Nun denn, so kann man sich irren. Nürnberg hat sich nach der frühen Führung geschickt zurückgezogen und mit Mann und  Maus verteidigt – das allein reichte aus, um uns zu knacken. Weil wir nicht in der Lage waren, unsere Überlegenheit in Torchancen und Tore umzumünzen und weil zwei individuelle Fehler dem Gegner zwei Tore ermöglicht haben. Niedermeier macht die Gasse nicht zu und lässt Schieber ziehen, Camoranesi schlägt eine völlig unmotivierte Pseudoflanke in die Mitte, für die dir jeder Kreisligacoach die Rübe abreißt. 2 Chancen – 2 Tore. Bravo. Den Pfosten-Streichler von Ekici unterschlage ich mal…

Quo vadis?

Hier enden nun die Parallelen. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass wir keine solche Hinrunde erleben werden wie noch letzte Saison. Klar, die Personalsituation ist nicht die beste (Gebhart musste angeschlagen runter, Youngster Didavi fällt wohl länger aus, Degen und Audel brauchen auch noch). Der Coach war mega-stinkig gestern und wird die richtigen Worte finden, soviel ist sicher. Der hat so gekocht das ich befürchtete, der zieht der armen Bibiana gleich das Fell über die Ohren. Ferner glaube ich auch, dass die Mannschaft sich sehr wohl bewusst ist, dass sie in der Bringschuld ist. Letztes Jahr waren die O-Töne ganz andere, die Situation wurde lange schön geredet oder schlicht verkannt. Heuer hört man viel Selbstkritisches vom Wasen.

Die beiden kommenden Gegner bieten nun die Chance zu Wiedergutmachung und wir haben die Möglichkeit, uns das gerade gewonnene und postwendend wieder abgeschenkte Selbstvertrauen und die Stabilität zurück zu holen. Leverkusen plagen arge Verletzungssorgen, Odense dümpelt in der Liga und hat erst vor wenigen Tagen den Coach geschasst.  Mit einer konzentrierten Leistung und voll besetztem Haus zum Wasenauftakt werden die Jungs die Punkte holen – ganz sicher.

El Pibe

7 Antworten to “Déjà-vu”

  1. heinzkamke September 23, 2010 um 2:14 pm #

    Marco Caligiuri: 2 Bundeligatore, eines davon gegen den VfB. Tobias Rathgeb, 1 Bundesligator. Genau.

    Was die grundsätzliche Situation anbelangt, bin ich ganz Deiner Meinung, dass man sich dieses Jahr nicht so Vieles so schön redet wie im Vorjahr; allerdings bezweifle ich auch, dass die Mannschaft in der PSitze (nicht im Sturm) so viel Qualität hat wie damals. Was in der Konsequenz bedeuten könnte, dass man zwar im Winter nicht so schlecht dasteht wie ein Jahr zuvor, im Sommer aber auch nicht so gut.

    • elpibe23 September 23, 2010 um 3:35 pm #

      ich werd mich wohl mal wirklich dran machen, dieses phänomen mittels datenbank-recherche genauer zu untersuchen. an das rathgeb-tor erinner ich mich auch noch – wir verloren damals gegen die koggen dank der bude des jetzigen u23-käptns, wenn ich nicht irre.

      @qualitätsfrage: natürlich haben wir viel qualität abgegeben, ohne frage – doch der knackpunkt ist das meines erachtens nicht. in erster linie haben wir imo erfahrung verloren. simak, hitz, lehmann, magnin, roberto, selbst verletzttürk – alles alte hasen im geschäft. da sehe ich momentan das hauptproblem: mangelnde erfahrung, kombiniert mit fehlender hierarchie innerhalb des teams, da diese sich einfach erst noch bilden muss. insgesamt sehe ich uns nicht allzu schlecht aufgestellt, im gegenteil. ich halte den kader für recht ausgewogen und gut zusammengestellt. wozu das dann schlussendlich reicht, werden wir sehen. soweit voraus möcht ich eigentlich noch gar nicht blicken. mir würde es vorerst schon reichen, wenn wir nach dem 10. spieltag einstellig wären.

  2. heinzkamke September 23, 2010 um 3:57 pm #

    Ausgewogen. So seh ich’s auch. Mir fehlen nur einige wenige Ausreißer nach ganz oben (das, was ich oben vielleicht mit „in der Spitze“ gesagt hätte, wenn ich es denn hätte schreiben können). Um in kicker-Kategorien zu sprechen: Khedira war internationale Klasse, Molinaro meines Erachtens auch, Lehmann war dereinst Welt- und auch zuletzt noch gelegentlich internationale Klasse, in einzelnen Szenen galt das gar für Hleb. Aktuell jedoch sind die Leute, die auf diesem Niveau spielen (können?), nicht so zahlreich.

    • jon dahl September 26, 2010 um 2:50 pm #

      Darf ich den letzten Satz in dem Euphemismen-Lexikon zitieren, an dem ich im Moment arbeite?

    • heinzkamke September 26, 2010 um 3:11 pm #

      Be my guest.

  3. 1ng0 September 28, 2010 um 10:21 am #

    em fußball gilt seit langor zait:
    in schduargard wird dr start vergeigt
    des isch ä eiserns gsetzle
    da hilft koin moscht, koi spätzle

    der fän, der bruddelt in sain bart
    die nägschden wochen, da kommts hart
    beim babbl, veh, beim mischder
    ned besser wirds, nur trischder

    des träners tage ko mehr zähle
    wenn im nofämber d’punkte fehle
    es auszusprächä traut mer kaum:
    bald holetse den grischdoff daum

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