Unirea Urziceni – VfB Stuttgart oder: Das Déjà-vu

29 Sep

Okay, vielleicht sollte ich nicht so kurz nach dem Spiel anfangen zu schreiben. Andererseits.. Was bitte war das denn? Als hätte jemand das Drehbuch vom Spiel gegen die Rangers für dieses Spiel wiederverwertet. Wieder eine frühe Führung, wieder stellt die Mannschaft danach das Fußballspielen ein und wird dafür aus eigenem Unvermögen bestraft.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: Bei Hilbert, bei dem auf einen  Pass zum Mitspieler circa zwei Fehlpässe folgten? Bei Boka, der sich in der zweiten Halbzeit defensiv angestellt hat wie ein Amateur? Bei Gebhart, der die Ungefährlichkeit in Person war und das Gegentor einleitete? Bei Hitzlsperger und Khedira, die mal wieder alles waren, nur keine Führungsspieler? Bei Marica und Pogrebniak, die das ganze Spiel über unsichtbar blieben? Bei dem sonst so sicheren Delpierre, der das Gegentor (mit-)verschuldete? Oder doch bei Markus Babbel, mit dessen Arbeit ich zum wiederholten Male nicht zufrieden war?

Dass Celozzi erneut für Träsch aufgeboten wurde, kann ich noch nachvollziehen. Aber wieso darf Schieber, in Frankfurt noch überragend, nicht von Beginn an spielen? Und wieso stattdessen Marica, der – und das sollte keinen überraschen – wiedereinmal enttäuschte. Wie soll man einer Mannschaft Sicherheit geben, wenn man die Spieler, die am besten in Form sind, nicht spielen lässt?

Außerdem: Wieso schafft es Babbel nicht, der Mannschaft in der Pause neue Impulse zu geben? Die Mannschaft spielte nach der Pause genau so wie davor: unkonzentriert, ohne Laufbereitschaft, ohne Selbstbewusstsein. Dafür, dass das Gegentor direkt nach der Pause fiel, kann Babbel nichts, wohl aber für die Einstellung der Mannschaft.  Gerade er mit seiner Erfahrung sollte doch wissen, dass das bloße Verwalten von 1:0 Führungen in der Champions League einfach nicht genug ist. Wieso schafft er nicht, das auch seiner Mannschaft einzubläuen? Oder versucht er erst gar nicht?

Enttäuscht war ich auch von den (nicht durchgeführten) Auswechslungen. Wenn man merkt, dass die Mannschaft das Spiel aus der Hand gibt, wieso bringt man einen Schieber dann wenigstens nicht schon zu Pause? Und wieso lässt man die zwei weiteren Auswechslungen ungenutzt? Kandidaten hätte es durchaus genug gegeben (siehe oben). Vertraut Herr Babbel seiner eigenen Bank nicht? Traut er einem Jan Simak nicht zu, bessere Pässe zu spielen als ein Roberto Hilbert an diesem Tag und dass seine Standards besser sind als die von Hitzlsperger? Glaubt er nicht, dass ein Träsch selbst auf links defensiv besser ist als Boka? Und wieso ist Kuzmanovic im Kader, obwohl er in den letzten Spielen weiß Gott nicht überzeugt hat? Wieso bekommt nicht Elson mal wieder eine Chance? Und was ist eigentlich mit Sebastian Rudy, der für die Mannschaft ja angeblich so wichtig ist, dass er nicht mit zur U20-WM durfte? Wieso probiert man es, wenn nach vorne nichts geht, nicht mit 3 Stürmern wie zum Schluss gegen Lübeck, oder mit einer Mittelfeldraute, damit im Mittelfeld wieder mehr Anspielstationen sind?

Als ich anfing, diesen Artikel zu schreiben, hatte ich eigentlich nicht vor, mich so über unseren Trainer Teamchef auszulassen oder ihn in Frage zu stellen. Aber ich finde jede einzelne dieser Fragen berechtigt.  Markus Babbel scheint im Moment nicht in der Lage zu sein, auf Spielentwicklungen zu reagieren. Woran es liegt, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es mich fürchterlich aufregt.

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8 Antworten to “Unirea Urziceni – VfB Stuttgart oder: Das Déjà-vu”

  1. Tobi Kiefer September 30, 2009 um 9:36 am #

    Moin Herr Hirngabel.

    „Schöner“ Bericht. Genau diese Fragen habe ich mir auch gestellt. Was die Auswechslungen und das Reagieren auf Spielsituationen angeht, scheint er immer mehr seinem ehemaligem Chef nachzueifern.

    Was mich an dem Spiel am meisten stört, ist die Tatsache, dass selbst mit diesem Anti-Fußball ein 3/4/5 zu eins möglich gewesen wäre. Drecks Chancenverwertung halt.

  2. hirngabel September 30, 2009 um 10:26 am #

    Hmm, vielleicht sollten wir mal über auffälligere Kennzeichnungen nachdenken.
    Jedenfalls ist der Artikel nicht von mir sondern von felix. =)

  3. Tobi Kiefer September 30, 2009 um 11:23 am #

    Das der Artikel von Felix ist hab ich wohl gesehen. Dachte das wäre dein Zweit-Login.

  4. nedfuller September 30, 2009 um 11:41 am #

    Nun, irgendwo habe ich mal gelesen, dass der Fan eh immer der bessere TrainerTeamchef ist.

    Es wird einen Grund haben. Das sage ich mir immer, wenn mein Trainer die vermeintlich falschen Entscheidungen trifft.

  5. hirngabel September 30, 2009 um 12:08 pm #

    @Tobi
    Hier. =)
    Aber wie gesagt, ich glaube ich muss mal über sauberere Autorenkennzeichnungen nachdenken.

    @felix
    In der Tat „schöner“ Artikel.
    Auch wenn ich ähnlich frustriert bin wie Du, würde ich doch nicht alles derart harsch bewerten.
    Wo ich ganz bei Dir bin ist das Unverständnis über die fehlenden Wechsel. Dass Babbel nur nach einer Stunde Schieber für Marica brachte, ist wirklich fahrlässig. Ich kann es noch ansatzweise verstehen, dass er nicht komplett öffnen wollte und z.B. auf ein 3-4-3 umstellen, wie in Lübeck (weil 1 Punkt immer noch besser ist als 0 Punkte), aber dennoch hätten sicherlich neue Spieler auch neue Impulse bringen können. An mangelndem Vertrauen kann es eigentlich nicht liegen, da Babbel ja immer fröhlich durchrotiert.
    Das Problem, das ich auch sehe ist, dass sich dann eventuell Frustpotentiale bei den Bankdrückern aufbauen können, wenn sie sehen, dass es überhaupt nicht läuft, aber trotzdem das Wechselkontingent nicht voll ausgeschöpft wird.

    Schieber hätte ich natürlich auch wesentlich lieber von Beginn an spielen sehen mit dem Aufwind, den ihm der Doppelpack vom Samstag gegeben haben dürfte. Warum Babbel dies anders sah? Das kann ich auch nicht beantworten.

    Mein größtes Problem war aber, dass die Mannschaft an sich wieder so instabil wurde. Dieses fehlende Aufbäumen, dass man eben schon gegen Köln und Glasgow gesehen, ist wirklich ätzend und ist eigentlich kein Problem des Trainers, sondern vor allem eines der Spieler, die sich nicht vernünftig reinhauen.
    Babbel scheint die Spieler ja gut einzustellen, denn zu Beginn treten sie fast jedes Spiel wirklich überzeugend auf – und fallen dann binnen kürzester Zeit wie ein Soufflé in sich zusammen. Oder wie ein kaputter Reifen, den Babbel vor Beginn des Spiels immer kräftig aufpustet, der aber ein fieses kleines Loch hat, das bislang nicht geflickt wurde, so dass es am Anfang rund läuft, aber irgendwann dann hakt, weil zu wenig Luft im Reifen ist.

    Aber genug der schlechten Metaphern und Analogien.

    Jetzt müssen wir halt im Optimalfall Sevilla mindestens einmal schlagen (oder zumindest ein Remis abtrotzen) und auf alle Fälle unbedingt beide Rückspiele in der CL gegen Urziceni und Glasgow gewinnen.
    Und gegen Bremen muss jetzt auch ein Sieg her, um aufkommende Diskussionen kleinzuhalten.

  6. hirngabel September 30, 2009 um 12:22 pm #

    @nedfuller
    Ist doch klar, dass wir die besseren Trainer Teamchefs sind – sonst würde das hier ja alles keinen Sinn machen. =)

  7. felix September 30, 2009 um 12:44 pm #

    @nedfuller
    Ich sage nicht, dass ich der bessere Trainer wäre. Aber im Spiel des VfB wiederholen sich die Fehler. Hilbert und Gebhart scheinen im Moment gesetzt, obwohl sie (sowohl offensiv als auch defensiv) selten überzeugten und das Mittelfeld doch angeblich so viele Alternativen bietet. Den einzigen Grund dafür sehe ich vllt darin, dass sich Babbel nach der Kritik an seiner Rotation nicht mehr traut, sie rauszunehmen.
    Auf Rotation zu verzichten heißt aber nicht, dass man Spieler, die schlecht spielen, nicht aus der Mannschaft nehmen darf.

    @hirngabel:
    Keine Frage haben wir auch ein Einstellungsproblem bei den Spielern, vielleicht ein Kopfproblem, das wollte ich am Anfang andeuten. Mein Hauptaugenmerk lag aber letztlich darauf, dass Babbel nicht einmal versucht hat, auf die Entwicklungen zu reagieren.
    Zum dritten Stürmer: ich bin mir nicht sicher, ob wir dadurch defensiv mehr Probleme bekommen hätten. Ich denke sogar eher, wir hätten allein dadurch die offensiven Außen der Rumänen defensiv mehr binden können, da die Außenverteidiger auf ihre jeweiligen Stürmer hätten aufpassen müssen, und Hilbert/Gebhart hätten nachrücken können.
    Speziell zum Mittelfeld habe ich sowieso noch einen weiteren Artikel vorbereitet, wollte da aber erst nochmal mit dir Rücksprache halten, bevor ich ihn veröffentliche.

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  1. Verpasst. « angedacht - Oktober 1, 2009

    […] vom Brustring hat das Spielin Urziceni gesehen; es scheint ihn nicht so richtig glücklich gemacht zu […]

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