Die 8 Spieltage-Abschlusstour – Part 1: Hannover

19 Mrz

Nachdem wir am Mittwoch aus der Champions League überraschend rausgeflogen sind und die letzten beiden Spiele gegen Bremen (1 Punkt) und Schalke (0 Punkte) dazu geführt haben, dass wir in der Tabelle nun bei noch 24 zu vergebenen Zählern derer 8 Rückstand auf Platz 5 haben. Da sich zudem noch 3 Teams auf den Rängen zwischen dem VfB und dem ersehnten internationalen Geschäft liegen, von denen zwei Teams eben auch deutliche Ambitionen haben, kann man wohl getrost behaupten, dass die Saison für den VfB Stuttgart nun inoffiziell zu Ende ist und wir uns in aller Ruhe auf die kommende Spielzeit vorbereiten können.

Ärgerlicherweise hat der DFB in Übereinkunft mit der DFL und Manfred Amerell einstimmig beschlossen, dass Stuttgart dennoch weiterhin den Spielbetrieb zumindest dem Anschein nach aufrecht erhalten muss.

Am kommenden Samstag, um 15.30h, steht der erste dieser belanglosen Auftritte an, mit einem kleinen Gastspiel von Hannover 96. Zumindest in Sachen Motivation könnte da vielleicht noch was gehen, schließlich gilt es eine mehr als unangenehme Niederlage aus dem Hinspiel wiedergutzumachen.

Da mir selbst zu Hannover 96 nicht sonderlich viel kluges einfällt, führen wir daher heute mal die beinahe schon lieb gewonnene Tradition der gegenseitigen Blogger-Interviews weiter. Zugegeben, mein Interviewpartner Nils von „Das Fanmagazin“ ist kein ganz klassischer Blog. Und auch zugegeben, bei ihnen drüben wird es dieses Mal auch aller Voraussicht nach kein Interview mit mir geben, denn leider hat es diese Woche einige gravierende technische Probleme gegeben, die nicht nur einen Serverumzug für die Kollegen vom Fanmagazin mit sich brachten, sondern eben auch einen damit verbundenen Zeitaufwand, der es Nils nicht möglich machte, sich auch noch die entsprechenden Fragen auszudenken.

Umso mehr freue ich mich natürlich, dass er sich zumindest die Zeit genommen hat, um meine belanglosen Fragen zu beantworten. Very much appreciated!

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Wenn man in dieser Saison über Hannover 96 spricht, dann kommt man leider um Robert Enke und seinen Selbstmord nicht herum. Glaubst Du, dass die ab dem 13. Spieltag eingetretene Niederlagenserie vorwiegend mit diesem absolut tragischen Schockerlebnis zu begründen war oder hatte das durchaus auch strukturelle Gründe, sprich ein nicht wirklich bundesligatauglicher Kader?

Zu sagen, dass der Tod Enkes keine Rolle spielen würde, wäre sicherlich nicht richtig. Aber die ganze Misere darauf zu schieben halte ich für zu einfach und auch schlicht für falsch. Dennoch sehe ich die Hauptursachen für die Misere in der Psyche der Spieler, die unter dem Tod noch zusätzlich gelitten hat. Nach einem Gegentor war immer zu beobachten, dass die Mannschaft regelrecht zusammengebrochen ist – auch wenn die Leistung bis dahin gut war. Und dann kam ein Teufelkreis in Gang: Mit jedem verlorenen Spiel schwand ein weiteres Stück vom ohnehin schon arg angeknacksten
Selbstvertrauen. Eine weitere entscheidende Rolle spielte das große Lazarett, das in der Bundesligageschichte in diesem Ausmaß wohl seines gleichen sucht. Und letztendlich fehlt Robert Enke auch sportlich. Mit ihm hatte man einen Torwart drin, der auch mal Dinger gehalten hat, die bei vielen anderen reingehen. Er hat einfach eine zusätzliche Sicherheit ausgestrahlt. Eine Top-Mannschaft haben wir sicherlich nicht, aber so weit unten gehört Hannover 96 vom Leistungspotenzial her meines Erachtens nicht hin.

In der Winterpause wurde dann ja das Thema Torwart plötzlich wieder akut, nachdem Hannover 96 -aus der Sicht vieler vollkommen unnötigerweise-  ein Interesse an Gerhard Tremmel öffentlich gemacht hatte. War das aus Deiner Sicht ein eigentlich sinnvoller Transfer, weil man ja Enke eigentlich hätte ersetzen müssen oder stimmst Du den meisten Aussenstehenden zu, dass hier von Schmadtke und Co ein absolut unnötiges Faß aufgemacht wurde?

Ich halte es für legitim, dass ein Verein sich auf jeder Position verstärken will. Und Florian Fromlowitz ist zwar ein guter Torhüter, aber auch er ist nicht frei von Fehlern. Fragwürdig finde ich bei dieser angepeilten Verpflichtung allerdings zum einen, dass ich Gerhard Tremmel nicht für besser halte und noch viel mehr, dass das ganze öffentlich wurde. Das sind die großen Kritikpunkte. Letztendlich wurde da also ein unnötiges Fass aufgemacht. Zumindest so lange es um die Verpflichtung eines Torhüters wie Tremmel geht.

Apropos Schmadtke: Euer Sportdirektor hat ja zuletzt und auch schon früher nicht immer die glücklichste Figur abgegeben. Wir als VfB-Fans erinnern uns da natürlich vor allem an das unwürdige Geschachere um Jan Simak vergangenes Jahr. Und auch bei Elson lief das nicht so richtig glatt ab – auch wenn am Ende dann die Ausleihe stand. Was haltet Ihr als Fans denn von ihm als Sportdirektor?

Ich persönlich finde ihn sehr sympathisch, da er die gewohnten Bilder, die man von Personen in seiner Funktion hat, bricht. Ich mag die teilweise etwas „rotzige“ Art und dass er nicht vorhersehbar reagiert. Ähnlich wie bei Hans
Meyer, der ebenfalls sagt, wenn ihm eine Reporter-Frage missfällt oder es durch die Art seiner Antwort zum Ausdruck bringt. Bei Schmadtke habe ich einfach das Gefühl, dass bei dem, was er sagt, etwas dahintersteckt.
Nichtssagende Worthülsen sind von ihm selten zu hören. Und in Bezug auf Transfers hatte er bislang größtenteils ein sehr gutes Händchen. Auch in einer so prekären und zeitknappen Situation wie kurz nach der Winterpause, wo er noch zwei wirklich hilfreiche Spieler verpflichten konnte.


Eine weitere streitbare Figur in der Vereinsführung von Hannover 96 ist ja auch der Präsident. Wie betrachtet Ihr Anhänger denn die Versuche von Martin Kind, die 50+1 Regelung abzuschaffen, die für viele Fußballfans doch als letztes Bollwerk gegen die totale Kommerzialisierung gilt?

Ich habe vor eineinhalb Jahren auf unserer Seite mal eine Umfrage zu diesem Thema gestartet und bin davon ausgegangen, dass es ein klares Votum für den Erhalt von 50+1 geben würde. Das Ergebnis fiel dann zwar auch zugunsten von 50+1 aus, war aber überraschend knapp.
In Diskussionen erscheint es aber so, als ob eine deutlichere Mehrheit gegen die Planungen von Martin Kind bestehen würde, die im übrigen auch meiner persönlichen Meinung entspricht. Denn letztendlich würde eine solche Regel
nicht dazu führen, dass die kleinen Mannschaft davon profitieren, sondern auch da die großen oder aber im besten Fall alle Mannschaften. Denn nicht nur Hannover 96 hätte die Möglichkeiten, Investoren ins Boot zu holen, sondern alle Clubs. Im Endeffekt würde das entweder zu einem Fahrstuhleffekt führen, der alle finanziell nach oben bringt oder aber es würden sich vor allem für die größeren Clubs bevorzugt Investoren finden, während die „kleinen“ auf der Strecke bleiben. Aber eigentlich bin ich in der Materie zu wenig drin, um wirklich ein fundiertes Urteil dazu abgeben zu können. Die Kritik, die Martin Kind an der derzeitigen Praxis übt, ist ja sicherlich auch nicht von der Hand zu weisen, wenn er seine Argumentation darauf aufbaut, dass hinter Mannschaften wie Leverkusen und Wolfsburg große Firmen stehen, was durchaus wettbewerbsverzerrende Züge hat.

Kehren wir aber nun mal wieder zum aktuellen Spielgeschehen zurück. Elson hatte ich ja eben schon kurz angesprochen. Bei uns VfB-Fans genießt er einen Ruf als technisch begnadeter Spieler mit tollen Standards, der Spiele durchaus drehen kann. Leider ist er diesem Ruf bisher zu selten wirklich nachgekommen, ihm fehlte die Konstanz und vermutlich auch das Durchsetzungsvermögen. Zuletzt war er, wenn ich das richtig mitbekommen habe, durchaus mit am jüngsten Hannoveraner Aufschwung beteiligt. Bist Du bislang zufrieden mit seinen Leistungen?

Sehr sogar. Ehrlich gesagt wusste ich im Grunde nichts über Elson, als seine Verpflichtung bekannt gegeben wurde. Das ein sehr kurzfristiger Transfer war, war ich – und viele andere auch – entsprechend skeptisch. Vielleicht führte die Skepsis auch dazu, dass man etwas leichter zu begeistern war. Aber das glaube ich nicht.
Ich denke, er ist tatsächlich ein sehr hilfreicher Transfer und ich würde mich freuen, wenn er in Hannover bleibt.
Er selbst hat ja auch bereits angedeutet, an einem Verbleib großes Interesse zu haben.
Im Spiel gegen euch fällt er ja kurioserweise leider definitiv aus. Man sieht: Er ist bereits ein richtiger 96er geworden – was die Anfälligkeit für Verletzungen betrifft.

Und wie wichtig war die Verpflichtung von Arouna Koné? In Anbetracht der doch eher enttäuschenden Ex-Nationalstürmer Hanke und Schlaudraff sowie einem nur bedingt überzeugenden Ya Konan scheint dieser Transfer ja Gold wert zu sein.

Ebenso wie bei Elson gab es auch hier eine große Skepsis. Aber auch er hat überzeugende Leistungen geliefert. Ich denke, dass es ohne diese beiden Neuverpflichtungen für Hannover 96 ungleich schwerer gewesen wäre, den
Umschwung zu schaffen. Ohne die beiden würde es jetzt in Hannover tabellarisch vielleicht bereits zappenduster aussehen.

Im Hinspiel hat oben schon erwähnter Ya Konan unglücklicherweise das einzige Tor des Spiels erzielt und damit den VfB ein Stück weiter in Richtung Trainerentlassung geschoben. Warum wird Hannover dieses Mal wieder das glücklichere Ende für sich haben? Gibt es wieder eine Fehlentscheidung zugunsten der Roten oder wird man den Favoriten dieses Mal auch verdient schlagen können?

Im Laufe dieser Saison ist man als 96-Fan sehr – gelinde gesagt – realistisch geworden. Vielleicht sogar pessimistisch. Das Spiel in Stuttgart wird sehr schwer. Jedoch gibt das Heimspiel gegen Frankfurt etwas Anlass zur Hoffnung, wo 96 sehr konzentriert und erfolgreich zu Werke ging. Eine Fehlentscheidung zu Gunsten von 96 wäre natürlich schön, denn 96 braucht weiterhin jeden Punkt und „dreckige“ Siege machen den Fußball ja irgendwie auch aus.😉

Die obligatorische Schlussfrage: Wie ist Dein Tipp für das Spiel?

0:0. Das wäre schon klasse, denn in meiner Berechnung ist ein Punkt in Stuttgart nicht eingeplant.

Vielen Dank für das nette Interview!

PS: Ja, eigentlich hätte ich noch eine Frage zu Slomka stellen müssen. Hab ich nur leider vergessen. =)

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    […] Bei Hannover 96 wird dieses Konzept nicht verfolgt. Gequält wird mehr der Fan, denn der Spieler. Nach einem kurzen Gefühl des Aufs, folgte ernüchternd ein erneuter Schlag ins Gesicht und damit ein nicht nur gefühltes Ab. Emotionslos, Willenlos, Kampflos, wie ein Nieten-Los ergaben sich die Roten dem VfB Stuttgart  und schwupps war es wieder wie vor zwei, schön geredet drei Spielen. Dabei ist der VfB quasi schon auf Saison-Abschieds-Tour. […]

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