Archiv | September, 2009

Die Saison bis hier

22 Sep

Nach 6 Spieltagen ist es an der Zeit für mich, ein erstes Zwischenfazit zu ziehen. Nicht, weil der 6. Spieltag irgendeine besondere Bedeutung hätte, sondern weil für die Mannschaft nach einem nicht überragenden, aber akzeptablem Saisonstart immer weniger zusammenläuft.

Die Saison begann mit einem 0:2 in Wolfsburg, womit man nach den 0:4 und 1:4 Klatschen in den beiden Vorjahren durchaus zu rechnen hatte. Es folgte ein wenig überzeugender Sieg zu Hause gegen Freiburg und ein etwas glückliches Unentschieden gegen Dortmund. Außerdem qualifizierte man sich durch ein 2:0 in Rumänien und ein 0:0 zu Hause gegen Timisoara für die Gruppenphase der Champions League. So weit, so gut. Was folgte, ist mit enttäuschend noch untertrieben ausgedrückt. Ein uninspiriertes 0:0 gegen Nürnberg, eine blutleere Vorstellung in Hamburg, und ein desaströses 0:2 gegen den bis dahin sieglosen Tabellenletzten Köln. Nicht zu vergessen: das unnötige Unentschieden in der Champions League gegen die Glasgow Rangers, als man das Spiel, das man eigentlich dominierte, noch aus der Hand gab.

Doch woran liegt es?

Dass es keine einfachen Antworten auf diese Frage gibt, ist offensichtlich, sonst wäre das Problem längst gelöst.

Auffällig war jedoch schon im ersten Spiel gegen Wolfsburg, dass entscheidende Zweikämpfe entweder verloren oder aber erst gar nicht geführt werden. Paradebeispiel ist hierfür das 1:0 durch Misimovic, der von der gesamten Hintermannschaft ungehindert aus 17 Metern schießen durfte. Auch sichtbar war ein anderes Problem: Die Mannschaft kam mit dem phasenweisen Pressing überhaupt nicht zurecht, ließ sich die Bälle teilweise am eigenen Sechzehner abnehmen. Gegen einen besser aufgelegten Gegner wäre das noch stärker bestraft worden.

Doch nicht nur gegen Pressing findet das Team keine Mittel, auch mit sehr tief stehenden Mannschaften hat der VfB seine Probleme, zu sehen am besten im Spiel gegen Köln. Dem Gegner reichte es, sich hinten rein zu stellen, denn dem VfB fällt nichts ein, um eine massierte Abwehr zu knacken. Attackiert man von Zeit zu Zeit auch noch früh, bekommt man auch vorne seine Chancen. Und wenn man die auch noch nutzt, gewinnt man eben.

Begünstigt wird das auch noch dadurch, dass man – vielleicht aus Angst vor der Dreifachbelastung – nach vorne nicht mehr zu machen scheint, als unbedingt nötig ist. Führt die Mannschaft einmal mit 1:0, stellt sie ihre Angriffsbemühungen – wie gegen die Rangers zu sehen – nahezu komplett ein. Diese Taktik könnte funktionieren. Wenn man in der Viererkette viermal Delpierre stehen hätte. Denn Tasci bereinigt zwar viele Situationen schon im Voraus durch sein Stellungsspiel, ist jedoch auch in jedem Spiel für einen dicken Klops gut. Hinzu kommt noch das manchmal naive Stellungsspiel von Boka und Magnin auf der linken Abwehrseite. Und auch Träsch ist nach seiner Verletzung noch nicht wieder der Alte.

Ein ähnliches Bild zeigte sich übrigens beim CL-Playoff-Rückspiel. Mit einem 2:0 aus dem Hinspiel im Rücken hatte die Mannschaft keinerlei Ambitionen, ihren Zuschauern auch nur irgendetwas zu bieten. Anstatt sich durch einen weiteren überzeugenden Sieg Selbstvertrauen zu holen, wollte man das 0:0 einfach über die Zeit spielen. Das gelang auch, allerdings waren die Rumänen in ihrer Harmlosigkeit auch nicht zu überbieten.

Aber wo soll denn dann das Selbstvertrauen herkommen, wenn man es sich gegen so dankbare Gegner wie die Rangers und Timisoara es eigentlich waren, nicht holt? Wenn man im Gegenteil gegen die Rangers durch seine Spielweise den sicheren Sieg noch aus der Hand gibt? Woher sollen Gebhart, Hleb und Co die Überzeugung herbekommen, dass sie an ihrem Gegenspieler im 1 gegen 1 vorbeikommen? Und woher soll die Mannschaft die Souveränität haben, einen Rückstand aufzuholen und zu drehen, wenn sie noch nicht einmal sichere Siege nicht heimbringen kann?

Ich will jetzt nicht vom Potenzial der Mannschaft reden, das ist müßig. Momentan sehe ich jedoch nur einen Weg aus der aktuellen Krise: die Mannschaft muss aufhören, sich auf Führungen auszuruhen, denn Spiele verwalten kann sie aufgrund der Unsicherheiten in der Abwehr im Moment nicht. Die nächsten 3 Gegner bieten sich durchaus dazu an, dringend benötigtes Selbstvertrauen zu holen. Was passiert, wenn die Mannschaft das nicht tut – ich möchte lieber nicht darüber nachdenken.

Bundesliga 09/10, ST06: 1. FC Köln.

21 Sep

Am Samstag um 17.18h stand ich in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena in der Cannstatter Kurve zwischen lauter sich in die Arme fallenden und jubelnden Menschen. Grundsätzlich wäre das ja eigentlich sehr wünschenswert gewesen und vor ein paar Wochen, als die Pläne für den Stadionbesuch reiften hätte ich mir das auch so in etwa gewünscht.

Blöderweise hat dann aus logistischen Gründen ein mich begleitender Freund die Tickets besorgt – seines Zeichens Dauerkarteninhaber beim 1. FC Köln. So stand ich dann am Samstag eben mittendrin im Block 40, einem Teil des temporären Gästefanblocks in der sich im Umbau befindlichen MBA. Und hatte die Fresse gestrichen voll, konnte meinen Frust aber nicht wirklich laut rausschreien, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, als ich dies schon vor Spielbeginn tat, als die aufmerksame Security meinen VfB-Schal entdeckte und einkassierte (immerhin: sehr freundlich und er wurde nicht weggeschmissen, sondern nach Spielschluss wieder abholbar).

Grundsätzlich habe ich als nicht absolut fanatischer Mensch ja wirklich kein Problem in einem fremden Fanblock zu stehen und gerade bei den Kölnern macht das so an sich schon sehr viel Spaß, da es stimmungstechnisch nun mal grundsätzlich klasse ist. Aber wenn es sich beim Gegner um den eigenen Verein handelt, dann muss man schon seeehr viel Selbstdisziplin an den Tag legen. Zu viel für meinen Geschmack, so dass ich dieses Experiment mit Sicherheit nicht noch mal wiederholen werde. Auch wenn meine Gefühlslage mit hoher Wahrscheinlicheit jetzt etwas anders aussähe, hätten wir nicht so unfassbar schlecht gespielt und uns von den bisher sieglosen Kölnern blamieren lassen.

Andererseits hätte man damit natürlich rechnen können. Schließlich sind wir im eigenen Stadion schon seit 1996 gegen den FC im eigenen Stadion sieglos und auch in meinem Beisein sind die Duelle beider Vereine immer zu meinem Missfallen ausgegangen. Von daher hätte ich es wohl besser wissen sollen…

Aber kommen wir, auch wenn es schmerzhaft wird, mal zum Spiel selbst, schließlich kann und darf die Historie nicht eine solche Nicht-Leistung wie an eben diesem Samstag gegen Köln rechtfertigen. Sonst könnte man ja gleich feststellen, dass man vor rund einem Jahr an gleicher Stelle noch drei Tore gegen den FC kassiert hatte…

Eine Parallele zum letzten Jahr war allerdings, dass man erneut die Domstädter zu den Toren förmlich einlud. Waren es damals noch Lehmann, Hitzlsperger und Hilbert, die den Kölnern die Bälle vorlegten, so waren es diesmal eine Kooperation des Grauens in der Stuttgarter Hintermannschaft und -erneut- Lehmann, die sich innig um Aufbauarbeit an geschundenen kölschen Seelen bemühten.
Während Lehmanns Ausflug kurz vor Schluss zwar ärgerlich und auch ein bisschen peinlich war, so war dieses Gegentor irgendwie noch zu verzeihen. War ja zu dem Zeitpunkt dann auch schon irgendwie egal. Wirklich gruselig und grauhaarfördernd war allerdings das Verhalten vor dem ersten Gegentor. Erst verpeilt Tasci das richtige Timing für den Rückpass zu Lehmann (der seinem Innenverteidiger aber auch hätte entgegen kommen können), um die Situation spielerisch zu lösen (was nicht grundsätzlich negativ ist – nur manchmal ist der einfachere, rustikale Weg halt der bessere), bringt dabei durch seinen halbguten Pass Christian Träsch in die Bredouille, der sich seinerseits dann an der Aussenlinie vom wesentlich wacheren Ehret abkochen lässt. Nach dessen passgenauer Flanke auf den durch die restlichen schwäbischen Verteidiger alleingelassenen Freis sieht Lehmann dann zwar nicht glücklich aus, aber ihm in der Situation einen Vorwurf zu machen, halte ich für ungerechtfertigt. Natürlich im Gegensatz zur Entstehung des zweiten Tors, denn wenn er schon derart weit aus dem Kasten rauskommt, dann muss er, salopp formuliert, entweder Ball oder Gegner wegwichsen. Sich aber so naiv zu verhalten, kann nur mit purem Frust auf Seiten des beinahe 60jährigen Torhüters erklärt werden.

Beide Situationen allerdings können immer mal wieder vorkommen, auch wenn sie es nicht sollten. Zumal man außer in diesen Momenten, nur noch in zwei weiteren Situationen defensiv schlecht aussah, darüber hinaus aber insgesamt ganz gut stand. Vor allem Artur Boka muss ich hier mal lobend hervorheben, nachdem ich auf unsere Linksverteidiger ja gerne immer eindresche. Aber auch sein Pendant auf Rechts, Christian Träsch, hat mir erneut wieder mal ziemlich gut gefallen.

Und damit sind wir dann im Grunde auch schon am Ende der positiven Erwähnungen auf Seiten des Stuttgarter Personals. Denn vor allem was offensiv passiert ist, war erschreckend harm- und kopflos. Zwar hatte man verhältnismäßig viel Ballbesitz, aber gegen die dicht gestaffelte Kölner Defensive fand man zu keinem Zeitpunkt ein wirkliches Rezept. Der Ball wurde da vorwiegend ratlos hin und her geschoben und wenn dann Gebhart (schon die 4. Gelbe Karte im sechsten Spiel!) oder Hilbert mal frei auf Außen bedient wurden, dann fand im Grunde keine einzige Flanke einen Spieler im weißen Trikot. Und das muss halt sein, wenn man gegen so massiv stehende Kölner mit Kurzpassspiel nicht durchkommt. Oder wenn auch die Standards keinerlei Gefahr ausstrahlen.

Es fehlt, gerade ohne einen Hleb, einfach das Gran Kreativität und Genialität, das man haben muss, um eine 9 Mann-Defensive zu knacken. Aber es fehlt vor allem, und das schon seit Saisonbeginn, die Verzahnung von Mittelfeld und Sturm. Da fehlt es nach wie vor an der Harmonie, um ein flüssiges Offensivspiel aufziehen zu können, so dass man immer wieder erstaunt feststellen muss, wie sehr die beiden Stürmer nach hinten arbeiten, um sich die Bälle selbst nach vorne zu holen. Natürlich ist es beeindruckend, wenn sich ein Cacau und ein Pogrebnyak immer wieder bis in die eigene Hälfte zurückfallen lassen, um dort um den Ball zu kämpfen, aber eigentlich kann und darf es nicht sein, dass dies der Dauerzustand ist, schließlich sollen diese beiden vorne sein, um Tore zu erzielen. Nur fehlt es da eben an der Unterstützung aus dem Mittelfeld, in deren Zentrale dieses Mal Kapitän Hitzlsperger eine Denkpause bekam, nach zuletzt schwachen Leistungen.

Das Duo Kuzmanovic und Khedira legte allerdings auch keine Glanzleistung an den Tag. Kuzi war dabei ein ganz brauchbarer Ersatz für Hitz, spielte er doch die weitestgehend selben Querpässe wie der deutsche Nationalspieler – nur bringt dieser eben in jedem Spiel, selbst bei schwacher Gesamtleistung, immer wieder zwei bis drei Pässe gefährlich in die Spitze und an den Mann. Von unserem serbischen Neueinkauf habe ich das am Samstag leider nicht gesehen (wenngleich sich das noch ändern kann und hoffentlich auch wird). Leider hat auch Khedira nicht die früher so oft gesehene Präsenz auf den Platz gebracht, sondern blieb ebenfalls konsternierend unauffällig.

Ohnehin war das sicherlich eines der Hauptprobleme und der Aspekt, der mir, auch für die Zukunft, die größten Sorgen bereitete: Das ganze Spiel der Stuttgarter blieb irgendwie unauffällig, leblos und vor allem leidenschaftslos. Auch wenn die Intensität teilweise in Halbzeit 2 etwas zunahm und man rund eine Viertelstunde vor Schluss mal etwas Druck auf die Kölner ausübte, so waren die Stuttgarter Spieler irgendwie teilnahmslos. Kaum ein Aufbäumen war zu spüren, niemand setzte mal ein Zeichen. Es wurde so gut wie überhaupt nicht miteinander gesprochen, niemand versuchte einmal seine Mitspieler aufzurütteln.

Die Frage ist nun eben, wer dieser Spieler sein kann und die Mannschaft aufrüttelt und führt. Und ob Babbel die Mannschaft zusammenbringen und ihr das Leben einhauchen kann, das nötig ist, um den schlechten Saisonstart nicht zu einer wirklich gefährlichen Krise werden zu lassen. Diese Fragen zu beantworten gelingt mir leider nicht, aber zumindest liegt die durchaus gute Möglichkeit vor dem VfB das Umfeld erst einmal zu beruhigen:
Am Mittwoch steht das Pokalspiel in Lübeck an, wo man gewinnen muss und auch eigentlich relativ problemlos können müßte. Danach gehts am Samstag gegen die zwar momentan gut aufgelegten Frankfurter, die man aber eigentlich von der Qualität her schlagen können sollte, ebenso wie den rumänischen Meister aus Urziceni beim CL-Auswärtsspiel am darauffolgenden Dienstag. Das sind drei Siege, die ebenso machbar wie notwendig erscheinen und wirklich extrem wichtig für einen halbwegs ruhigen weiteren Saisonverlauf wären. Gerade in den beiden Pokalwettbewerben sind sie ein Muss, um eine ansonsten unvermeidlich erscheinen Trainerdiskussion zu vermeiden (die ich wirklich nicht haben will), aber auch ein Bundesligasieg wäre mal wieder sehr angebracht, um dort nicht schon jetzt völlig den Anschluss nach vorne zu verlieren. Man kann sich schließlich nicht jedesmal auf eine gute Rückrunde verlassen – zumal Platz 15 nun wirklich grausam ist, auch schon zum jetzigen Zeitpunkt der Saison.

Noch bin ich halbwegs optimistisch für die Zukunft des VfB in dieser Saison. Rational begründen kann ich meinen Optimismus allerdings nicht, sondern es ist eher ein irgendwie diffuses Vertrauen in eine für mich nach wie vor bestehende sportliche Qualität des Kaders. Ich hoffe, dieses Vertrauen wird in Bälde bestätigt. Zumindest ist die Abkehr vom bedingungslosen Prinzip der Rotation schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Denn es fehlt eben an einer Eingespieltheit, vor allem im Offensivbereich.

Zu guter Letzt: Noch ein Dank an den „Intellektuellenbloggerheinzkamke für das gemeinsame Suhlen im Selbstmitleid nach dem Spiel…

18 x 18 = 16?

11 Sep

Es gibt was Neues in der weiten Welt der Fußballblogger. Etwas Neues, das sich mit Neuem auseinandersetzt.

Dieses Neue ist eines der ersten spürbaren Resultate, die das von probek gegründete Sportbloggernetzwerk ergeben hat und um deren Umsetzung sich in erster Linie robert von „gehts raus und spuilts fußball“ gekümmert hat.

Ladies and Gentlemen, may I introduce you to 18mal18.de ?

Inhalt des Projekts 18mal18 ist laut Eigenbeschreibung folgendes:
„Über eine Saison wird aus jedem der 18 Bundesligateams ein idealerweise 18-jähriger Nachwuchsspieler von einem Paten begleitet. Die Autoren kommen aus dem ganzen Land und haben meist eine besondere Beziehung zu Verein und Spieler.“

Und da kommen wir dann auch zum VfB-Bezug des Ganzen, denn hey, wenn es um Jugendarbeit geht, dann -und das darf ich, denke ich, recht unbescheiden sagen- dann ist der VfB national mit Sicherheit ganz vorne dabei!

Freundlicherweise hat sich der überaus geschätzte und (unverständlicherweise noch nicht) mit vielen renommierten Preisen überhäufte Bloggerkollege heinzkamke vom angedacht-Blog dazu bereit erklärt, die Fahne für den VfB hoch zu halten und widmet sich im folgenden Jahr unserer Nummer 16, dem jungen Mittelfeldspieler Sebastian Rudy, der heuer sogar schon zu zahlreichen Profieinsätzen gekommen ist und daher natürlich ein spannendes Berichtsobjekt ist. Ein erster Beitrag ist schon online.

Selbstverständlich werde ich auch hier, so es möglich ist, immer auf neue Beiträge von ihm über Rudy aufmerksam machen – aber natürlich kann ich nur dringend ans Herz legen, auch 18mal18.de regelmäßig Besuche abzustatten, denn Sebastian Rudy ist natürlich bei weitem nicht der einzige Adoptierte, sondern es werden noch sieben weitere Jugendspieler von Bundesligavereinen begleitet (und Ziel ist natürlich auch noch die 18 voll zu machen).

Also, rüber da.

Ein tolles, ambitioniertes Projekt, wie ich finde!

JAKO entschuldigt sich. Oder so.

4 Sep

Nur ganz kurz, da es mir wichtig ist, aber ich keine wirkliche Zeit habe, es so gut auszudrücken, wie andere.

JAKO hat gestern Abend, schön spät nach Redaktionsschluss, eine Pressemitteilung zur Abmahnaffäre rund um Blogger Trainer Baade veröffentlicht.

Dogfood hat dies heute auf allesaussersport.de gewohnt kompetent analysiert.

Und hinweisen möchte ich auch noch auf die, in meinen Augen gelungene, Detailkommentierung der PM von Zechbauer in seinem Blog Fernglas FCB.

Weiterlesen…

Im Zeichen der Rotation

4 Sep

Okay, mir ist gerade irgendwie nicht nach großartigen Einleitungen, deswegen kommen wir mehr oder weniger ohne große Umschweife mal zu einer Kurzeinschätzung des Kaders, basierend auf dem angestrebten 4-4-2 mit Doppelsechs. Schließlich sind jetzt (endlich!) alle Transfers durch und zumindest für die nächsten 13 Spieltage haben wir halbwegs Ruhe mit allen Transferdiskussionen. Halbwegs, wie gesagt.

Der Kader 2009/2010 [Q: vfb.de]

Der Kader 2009/2010 (Q: vfb.de)

TORWART
Keine Frage, hier ist Jens Lehmann absolut gesetzt und in sportlicher Hinsicht nach wie vor unumstritten. Nichtsdestotrotz wurde unter den Fans immer wieder diskutiert, ob man hier vielleicht nicht doch schon mal aktiv werden sollte, um einen Nachfolger aufbauen zu können, da gemeinhin den beiden jüngeren Kollegen Stolz (25) und vor allem Ulreich (21) nach früheren Auftritten nicht allzu viel zugetraut wird.
Vielleicht wäre es nicht soo verkehrt gewesen, wenn Lehmann nach dem Subotic-Zwischenfall für ein paar Spiele gesperrt worden wäre, um so die potentiellen Nachfolger mal wieder etwas austesten zu können, vor allem Ulreich, der ja schon diverse BuLi-Einsätze (durchwachsen) hatte – aber das ist nun mit der Saison 07/08 auch schon ein paar Tage her. Es bleibt halt die Frage, was nach Lehmann kommt…
Fazit: Mit Lehmann haben wir hier Weltklasse verfügbar, sowie prinzipiell Talent in der Hinterhand. Definitiv BuLi-Spitze-tauglich.

RECHTE AUSSENVERTEIDIGUNG
Ich würde fast wagen zu behaupten, dass wir hier neben der Position des zentralen defensiven Mittelfelds die höchste quantitative und qualitative Dichte verfügbar haben. Der alte Platzhirsch Osorio wurde Ende der vergangenen Saison durch Youngster Christian Träsch abgelöst, der nun wiederum verletzungsbedingt durch Neuzugang Stefano Celozzi ersetzt wurde – alles drei Spieler, die das Potential haben in der Startelf zu stehen, ohne dass einem die Schweissperlen auf der Stirn stehen müssten. Dementsprechend ist es mir persönlich halbwegs egal, aber ich denke dass Träsch die inoffizielle Nummer 1 auf der Seite ist, gefolgt von Schlotzi und Oso. Wobei ich den Ex-KSCler ehrlich gesagt ganz gerne auch auf der linken Seite sehen würde, wenn Träsch nach der Länderspielpause zurückkehrt.
Fazit: Hier sind wir meiner Meinung nach mit für die Liga sehr guter Qualität ausgestattet – die Frage ist, ob es bei den Jungen schon für die Champions League reicht. Aber nur dort können sie sich bewähren.

INNENVERTEIDIGUNG
Okay, gerade habe ich was vergessen, denn auch die IV weist grundsätzlich eine sehr hohe quantitative und qualitative Dichte auf. Matthieu Delpierre halte ich für einen der wichtigsten Spieler im gesamten Team des VfB, eine absolute Bank, an dessen Seite Serdar Tasci zum Nationalspieler gereift ist. Ich hoffe, dass jener Tasci nach seiner jüngst ergangenen Vertragsverlängerung so langsam auch wieder zu seiner Topform gelangt, denn bisher enttäuschte er doch etwas. Da hinter diesen beiden potentiell Gesetzten aber zwei weitere sehr vielversprechende Kandidaten mit den Hufen scharren, ist auch hier die Rotation durchaus unproblematisch möglich. Zum Einen haben wir mit Boulahrouz einen international erfahrenen holländischen Nationalspieler, der seine Klasse bisher beim VfB noch nicht ganz abrufen konnte. Und zum Anderen gibt es mit Georg Niedermeier ein sehr viel versprechendes Talent, dass bei seinen bisherigen Auftritten schon einige gute Eindrücke hinterlassen konnte – er hat lediglich den Makel, nur noch bis Ende der Saison von den Bazis ausgeliehen zu sein. Hier ist es sehr schade, dass es bislang nicht gelang Niedermeier fest zu verpflichten, um hier für die Zukunft eine perfekt besetzte Position zu schaffen.
Fazit: Auch hier haben wir meiner Meinung nach sehr hohe Qualität, die höheren Ansprüchen genügt bzw. genügen sollte.

LINKE AUSSENVERTEIDIGUNG
Schon mehrfach habe ich an dieser Stelle sowie in meinem anderen Blog deutlich gemacht, dass ich die Position des Linksverteidigers bei uns für nicht gut genug besetzt erachte. Das ist im Grunde auch mein größter Kritikpunkt am Transferverhalten des Vereins, dass hier nichts gemacht wurde. Klar, Linksverteidiger von Top-Niveau sind rar gesät und meist nur für viel Geld zu bekommen, aber irgendwas hätte man hier meiner Meinung nach tun müssen. Weder Boka noch Magnin, die beide an guten Tagen klasse Spieler sein können, weisen die Konstanz auf, um beruhigt mit dieser Doppelbesetzung in eine Champions League Saison zu gehen. Meine kleine Hoffnung ist, dass vielleicht Celozzi in der Lage ist, diese Position übernehmen zu können, was nach der Genesung von Träsch eine Option sein könnte und auch in der Vorbereitung schon mal probiert wurde. Klappt dies nicht, ist die Rotation zwischen Boka und Magnin im Grunde nur eine Rotation aus Qualitätsmangel.
Fazit: Das Personal auf dieser Position genügt in der derzeitigen Form maximal durchschnittlichem Bundesliganiveau und ist die Schwachstelle im Kader des VfB – vor allem da der andere Linksseiter Hleb seine Stärken eben eher in der Offensive hat.

DEFENSIVES MITTELFELD
Wie schon erwähnt, schlagen sich um diese Schlüsselposition im Stuttgarter System rein nominell insgesamt 7 Spieler. Die Erstbesetzung ist natürlich erst einmal das Duo Khedira und Hitzlsperger, der allerdings bei vielen Fans momentan nicht sonderlich wohlgelitten ist aufgrund eher phlegmatischer Auftritte in der letzten Zeit. Ihr Backup war eigentlich Martin Lanig, der allerdings erst in der Rückrunde wieder einsatzbereit ist, so dass der VfB am Montag noch einmal zuschlug und für die angebliche Rekordsummer von 8 Mio. € den jungen Serben Zdravko Kuzmanovic vom AC Florenz verpflichtet haben. Für mich, ganz ehrlich, eine absolute Wundertüte, die ich gar nicht einschätzen kann, da mir völlig unbekannt. Aber der Verein wird hoffentlich ebenso seinen Grund dafür haben, dass man eine so hohe Summe für Stuttgarter Verhältnisse investiert hat, wie es einen Grund dafür gab, dass ein Verein wie FC Sevilla Interesse an „Kuzi“ hatte.
Allerdings hätte auch Sebastian Rudy hier mal eingesetzt werden können, da er nominell eigentlich im zentralen Mittelfeld zu Hause ist. Aber Babbel scheint ihn wohl lieber auf der linken Aussenbahn zu sehen. Nummer 6 für die Position ist im Übrigen Patrick Funk, der zu Beginn der Saison ebenfalls von der zweiten Mannschaft hochgestuft wurde. Er wird aber wohl diese Saison noch keine wirkliche Rolle spielen. Dementsprechend bekam er auch die Freigabe für die U 20-WM in Ägypten. Achja, und dann ist da ja noch Matthias Schwarz, der Transfer vom FC Ingolstadt, den niemand so wirklich einschätzen konnte und kann, der aber effektiv auch im defensiven Mittelfeld zu Hause ist.
Fazit: Auch hier reicht das Potential eigentlich für höhere Ansprüche, mit einem kleinen Fragezeichen hinter Kuzmanovic.

RECHTES OFFENSIVES MITTELFELD
Durch den Bandscheibenvorfall von Roberto Hilbert und die Ausleihe von Aliaksandr Hleb ergab sich für Timo Gebhart von links auf die rechte Mittelfeldseite zu rücken und dort konnte er sich mit überwiegend ansprechenden Leistungen recht schnell etablieren und wird dadurch vermutlich Hilbert, der eineinhalb bis zwei eher schwache Jahre hinter sich hat, erst einmal verdrängen können. Klar, Gebhart ist noch jung und manchmal etwas unbedarft in seinen Dribblings, aber gerade das schätze ich so sehr an ihm. Die Frage ist halt, ob das, gerade mit einem mäßigen Hilbert in der Hinterhand, für Spiele in der Champions League wirklich ausreicht. Aber Gebhart traue ich den Mumm zu, diese Drucksituation zu überstehen und auch die Qualität, um dort auf sportlicher Ebene zu bestehen.
Eine weitere Option für diese Position soll übrigens Kuzmanovic sein, der hier aufgrund seiner Flankenstärke spielen könnte. Kann ich nicht beurteilen, werden wir dann sehen.
Fazit: Das ROM ist weiterhin noch eine der kritischeren Positionen, zumal die Abstimmung zwischen Sturm und offensivem Mittelfeld bis dato noch nicht wirklich funktionierte, was mit der Hauptgrund für die bisherige relative Torarmut ist. Potential ist unstrittig vorhanden.

LINKES OFFENSIVES MITTELFELD
Keine Frage, das war der Königstransfer der abgelaufenen Sommerpause: Die Rückholausleihe Aliaksandr Hlebs, der beim FC Barcelona nur ein Bankdasein fristete. Seine überragenden Fähigkeiten sind unbestritten – aber ebenso wohl auch sein eher mangelhafter Fitnesszustand bei der Rückkehr. Vielleicht auch deswegen fehlt ihm zudem noch etwas die Bindung ans Spiel des Teams. Klar, er ist ein Spieler der den Unterschied machen kann und hat dies im ersten Spiel gegen Timisoara schon unter Beweis gestellt, mit einem absoluten Sahnetor. Das war aber bislang auch sein einziger wirklich genialer Streich. Nur auch seine Pässe und Flanken finden bislang zu selten den Mitspieler, der nur noch einzunetzen braucht – im Prinzip ähnlich wie auf der rechten Seite. Ich bin aber optimistisch, dass die zwei Wochen Training während der Länderspielpause sehr dabei helfen werden, hier nachzuhelfen.
Sein erster Back-Up ist Sebastian Rudy, den Babbel wie erwähnt bevorzugt auf dieser Position einsetzt und der auch einen guten Eindruck hinterlässt und auch von den Kollegen, z.B. von Ludovic Magnin, als größtes Talent im Kader gesehen wird. Er muss sich allerdings auf höchstem Niveau erst noch beweisen, nachdem ihm im letzten Jahr aufgrund einer langwierigen Verletzung Einsätze in der Rückrunde verwehrt blieben.
Dahinter bietet der Kader noch einen Spieler, der auf der LOM-Position zu Hause ist, den ebenfalls erst 19jährigen Daniel Didavi, der allerdings wohl erst mal noch keine großen Chancen auf Einsätze hat, da Babbel auf dieser Position auch immer wieder den Spielern Einsatzmöglichkeiten gibt, die ihre Stärken eigentlich auf einer anderen Position haben – namentlich Elson und Simak.
Fazit: Mit Hleb ist diese Position wohl die in der Spitze am stärksten besetzte im ganzen Kader, allerdings bleiben Fragezeichen, was die Qualität angeht, falls der Weißrusse mal ersetzt werden muss.

ZENTRALES OFFENSIVES MITTELFELD
Stimmt, diese Position ist eigentlich nicht im von Babbel präferierten System mit Doppelsechs vorhanden – und doch haben wir eigentlich drei Spieler im Kader, die auf dieser Position beheimatet sind. Drei Spieler, die man wohl auch unter dem etwas despektierlichen Begriff „Resterampe“ zusammenfassen könnte. Die beiden 30jährigen Bastürk und Simak sind dabei allerdings auf dem Abstellgleis, während Elson durchaus seine Möglichkeiten auf Einsätze hat und auch bekommt. Bastürk werden wir, wenn nichts wirklich unvorhergesehenes passiert, wohl kaum jemals wieder bei einem Pflichtspieleinsatz auf dem Platz sehen. Es gab wohl kaum jemanden, der irgendwas mit dem VfB zu tun hat, der sich nicht wünschte, dass dieses unglückliche Kapitel in diesem Sommer ein Ende gefunden hätte – aber der Wechsel zu Besiktas kam eben nicht zustande. Auch Simak hätte gehen können, weniger aus Verbitterung über Nichtleistung, sondern wohl eher, weil ihm Elson den Rang abgelaufen hatte, auf einer Position, die ohnehin selten vorkommt im Stuttgarter Spiel. Aber in Hannover nutzte man Simak lieber für billige Ablenkungsmanöver von internen Querelen.
Elson hingegen ist derjenige aus dem Trio, der (mit Abstand) am nächsten an der Startelf dran ist, nicht zuletzt dank seines Galaauftritts als Einwechselspieler gegen Freiburg. Nur hat eben auch er den Nachteil, dass für ihn im System eigentlich kein Platz ist, so dass er sich, wenn dann, meist auf der linken Seite wiederfindet. Und das wird durch die Verpflichtung Kuzmanovics nicht besser…
Fazit: Einziger ernsthafter Kandidat ist Elson und er ist unter den derzeitigen Voraussetzungen eben nur eine Alternative. Aber eine Alternative, die Schwung reinbringen kann und manchmal sogar Spiele entscheiden (was aber bislang leider nur alle 6 Monate der Fall war).

STURM
Wäre nicht die doch recht spektakuläre Verpflichtung von Hleb gewesen, dann hätte sich wohl alles nur auf diese Position konzentriert, ging es doch schließlich um die Nachfolge von Mario Gomez. Und es war ja auch schon eine viel zu lange und viel zu breit ausgetretene Suche gewesen, so dass man nachher beinahe schon froh war, dass überhaupt irgendjemand verpflichtet wurde.
Pawel Pogrebnyak ist es dann geworden, seines Zeichens UEFA Cup Torschützenkönig, womit er auf jeden grundsätzlich eine gewisse internationale Klasse besitzen muss – die allerdings bisher noch nicht ganz durchgeschlagen ist. Aber das kann noch werden. Sein prinzipiell gesetzter Nebenmann Cacau hat mit Sicherheit ein sehr gutes Bundesliganiveau als mitarbeitender, unterstützender Stürmer – steckt allerdings momentan irgendwie noch in einem Loch. Hinter dieser ersten Sturmreihe stehen zwei Spieler mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen: Die neue Nummer 3 ist Julian Schieber und mit 19 Jahren ein weiteres sehr hoffnungsvolles Talent, das schon einige sehr gute Eindrücke hinterlassen konnte. Der andere ist mit Ciprian Marica der lange Zeit teuerste Einkauf aller Zeiten des VfB gewesen – diese Bürde ist er zwar jetzt los, aber so richtig warm geworden ist er beim VfB und sind wir Fans mit ihm nie wirklich. Er rackert und ackert eigentlich schon immer, aber ist auch immer wieder sehr glücklos in seinen Aktionen. Was man immer wieder schnell vergisst, ist halt, dass auch er erst 23 Jahre alt ist und durchaus noch Potential hat. Er sollte es nur in diesem Jahr mal abrufen…
Fazit: Potential hat der Sturm, aber es müssen alle Topleistungen abrufen, um wirklich internationales Niveau leisten zu können, sonst reicht es nur für die Bundesliga.

Kurzum: Ich bin sehr skeptisch was unsere Besetzung auf der Linksverteidigerposition angeht, zudem stehen mehr oder weniger große Fragezeichen hinter dem Sturm und dem rechten offensiven Mittelfeld.
Grundsätzlich ist der Kader zudem etwas sehr mittelfeldlastig zusammengestellt, während einzelne Positionen teilweise etwas dünn besetzt erscheinen – gerade im Zusammenhang mit der von Babbel ausgerufenen Rotation. Ob es für große Würfe in dieser Saison reichen wird? Keine Ahnung, ich bin aber ganz frohen Mutes, dass wir auch in diesem Jahr wieder im Kampf ums internationale Geschäft dabei sein. Und mit etwas Glück und Leidenschaft sollte zudem das Achtelfinale der Champions League drin sein – alles weitere und höhere wird davon abhängig sein, wie sich die Mannschaft findet und ob sie zusammenwächst.