Bundesliga 09/10, ST02: SC Freiburg.

16 Aug

Es dürfte so um die 40. Minute gestern gewesen sein, als ich zu meinen Mitguckern meinte, dass die Begegnung gegen Freiburg wohl eines dieser Spiele gegen mauernde, schwächere Teams sei, bei denen in der letzten Saison dann Mario Gomez irgendwann um die 70. Minute rum, dass entscheidende Tor gemacht hätte. Dementsprechend wäre ich gespannt, wer und wie man das gegnerische Abwehrbollwerk denn dieses Mal knacken kann.

Die Antworten sollten dann erstaunlich früh, nämlich schon in der 53. Minute, kommen und lauteten folgendermaßen:
„Pogrebnyak“ und „schickes Kurzpaßspiel“
Als dann rund 10 Minuten eben jener Pogrebnyak noch einen cleveren Elfmeter rausholt (= Schwalbe), den Elson verwandelte, schien es tatsächlich genau so zu laufen, wie es auch im letzten Jahr so häufig lief: Der VfB bekleckert sich nicht mit Ruhm, während er mehr schlecht als recht versucht gegen eher destruktiv ausgerichtete Gegner eine Lücke zu finden, bis man dann irgendwann zwei, drei Tore macht und die drei Punkte einsacken kann.

Leider aber gibt es einen recht großen Unterschied zur vergangenen Saison: Wir haben dieses Mal nämlich ein kleines Abwehrproblem beim VfB. Klar, unsere Schwäche auf den Aussenverteidigerpositionen und dort ganz besonders auf Links ist ja schon beinahe chronisch, zumal man dort leider (noch?) nichts gegen unternommen hat, aber leider gesellen sich hierzu plötzlich auch ungeahnte Schwächen im letztjährigen Prunkstück, unserer Innenverteidigung. Vor allem Serdar Tasci scheint noch gar nicht in diese Saison hineingekommen zu sein und strahlt schon seit mehreren Wochen Unsicherheit und Fahrigkeit aus, die sich am Samstag dann sogar auf seinen Nebenmann Delpierre übertragen.

So gibt es nicht wenige Fans, die sich wünschen würden, dass Babbel im Zuge seiner angekündigten Rotation auch dem jungen Innenverteidiger mal eine schöpferische Pause auf der Bank gönnen würde. Ist vielleicht nicht die verkehrteste Idee, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es nicht vielleicht sinnvoller wäre, wenn sich Tasci über weitere Einsätze wieder die alte Sicherheit zurückholen kann.
Andererseits aber hätten wir mit Georg Niedermeier eine durchaus brauchbare Alternative, die schon ihr Können im letzten Jahr angedeutet hat. Vielleicht entscheidet sich Babbel am kommenden Dienstag gegen Timisoara ja für diese Variante, um Tasci eine Atempause bis zum nächsten Bundesligaspiel gegen Dortmund zu geben.

Das erheblich größere Problem haben wir allerdings nach wie vor auf der linken Außenverteidigerposition. Während Celozzi gestern zumindest über weite Strecken sehr vielversprechend agiert hat, ließ Babbel auf links mal wieder Artur Boka spielen – weder eine Verschlechterung, noch eine Verbesserung gegenüber Magnin. Auch er hat wie der Schweizer immer mal wieder ein, zwei sehr tolle Aktionen in der Vorwärtsbewegung (dieses Mal sein tolles Durchstoßen zur Grundlinie nach Zuckerpass von Hleb vor dem 1:0), doch bei seiner eigentlichen Profession, dem Verteidigen, hapert es -wie beim Schweizer- viel zu häufig: Zu weit entfernt vom Gegner, zu ungenaue Pässe, zu ungeschicktes, überhastetes Zweikampfverhalten.

Neben der unter dem Strich insgesamt recht schwachen Abwehrreihe, enttäuschte auch das ansonsten oft so starke defensive Mittelfeld des VfB am gestrigen Samstag. Wie hier nun der Kausalzusammenhang zu sehen ist, also ob sich die löchrige Abwehr auf das DMF ausgewirkt hat, oder ob ein durchlässiges DMF, die Abwehr zu sehr in Bedrängnis brachte oder einfach nur alle im Defensivverbund einen eher suboptimalen Tag erwischt haben, das möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Auffällig war aber zumindest, dass das Duo Khedira/Lanig nicht so prima harmonisierte und der zur Erholung auf die Tribüne versetzte Kapitän Hitzlsperger doch mehr fehlte, als man das manchmal glauben möchte.  Gerade Lanig erwischte einen sehr schwarzen Tag und bestätigte mit seiner Leistung vor allem seine Kritiker unter den Anhängern des VfB – eine nicht unbedingt kleine Gruppe.
Ge“krönt“ wurde dieser miese Tag für ihn dann noch von einem Kreuzbandriss, der die Hinrunde für Lanig zu einem viel zu frühen Zeitpunkt schon beendet. Gute Besserung, Martin!

Wie es dann so oft auch noch ist, wurde eben jener Lanig dann auch noch ausgerechnet gegen einen Mann ausgewechselt, der sich dann in der zweiten Halbzeit zum unumstritteten Matchwinner und Spieler des Spiels aufschwingen sollte. Die Rede ist natürlich von Brasilianer Elson, mit dessen Einwechslung das System der Stuttgarter von einem 4-4-2 mit Doppelsechs auch zu einer Art Mittelfeldraute umgestellt wurde.

Mit einem Traumtor erzielte er das vorentscheidende 3:1, das die Freiburger Hoffnungen nach dem Anschlusstreffer wieder dämpfte, viel erstaunlicher fand ich aber, dass er sich wie selbstverständlich beim 2:0 den Ball schnappte und die Verantwortung beim Elfmeter selbst übernahm. Das war wirklich etwas, womit ich nun nicht wirklich gerechnet hätte – zumal er ohnehin nach seiner Einwechslung direkt sehr dominant das Offensivspiel der Stuttgarter an sich riss und immer wieder als Ballverteiler und Anteiber agierte. Beeindruckend.

Das Problem, das ich nur mit Elson habe: Solche Leistungen bringt er immer mal wieder alle 3-4 Monate, ohne dass er sie dann anschließend bestätigen könnte. Und da seine Position, das zentrale offensive Mittelfeld, im Stuttgarter Stammsystem mit der Doppelsechs eigentlich nicht vorgesehen ist, fällt er oftmals schnell wieder aus der ersten Elf heraus. Vielleicht ist das ja dieses Mal anders, zumal man ja beim VfB augenscheinlich weiterhin von ihm überzeugt ist, sonst hätte man schließlich nach dieser jahrelangen Geschichte ohne allzuviele positive Lichtblicke nicht noch im Frühjahr mit dem schon 27jährigen nochmal verlängert…

Ohnehin hat die Offensive, zumindest in Halbzeit 2, doch Anlass zur Hoffnung gegeben. Hleb deutete mehrmals seine Klasse an und steigerte sich schon mal gegenüber dem ersten Spieltag, so dass er in ein paar Spieltagen sicherlich zu der Verstärkung werden kann, die man sich von ihm erhofft. Auch sein Pendant auf rechts, Timo Gebhart, zeigte mehrmals bekannte Stärken, wie vor dem 2:0 – aber eben auch die bekannten Schwächen, vor allem seine Neigung, den Ball zu spät abzugeben. Und auch im Sturm gibt es einiges an Positivem zu berichten, schließlich traf nicht nur der Neuzugang Pogrebnyak in eiskalter Abstaubermanier, also genau das, was man sich von ihm erhofft hat, sondern mit dem Treffer des eingewechselten Youngsters Julian Schieber gab es sogar noch ein zweites Stürmertor zu bejubeln. Cacau hingegen blieb über weite Strecken seiner Linie der letzten Jahre treu: Fleißig und bemüht, aber eben kein Goalgetter, wie man leider bei der einzigen VfB-Chance der ersten Halbzeit sah.

Nimmt man diese Detailbetrachtungen dann mal beiseite und wendet den Blick wieder aufs große Ganze, dann muss man wohl konstatieren, dass es unter dem Strich aber eben nur 3 Punkte gegen einen Aufsteiger waren, die im Grunde Pflicht waren. Wichtig sind nun die kommenden beiden Spiele. Zum Einen geht es gegen Timisoara am Dienstag darum, möglichst keine Zweifel am Erreichen der CL-Gruppenphase aufkommen zu lassen und zum Anderen geht es dann am Samstag in Dortmund darum, ob man aus einem soliden Bundesligastart (Niederlage gegen Meister, Sieg gegen Aufsteiger) mit einem Sieg gegen einen potentiellen Konkurrenten ums internationale Geschäft einen guten Saisonstart machen kann. Würde dies gelingen, dann könnte man sicher von einem solchen sprechen. Eine Niederlage hingegen wäre schon ein kleiner Dämpfer für diese Saison. Aber schauen wir mal.

Achja, Mario Gomez hat gestern dann tatsächlich in der 72. Minute getroffen. Aber das nur so am Rande.

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3 Antworten to “Bundesliga 09/10, ST02: SC Freiburg.”

  1. Dusan August 17, 2009 um 8:55 am #

    Ich sehe das Abwehrproblem ähnlich wie du. Eines darf man auf links aber nicht außer acht lassen. Mit Hleb steht da im Moment ein Spieler, der sich eher nach vorne orientiert und meiner Meinung nach zu wenig nach hinten arbeitet. Das war letzte Saison auf der Position schon ähnlich. Auf der anderen Seite macht das der zur Zeit verletzte Hilbert, den ja nicht alle mögen, besser. Insgesamt sehe ich aber die richtigen Ansätze und wenn Progrebnyak und Hleb besser eingespielt sind wird sich der Gegner auch mehr auf die Verteidigung konzentrieren müssen und dann hat die eigene Abwehr automatisch weniger Probleme.

  2. hirngabel August 17, 2009 um 10:44 am #

    Die Sache ist aber natürlich die, dass man ja durchaus wusste, dass man mit Hleb jemanden holt, der vorzugsweise offensiv agiert. Und ebenfalls wusste man (oder hätte man in der sportlichen Leitung erkennen müssen), dass es auf dieser linken Abwehrseite ein Qualitätsdefizit gibt. Dementsprechend hätte man dieses eigentlich beheben müssen.

    Und angesichts der kaum vorhandenen Gerüchte bzgl. Neuverpflichtungen auf dieser Position glaube ich momentan auch nicht, dass sich da bis Ende der Transferphase noch was tut. Aber mal schauen, vielleicht überraschen Heldt und Schneider ja doch noch mal.

    Zustimmung auf jeden Fall zu Deiner Beobachtung bzgl. der Eingespieltheit. Das wird auf jeden Fall und ich hoffe, dass sich auch Deine These im Sinne von „Angriff ist die beste Verteidigung“ dann bewahrheitet.
    Ich bin weiterhin gespannt, wohin die Reise diese Saison geht!

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