Wenn die Futterluke bis zur Kapazitätsgrenze gefüllt ist.

5 Dez

Im Laufe der vergangenen Woche habe ich in diesem Blog versucht Optimismus zu predigen und mich bemüht der umfassenden Untergangsstimmung im Umfeld des VfB Stuttgart etwas entgegenzusetzen. Warum mich der Mut nach wie vor nicht gänzlich verlassen hatte, konnte ich selbst nicht so richtig greifen und auch jetzt glaube ich noch fest daran, dass wir zumindest den Abstieg in dieser Saison vermeiden werden können. Alleine – das ist nicht der Anspruch an meine Mannschaft! Doch zu mehr wird es eben in dieser Spielzeit auf nationaler Ebene keinesfalls reichen.

Denn auch heute lief es wieder mal brechreizerregend schlimm im Heimspiel gegen Bochum.

Die erste Halbzeit war dabei ein Kick wirklich unterirdischer Güteklasse mit einem VfB, der nach vorne nur in den ersten fünf Minuten zwei brauchbare Aktionen zeigte und im weiteren Verlauf hauptsächlich ratlos und verunsichert durch das Mittelfeld stümperte. Besonders erschreckend war an dieser Halbzeit allerdings, dass die an sich extrem harmlosen Bochumer beinahe unbehelligt durch das Mittelfeld durchkamen und so zwei wirklich dicke Chancen erspielen konnten, die aber jeweils noch vereitelt werden konnten. Im Grunde logisch, dass Babbel dann frühzeitig wechselte und die offensiv- wie defensivschwache Mittelfeldzentrale austauschte, indem er erst Kuzmanovic durch Elson ersetzte, so dass fortan in einer Raute gespielt wurde, und dann auch noch Celozzi für Hitzlsperger brachte, dessen 6er-Position dann vom heute insgesamt gut spielenden Träsch übernommen wurde.
Super Coaching könnte man sagen – blöd nur, dass diese beiden Wechsel jeweils durch Oberschenkelverletzungen erzwungen wurden (haben die Idioten sich nicht richtig warm gemacht???). Zu hoffen bleibt natürlich, dass Kuzi am Mittwoch gegen Urziceni wieder dabei sein wird, auch wenn er in seiner knappen halben Stunde Auftritt nicht so richtig pralle war.

In der ersten Halbzeit war es dass dann eigentlich auch schon an Berichtenswertem, vielleicht noch davon abgesehen, dass es auch auf Bochumer Seite zwei längere Verletzungsfälle gab, die aber allesamt weiterspielen konnten. Abstiegskampf halt.

Die zweite Hälfte begann erst ähnlich übersichtlich wie vor dem Pausenpfiff, doch dann legte der VfB auf einmal etwas an Tempo zu und kam, vor allem auch dank einem bemühten Elson zu einigen kleineren Gelegenheiten und drückten die Bochumer in deren Hälfte zurück. Positiv an dieser Phase hervorzuheben ist sicherlich vor allem, dass auf einmal die Standardsituationen wieder gefährlichere Situationen heraufbeschworen. Dementsprechend war es dann auch schon fast logisch, dass dem Führungstreffer in der 63. durch Tasci (natürlich kein Stürmer…) ein Eckball vorausging.

Das war zu diesem Zeitpunkt durchaus verdient und obwohl bei den Fans im Stadion durchaus nach wie vor eine, sagen wir es freundlich, unterkühlte Atmosphäre herrschte, war ich auf der heimischen Couch doch halbwegs happy, schließlich brauchst Du einfach solche Dreckssiege, um da unten raus zu kommen.

Was sich dann aber im Anschluss an dieses Tor plötzlich auf dem Platz abspielte, hat mich schlichtweg schockiert.

Nachdem sie in der zweiten Halbzeit bis zu Tascis Treffer nicht eine einzige Offensivaktion gezeigt hatten, übernahmen die Bochumer allmählich immer mehr das Ruder, während der VfB den Offensivschwung der vorangegangenen Minuten nahezu völlig verloren hatte und sich scheinbar so eine Art „Angst vor dem Sieg“ breitmachte. Die wenigen Situationen, die man vorne noch hatte wurden dann zumeist relativ überhastet vergeben oder schlampig ausgeführt und in der Defensive agierte man zunehmend fahriger, so dass die Bochumer das Spiel wieder mehr in Richtung Stuttgarter Tor verlagern konnte.

Als dann in der 81. Minute aber Klimowicz noch mit einer sehr harten Roten Karte das Feld verlassen musste, hätte man eigentlich annehmen können, dass dies nun doch endlich reichen könnte, um den wichtigen Sieg, der vorläufig für Platz 14 genügt hätte, nach Hause zu bringen. Doch wieder hatte ich die Rechnung ohne den schwäbischen Wirt gemacht und die Hektik in der Abwehr griff immer weiter um sich, obwohl die Bochumer eigentlich nicht so stark drückten. Und dennoch kam erst Sestak in der 87. Minute zu einer Riesenchance, die schon der Ausgleich hätte sein können, und dann konnte Freier relativ unbedrängt durch das Mittelfeld dribbeln, bevor er gerade mal 22 Meter vor dem Tor noch von unserem Neukapitän Delpierre umgerannt wurde.

Dass der daraus resultierende Freistoß selbstverständlich ganz hervorragend von Christian Fuchs (wer zur Hölle ist das eigentlich??) getreten wird und unhaltbar in dem Winkel unseres Tores einschlägt war dann irgendwie zwingend logisch und passt zum Rest dieser Saison, an der mir mittlerweile die Freude komplett vergangen ist (zumal ich auch im Managerspiel die Führung abgeben dürfte nachdem ich aus purem Optimismus gleich vier Stuttgarter aufgestellt hatte).

Mit Abpfiff des Spiels brach sich der angestaute Frust bei den Fans endgültig Bahn. War die Stimmung während des Spiels schon bestenfalls gespenstisch und in den schlimmeren Momenten offen feindselig, so endete das Spiel erst in einem gellenden Pfeifkonzert, das dann in ausufernde Protestaktion vor dem Stadion mündete. Mal schauen, was die beiden Stadiongänger heinzkamke und Alexis zu berichten haben.

Während ich diesen Blogeintrag verfasse, sind gerade zudem Gerüchte in der Sportschau aufgetaucht, nach denen Horst Heldt wohl zurücktreten wird. Mal schauen, ob es passiert. Meine Sehnsucht nach Kontinuität wird wohl allem Anschein nach weiterhin unerfüllt bleiben.

Wie schon geschrieben: Diese Saison macht keinen Spaß.

PS: Okay, einen kleinen Hoffnungsschimmer zum Abschluss doch noch – die Mainzer, unser nächster Gegner, verlieren gerade 2:0 gegen Frankfurt, die wir damals mit 3:0 aus deren Stadion gefegt hatten! Der Sieg in Mainz dürfte uns so gut wie sicher sein! Yeah! Vau-Vau-Vau-Eff-Beh!

Eine Antwort to “Wenn die Futterluke bis zur Kapazitätsgrenze gefüllt ist.”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Abschalten! « angedacht - Dezember 6, 2009

    […] Detailliertere Aussagen zum Spiel selbst gibt’s einmal mehr im Brustring. […]

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