Die Saison bis hier

22 Sep

Nach 6 Spieltagen ist es an der Zeit für mich, ein erstes Zwischenfazit zu ziehen. Nicht, weil der 6. Spieltag irgendeine besondere Bedeutung hätte, sondern weil für die Mannschaft nach einem nicht überragenden, aber akzeptablem Saisonstart immer weniger zusammenläuft.

Die Saison begann mit einem 0:2 in Wolfsburg, womit man nach den 0:4 und 1:4 Klatschen in den beiden Vorjahren durchaus zu rechnen hatte. Es folgte ein wenig überzeugender Sieg zu Hause gegen Freiburg und ein etwas glückliches Unentschieden gegen Dortmund. Außerdem qualifizierte man sich durch ein 2:0 in Rumänien und ein 0:0 zu Hause gegen Timisoara für die Gruppenphase der Champions League. So weit, so gut. Was folgte, ist mit enttäuschend noch untertrieben ausgedrückt. Ein uninspiriertes 0:0 gegen Nürnberg, eine blutleere Vorstellung in Hamburg, und ein desaströses 0:2 gegen den bis dahin sieglosen Tabellenletzten Köln. Nicht zu vergessen: das unnötige Unentschieden in der Champions League gegen die Glasgow Rangers, als man das Spiel, das man eigentlich dominierte, noch aus der Hand gab.

Doch woran liegt es?

Dass es keine einfachen Antworten auf diese Frage gibt, ist offensichtlich, sonst wäre das Problem längst gelöst.

Auffällig war jedoch schon im ersten Spiel gegen Wolfsburg, dass entscheidende Zweikämpfe entweder verloren oder aber erst gar nicht geführt werden. Paradebeispiel ist hierfür das 1:0 durch Misimovic, der von der gesamten Hintermannschaft ungehindert aus 17 Metern schießen durfte. Auch sichtbar war ein anderes Problem: Die Mannschaft kam mit dem phasenweisen Pressing überhaupt nicht zurecht, ließ sich die Bälle teilweise am eigenen Sechzehner abnehmen. Gegen einen besser aufgelegten Gegner wäre das noch stärker bestraft worden.

Doch nicht nur gegen Pressing findet das Team keine Mittel, auch mit sehr tief stehenden Mannschaften hat der VfB seine Probleme, zu sehen am besten im Spiel gegen Köln. Dem Gegner reichte es, sich hinten rein zu stellen, denn dem VfB fällt nichts ein, um eine massierte Abwehr zu knacken. Attackiert man von Zeit zu Zeit auch noch früh, bekommt man auch vorne seine Chancen. Und wenn man die auch noch nutzt, gewinnt man eben.

Begünstigt wird das auch noch dadurch, dass man – vielleicht aus Angst vor der Dreifachbelastung – nach vorne nicht mehr zu machen scheint, als unbedingt nötig ist. Führt die Mannschaft einmal mit 1:0, stellt sie ihre Angriffsbemühungen – wie gegen die Rangers zu sehen – nahezu komplett ein. Diese Taktik könnte funktionieren. Wenn man in der Viererkette viermal Delpierre stehen hätte. Denn Tasci bereinigt zwar viele Situationen schon im Voraus durch sein Stellungsspiel, ist jedoch auch in jedem Spiel für einen dicken Klops gut. Hinzu kommt noch das manchmal naive Stellungsspiel von Boka und Magnin auf der linken Abwehrseite. Und auch Träsch ist nach seiner Verletzung noch nicht wieder der Alte.

Ein ähnliches Bild zeigte sich übrigens beim CL-Playoff-Rückspiel. Mit einem 2:0 aus dem Hinspiel im Rücken hatte die Mannschaft keinerlei Ambitionen, ihren Zuschauern auch nur irgendetwas zu bieten. Anstatt sich durch einen weiteren überzeugenden Sieg Selbstvertrauen zu holen, wollte man das 0:0 einfach über die Zeit spielen. Das gelang auch, allerdings waren die Rumänen in ihrer Harmlosigkeit auch nicht zu überbieten.

Aber wo soll denn dann das Selbstvertrauen herkommen, wenn man es sich gegen so dankbare Gegner wie die Rangers und Timisoara es eigentlich waren, nicht holt? Wenn man im Gegenteil gegen die Rangers durch seine Spielweise den sicheren Sieg noch aus der Hand gibt? Woher sollen Gebhart, Hleb und Co die Überzeugung herbekommen, dass sie an ihrem Gegenspieler im 1 gegen 1 vorbeikommen? Und woher soll die Mannschaft die Souveränität haben, einen Rückstand aufzuholen und zu drehen, wenn sie noch nicht einmal sichere Siege nicht heimbringen kann?

Ich will jetzt nicht vom Potenzial der Mannschaft reden, das ist müßig. Momentan sehe ich jedoch nur einen Weg aus der aktuellen Krise: die Mannschaft muss aufhören, sich auf Führungen auszuruhen, denn Spiele verwalten kann sie aufgrund der Unsicherheiten in der Abwehr im Moment nicht. Die nächsten 3 Gegner bieten sich durchaus dazu an, dringend benötigtes Selbstvertrauen zu holen. Was passiert, wenn die Mannschaft das nicht tut – ich möchte lieber nicht darüber nachdenken.

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5 Antworten to “Die Saison bis hier”

  1. Dusan September 22, 2009 um 1:19 pm #

    Danke für das gute Zwischenfazit. Ich kann dir nur zustimmen: Die nächsten drei Spiele bieten sich eigentlich an Selbstvertrauen zu tanken. Morgen im Pokal muss es damit losgehen. Hoffentlich klappt das. Ich bin eigentlich kein Freund von Phrasen, aber: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.

  2. hirngabel September 23, 2009 um 1:59 am #

    Fast hätte ich geschrieben, dass es ein schönes Fazit war, felix. Aber „schön“ ist dann doch wieder nicht so richtig das passende Adjektiv… Auf jeden Fall eine sehr treffende Zustandsbeschreibung des VfB zum Herbstbeginn.
    Uns alle (Dusan mit eingeschlossen) eint also tatsächlich die Hoffnung auf einen Lauf in den nächsten drei Spielen – hoffentlich kommt es dann auch tatsächlich so. Ansonsten wird es wirklich problematisch für uns.

    Aber noch ist es zu früh die Flinte ins Korn zu werfen. *pling*

  3. heinzkamke September 24, 2009 um 10:56 am #

    @hirngabel:
    Lauf in den nächsten drei Spielen? Wer will denn sowas? 😉

    @felix:
    Stimme mit Bedauern zu…

  4. hirngabel September 24, 2009 um 11:05 am #

    Klar will das jeder von uns. =) Mein Punkt war eher der, dass eben *speziell* die nächsten drei Gegner von uns allen zum Aufhänger einer vagen Hoffnung gemacht wurden/werden. Weniger die Qualität der Mannschaft oder irgendwelche konkreten Impulse. Das fand ich einfach nur mal an- und bemerkenswert.

  5. heinzkamke September 24, 2009 um 11:36 am #

    @Hirngabel:
    Ich glaube, Du hast zuviel Ironie in meinen Kommentar hineingelesen.
    Bin völlig Eurer Meinung.

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