Archiv | August, 2009

Liveblog zur CL-Quali: FC Timisoara – VfB Stuttgart

18 Aug

Dem VfB haben letztlich zwei gute Minuten gereicht, um weitestgehend harmlose Rumänen doch ziemlich ungefährdet zu schlagen. Wenn die Rumänen nicht plötzlich ihre Torgefahr wiederentdecken, dann mache ich mir um das Rückspiel in acht Tagen sehr wenig sorgen. Der VfB hat, wenn man es positiv ausdrücken will, sehr effizient gespielt und zum richtigen Zeitpunkt mit einem Doppelschlag den Rumänen frühzeitig den Zahn gezogen, als diese gerade drückender wurden.
Highlight war natürlich das traumhafte Solotor von Hleb, der ansonsten noch zwei, drei weitere gute Situationen in der Offensive hatte. Sein Pendant auf der rechten Seite, Timo Gebhart, hat ebenfalls ein Tor erzielt und für einigen Betrieb gesorgt, hat sich aber eben auch mehrfach in seinen Dribblings verloren. Das “Problem” ist altbekannt, aber kann eben, wenn er durchkommt, zur richtigen Gefahr für den Gegner werden, wie er ein paar Mal angedeutet hat.
Die Defensive hinterließ in Halbzeit 1 keinen allzu guten Eindruck, erst als der VfB in der zweiten Hälfte auf eigene Offensivaktionen weitgehend verzichtete, gewann man hier an Sicherheit. Man könnte natürlich sagen, dass es gegen einen stärkeren Gegner auch hätte schief gehen können – aber von sowas halte ich nicht viel, da das dann eben auch ein ganz anderes Spiel gewesen wäre.
Wirkliche Schlüsse auf das wahre Leistungsvermögen des Teams ließ die Leistung irgendwie nicht zu, wichtig war der Sieg!

Ich hoffe, es hat Euch Spaß gemacht (so es denn überhaupt hier Leser gab) und vielleicht sehen wir uns ja demnächst schon wieder hier.

Replay…

Hirngabel undercover: MitLeiden im FC Fanblock

18 Aug

Gemeinhin würde man mich wohl nicht als “wahren Fan” bezeichnen, schließlich besuchte im letzten Jahr nur zwei Spiele meines Vereins im Stadion (und das war dann auch noch ein Spitzenwert im letzten Jahrzehnt). Ich habe noch nicht mal ein Sky-Abo und wenn ich Sky schaue, dann meistens die Konferenz aller stattfindenden Ligaspiele. Und das letzte Mal, dass ich in einem echten Fanblock im Stadion stand, war 1997 – und das war ausgerechnet im Block von Hertha BSC Berlin beim Auswärtsspiel in Kaiserslautern (ein Erlebnis, das mich zu meinem einzigen je geschriebenen Leserbrief trieb, der dann tatsächlich auch noch in der SportBild veröffentlich wurde).

Am vergangenen Samstag war es dann aber mal wieder soweit und ich betrat tatsächlich den Fanblock eines Stadions – und auch dieses Mal war es ein Spiel ohne Beteiligung meines Vereins, denn es handelte sich um das RheinEnergie Stadion, wo sich der Meister Wolfsburg beim heimischen FC die Ehre gab.

Zum 1. FC Köln kann ich eine gewisse Zuneigung sicherlich nicht verleugnen, ist es doch der Club der Stadt, in der ich geboren bin und in der ich jetzt lebe, auch wenn die Beziehung insgesamt  durch eine gewisse “ironische Distanz” geprägt ist. Über weite Strecken meines Lebens konnte man diesen Verein schließlich nicht so richtig ernst nehmen und das fällt mir auch heute noch immer ein bisschen schwer.

Eines muss man dem Effzeh aber sicherlich lassen und das ist die exzellente Stimmung, die im Stadion bei Fußballspielen zumeist herrscht und wenn man dies, wie ich am Samstagabend, hautnah direkt im Block S1/2 erlebt, dann gibt es da, glaube ich, wenige Stadien in der Bundesliga und vielleicht auch weltweit, die hier mithalten können. Alleine schon der Einlauf der Mannschaften zur Vereinshymne (nur echt mit kölschem Text auf der Leinwand) ist wirklich ein absolutes Gänsehauterlebnis – und nicht umsonst die einzige Vereinshymne, die ich auch ausserhalb von Stadien gerne mal lauthals mitsinge (jaja, da geht sie noch weiter dahin, die VfB-Fan-Credibility…).

Die Stimmung im Stadion zu Spielbeginn unter den rund 90% FC-Fans kann man wohl guten Gewissens als “verhalten optimistisch” bezeichnen. Auch wenn der Kölner gerne zum Größenwahn neigt, so machte man sich trotz angeblicher “Poldimania” keine allzu großen Hoffnungen auf den ersten Saisonsieg an diesem sommerlichen Abend. Auch zur Halbzeitpause, nach dem man einige gute Angriffe und eine durchaus stabile Defensive der eigenen Truppe zu sehen bekam, war das häufigste Urteil “Erstaunlich gutes Spiel”, ohne aber das man in allzu große Euphorie verfiel.

Gut, diese kam dann allerdings ganz schnell auf, als nur 4 Minuten nach Wiederanpfiff, der schon in der ersten Halbzeit sehr positiv aufgefallene, Fabrice Ehret mit einem unwiderstehlichen Antritt einen dicken Bock von Madlung ausnutzte und direkt vor der Kölner Südtribüne mit einer artistischen Grätsche den Ball zur nicht unverdienten Führung einnetzte.

Damit brachen natürlich einige Dämme auf den Rängen und Euphorie machte sich allerorten breit, zumal das Spiel daraufhin an Fahrt gewann und von einem ansehnlichen zu einem wirklich erstklassigen Spiel mutierte. Die Wolfsburger kamen durch das Gegentor nun doch endlich auf Touren und konnten endlich mal ihre Offensive ans Wirbeln bringen, während dadurch auf der anderen Seite immer wieder Räume zum Kontern entstanden, was dem Kölner Team durchaus entgegenzukommen scheint mit Spielern wie Maniche, Podolski und Ehret. In dieser Phase machte das Spiel wirklich richtig viel Spaß, da es tatsächlich mehr oder weniger auf des Messers Schneide stand und es so schien als ob das nächste Tor eine Entscheidung bringen könnte.

Und so war es dann auch, aber leider nicht so wie es sich die FC-Fans wünschten, da u.a. Podolski mit einer gut herausgearbeiteten Chance nicht erfolgreich war, während auf der anderen Seite dann eben der Knoten platzte und Dzeko da stand wo ein Stürmer stehen musste. Dass dann keine 100 Sekunden später ein Eigentor von Womé dazu führte, dass man umgehend auch noch in Rückstand geriet, brach scheinbar sowohl dem Team als auch dem Publikum vollständig das Rückgrat. Denn während zuvor fast durchgängig gesunken, geschunkelt und gehüpft wurde, machte sich nun Konsternierung (oder wie auch immer das Nomen heisst…) und Depression allerorten breit.

Die restlichen 15 Minuten waren für den VfL dann im Grunde nur noch Formsache, da nicht nur die Stimmung im Stadion sondern auch der Wille im Team weg war und Wolfsburg so relativ leichtes Spiel gegen nun kraft- und irgendwie orietntierungslose Kölner hatte.

Bei den Fans begann man sich nun darauf zu versteifen, den Frust am unfassbar schlechten Schiedsrichter Kinhöfer (der eine wirklich blitzsaubere Leistung ablieferte) zu entladen oder auch wahlweise an der Einwechslung von Ishiaku, während ein Teil der Fans noch ein paar letzte verzweifelte Hoffnungskörner an den Einsatz des rekonvaleszenten Novakovic versucht zu heften. Ein Schimmer, der sich dann spätestens mit dem 3:1 durch Martins wieder zerschlug.

Insgesamt hatte ich wirklich einen sehr vergnüglichen Fußballsamstag, bei dem ich im Übrigen auch dem neuen Spielplan eine durchaus positive Seite abgewinnen konnte: Nachmittags ging es erst in eine Kneipe, wo wir uns die Nachmittagskonferenz um 15:30h anschauten, bevor wir uns dann auf den Weg ins Stadion machten, um das “Topspiel” zu sehen. Klar, man kann vieles an der neuen Spieltagsgestaltung negativ sehen, aber als Stadionzuschauer des 18.30h-Spiels sind die neuen Anstoßzeiten eigentlich echt cool. Okay, als Entzerrung wären 30 Minuten mehr, also Anstoß um 19 Uhr vielleicht nicht verkehrt, aber auch so funktioniert das wirklich prima.

Fußballerisch bleibt noch festzuhalten, dass mir die Wolfsburger mit ihrer unterkühlten Leistung doch ziemlich imponiert haben. Lange sehr zurückhaltend agiert, aber als es dann hart auf hart kam, konnten sie die offensive Qualität in wirklich beeindruckender Manier auf den Platz bringen. Klar, das war nicht unfehlbar und hätte bei einem 2:0 durch Poldi auch ins Auge gehen können – aber selbst dann wäre ich mir nicht sicher, ob es nicht doch gelungen wäre, das Spiel zumindest auszugleichen.
Für den FC seinerseits bleibt erstmal unter dem Strich eine weitere Niederlage, aber eben auch ein Spiel, aus dem man eigentlich einiges an Selbstvertrauen ziehen kann. So zumindest sahen es die meisten Fans und man kann nur hoffen, dass es so auch die Spieler sehen. Emminent wichtig wird es sein, am kommenden Wochenende 3 Punkte gegen Frankfurt zu holen, da sie der einzige nicht ganz so stark eingestufte Gegner sind, in einem Auftaktprogramm, das sich gewaschen hat: Dortmund, Wolfsburg, Hamburg, Schalke, Stuttgart, Leverkusen, Bayern – was sich liest wie die Liste der Meisterschaftskandidaten sind tatsächlich die anderen sieben Gegner neben Frankfurt an den ersten acht Spieltagen. Ein Auftaktprogramm direkt aus der Hölle.
Dabei würde ich dem FC sogar einiges an Qualität bescheinigen wollen. Besonders Maniche scheint eine absolute Verstärkung zu sein, wenn er bald an Kondition nachlegen kann. Wie der die Bälle im Mittelfeld verteilt, erste Sahne. Im Zusammenspiel mit Podolski und dem bald wieder komplett fitten Novakovic kann das einige Teams wirklich vor erhebliche Probleme stellen. Mit der Rückkehr von Geromel hätte man gemeinsam mit Mohammad, der am Samstag wirklich sehr positiv aufgefallen ist, ein wirklich starkes Innenverteidigerduo, das hinten für noch mehr Stabilität sorgen könnte. Ähnlich wie der VfB hat man allerdings auf linken Aussenverteidigerposition ein Qualitätsdefizit, da Womé nicht wirklich höheren Ansprüchen genügt.

Zu guter Letzt noch ein generelles Wort:
Ich glaube nicht, dass der Fanblock wirklich etwas für mich ist. Man ist doch irgendwie sehr häufig mit Feiern, Schunkeln, Singen und Hüpfen beschäftigt, wodurch zumindest bei mir die Konzentration aufs Spiel phasenweise etwas litt. Vielleicht hing es damit zusammen, dass es mehr oder weniger das erste Mal war und dementsprechend neu, aber ich konzentriere mich doch im Allgemeinen ganz gerne auf das Spiel selbst, wenn ich im Stadion bin. Und das kann man auf einer “ruhigeren” Tribüne doch irgendwie besser. Zumal die Fanblöcke oftmals den Nachteil haben, dass die Sicht von dort meist nicht die allerbeste ist, zumindest wenn man den Wunsch hat, möglichst das ganze Spielfeld zu überblicken.
Ich will es nicht für ausgeschlossen halten, dass ich das nicht wiederholen werde, gerade beim Effzeh, und ich werde mir auch sicherlich irgendwann mal ein VfB-Spiel im eigenen Block anschauen, aber ich glaube mein Platz ist irgendwie auf den “normalen” Tribünen…

Das 10 Millionen Euro Spiel

17 Aug

Im Fußball geht es um Geld und das gibt es nur in größeren Ausmaßen, wenn man in der Champions League spielt. Ergo kann es am morgigen Abend für den VfB natürlich nur ein Ziel geben: Weiterkommen.

Knapp 10 Millionen Euro, so hat die Süddeutsche ausgerechnet, seien dem VfB garantiert, wenn er dieses Ziel erreicht. Startgeld in Höhe von 3 Mio., Spielprämien von insgesamt 2,4 Mio. und dann noch etwa 4 Mio. als erste “Rate” aus dem TV-Gelder-Topf. Hinzu kämen dann noch weitere Prämien, die vom Abschneiden des Teams während der Gruppenphase abhängig sind und natürlich Zuschauereinnahmen und sonstige Erfolgszahlungen.

Die Einnahmen bei einer “drohenden” Europa League-Teilnahme würden hingegen nur einen Bruchteil dieser Summen ausmachen, so dass eben ein Sieg nicht nur sportlich, sondern eben auch wirtschaftlich enorm wichtig ist.

Aber gut, wem erzähl ich das hier? Das dürfte sicherlich jeder meiner 10 Leser wissen.

Das Schöne ist jedenfalls, dass wir den nominell schwächsten Gegner erwischt haben, so dass ein Weiterkommen nicht nur Pflicht ist sondern auch als durchaus wahrscheinlich erscheint. Natürlich gibt es derzeit wieder die üblichen Statements von Offiziellen, Experten und Spielern, die vor den Rumänen warnen. Aber mal ehrlich: Die müssen besiegt werden. Im Optimalfall sogar schon mit einem deutlichen Ergebnis im Hinspiel, was für Ruhe und halbe Planungssicherheit sorgen würde.

So gibt es schließlich auch nicht wenige Fans, die vermuten (oder hoffen), dass der VfB erst dann nochmal auf dem Transfermarkt aktiv wird, wenn man weiß wohin die Reise gehen wird. Und da würde ein deutlicher Hinspielerfolg sicherlich eine kleine Entscheidungshilfe geben.

Zuletzt kam heute ja der Name Sidney Govou (30 Jahre) auf, seines Zeichens Kapitän bei Olympique Lyon und 35facher Nationalspieler Frankreichs. Sicherlich täte bei den vielen Youngsters im Team, ein Profi mit solcher Erfahrung ziemlich gut, gerade auch im Hinblick darauf, dass man dann gegebenenfalls Champions League spielt. Allerdings bleibt fraglich, ob ein solcher Spieler tatsächlich den VfB als ernsthafte Alternative betrachtet und andererseits auch, ob Govou nach einer Saison mit zwei längerwierigen Verletzungen (6 Wochen Knöchelverletzung, 4 Monate Achillessehnenriss) wieder zu alter Form zurückkehren kann. Gerade in Hinblick auf sein für Aussenspieler fortgeschrittenes Alter.
Ohnehin aber stellt sich die Frage, ob es aus sportlicher Sicht überhaupt Sinn macht, einen Spieler zu verpflichten, der hauptsächlich auf der rechten Aussenbahn zu Hause ist. Denn eigentlich ist eine solche Position im Stuttgarter System nicht direkt vorgesehen, es sei denn man setzt ihn als rein offensiven Mittelfeldmann auf Rechts ein. Das würde allerdings bedeuten, dass mit Gebhart und Hilbert zwei Spieler mit Stammelfambitionen wohl erstmal wieder rausfallen würden.

Da zu dem Ganzen auch noch eine kolportierte Ablösesumme von 10 Millionen bei noch einem Jahr Restvertragslaufzeit kommt, sähe ich diesen Transfer doch eher skeptisch, sollte er denn so tatsächlich realisiert werden.

Ein weiteres Gerücht, das jüngst durch die Medien geisterte, ist Tom De Mul, ebenfalls im rechten offensiven Mittelfeld zu Hause, 23 Jahre, und derzeit auf dem Abstellgleis beim FC Sevilla. Ein Name, den ich ehrlich gesagt, vorher nie bewusst gehört habe und dadurch auch nicht beurteilen kann. Interessant ist allemal die Randbetrachtung, dass Govou und er, wie auch das dritte, halbwegs aktuelle Gerüchte (Tuncay), für in etwa die selbe Position wären. Und da erkennt man dann schon einen Trend, aber mal schauen, ob es wirklich zu einem dieser Transfers kommt. So richtig glaube ich nicht daran, dass man tatsächlich nochmal in größerem Maße auf dem Transfermarkt aktiv wird…

Wobei man zumindest durch die Verletztensituation und auch das von Babbel ausgerufene Rotationsprinzip durchaus noch Personal benötigen könnte. Es ist zwar bis auf Träsch, der schon in Bälde wieder trainieren soll, kein einziger echter Stammspieler zurzeit verletzt, aber mit Hilbert und Boulahrouz, sowie seit dem Wochenende Osorio (Schultereckgelenkssprengung) und Lanig (Kreuzbandriss) dann doch eben auch vier Leute, die zumindest in den engeren Kreis des Kaders gehören, was die Variationsmöglichkeiten dann doch etwas einschränkt.

So wie es ausschaut wird morgen Abend selbstverständlich der Kapitän wieder an Bord zurückkehren und Lanig bzw. Elson wieder verdrängen, so dass man im Mittelfeld mit der nomininell ersten Reihe auftritt: Gebhart, Khedira, Hitzlsperger, Hleb. In der Abwehr wird wohl auch Magnin nach der Atempause wieder zurückkehren und die Reihe um Tasci und Delpierre, sowie Celozzi komplettieren.
Etwas unklar ist noch ob neben Pogrebnyak wieder Cacau stürmen wird oder ob Babbel vermutet, dass Marica einen kleinen Extraschub Motivation beim Duell mit seinen Landsleuten bekommt – zumal die (geht es nach der B*LD) unseren Stürmer zuletzt wohl etwas verspottet haben.

Das aber bleibt immer noch uns VfB-Fans vorbehalten, damit das mal ganz klar ist!

Bundesliga 09/10, ST02: SC Freiburg.

16 Aug

Es dürfte so um die 40. Minute gestern gewesen sein, als ich zu meinen Mitguckern meinte, dass die Begegnung gegen Freiburg wohl eines dieser Spiele gegen mauernde, schwächere Teams sei, bei denen in der letzten Saison dann Mario Gomez irgendwann um die 70. Minute rum, dass entscheidende Tor gemacht hätte. Dementsprechend wäre ich gespannt, wer und wie man das gegnerische Abwehrbollwerk denn dieses Mal knacken kann.

Die Antworten sollten dann erstaunlich früh, nämlich schon in der 53. Minute, kommen und lauteten folgendermaßen:
“Pogrebnyak” und “schickes Kurzpaßspiel”
Als dann rund 10 Minuten eben jener Pogrebnyak noch einen cleveren Elfmeter rausholt (= Schwalbe), den Elson verwandelte, schien es tatsächlich genau so zu laufen, wie es auch im letzten Jahr so häufig lief: Der VfB bekleckert sich nicht mit Ruhm, während er mehr schlecht als recht versucht gegen eher destruktiv ausgerichtete Gegner eine Lücke zu finden, bis man dann irgendwann zwei, drei Tore macht und die drei Punkte einsacken kann.

Leider aber gibt es einen recht großen Unterschied zur vergangenen Saison: Wir haben dieses Mal nämlich ein kleines Abwehrproblem beim VfB. Klar, unsere Schwäche auf den Aussenverteidigerpositionen und dort ganz besonders auf Links ist ja schon beinahe chronisch, zumal man dort leider (noch?) nichts gegen unternommen hat, aber leider gesellen sich hierzu plötzlich auch ungeahnte Schwächen im letztjährigen Prunkstück, unserer Innenverteidigung. Vor allem Serdar Tasci scheint noch gar nicht in diese Saison hineingekommen zu sein und strahlt schon seit mehreren Wochen Unsicherheit und Fahrigkeit aus, die sich am Samstag dann sogar auf seinen Nebenmann Delpierre übertragen.

So gibt es nicht wenige Fans, die sich wünschen würden, dass Babbel im Zuge seiner angekündigten Rotation auch dem jungen Innenverteidiger mal eine schöpferische Pause auf der Bank gönnen würde. Ist vielleicht nicht die verkehrteste Idee, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es nicht vielleicht sinnvoller wäre, wenn sich Tasci über weitere Einsätze wieder die alte Sicherheit zurückholen kann.
Andererseits aber hätten wir mit Georg Niedermeier eine durchaus brauchbare Alternative, die schon ihr Können im letzten Jahr angedeutet hat. Vielleicht entscheidet sich Babbel am kommenden Dienstag gegen Timisoara ja für diese Variante, um Tasci eine Atempause bis zum nächsten Bundesligaspiel gegen Dortmund zu geben.

Das erheblich größere Problem haben wir allerdings nach wie vor auf der linken Außenverteidigerposition. Während Celozzi gestern zumindest über weite Strecken sehr vielversprechend agiert hat, ließ Babbel auf links mal wieder Artur Boka spielen – weder eine Verschlechterung, noch eine Verbesserung gegenüber Magnin. Auch er hat wie der Schweizer immer mal wieder ein, zwei sehr tolle Aktionen in der Vorwärtsbewegung (dieses Mal sein tolles Durchstoßen zur Grundlinie nach Zuckerpass von Hleb vor dem 1:0), doch bei seiner eigentlichen Profession, dem Verteidigen, hapert es -wie beim Schweizer- viel zu häufig: Zu weit entfernt vom Gegner, zu ungenaue Pässe, zu ungeschicktes, überhastetes Zweikampfverhalten.

Neben der unter dem Strich insgesamt recht schwachen Abwehrreihe, enttäuschte auch das ansonsten oft so starke defensive Mittelfeld des VfB am gestrigen Samstag. Wie hier nun der Kausalzusammenhang zu sehen ist, also ob sich die löchrige Abwehr auf das DMF ausgewirkt hat, oder ob ein durchlässiges DMF, die Abwehr zu sehr in Bedrängnis brachte oder einfach nur alle im Defensivverbund einen eher suboptimalen Tag erwischt haben, das möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Auffällig war aber zumindest, dass das Duo Khedira/Lanig nicht so prima harmonisierte und der zur Erholung auf die Tribüne versetzte Kapitän Hitzlsperger doch mehr fehlte, als man das manchmal glauben möchte.  Gerade Lanig erwischte einen sehr schwarzen Tag und bestätigte mit seiner Leistung vor allem seine Kritiker unter den Anhängern des VfB – eine nicht unbedingt kleine Gruppe.
Ge”krönt” wurde dieser miese Tag für ihn dann noch von einem Kreuzbandriss, der die Hinrunde für Lanig zu einem viel zu frühen Zeitpunkt schon beendet. Gute Besserung, Martin!

Wie es dann so oft auch noch ist, wurde eben jener Lanig dann auch noch ausgerechnet gegen einen Mann ausgewechselt, der sich dann in der zweiten Halbzeit zum unumstritteten Matchwinner und Spieler des Spiels aufschwingen sollte. Die Rede ist natürlich von Brasilianer Elson, mit dessen Einwechslung das System der Stuttgarter von einem 4-4-2 mit Doppelsechs auch zu einer Art Mittelfeldraute umgestellt wurde.

Mit einem Traumtor erzielte er das vorentscheidende 3:1, das die Freiburger Hoffnungen nach dem Anschlusstreffer wieder dämpfte, viel erstaunlicher fand ich aber, dass er sich wie selbstverständlich beim 2:0 den Ball schnappte und die Verantwortung beim Elfmeter selbst übernahm. Das war wirklich etwas, womit ich nun nicht wirklich gerechnet hätte – zumal er ohnehin nach seiner Einwechslung direkt sehr dominant das Offensivspiel der Stuttgarter an sich riss und immer wieder als Ballverteiler und Anteiber agierte. Beeindruckend.

Das Problem, das ich nur mit Elson habe: Solche Leistungen bringt er immer mal wieder alle 3-4 Monate, ohne dass er sie dann anschließend bestätigen könnte. Und da seine Position, das zentrale offensive Mittelfeld, im Stuttgarter Stammsystem mit der Doppelsechs eigentlich nicht vorgesehen ist, fällt er oftmals schnell wieder aus der ersten Elf heraus. Vielleicht ist das ja dieses Mal anders, zumal man ja beim VfB augenscheinlich weiterhin von ihm überzeugt ist, sonst hätte man schließlich nach dieser jahrelangen Geschichte ohne allzuviele positive Lichtblicke nicht noch im Frühjahr mit dem schon 27jährigen nochmal verlängert…

Ohnehin hat die Offensive, zumindest in Halbzeit 2, doch Anlass zur Hoffnung gegeben. Hleb deutete mehrmals seine Klasse an und steigerte sich schon mal gegenüber dem ersten Spieltag, so dass er in ein paar Spieltagen sicherlich zu der Verstärkung werden kann, die man sich von ihm erhofft. Auch sein Pendant auf rechts, Timo Gebhart, zeigte mehrmals bekannte Stärken, wie vor dem 2:0 – aber eben auch die bekannten Schwächen, vor allem seine Neigung, den Ball zu spät abzugeben. Und auch im Sturm gibt es einiges an Positivem zu berichten, schließlich traf nicht nur der Neuzugang Pogrebnyak in eiskalter Abstaubermanier, also genau das, was man sich von ihm erhofft hat, sondern mit dem Treffer des eingewechselten Youngsters Julian Schieber gab es sogar noch ein zweites Stürmertor zu bejubeln. Cacau hingegen blieb über weite Strecken seiner Linie der letzten Jahre treu: Fleißig und bemüht, aber eben kein Goalgetter, wie man leider bei der einzigen VfB-Chance der ersten Halbzeit sah.

Nimmt man diese Detailbetrachtungen dann mal beiseite und wendet den Blick wieder aufs große Ganze, dann muss man wohl konstatieren, dass es unter dem Strich aber eben nur 3 Punkte gegen einen Aufsteiger waren, die im Grunde Pflicht waren. Wichtig sind nun die kommenden beiden Spiele. Zum Einen geht es gegen Timisoara am Dienstag darum, möglichst keine Zweifel am Erreichen der CL-Gruppenphase aufkommen zu lassen und zum Anderen geht es dann am Samstag in Dortmund darum, ob man aus einem soliden Bundesligastart (Niederlage gegen Meister, Sieg gegen Aufsteiger) mit einem Sieg gegen einen potentiellen Konkurrenten ums internationale Geschäft einen guten Saisonstart machen kann. Würde dies gelingen, dann könnte man sicher von einem solchen sprechen. Eine Niederlage hingegen wäre schon ein kleiner Dämpfer für diese Saison. Aber schauen wir mal.

Achja, Mario Gomez hat gestern dann tatsächlich in der 72. Minute getroffen. Aber das nur so am Rande.

Deutschlands “Sturmproblem”

10 Aug

Zum ersten Mal geht es in diesem Blog heute um ein Thema, das nicht explizit VfB-bezogen ist. Schließlich wollen wir hier ja auch durchaus den Blick mal auf Angelegenheiten des Fußballs allgemein werfen.

Anlaß ist in diesem Fall ein Artikel der heute auf der von mir eigentlich relativ geschätzten Seite http://www.spox.com erschienen ist und mich zugegebenermaßen etwas sauer gemacht hat. Denn wenn es eines gibt, was ich wirklich hasse, dann ist des Panikmache, die auf fadenscheinigen “Argumenten” basiert, die sich bei genauerem Hinsehen aber als falsch entpuppen – etwas was man ursprünglich vor allem aus den Boulevardmedien kennt, aber mittlerweile eigentlich beinahe überall anzutreffen ist.

Kommen wir aber nun zum konkreten Corpus Delicti, dass Anlass für meinen Ärger ist: “Deutschland hat ein Sturmproblem: Die große Leere” nennt sich der besagte Artikel, der auf spox heute von Autor Stefan Rommel veröffentlicht wurde. Darin versucht er sich an einer Zustandsbeschreibung der Situation im Sturm der deutschen Nationalelf mit Blick auf die Zukunft.

Das ist ja auch soweit logisch. Denn bei gerade einmal drei fürs Spiel gegen Aserbaidschan nominierten Stürmern, von denen einer auch noch angeschlagen ist, kann man hier schon mal zarte Nachfragen stellen. Und die Argumentationskette, die Rommel entwirft, ist auch durchaus verführerisch:
Als einzige Alternative zur Nachnominierung für den verletzten Podolski wäre Kießling in Frage gekommen. Dahinter allerdings befindet sich laut Rommel vor allem Leere in der Bundesliga: Nach seiner Rechnung gibt es 85 Bundesligastürmer, von denen gerade einmal 22 Spieler einen deutschen Pass besitzen und von denen dann wiederum “nur gut die Hälfte als Stammspieler gesetzt sind”.
Zumal aus diesem Pool dann auch noch der am Wochenende erfolgreichste Stürmer, Kevin Kuranyi, ausgeschlossen werden muss, da er bei Löw wohl eher keine Chancen mehr bekommt. Und außerdem fällt Helmes erst einmal monatelang aus.

Neben dieser Legionärsproblematik bringt Rommel dann unter dem Eindruck der U21-EM auch noch den mangelnden Nachwuchs ins Spiel. Schließlich hat Deutschland dort teilweise ohne einen nominellen Stümer gespielt, und der einzig wirkliche Stürmer, Sandro Wagner, spielt nur in der zweiten Liga bei Duisburg. Und auch die zwei anderen Stürmer der Jahrgänge ’89 bis ’91, Thomas Müller und Richard Sukuta-Pasu hätten derzeit keine Stammplatzchancen.

Wie gesagt, auf den ersten Blick erscheint das alles recht schlüssig und man könnte tatsächlich beinahe meinen, dass Deutschland hier vor einem großen Problem in der Zukunft steht.

Das ist aber, mit Verlaub gesagt, ziemlicher Bullshit, da hier ein entscheidender Fakt völlig außer Acht gelassen wird, der diese Argumentationskette ziemlich in sich zusammenfallen lässt.

Schauen wir uns doch mal die derzeitigen Nationalspieler an:

Stammspieler Miroslav Klose ist momentan 31 Jahre alt und damit der einzige derzeitige Nationalstürmer über 30 Jahre. Womöglich ist die WM in Südafrika sein letztes großes Turnier, bei gleich bleibenden Leistungen und sofern es die Gesundheit erlaubt, wäre es aber auch nicht erstaunlich wenn er als 34jähriger auch noch 2012 dabei sein könnte.

Stammspieler Mario Gomez ist im vergangenen Monat 24 Jahre alt geworden. Er wird also, unter der Voraussetzung, dass die Entwicklung der letzten Jahre auch bei Bayern so weiter geht, noch locker 4 Turniere spielen können. Selbst bei der WM 2018 wäre er lediglich 33 Jahre alt.

Gleiches gilt für den einen Monat früher geborenen Lukas Podolski, der zwar nun eine eher harte Zeit bei Bayern hinter sich hat, aber selbst dann hat er in der Nationalelf regelmäßig gute Leistungen abgeliefert. Auch er wäre also bei der WM 2018 gerade 33 Jahre.

Der oben angesprochene, derzeit verletzte Patrick Helmes ist Jahrgang 1984 (wäre bei der EM 2016 also etwa so alt wie Klose bei der kommenden WM) und bei halbwegs normalem Genesungsverlauf und einem entsprechenden Comeback, dürfte auch er für die WM in Südafrika, wie die drei vorher genannten gesetzt sein und damit einen Sturm bilden, der in den letzten 16 Jahren selten so gut und vor allem so JUNG besetzt gewesen ist.

Um Platz 5 werden sich vermutlich zwei Spieler streiten, so wie es derzeit aussieht.
Helmes’ Teamkollege Stefan Kießling hat dabei den Vorteil der Jugend auf seiner Seite, denn auch er ist erst 25 Jahre alt und hätte demnach ebenso noch locker 4 Turniere vor sich, die er spielen könnte.
Der andere Kandidat ist Cacau, der immerhin schon 28 Jahre auf dem Buckel hat, also voraussichtlich noch drei Turniere spielen könnte. Allerdings hat Cacau in der deutschen Öffentlichkeit nicht die ganz große Lobby, und sein größtes Faustpfand (abgesehen von einer soliden Torquote über Jahre hinweg) ist wohl ohnehin, dass er mehrere Jahre an der Seite von Gomez spielte, mit dem er sich nahezu blind versteht.

Wir halten also an dieser Stelle fest, dass selbst wenn es jetzt ein akutes Nachwuchsproblem gäbe, dann könnte man mit dem jetzigen Sturm also recht problemlos die kommenden zwei Turniere spielen, und ein Grundgerüst von VIER guten bis potentiell exzellenten Stürmern hätte man sogar bis mindestens zur Europameisterschaft 2016 verfügbar!

Das würde also bedeuten, dass wir dringenden Bedarf für wirklich gute Nachwuchsstürmer erst zur Qualifikation für die WM 2018 hätten. Ein Turnier, dessen Austragungsort noch nicht einmal feststeht. Und eben eine Qualifikation, die dann *beginnt*, wenn die Jahrgänge ’89 bis ’91 schon satte 25-27 Jahre alt sind.

Das heisst also, es ist eigentlich völlig irrelevant, dass ein Sandro Wagner (0der auch ein von Rommel nicht beachteter Rouwen Hennings) zum jetzigen Zeitpunkt “nur” Stammspieler in der zweiten Liga ist. Oder auch, dass ein Sukuta-Pasu oder ein Thomas Müller in der Bundesliga bei ihren Teams noch nicht den großen Druchbruch geschafft haben. Denn sie haben eines, was Herr Rommel bei der Recherche seines Artikels leider nicht hatte: Zeit.
All diese Spieler haben locker noch drei Jahre, bis sie sich wirklich etabliert haben müssten (wenngleich ein früheres Durchsetzen auch gewiss nicht negativ wäre).

Und um zum Beinahe-Abschluss noch ein wenig Namedropping zu machen: Zu besagten Jahrgängen ’89-’91 zählen daneben noch ein André Schürrle, der bei Mainz gerade seinen ersten Bundesligaeinsatz absolviert hat (kicker-Note 2,5), ein Fabian Bäcker, der in 48 A-Jugend-Buli-Einsätzen 42 Tore erzielt hat oder ein Daniel Ginczek, der mit 17-18 Jahren in der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund vergangenes Jahr 10 Tore in 16 Regionalliga-Einsätzen erzielt hat. Dazu kommen dann noch Savio Nsereko, der bei U19-EM im vergangenen Jahr zum besten Spieler gewählt wurde und mittlerweile bei West Ham United unter Vertrag steht, wo er schon 10 Kurzeinsätze in der Premier League absolviert hat.

Zu guter Letzt sei noch auf einen Aspekt hingewiesen, den man in dieser Diskussion vielleicht auch noch einbringen kann, der aber beispielsweise von Herrn Rommel auch komplett ausgeblendet worden ist. Nicht zuletzt die U21-EM hat ja gezeigt, dass es durchaus auch mit nur einer Sturmspitze gehen kann, in einem System mit zwei vorgezogenen offensiven Mittelfeldspielern beispielweise. Und da, das wird vielleicht Herr Rommel auch so sehen, herrscht derzeit ein durchaus gutes Angebot an Talenten.

Selbstverständlich ist das alles sehr theoretisch und es gibt recht viele Konjunktive in diesem Text. Schließlich kann es durchaus passieren, dass Helmes nach seinem Kreuzbandriss nie wieder der Alte sein wird oder ein Gomez nachhaltig am Druck in München zebricht oder ein Klose nach der WM 2010 zurücktritt.
Aber so ist das nun mal, wenn man versucht in die Zukunft zu blicken, denn da kann man eben nur ein wenig spekulieren, schließlich weiß da nur der Terminator wirklich drüber Bescheid.

Wenn man aber spekulieren möchte, gerade als Journalist, dann sollte man sich intensiv drum bemühen, so nah wie möglich an den Fakten zu bleiben, die man tatsächlich überprüfen kann. Und das hat Rommel meines Erachtens entweder sträflich vernachlässigt, oder aber bewusst so gewählt, um kurz vor dem Länderspiel eine billige Polemik zu verfassen. Ersteres wäre schon äußeres kritikwürdig, sollte es zweiteres sein -aus welchen Beweggründen auch immer-, dann wäre es absolut verachtenswert.

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Zum Abschluss noch ein wenig Statistikkram, in Form einer Liste von den Sturmaufgeboten bei Turnieren ab der WM 1990. Nach dem Klick.

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