Die Neuen 2010/11 (4): Der Fitness-Papst

4 Aug

Nicht nur im Profikader des VfB Stuttgart hat sich während des Sommers einiges getan. Spieler gingen, neue Spieler kamen, einige verheißungsvolle Youngster wurden hochgezogen. Soweit, so bekannt.  Doch auch das „Team hinter dem Team“ hat einen Neuzugang zu verzeichnen. Schon im Mai konnte der Verein vermelden, dass ein gewisser Laurent Hagist ab sofort Teil des Betreuerstabs sein werde.

Hagist ist der Herr ganz links im Bild - Quelle: vfb.de

Hagist ist der Herr ganz links im Bild - Quelle: vfb.de

Laurent…wer? So oder so ähnlich dürfte die Reaktion bei den meisten Anhängern ausgefallen sein, die mit diesem Namen nicht wirklich viel anfangen konnten. Gut, ist jetzt nicht unbedingt ungewöhnlich, solche Leute sind nun mal nicht so bekannt wie die hochbezahlten Kicker. Und wozu, dachten sich wohl viele der traditionell als sparsam bekannten Schwaben, brauchen wir noch einen Konditionsguru? Nun, schon seit Jahren zeichnet sich im Profibereich der Trend ab, dass der Betreuerstab eigentlich nicht groß genug sein kann. Manche Teams beschäftigen ganze Armadas von Spezialisten  – und auch der VfB hat ganze 15 Mann, die sich nur darum kümmern, dass die Herren Profifußballer ihre bestmögliche Leistung bringen können. Das „Sommermärchen 2006“ sorgte dann endgültig auch bei der breiten Masse für die Erkenntnis, dass zu einem Trainerstab eben nicht nur Chefcoach, Assistent und Torwarttrainer gehören. Manch einer erinnert sich vielleicht noch an die aus den USA importierten Drillsergeants um Schmidtlein und Verstegen.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Laurent Hagist. Der 1975 im elsässischen Saint-Louis  geborene Franzose (verheiratet, zwei Kinder) spricht fließend deutsch,  war zwar selbst nie Profifußballer in einer der großen Ligen Europas, doch sollte man ihm das nicht negativ auslegen. Seine Vita ist durchaus beeindruckend.  Er spielte 1994 in der zweiten französischen Liga beim FC Mulhouse, wechselte für die Saison 1994/95 zum FC Basel, wo er hauptsächlich für die zweite Mannschaft aktiv war, und spielte von 1995 bis 1998 in der dritten französische Liga für Besancon RC. Erfahrungen als Trainer im Profifußball sammelte er beim FC Basel und beim FC Xamax Neuchatel. Nach seinem Karriereende absolvierte er ein Studium zum Sportpädagogen, welches er nach drei Jahren abschloss. 2002 absolvierte Laurent Hagist sein Diplom als Konditionstrainer an der Universität in Lyon. Parallel dazu war er Praktikant beim FC Basel. Nach dem Praktikum folgte von 2003 bis 2005 eine Anstellung beim FC Basel als Konditionstrainer der U18 und U21. Bei der U21 war er zusätzlich noch Assistenztrainer. Christian Gross erhielt dann von 2005 bis 2009 beim Profiteam Unterstützung von Laurent Hagist als Konditionstrainer. In der vergangenen Saison agierte der Elsässer als Fitmacher für die Spieler von Xamax Neuchatel.

Gross war dann auch die treibende Kraft, die sich stark für ein Engagement von Hagist beim VfB Stuttgart einsetzte. Ist ja auch nur logisch und nicht ungewöhnlich, dass ein Coach gern Vertraute/Weggefährten um sich hat. Ferner sind Profikader heutzutage ziemlich groß, Schlagworte wie „individuelle Trainingssteuerung“ keine populistischen Parolen mehr, sondern gelebte Philosophie. Hagist wurde freundlich aufgenommen, schnell in den Stab integriert und teilt sich nun zusammen mit Christian Kolodziej, der vor Jahren unter Sammer zu uns stieß, die Aufgaben im Bereich „körperliche Ertüchtigung“ auf dem Wasen.

Aktuell ist er verantwortlich für die schnelle Re-Integrierung der WM-Fahrer Cacau, Boulahrouz und Tasci. Die drei Jungs kehrten erst Anfang dieser Woche aus dem wohlverdienten Urlaub zurück und müssen nun schauen, wie sie in den verbleibenden drei Wochen bis Ligastart Versäumtes aufholen können. Konkret bedeutet das, dass sie um 7.30 Uhr eine Laufeinheit haben, ein Intervalltraining um zehn genießen dürfen und zum krönenden Abschluss noch eine Krafteinheit um 17 Uhr durchziehen dürfen. Viel Spaß dabei an dieser Stelle. Zuckerbrot sieht anders aus… 😉

Das soll es erstmal gewesen sein, ich hoffe, ich konnte dem Leser einen groben Eindruck verschaffen. Ergänzend möchte ich noch folgendes anführen:

Hier ein Link zu seinem (leider nicht wirklich aussagekräftigen) Profil bei transfermarkt.de

http://www.transfermarkt.de/de/laurent-hagist/aufeinenblick/trainer_10158.html

Und aus seiner Zeit beim FC Basel hab ich noch ein Kurzinterview gefunden:

http://www.fcb.ch/articles/show/paragraph///286/109/11/81/297
[Klick auf den Link funktioniert nicht – Link einfach in ein neues Browserfenster kopieren und öffen]

Mehr Footage zu/über Hagist findet sich auch auf dem vereinseigenen IP-TV-Channel www.vfbtv.de, aber das kostet natürlich. Und damit haben es wir Schwaben ja nicht so…

😛

el pibe

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7 Antworten to “Die Neuen 2010/11 (4): Der Fitness-Papst”

  1. hirngabel August 4, 2010 um 10:07 pm #

    Klasse, das war wirklich interessant, el pibe.

    Hatte mich mit der Personalie Laurent Hagist bislang noch gar nicht auseinandergesetzt, so dass das auch für mich sehr aufschlussreich war.

    Zudem war mir gar nicht mehr bewusst, dass Christian Kolodziej erst unter Sammer dazu gestoßen ist. Fühlt sich an, als sei er schon „ewig“ dabei.

    Auf jeden Fall volle Zustimmung, dass es gerade im Hinblick auf das Thema „individuelle Trainingssteuerung“ kein Fehler sein kann, zwei Leute im Team zu haben, die sich gemeinsam um die verschiedenen Leute kümmern. Erst recht nach einer Sommerpause mit Turnier, wo die Spieler alle so nach und nach zum Team stoßen und dementsprechend unterschiedliche Fitnesszustände haben.

    Hoffen wir mal, dass es sich auch in der Saison auszahlen wird. Kondition ist schließlich ein Schlüssel bei einer EuropaLeague-Saison.
    In Anbetracht dessen, dass wir in den letzten Jahren meist in der Rückrunde sehr gut waren, vermute ich aber zumindest mal, dass da auch vor Hagist schon ziemlich gute Arbeit geleistet wurde.

  2. heinzkamke August 5, 2010 um 10:51 am #

    Danke, sehr interessant. Vielleicht sehen wir ja heute abend schon, wohin er Tasci und Boulahrouz gesteuert hat 😉

    • el pibe August 5, 2010 um 11:11 am #

      >> In Anbetracht dessen, dass wir in den letzten Jahren meist in der Rückrunde sehr gut waren, vermute ich aber zumindest mal, dass da auch vor Hagist schon ziemlich gute Arbeit geleistet wurde.< so wird die abwehr wohl beginnen.

      btw: der link zum interview funzt irgendwie nicht bei klick. einfach copy&paste in nem neuen tab, dann läufts!

  3. el pibe August 5, 2010 um 11:13 am #

    äääh…..da fehlt ein teil.

    träsch-nieder-gentner-molinaro…..so wird die abwehr wohl beginnen. alles andere ist dem coach wohl zu riskant..auch wenn tasci geradzu um einen einsatz bettelt.

    😉

  4. hirngabel August 5, 2010 um 11:46 am #

    Jep, es scheint wohl auf Träsch-Niedermeier-Gentner-Molinaro hinauszulaufen.
    Im Mittelfeld wird zudem dann Patrick Funk seine Chance neben Kuzmanovic erhalten. Ganz interessant fand ich zudem, dass die Stuttgarter Nachrichten für die Aussen zwar Gebhart und Rudy vorhergesehen haben, aber hinter Rudy in Klammern noch den Namen Harnik gesetzt haben.
    Fände ich auf jeden Fall auch eine interessante Variante (wobei ich ihn irgendwie lieber als Starter im Sturm sähe).

    PS: Ich würde übrigens die Finger von > und < als Markierungen für Zitate lassen, da man mit diesen Zeichen auch HTML-Codes in den Texten einbaut, was dann oft dazu führt, dass Textteile verschwinden.

  5. heinzkamke August 5, 2010 um 11:52 am #

    Ja, hab ich auch gehört, die Startaufstellung. Aber einen Teileinsatz könnte er dem bettelnden Tasci durchaus gönnen.

  6. hirngabel August 5, 2010 um 12:06 pm #

    Das würde ich sogar vermuten, dass Tasci sicherlich so auf 20-30 Minuten in Halbzeit 2 kommen wird. Oder sogar noch mehr, wenn sich die Innenverteidigung wieder so desolat präsentiert, wie phasenweise gegen Molde (wobei Niedermeier da natürlich auche einen komplett gebrauchten Tag erwischt hat).

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