Archiv | August, 2010

Die Neuen 2010/11 (6): Johan Audel

22 Aug

Es ist keine Frage, die mit Abstand größte Unbekannte unter den bisherigen Neuverpflichtungen des VfB Stutgart ist eindeutig Johan Audel, der vorletzte Woche vom französischen Erstligisten Valenciennes FC zum VfB stieß.

Es ist leider auch keine Frage, dass der perfekte und bestmögliche Blogeintrag zu dieser Personalie leider schon geschrieben worden ist – nur eben nicht von mir, sondern von diesem verdammten Kamke…

Dementsprechend stehe ich natürlich nun hier und muss mir überlegen, was genau ich jetzt eigentlich schreiben soll.

Mir, wie auch Herrn Kamke und vermutlich den meisten, war Johan Audel vor der Bekanntgabe des Transfers durch den VfB wohl im Grunde überhaupt kein Begriff. Valenciennes war schließlich nie auf einer größeren internationalen Ebene unterwegs, sondern krebste in den letzten Jahren seit dem Wiederaufstieg 2006 stets in der unteren Hälfte herum (letzte Saison Platz 10, davor 12., davor 13. und davor 17. nach der Rückkehr aus Ligue 2).

Da Audel seinerseits nie den Sprung in die Nationalelf schaffte und auch bei seinen vorherigen Vereinsstationen (Lille, Lorient und Liz… äh Nizza) nie übermäßig auf sich aufmerksam machte, ist es dann aber eben auch kaum verwunderlich, dass man als nur „gelegentlich mal schauen, wer dieses Jahr Meister in Frankreich geworden ist“-Mensch den Namen Audel nicht wirklich auf der eigenen Platte hatte.

Wenn sich durch die diversen Foreneinträge von VAFC-Fans gräbt, die es mittlerweile zum Abschied von Johan Audel gibt, dann kam zumindest ich nicht umhin, den Transfer des offensiven Mittelfeldspielers / Stürmers mit einem einigermaßen positiven Gefühl zu beurteilen (und das auch schon bevor er am vergangenen Donnerstag nach seiner Einwechslung gegen Bratislava die linke Seite gemeinsam mit Molinaro recht ordentlich belebte). Denn im Grunde alle VAFC-Fans sprachen sehr positiv über ihn und trauten ihm den Durchbruch in einer Top-Liga bei einem guten Verein auf jeden Fall zu. Der einzig wirklich negative Faktor bei diesem dem Vernehmen nach technisch und laufstarken Spieler ist wohl eine gewisse Anfälligkeit für Muskelverletzungen, die ihn regelmäßig dazu zwang ein paar Wochen pro Saison auszusetzen. Schauen wir mal, wie sich das bei uns verhält…

Um natürlich auch dieses Mal einen Fan des abgebenden Vereins zu Wort kommen zu lassen, stand mir Yannick erfreulicherweise zur Verfügung, der auf VAFC Power über seinen Club bloggt. Da das Englisch nicht unbedingt immer so richtig verständlich war, hätte ich einigermaßen frei übersetzen und interpretieren müssen – daher habe ich diesmal davon Abstand genommen und stelle daher nur den Originaltext ein, so dass sich jeder selbst ein Urteil bilden mag.

Und ansonsten bitte auf jeden Fall den wunderbaren Text vom Heinz durchlesen.

I must admit, I (and probably 95% of all VfB Stuttgart supporters) have never heard of Johan Audel before. What can you tell us about him? What type of player is he?
Johan Audel is a French striker who started very young in Nice in the reserve team. When he arrived in professional world, he failed to get a place in the first team. Between 2005-2006 he moved to Lorient (Ligue 2 club) where he has been steady with 30 games and 8 goals. Then he went back to Lille (club of Ligue1) where it was no longer an alternate. It was gold that was bought Valenciennes. For his first official match, Johan Audel did a hat-trick (3 goals in one game). it’s staid good after this game. Overall it is a good striker. His goal ratio is around 8-9 goals per season. It is also an attacking fighter. In addition to being a good scorer, is also a good passer. In short, a versatile forward.

If I heard correctly, in Valenciennes he used to play as a forward. In Stuttgart, he is planned as the left midfieler in a 4-4-2 system. Will that position suit him or is better used as a forward?
At first he played left midfield and then as before. For my part I prefer in environments left as it is very good in themselves field. He likes to provoke, to play in depth and focus. I know nothing of that position but I prefer to think that he should love this position.

With 26 years, he is quite old for a move to a bigger club with international ambitions. From what I have read, he has had regular problems with injuries. Was that the reason that prevented a bigger carreer for him so far? Or does he also have some other weaknesses that should worry us?

The biggest problem is that Johan Audel at a lof injuries. It will not be surprising to see him off the field for 2-3 weeks. This vulnerability does not allow him to go into a great football club. Last year he had some injury but this has not prevented to a great season. I think that gets better season on physical and endurance.

So, what do you think: Will he have the chance to establish himself in the Bundesliga?
Yes I think so. It serves him right. I do not know your heart but I championship is being played good football. I hope he will make a very good season with you and that you will be advanced in both championship when the European Cup.

Merci beaucoup et bonne chance!

Johan Audel trägt beim VfB nun das Trikot mit der Nummer 11.
Er ist übrigens schon der zweite französische Linksoffensive beim VfB, der vorher mal bei Valenciennes spielte: Didier Six kam damals zwar von Strasburg nach Stuttgart, verbrachte aber seine ersten fünf Lehrjahre bei dem Verein, der damals noch US Valenciennes hieß.

Liveblog – 1. Runde EL: Slovan Bratislava – VfB Stuttgart

19 Aug

Mit der ungefähr eingeplanten Verspätung geht es jetzt auch hier, direkt aus dem neu eingerichteten (=Sofa) Redaktionsbüro des Brustrings (=Wohnzimmer) los mit der angekündigten Livebegleitung des ersten „richtigen“ Auftritts des VfB Stuttgart in der Europa League.

Sollte ich heute etwas alberner sein als sonst, dann bitte ich um Verzeihung. Komme grad aus einem Konferenzgespräch mit 2 amerikanischen Kunden, das schlappe 2 Stunden gedauert hat.

Aber nun zum Spiel.

[18:58] Rund 12 Minuten sind gespielt, ich habe keinerlei Ahnung wer beim VfB spielt, aber das gibt sich schon.

[19:00] Laut Eurosport-Kommentator beginnt der VfB engagiert und mit der richtigen Einstellung. Das ist doch schon mal was. Jetzt gibt es sogar Einwurf.

[19:02] Erste richtig gute Chance für den VfB nachdem der PogrebnyTank erfreulich unbedrängt von rechts eine butterweiche Flanke in die Mitte schlagen kann, wo Cacau dann ähnlich unbedrängt am Fünfmeterraum steht, den Kopfball aber knapp links neben das Tor setzt. Schade.

[19:05] Die Aufstellung des VfB laut kicker:
Ulreich
Degen, Boulahrouz, Niedermeier, Molinaro
Träsch, Kuzmanovic, Gentner, Gebhart
Cacau, Pogrebnyak

Damit die gleiche Aufstellung wie im Pokal und damit schon zwei kleine Fingerzeige:
a) Erneut gibt es die Doppelsechs Kuzi/Gentner, während Träsch auf den rechten Flügel ausweicht
b) Tasci bleibt erneut draussen – gut, diesmal darf er immerhin mit und musste nicht wie am Wochenende ganz zuhause bleiben

[19:10] Hinten brennt bislang nichts an. Das ist schon mal gut. Nach vorne fehlt noch etwas das Tempo. Kann ich mit leben. Noch.

[19:16] Viel passiert momentan nicht in Bratislava. Wenn beide Teams nicht so robust zu Werke gehen würden in den vielen Mittelfeldduellen, dann könnte man von einem typischen Saisonvorbereitungstestspiel sprechen. Nur geht es hier dann doch eben um die Fleischtöpfchen der Europa League.

[19:20] Erste gute Chance für Bratislava als ein slowakischer Spieler erschreckend frei nach einem Freistoß von rechts nur so gerade eben an den Ball kommt und den Ball nicht platziert aufs Tor bekommt.

[19:22] Die Abstimmung in den Laufwegen zwischen Cacau und Pogrebnyak erscheint mir noch einigermaßen ausbaufähig zu sein. Vor allem hapert es im Spiel nach vorne allerdings noch vor allem daran hapert, dass man die Angriffe zu sehr zentrumslastig auf- und die Aussen zu selten mit einbezieht.

[19:25] Das Spiel ist unterbrochen, nachdem es auf den Rängen zu Auseinandersetzungen zwischen VfB-Anhängern und dem angrenzenden Block kam. Mit fliegenden Sitzschalen und allem drum und dran.
Ich schäme mich.

[19:28] Krass, wie lange es gedauert hat, dass die Polizei dazwischen ging. Aber viel unfassbarer ist, dass es zu solchen Situationen kommt. Immerhin, das Spiel läuft wieder nach rund 10 Minuten Unterbrechung.

[19:30] Ich möchte ungern eine Ultra-Diskussion vom Zaun brechen, aber solche Verhaltensweisen unterstreichen einmal mehr, wie berechtigt die rigiden Sicherheitsmaßnahmen in deutschen Stadien sind. Punkt.

[19:38] Wie ich gerade von meinem Gast-Autor el pibe erfahren habe, scheint es wohl durchaus angekündigt worden zu sein, dass man sich in Bratislava bei den ortsansässigen Ultras darauf freute, es den „degenerierten“ Deutschen mal wieder zeigen zu können: http://ultrasslovan.webconsult.sk/(Einfach mal bei translate.google.com reinhauen)

[19:40] Man verzeihe mir, dass ich in den letzten Minuten nicht mehr übers Spiel geschrieben habe. Nach der Unterbrechung war ich doch erst einmal vorwiegend entsetzt. Mittlerweile ist man nun in der Halbzeit, nachdem es kurz vor Schluss noch eine kurze Drangphase von Bratislava führte, in deren Rahmen es ein Bündel von mehreren guten Chancen innerhalb kurzer Zeit gab. Da sah die VfB-Defensive erstmals nicht wirklich gut aus.

[19:45] Der Linkhinweis von 19:38 soll aber keinesfalls dazu dienen, hier diejenigen zu entlasten, die auf Stuttgarter Seite in die Auseinandersetzungen involviert sind. Zum einen gehören eben immer zwei Seiten dazu, zum anderen ist „Die haben angefangen“ ein Argument, dass ich nicht einmal bei 5jährigen durchgehen lasse.
Ich verachte so etwas aufs allertiefste und es macht mich mehr als traurig, dass sich solche Vollidioten unter dem Deckmäntelchen „VfB Stuttgart“ austoben wollen.

[19:50] Aus sportlicher Sicht ist ansonsten erst einmal alles gesagt. Ich hoffe, man schafft es etwas mehr Drive nach vorne zu bekommen und auch mehr über die Aussen zu spielen.

[19:54] Anpfiff 2. Halbzeit

[20:09] Meine Motivation, das Spiel zu kommentieren hat leider etwas gelitten, zumal auch das Spiel gerade nicht wirklich was hergibt. Hinten wirkt man mittlerweile etwas zerfahrener und unkonzentrierter, während vorne nach wie vor die Struktur im Offensivspiel fehlt. Immerhin gab es eben eine gute Kopfballchance für Gebhart – aber leider auch diverse gute Gelegenheiten für Bratislava.

[20:11] Gross reagiert nun auch auf das schwächelnde Offensivspiel und bringt -wie in Babelsberg- Audel für Träsch. 61. Minuten sind gespielt.

[20:18] Martin Harnik jetzt im Spiel für den einmal mehr glücklosen Pogrebnyak. Gut 20 Minuten noch.

[20:28] Man muss sagen, mit den neuen, frischen Spielern drin sieht das mittlerweile doch einen ganzen Schlag besser aus. Nicht so, dass man sagen würde, der VfB spiele jetzt gut, aber man zieht das Spiel auch endlich mal über Aussen auf, hat mehr Tempo nach vorne drin und kommt auch endlich mal zu Torgelegenheiten.

[20:36] Die gerade angemerkten positiven Zeichen sind leider schon wieder verschwunden und das Spiel wieder eingeschlafen. Marica kam in der Zwischenzeit für Kapitän Cacau.

[20:38] MARTIN HARNIK FUSSBALLGOTT! 1:0 nach Flanke von links durch Audel. 89. Minute. Effizienz ist alles…

[20:42] Die letzte Minute der dreiminütigen Nachspielzeit läuft und dicke Chance nochmal für Bratislava. Jetzt Abstoß, damit dürfte es durch sein.

[20:43] Schluss. Punktlandung. Tief durchatmen…

Fazit
Nehmen wir das positive mal zu erst, denn da gibt es aus meiner Sicht gleich zwei Dinge hervorzuheben.
Zum Einen hat mir Sven Ulreich heute durchaus gut gefallen. Im Gegensatz zu den vorigen Spielen gab es eigentlich keinen Wackler, hat er sich keine nennenswerten Schwächen in der Strafraumbeherrschung erlaubt. Dazu hat er in zwei, drei Situation zwar nicht „Unhaltbare“ rausgefischt, aber doch sehr gut pariert. Das ist definitiv Anlass zur Hoffnung.
Das zweite positive, was zumindest ich aus dem Spiel mitnehme ist, dass die Mannschaft eine durchaus beeindruckende Effizienz entwickelt hat. Das mag etwas sehr euphemistisch betracht sein, aber wenn man betrachtet, dass der VfB in vier Pflichtspielen in Folge trotz insgesamt mauer Leistungen immer das erreicht hat, was er erreichen musste, dann habe ich doch zumindest die Hoffnung, dass sich daraus ein gewisses Maß an Selbstvertrauen bildet, dass uns gut tun könnte.

Spielerisch war das insgesamt natürlich sehr arm, sowohl offensiv als in Halbzeit zwei leider auch wieder defensiv. Da muss man nicht drum herum reden, aber ich bin da auch ehrlich: Ich hatte das nicht großartig anders erwartet.

Ich stimme mit Gusteau auf jeden Fall überein, dass die Variante mit Träsch auf dem rechten Flügel keine Dauerlösung sein kann, da er sein volles Potential dort kaum entwickeln kann. Ich hoffe, man kehrt da auf Sicht wieder zur Doppelsechs Träsch/Kuzmanovic zurück.
Ein weiterer positiver Punkt war sicherlich die kleine, aber doch merkliche Leistungssteigerung, die mit der Hereinnahme von Audel kam. Dort merkte man eindeutig, dass dieser sich doch wesentlich wohler auf dem Flügel fühlt. Schön, dass es er dann auch war, der das entscheidende Tor von Harnik vorbereitete.

Bei Harnik bin ich denn auch gespannt, ob sich Gross dazu durchringen kann, ihn schon in Kürze mal im Duo mit Cacau von Beginn an zu bringen.

Wichtig ist jetzt erst einmal, dass man ein Auswärtstor erzielt hat und darüber hinaus selbst keinen Treffer kassiert hat, so dass wir zwar nicht mit einer komfortablen, aber doch durchaus positiv stimmenden Ausgangslage in das Rückspiel nächste Woche gehen können. Mehr habe ich mir von diesem Spiel auch ehrlich gesagt nicht erwartet.

Vom Verhalten auf den Rängen hatte ich mir -natürlich- mehr erwartet, aber dazu habe ich jetzt erst einmal genug gesagt. Meine Meinung ist ja in diesem Eintrag, wie auch in den Kommentaren mehr als deutlich, denke ich.

Gott hat gesprochen.

18 Aug

Nein, dies ist kein Beitrag über ein neues Interview mit Christian Gross (TRAINERGOTT!) und auch von Guido Buchwald (FUSSBALLGOTT!) gibt es momentan keine erwähnenswerten Giftpfeile in Richtung VfB-Vereinsspitze.

Sondern es geht viel mehr darum, dass ich ein allwissendes Orakel befragt habe, das mir den Gewinner der kleinen Verlosung zum Thema „Saisondrittel-Prognose“ in seiner großen Weisheit verkündet hat.

Aber seht selbst:

Genau: 8!

Schwupps mal kurz die Kommentatoren durchgezählt, die am Spiel teilgenommen haben und schon kommen wir auf folgenden Gewinner:

Schwob – seines Zeichens VfB-Fan in der niedersächsichen Fußballeinöde

Herzlichen Glückwunsch!

Das von gutschein-codes.de gesponserte Trikot wird Dir dann in den nächsten Tagen zugesendet.

Ich hoffe, die anderen 22 Kommentatoren sind jetzt nicht zu enttäuscht. Ich danke Euch auf jeden Fall sehr herzlich für die rege Beteiligung am Gewinnspiel und hoffe natürlich, dass sich der/die Eine oder Andere vielleicht auch mal unter anderen Blogbeiträgen äussert, auch wenn es nichts zu gewinnen gibt. =)

Das Ergebnis der Umfrage war übrigens mehr als deutlich.

Von stolzen 50 Teilnehmern schätzen immerhin 62%, dass der VfB Stuttgart einmal mehr etwas träger in die Saison kommt und nach 11 Spieltagen „nur“ zwischen Rang 6 und 9 platziert sein wird.

Da dazu noch 24% den VfB sogar im Bereich Platz 2-5 sehen und ein Unverfrorener sogar auf die Tabellenführung nach 11 Spieltagen spekuliert, kommt man insgesamt auf ein doch überraschend positives Stimmungsbild mit 88% der Teilnehmer, die den VfB nach dem ersten Saisondrittel in der oberen Tabellenhälfte sehen.

In Anbetracht dessen, dass lediglich ein Schwarzmaler den VfB in den Abstiegsrängen sieht, muss ich wirklich feststellen, dass die Stimmung alles in allem deutlich positiver zu sein scheint, als noch vor Jahresfrist, wo nicht wenige schon in der Sommerpause den Abstiegsteufel an die Wand gemalt hatten.

Da scheint (wie man ja auch in den Kommentaren sehen kann) vor allem ein sehr großes Vertrauen in oben erwähnten Christian Gross, den Trainergott, auf die Stimmungslage durchzufärben.

Und damit hat sich der Kreis dieses Blogbeitrags so wunderbar geschlossen, dass sich gerade irgendwo Gerhard Delling fröhlich in den Schlaf lächelt. Dementsprechend machen wir jetzt auch Schluss.

PS: Wenn ich heute Abend rechtzeitig aus dem Büro zurückkehre, dann werde ich mich bemühen hier einen Live-Blog zum Spiel gegen Bratislava anzubieten. Realistischer ist allerdings, dass ich erst zur zweiten Halbzeit einsteigen kann.

Die Neuen 2010/11 (5): Philipp Degen

13 Aug
Philipp Degen, Eidgenosse - Quelle: vfb.de

Philipp Degen, Eidgenosse Quelle: vfb.de

Vergangenen Sonntag wurde der vierte Neuzugang vom VfB Stuttgart bekanntgegeben: Philipp Degen wird für ein Jahr auf Leihbasis das Trikot mit dem Brustring überstreifen und die Anfield Road gegen den Cannstatter Wasen austauschen.

Damit wurde dann der Transfer bekanntgegeben, der von den bisherigen wohl unter den eigenen Fans der umstrittenste ist und auf das größte Maß an Skepsis trifft.
Denn eigentlich ist umstritten auch das falsche Wort, denn der überwiegende Grundtenor ist eben, dass der 2 Jahre lang vorwiegend verletzt gewesene oder auf der Bank gesessene Rechtsverteidiger eigentlich keine Verstärkung für den VfB Stuttgart sein kann. Zumal er bei seiner erstem Periode in der Bundesliga, bei der Dortmunder Borussia, auch nicht den allerbesten Eindruck hinterlassen hatte.

Daher habe ich mich entschieden heute mal statt eine Gesamtanalyse zu machen, einfach nur mal die Top 5 Gründe zu bringen, warum die Ausleihe von Degen eben doch eine gute Idee ist. Für die Gegenargumente gibt es dann weiter unten wieder ein Interview mit einem Blogger des Ex-Vereins – und natürlich sind dafür auch noch die Kommentare offen, so dass sich gerne auch ein paar BVB-Fans hier gegen zu Degen äussern können…

Nun aber meine 5 Gründe, warum es gut ist, Degen jetzt im Team zu haben.

1) Sein Alter

Dank der Verluste diverser älterer Spieler, ist das durchschnittliche Alter des Teams rasant nach unten gegangen – zumal zwei der ersten drei Neuzugänge mit 21 und 24 Jahren darüber hinaus auch noch sehr jung waren. Um also zu vermeiden, dass man nun (und bei potentiellen Schwächephasen) dauernd zu hören bekommt, dass die Mannschaft einfach zu jung sei, tut jeder zusätzliche Spieler, der über dem Durchschnittsalter liegt (momentan: 25,625 Jahre), absolut Not.

2) Seine Erfahrung

Klar, die Jahre in Liverpool waren absolut nicht von Erfolg geprägt, sondern eher dem Gegenteil. Aber in Anbetracht des Verlusts an Europapokal- und Länderspielen, die der Kader durch die diversen Abgänge zu verkraften hat, kann Degen mit seinen Erfahrungen (vielleicht auch weil sie so negativ waren) sicherlich auch sehr hilfreich für die vielen jungen Leute im Team sein.

3) Er ist Rechtsverteidiger

Durch den Weggang von Osorio und die relativ sichere Beorderung von Träsch auf die Position im zentralen Mittelfeld haben wir hier, auch in Anbetracht der bislang nicht wirklich unter Beweis gestellten Qualitäten von Boulahrouz auf dieser Position, einen klaren Mangel an entsprechender Kadertiefe. Dem wurde nun Abhilfe geschaffen mit der Verpflichtung von Degen. Und dadurch, dass es nur eine Leihe ist, ergibt sich nun die Chance für Celozzi, dass er sich entweder noch ein Jahr in seinem Schatten weiterentwickelt – oder jetzt doch schon den Durchbruch schafft.

4) Seine Vorgeschichte mit Gross

Der Durchbruch gelang Philipp Degen Anfang dieses Jahrtausends beim Schweizer Club FC Basel – der zu dieser Zeit vom jetzigen VfB-Coach Christian Gross trainiert wurde. Seine stärkste Zeit, die in der er dann eben auch in das Visier von Bundesligist Borussia Dortmund, erlebte er also unter dem Mann, der ihn jetzt wieder haben wollte und trainieren wird. Das ist sicherlich für mich (und auch für die meisten anderen VfB-Fans) das einzige wirklich ernsthafte Pro-Argument.

5) Er ist Schweizer

Der Schweizer an sich ist ja Rudeltier und fühlt sich erst so richtig wohl, wenn er Landsmänner (so genannte „Eidgenossen“) um sich scharen kann – wie man ja eindeutig an der Neubesetzung des Trainerpostens der zweiten Mannschaft sehen konnte. Daher kann es für das Wohlbefinden unseres Trainergotts eigentlich nur positiv sein, dass wir nun neben Zdravko Kuzmanovic auch noch einen weiteren Mann im Kader haben, den Gross zum abendlichen Fondue-Essen einladen kann.

Aber nun habe ich auch wirklich genug Advocatus Diaboli gespielt – anstrengend genug war es jedenfalls, sich das obige aus den Fingern zu saugen. Daher wollen wir nun mal, wie angekündigt, jemand anders sprechen lassen, denn auch dieses Mal habe ich wieder einen Blogger des abgebenden Vereins gefunden, der mir für ein paar Fragen zur Verfügung stand.

Freundlicherweise hat sich Redfloyd vom Liverpool FC-Blog „Have you ever been to Liverpool?“ bereiterklärt, uns seine Meinung über Degen kund zu tun. Die Übersetzung stammt natürlich von mir und sollte, denke ich, einigermaßen akkurat gelungen sein. Sicherheitshalber packe ich die englischen Originalantworten auch noch mal unten in die Kommentare. Bei der Übersetzung fiel mir zudem auf, dass wir bei Frage 4 wohl ein wenig aneinander vorbei geredet haben. Aber sei’s drum…

13 Einsätze in 2 Jahren für die Profimannschaft, 5 davon nur als Einwechselspieler, sind eine relativ verheerende Bilanz für einen Profifußballer in seinen besten Jahren. Verletzungen, starke Konkurrenz, zu schwache Leistungen – was, denkst Du, ist der Grund dafür, dass sich Degen nie in der ersten Mannschaft von Liverpool etablieren konnte?

Ich denke, der Hauptgrund, dass Degen sich nie im Profiteam etablieren konnte, waren seine Verletzungen. Er begann direkt mit einem Rippenbruch in seinem ersten (Vorbereitungs)Spiel für uns, zu denen sich dann auch noch Probleme mit dem Mittelfuß gesellten. Daher muss ich fair zu ihm sein und annehmen, dass ihm, wenn er mal zum Einsatz kam, oft Spielpraxis fehlte oder er sich an das neue Team gewöhnen musste. Obwohl er in der abgelaufenen Saison meistens fit war, gab ihm Rafa [Rafael Benitez, jetzt Ex-Coach – Anm. d. Red] zudem nie über mehrere Spiele am Stück, die Gelegenheit sich zu zeigen, was es ihm offensichtlich schwer machte, sein Leistungsvermögen zu zeigen. Was er wirklich bei uns hätte erreichen können ist fraglich, da er so viel Zeit auf OP-Tischen verbracht hat, aber ich schätze, dass es nicht gereicht hätte um dauerhaft in der Startaufstellung zu stehen.

War denn alles schlecht oder hat er zumindest mal die Qualitäten angedeutet, warum ihn Liverpool überhaupt verpflichtet hat?

Nicht wirklich. Als Degen verpflichtet wurde, erzählte man uns, dass er gerne nach vorne geht. Unglücklicherweise erlebten wir dadurch die Probleme, die wir jetzt noch teilweise mit Glen Johnson haben.
Auch wenn seine Vorstöße ohnehin oftmals auf Kosten der Defensive gehen, so hatte man oftmals sogar den Eindruck, als wenn er erst gar nicht verteidigen will oder sogar nicht kann?
Das Ergebnis, ähnlich wie bei Johnson, war, dass er häufig Gegentore dadurch verschuldete, dass er nicht nah genug beim Gegner war oder generell einfach zu weit vorgerückt war. Dazu gab es zu häufig zu leichte Ballverluste. Alles Anzeichen dafür dass es ihm entweder an Selbstvertrauen mangelte oder einfach daran, dass er grundsätzlich Schwierigkeiten hatte, sich an das Niveau der Premier League zu gewöhnen.

In Stuttgart war seine Position bislang von einem vielversprechenden aber noch unkonstanten 21 Jährigen besetzt, der in 18 der 34 Saisonspiele im letzten Jahr in der Startelf stand. Daher scheint es zumindest nicht ausgeschlossen, dass Degen auch bei uns wieder auf der Bank landet. Wie hat er sich bei Euch verhalten? Haben wir damit zu rechnen, dass er meckern und kritisieren wird, wenn er unzufrieden mit seiner Situation ist?

Ich würde mich ja an den Youngster halten – er klingt nach einem wesentlich besseren Plan für die Zukunft.
Natürlich sollte es immer dem Spieler vorbehalten sein, zu beindrucken, sich zu ruhig zu verhalten und sich selbst in die Startelf zu spielen, sich „unersetzbar“ zu machen. Degen’s Verhalten wirkte auf jeden Fall in Ordnung, selbst wenn er gar nicht im Team war. Seine Äusserungen in Interviews waren vernünftig und pragmatisch, und konzentrierten sich darauf, sich selbst verbesseren zu wollen oder die Verletzungen überwinden zu wollen. Er folgte eben nicht dem Beispiel von Yossi Benayoun, der sich stets beklagte, wenn er nicht aufgeboten wurde.
Ich glaube er wollte wirklich unbedingt gute Leistungen zeigen, aber gerade gegen Ende schien sein Selbstvertrauen vermutlich schon sehr gelitten zu haben. Es ist nicht leicht, in ein Team zurückzukehren und dann ins Spiel zu kommen, wenn es ohnehin insgesamt absolut nicht gut läuft, wie es bei uns in der letzten Saison der Fall war.
Kurzum, es funktionierte alles einfach nicht gemeinsam und letztlich ist dem Verein wohl nun auch die Geduld ausgegangen.

Falls Du es Dir zutraust: Denkst Du, dass Philipp Degen die Chance hat, sich selbst als Startplatzkandidat bei einem Verein mit Europa League Ambitionen und gelegentlichen Champions League-Auftritten zu etablieren?

Wenn er es will, ja. Er hatte einiges Pech bei und kam nie richtig in die Gänge, was nicht gleichbedeutend damit ist, dass man ihn nun komplett abschreiben sollte. Vielleicht war es ja das Beste, dass er nun gewechselt hat?
Er braucht jedenfalls eine solche Veränderung, regelmäßige Einsätze in der ersten Mannschaft, mehrere Einsätze am Stück, um sein Selbstvertrauen wiederzugewinnen. Und, beim besten Willen, ich glaube nicht, dass Roy Hodgson in der Lage wäre, ihm dies bei Liverpool garantieren zu können.
Vielleicht, wenn er bei Euch gut spielt, dann könnte er eine weitere Chance erhalten, aber ich bin mir relativ sicher, dass Hodgson seine eigenen Pläne hat und Degen, teilweise unverschuldet, hat nicht wirklich genug getan, als dass er unbedingt ein Teil dieser Pläne sein müsste.
Trotz allem wünsche ich ihm viel Glück und hoffe, dass Stuttgart von ihm profitieren kann.

Vielen Dank!

Philipp Degen wird beim VfB die Nummer 2 auf seinem Rücken tragen.

Der Brustring zum Hören

12 Aug

Gestern kontaktierten mich Felix und Thomas, die gemeinsam den kleinen, aber sehr feinen Podcast „Meine wahre Liebe“ zum Thema Fußball produzieren und damit im deutschen Markt sicherlich eine bislang weitestgehend unentdeckte Nische besetzen, ob sie mir ein paar Fragen zum VfB Stuttgart stellen könnten.

Und da ich ja als Blogger und Twitteraner ohnehin zum Meinungsexhibitionismus neige und es zeitlich einigermaßen passte, habe ich mich selbstverständlich bereiterklärt mitzumachen.

Ursprünglich war noch geplant zwei weitere „Fanexperten“ (uh, das böse Wort) zu Wort kommen zu lassen – nur leider war technisch insgesamt irgendwie der Wurm drin (auch bei mir), so dass die beiden Jungs spontan eine „VfB only“-Version aus dem Gespräch mit mir gemacht haben, die insgesamt rund eine Viertelstunde dauert.

Insgesamt kann ich natürlich auch nix Neues erzählen, was nicht ohnehin schon jeder VfB-Fan weiss, aber wer zumindest mal feststellen will, ob meine Stimme eher ein sonorer Sopran (nicht wirklich) oder ein besänftigender Bass (erst recht nicht) ist, der klickt einfach auf den folgenden Link:

Meine wahre Liebe – Fantalk VfB Stuttgart

Es lohnt sich auf jeden Fall auch mal durch die anderen Einträge zu klicken, wo sich beispielsweise ein Videointerview mit U20-Weltmeisterin Svenja Huth befindet oder auch eins mit Frankfurtprofi Patrick Ochs. Das Herzstück der Seite sind aber natürlich die regelmäßigen Podcasts der beiden Jungs.

Prädikat: Empfehlenswert.

Und, um mal einen Delling einzubauen, empfehlenswert ist es sicherlich auch, noch mal kurz auf meine Umfrage zu den Aussichten des VfB für das erste Saisondrittel hinzuweisen – da könnt ihr bei Teilnahme schließlich ein Trikot des VfB gewinnen. (/Werbestimme off)