Jens sucht Neds Stöckchen – Weihnachtsstöckchen 2012

25 Dez

Der werte Sportsfreund aus dem hohen Norden, auch genannt Nedfuller, hat am heutigen ersten Weihnachtsfeiertag zur fröhlichen Stöckchenjagd aufgerufen and I obliged. Viel Spass damit!

Welches war das beste Spiel deines Vereins?

Entweder das 4-1 gegen Mainz oder das 4-1 gegen Bremen in der Hinrunde. War auch rein vom fussballerischen her so mit die beste Phase unter Labbadia. Beide Spiele waren innerhalb von einer Woche, in der man 9 Punkte holte (3-1 in Augsburg noch) und in allen 3 Spielen hat man nach einem frühen Rückstand angefangen RICHTIG guten und ansehnlichen Fussball zu spielen. Mehr davon, bitte.

Sonst würde mir noch die erste Halbzeit beim 5-1 in Bukarest einfallen, auch wenn es mich da nicht sonderlich überraschen würde, wenn es in 2 Jahren auf einmal heißt, dass das Spiel verschoben wurde.

Welches das schlechteste?

0-2 gg. Bayern im Pokal, letzten 60 Minuten beim 1-6 in München, das 0-3 gg. Hoffenheim, die zweite Halbzeit beim 2-4 gg. Hannover – Kandidaten gibt es da einige. Die fehlende Konstanz macht mich tlw. schlichtweg nur sprachlos. Die Mannschaft ist zu richtig guten Spielen in der Lage, hat allerdings dummerweise im 4-6 Wochen Rhythmus auch immer wieder Spiele drin, die mich einfach fassungslos machen.

Bester Spieler deines Vereins?

Vedad Ibisevic. 42 Spiele, 26 Tore, 11 Vorlagen – noch Fragen?

Schlechtester Spieler?

Pavel Pogrebnyak – ich trete gerne nach und 85 Minuten hat er noch für uns im Jahr 2012 noch gespielt.

Ernsthaft, sucht euch einen der 3 aus – Shinji Okazaki, Tamas Hajnal, Tunay Torun

Bei Okazaki und Hajnal vlt. wegen der Rückrunde etwas unfair, allerdings bringt einen keiner der 3 sonderlich weiter und ich will keinen der 3 Kandidaten mehr sehen.

Wie war(en) dein(e) Trainer?

Bruno Labbadia – muss ICH dazu wirklich noch was sagen?

Hat dein Verein sich in diesem Jahr verbessert oder verschlechtert?

Von den Ergebnissen her definitiv verbessert, emotional hatte man zumindest nicht den Druck des Abstiegskampfes. Sonst? Mit Ibisevic hat man sich qualitativ und das Spiel sicherlich verbessert, allerdings ist es nahezu ausschliesslich Ergebnisfussball und eine nachhaltige Entwicklung fehlt mir quasi gänzlich. Wie war das? Stillstand ist Rückschritt?

Wie zufrieden bist du mit der Jugendarbeit in diesem Jahr?

Unzufrieden. Holzhauser und Rüdiger haben zwar im Jahr 2012 ihre erste Schritte im Profibereich gemacht und auch ihre Startelfdebüts gegeben, allerdings habe ich weiterhin nicht das Gefühl, als ob Labbadia das aus Überzeugung macht oder ihnen sonderlich vertraut.

Im Unterbau passt dafür viel. Amas stehen in Liga 3 gut da und sollten ohne grössere Probleme den Klassenerhalt schaffen, die U19 hatte unter dem neuen Trainer Aracic zwar eine problematische erste Jahreshälfte, steht jetzt aber auf Platz 2 und die U17 war im Finale um die deutsche Meisterschaft.

Wie oft warst du im Stadion?

Bei 25 von 46 Spielen, was weniger wie sonst ist. Habe in der Hinrunde zum ersten mal bewusst Heimspiele ausgelassen (die Europa League Heimspiele), obwohl ich hätte hingehen können. Mich hat der Fussball einfach nur noch genervt.

Warst du auswärts unterwegs?

Nürnberg, Kopenhagen, Dortmund, Mainz, Köln und Leverkusen

Was war dein bewegendster Moment?

Die Choreo zum alten Wappen.

Welcher Klub ist der Depp? – Ein Interview mit den Clubfans United

28 Sep

Hallo, ich bin es. Der Blogautor. Die Älteren unter Ihnen werden sich vielleicht noch erinnern. In den letzten Wochen und Monaten hat es etwas an der Motivation gefühlt mich Blog-Ebene mit dem auseinandersetzen, was derzeit rund um den Verein so passiert. Alleine schon, weil ich im Zweifelsfalle eh wieder den selben Scheiss schreiben würde, den ich vor einem, vor zwei, vor drei Jahren hier geschrieben habe.
Neben meinem fleissig (manche würden sagen: spam-artig) befüllten Twitteraccount habe ich mich allerdings zuletzt auch in zwei Podcasts bei Sportradio360 und bei den Bremer Kollegen von gruenweiss.org meine Meinungen zur Situation des VfB breitgetreten. Allerdings noch eher verhalten.

Nun steht nach dem (wieder mal) schlechtesten Saisonstart aller Zeiten direkt das nächste Duell an, diesmal mit dem 1. FC Nürnberg zur Abwechslung ein Gegner, der das Spieler vorher auch verloren hat. Über diese Begegnung zweier leicht bis stark kriselnder Teams habe ich mich im Vorfeld der Begegnung mit Alex von den Clubfans United unterhalten.

Alex’ Fragen an mich und meine Antworten kann hier nachlesen, wer mag.

 

Nach einem überraschend starken Auftakt mit u.a. dem respektablen Unentschieden gegen den Meister aus Dortmund schien mir der FCN auf einem ziemlich guten Weg zu sein. Am vierten Spieltag ging ich entsprechend davon aus, dass man im Duell der Überraschungsteams mit Frankfurt die Nase vorn haben würde. Allerdings folgten dann zuletzt zwei Niederlagen gegen die Eintracht und gegen das zuletzt gegen Hoffenheim unterlegene Hannover. Was ist passiert, dass der positive Schwung auf einmal weg zu sein scheint?

Darauf gibt es eine klare Antwort: „Wir haben keine Ahnung!“ – Frankfurt war eigentlich noch ein ganz flottes Spiel, das man nicht verlieren hätte müssen, aber Hannover war ein kollektiver Blackout, den man so lange nicht gesehen hat. Hätte Hannover jetzt noch guten Fußball gespielt, wäre es wahrscheinlich richtig bitter geworden, so begnügten sie sich mit den Geschenken. Klar wusste man, dass es für Teams wie den Club mal Höhen und Tiefen geben würde, aber das war so schon heftig. Bleibt zu hoffen, dass ein Ausschlag nach oben ebenso überraschend möglich ist – oder wenigstens die Rückkehr zur Normalität.

Insgesamt scheint aus dem 1. FC Nürnberg in den letzten zwei Jahren ein sehr solider Mittelfeldklub geworden zu sein mit den Platzierungen 6 und 10. Oft gelobt wird dabei die für Club-Verhältnisse (wenn man mal an frühere Zeiten denkt) doch recht ruhige und sachliche Führung für die in erster Linie nach Aussen hin Martin Bader und natürlich Trainer Dieter Hecking stehen. Wie bewertest Du Hecking als Trainer?

Hecking passt derzeit einfach perfekt zur Philosophie des Vereins. Er hat die Vorgaben der Jobbeschreibung verinnerlicht und ist als Trainer in der Lage deren Umsetzung zu betreiben. Hecking pflegt den Pragmatismus, verwehrt sich stoisch gegen übertriebene Lobhudeleien wie auch fränkischen Pessimismus, und hat am Ende jeder Saison bisher immer mit (fast) allem Recht gehabt. Das macht ihn für Nürnberg derzeit so wertvoll. Martin Bader ist dagegen der Spiritus rector des Gesamtkonstrukts. Seit er in Nürnberg ankam verfolgte er seine Idee konsequent und mit kleinen, aber beharrlichen Schritten. Auch vor dem Hintergrund der Club-Geschichte mit grandiosen Aufs und Abs und schon mehrfach am Rande des Abgrunds balancierend, hat Bader den Weg der Konsolidierung eingeschlagen. Wesentliche Bausteine sind: Entschuldung, Verbesserung der Infrastruktur, Investition in die Jugend. Seine weiteren Pläne: Stadionneu- oder –umbau, Verbesserung bei Vermarktung und Sponsoring, langfristige Etablierung in der Liga und Verbreiterung der Basis (Mitglieder und Fans). Dass der Weg bis hierher gut gelang, lag vor allem an den Ergebnissen unter Hecking und dem stetigen Klassenerhalt. Ob der Weg so konstant weiter gehen kann, das muss der sportliche Erfolg (sprich: Klassenerhalt) sichern.

Denkst Du, dass Hecking auch bei einem “größeren” Verein, also einem mit höheren Ambitionen, funktionieren kann?

Eine gar nicht so einfache hypothetische Frage. Hecking hat gezeigt, dass er eine Mannschaft stabilisieren, dass er junge Spieler entwickeln und mit begrenzten Mitteln viel erreichen kann. Der ganz große Wurf gelang ihm aber auch in Nürnberg noch nicht, obwohl man manchmal fast schon dran schnupperte. Immer wieder fällt die Mannschaft dann in ein Loch, wenn etwas zum Greifen nah scheint. Kurzum: Es wäre sicher interessant herauszubekommen, ob das (auch) an Hecking liegt, oder ob er schlicht mit dem vorhandenen Material schon das maximale herausholte. Gern würden wir das mit dem FCN herausfinden, wenn die Mannschaft tatsächlich mit Spielern wie Kiyotake langfristig verstärkt und ergänzt werden kann. Aber in Nürnberg hat man schon mal einem soliden Trainer den Laufpass gegeben, weil man meinte, er wäre nicht der richtige für höhere Ambitionen: Willi Entenmann. Nach seiner Entlassung stieg man dann übrigens ab.

Martin Bader hatten wir schon kurz angesprochen. Er scheint aus der früheren Primadonna einen recht nüchternen Verein gemacht zu haben. Nervt es als Fan nicht ein wenig, dass aus finanziellen Zwängen Jahr für Jahr wichtige Spieler nur geliehen werden und sich so keine wirkliche Identität bilden kann? Oder gilt hier “Der Erfolg heiligt die Mittel”?

Die Sache mit den Leihen ist (bis auf Polter) ja nun bereits Geschichte. Aber selbst wenn, dann heiligt der Erfolg durchaus das Mittel: Wenn du eben nicht genug Geld hast, um dir die Qualität zu kaufen, dann musst du sie entweder selbst schaffen (Jugendarbeit, was Zeit braucht) oder Leihen. Und wohin der FCN will ist offensichtlich, bis dahin sind Leihen ein probates Mittel, denn ohne Qualität reicht es eben nicht und mit ständigen Abstiegen kommt man nie aus dem Kreislauf raus. Schwierig ist es eher für den Fan, jedoch weniger wegen fehlender Identifizierung mit dem Verein (da war auch Didavi und Schieber untadelig!), sondern weil man das schale Gefühl hat für andere Vereine Werte aufzubauen, ohne davon zu profitieren, was natürlich so nicht stimmt (siehe: Erfolg der letzten Jahre). Die breite Masse der Fans trägt den Kurs Martin Baders bedingungslos mit, auch weil wir wissen, woher wir kommen. Dass vor allem die Zwischenhochs Begehrlichkeiten wecken, die dann zu Enttäuschungen führen, das gehört nun mal dazu.

Mit Timo Gebhart habt Ihr in diesem Sommer einen Spieler von uns geholt, der stets großes Potential angedeutet hatte, aber es bei ihm aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Durchbruch reichte. Nun sitzt er auch bei Euch wieder nur auf der Bank. Liegt das nur am bockstarken Auftreten des anderen Neuzugang Kiyotake oder wie macht sich Gebhart bisher?

Timo Gebhart ist für mich ein sehr guter Transfer gewesen. Dass es mit ihm nicht einfach werden würde, war aber auch klar. Aber sonst hättet ihr ihn auch kaum abgegeben oder andere Vereine zugegriffen. Wir müssen solche Transfers machen, gerade wenn nicht sicher ist, ob der Spieler den nächsten Schritt machen kann (wie Esswein, wie Okotie, wie Mak). Das ist unser Revier. Manchmal hat man damit Erfolg (Chandler, Wollscheid), manchmal muss man eingestehen, dass es nicht klappt (Okotie), eine Alternative zum Versuch gibt es aber nicht für uns. Um Gebhart einzuschätzen muss man seine Geschichte kennen: Riesentalent, Highflyer, international gespielt, dann plötzlich macht der Körper zicken und der Trainer lässt ihn fallen – was muss das für einen Spieler für ein Schlag ins Kontor Selbstvertrauen gewesen sein. Hecking ist aber der richtige Trainer für ihn. Wie auch bei Esswein wird Gebhart behutsam gefördert und gefordert, solange bis er wieder an dem Punkt sein wird, an dem er schon mal war: Auf dem Sprung nach ganz oben. Ob er es dann schafft, das entscheidet der Spieler dann ganz allein durch seine Leistung und in seinem Kopf.

Gibt es Spieler außer Kiyotake auf die der VfB am kommenden Wochenende besonders achten sollte? Wer spielt sich bislang bei Euch noch so in den Vordergrund?

Nach Hannover sind wir gar nicht mehr so sicher, ob wir überhaupt jemanden im Vordergrund haben. Aber Frust mal beiseite: Kiyotake kann sicher allein durch seine Standards ein Spiel entscheiden – und auf diese Standards und unsere Kopfball-starken Leute, die auch aus Mittelfeld und Innenverteidigung da mit rein gehen, wird sicher zu achten sein. Mak und Esswein haben schon mehrfach angedeutet, dass sie einer Mannschaft „weh tun“ können, aber sind auch genau so oft den Nachweis schuldig geblieben, es konstant anbieten zu können.

Wo im Kader besteht am ehesten ein Problem für Euch? Ein bisschen habe ich aus der Distanz den Eindruck, dass die Sturmspitze mit Pekhart und Polter nicht die unbedingte Torgefahr ausstrahlt, auch wenn die bisherige Ausbeute der Saison durchaus okay ist.

Unser Spiel ist darauf angelegt, dass ein Pekhart/Polter vorne arbeitet und Räume schafft, die dann die offensive Dreierreihe dahinter nutzen können. Entweder um den Abschluss zu suchen, aufzulegen oder Standards zu provozieren, die dann immer für Gefahr sorgen. Wenn allerdings aus dem Mittelfeld nichts kommt, ist der Stoßstürmer vorne die „ärmste Sau“ am Platz. Unser „größtes Problem“ sehe ich derzeit aber wo anders: Dem Spielaufbau. Die neuformierte Defensive ist zu wacklig, um die Offensive unterstützen zu können. Immer wieder sorgen böse Fehlpässe für heikle Situationen und wenn sich mal ein Außenverteidiger nach vorne einschaltet, brennt hinten nach Ballverlust der Baum. Simons und Balitsch als 6er sind auch nicht gerade die Strategen für Angriffstaktiken, so dass man immer zwar stets bemüht aber doch ratlos wirkt, wenn der Gegner die offensive Dreierkette aus dem Spiel nimmt und selbst wenig Fehler macht. Bisher half da meist dann nur ein Standard, oder es ging eben gehörig in die Hose.

Wohin wird es für den FCN in dieser Saison noch gehen? Ist vielleicht sogar mal ein Angriff auf Platz 6 möglich, wenn alles gut zusammenläuft?

Wir hatten allein in der Saison schon gefühlt die Hand an der Schale und sind in der Gemütslage derzeit fast schon wieder abgestiegen. Vielleicht ist das aber auch normale Fan-Mentalität. Aber davon ganz unbeeindruckt ist ein Mittelfeldplatz Ziel und Anspruch, ob dann Platz 9 oder 13. Für alles andere muss es schon extrem gut laufen (oder schlecht) – und dann spielen da ja auch noch 17 andere Vereine mit.

Zu guter Letzt die obligatorische Frage: Wie lautet Dein Tipp fürs Spiel?

3:1 für den Club. Weil man endlich wieder ein Heimspiel gewinnen muss und der VfB der richtige Gegner sein könnte. Alles andere ist aber auch denkbar. Man kann beide Teams überhaupt nicht einschätzen wie sie mit der Situation umgehen. Vieles wird vom Spielverlauf abhängen, von Kleinigkeiten wie einem frühen Fehlpass, einer verpassten Chance, einer erlittenen Ungerechtigkeit, wie bspw. im Spiel gegen Frankfurt, die einem kurz die Konzentration raubt. Es spielen 11 Menschen gegeneinander – das sollte man nie vergessen – da kann im Prinzip alles passieren, wenn ein Ball im Spiel ist. Und am Montag biste dann plötzlich wieder der gefeierte Held, weil man plötzlich wieder oben anklopft oder – in eurem Fall – den Sprung ins Mittelfeld schaffte. Und dann erinnert sich in ein paar Wochen keiner mehr daran, warum man vor dem Spiel damals eigentlich alles so oder so eingeschätzt hatte.

Vielen Dank für das Interview, Alex und auf ein gutes Spiel!

Gedanken zur Sommerpause (2)

13 Jul

Dies ist Teil 2 meiner Gedanken zu unserem Kader, so wie er zum momentanen Zeitpunkt ausschaut und wie er aller Voraussicht nach auch zum Saisonstart aussehen wird. Ich empfehle vorher die Gedanken zur Torwartposition und zur Abwehr durchzulesen.

Das defensive Mittelfeld ist die einzige Position im Kader, die effektiv tatsächlich breiter geworden ist im Vergleich zur abgelaufenen Saison. Neben den „Platzhirschen“ William Kvist und Zdravko Kuzmanovic, dem „Edeljoker“ Christian Gentner und dem Dauerreservisten Mamadou Bah zählt nun auch Youngster Raphael Holzhauser ab dieser Saison offiziell zum Profikader.

Hier stimmt für meinen Geschmack sowohl die Breite, als auch die Qualität. Die erste Reihe, die sich bis auf Weiteres aus 2 aus dem erstgenannten Trio zusammensetzen wird hat Bundesligatauglichkeit mehrfach unter Beweis gestellt. Selbst für den Fall, dass Kuzmanovic, um den sich immer mal wieder leise Gerüchte ranken, noch abgegeben werden sollte, würde es noch einigermaßen okay aussehen (auch wenn der Substanzverlust ohne Ersatz spürbar wäre, sofern Holzhauser nicht die hohen Erwartungen bestätigen kann).

Die Breite ist grundsätzlich auch im zentralen offensiven Mittelfeld gegeben, dem im unter Labbadia vorwiegend praktizierten 4-2-3-1-System natürlich eine entscheidende Rolle zukommt. In den vergangenen eineinhalb Jahren hatte diese Position Tamas Hajnal inne, der auch in diese Saison voraussichtlich als Starter gehen wird. Erster Backup war zuletzt meist Christian Gentner, hinzu kommen der Rückkehrer Daniel Didavi, sowie die von den Amateuren hochgezogenen Österreicher Kevin Stöger und der schon erwähnte Raphael Holzhauser, der ebenfalls hier eingesetzt werden kann. Dem gegenüber steht der eher theoretische Verlust von Timo Gebhart, den viele (auch ich) gerne auf der „Zehner“-Position gesehen hätten, der aber zuletzt keine Chancen dort bekam.

Auch hier stellt sich aber die Frage nach der Qualität. Hajnal hat seine lichten Momente, aber tauchte speziell in der vergangenen Rückrunde zu häufig ab und ist mit 31 Jahren auch nicht mehr der jüngste. Auch Christian Gentner erscheint nicht gerade als Optimalbesetzung für die zentrale Position, sondern ist im derzeitigen Spielsystem meines Erachtens besser im defensiven Mittelfeld aufgehoben.

Dementsprechend setzten nicht wenige Fans (und vermutlich auch die Verantwortlichen im Verein) einige Hoffnungen auf die Rückkehr von Didavi, der in Nürnberg starke Leistungen gezeigt hat. Blöd nur, dass dieser nun für quasi die komplette Hinrunde verletzt ausfällt.

Damit bleiben vorerst nur ein 18- und ein 19-jähriger, um Druck auf die Etablierten auszuüben. Klingt theoretisch und in Anbetracht des den beiden Jungs zugesprochenen Talents nicht so verkehrt – blöd nur, dass da ein Trainer ist, der bislang nicht unbedingt als größter Talentförderer dieser Erde aufgefallen ist. Und selbst wenn Bruno plötzlich den jungen Spielern Chancen einräumt, müssen diese eben auch die Erwartungen erfüllen können, die man in sie setzt.

Durch den Ausfall von Didavi wäre dies potentiell eine Position, auf der man noch mal personell nachlegen könnte. Viel aktuelles gibt die Gerüchteküche dazu allerdings in jüngerer Vergangenheit nicht her, so dass zumindest in der Hinrunde höchstwahrscheinlich alles erst mal so weiter geht wie vorher mit Hajnal als Zehner und Gentner als Backup.

Veränderung gab und gibt es dagegen vermutlich auf den Außenbahnen im offensiven Mittelfeld.

Neben dem zuletzt nur als Reservist eingesetzten Gebhart verließ uns schließlich mit dem eigentlichen Mittelstürmer Julian Schieber ein Spieler, der gegen Ende der Saison meist Stammspieler auf dem linken Flügel war, so dass hier eine Vakanz entstanden ist.

Theoretisch kommen einige Spieler für die Position in Frage, wobei ich Shinji Okazaki hier bis auf Weiteres vorne sehe. Daneben ist Ibrahima Traoré eine Option, sofern er den körperlichen Anforderungen der ersten Liga gewachsen ist, was er bisher noch nicht unter Beweis stellen konnte. Ebenfalls ein gelernter Linksaußen ist der Franzose Johan Audel, der aber in den vergangenen zwei Jahren aufgrund diverser Verletzungen quasi keine Pflichtspieleinsätze vorweisen kann und auch jüngst wieder einen kleineren Rückschlag in Form einer Oberschenkelverletzung erlitt.

Nicht viel mehr als eine Notlösung wäre Arthur Boka, der diese Position aber zumindest schon einige Male für den VfB ausgefüllt hat.

Eine weitere Möglichkeit für den linken Flügel hat sich der VfB auf dem Transfermarkt geangelt in Person von Tunay Torun, der neben Sturm auch beide Außenpositionen spielen kann. Ich vermute aber, dass er erst einmal als Backup für den rechten Flügel eingeplant ist, wo ansonsten Martin Harnik, der Spieler der letzten Saison, relativ alleine ist. Kevin Stöger ist eventuell noch eine Alternative für den Flügel, ebenso wie Christopher Hemlein von den Amateuren, der zum Beispiel im Testspiel gegen Heidenheim hier eingesetzt wurde.

Auch hier also abseits von Harnik und Okazaki mehr als genügend offene Fragen, die nur bedingt für Optimismus sorgen, da bis auf diese beiden niemand seine Bundesligatauglichkeit bislang unter Beweis stellen konnte.

Bleibt zu guter letzt noch die Position in der Spitze, wo es mit Vedad Ibisevic einen derzeit ziemlich unumstrittenen Kandidaten gibt, sowie mit Cacau einen mehr als passablen Backup – auch wenn dieser zuletzt eher seltener überzeugen konnte. Zudem gibt es auch um ihn leichte Abwanderungsgerüchte, wenn auch wenig handfestes. Weitere Optionen für diese Position sind Neuzugang Torun, sowie Shinji Okazaki, der diese Position früher in der japanischen Liga regelmäßig bekleidete. Zudem gibt es mit dem 18jährigen Marko Maletic von FC Utrecht einen Kandidaten, den der VfB derzeit als Neuzugang abwägt (wenngleich dieser wohl erst einmal für die Amateure in Frage kommt). Auch Christopher Hemlein von den Amateuren wäre eine Alternative.

Wie ganz zu Beginn von Teil 1 schon geschrieben, ist es womöglich etwas verfrüht, über den Kader jetzt schon zu urteilen. Doch selbst wenn die offiziellen Aussagen des Vereins nicht stimmen, dass man auf dem Transfermarkt nicht mehr aktiv werden wird, wird es kaum so viele Verstärkungen geben, als dass sich das Gesicht der Mannschaft noch entscheidend verändern würde (und wenn, dann werde ich hier Abbitte leisten…).

Unter dem Strich bleiben also jetzt gerade einmal 23 Feldspieler, die offiziell im Profikader stehen, von denen 3 aus der Jugend aufgerückt sind. Zwei der Spieler haben in den vergangenen zwei Spielzeiten zudem so gut wie keine Profieinsätze absolviert und einer fällt für die komplette Hinrunde aus.

Berücksichtigt man dann noch, dass in der Hinrunde im Optimalfall 32 28 Pflichtspiele zu absolvieren sind, dann fällt es in der Tat schwer, mit überschwänglichem Optimismus auf die kommende Saison zu blicken. In der letzten Gesamtsaison hatten wir beispielsweise satte 19 Feldspieler, die auf eine zweistellige Zahl von Bundesligaeinsätzen kamen – und das noch ganz ohne Europa League-Doppelbelastung.

Letztlich muss verdammt viel zusammenlaufen, damit es in der anstehenden Saison tatsächlich erfolgreich läuft. Die erste Elf muss weitestgehend verletzungsfrei bleiben, und die Jungen müssen funktionieren, wenn sie gebraucht werden.

Der einzige Strohhalm, an den ich mich derzeit klammere, heisst Hannover.

Dort hat man es im letzten Jahr geschafft, die Startelf des Vorjahres sehr gut beisammen zu halten, ähnlich wie dies auch bei uns der Fall ist und haben es dann mit der Eingespieltheit, ohne zu große Namen in einem Kader, der nur wenig größer war als unser jetziger, trotz Doppelbelastung ziemlich erfolgreich durch die Saison gebracht. Natürlich ist Bruno kein Mirko und grundsätzlich sind Voraussetzungen, wie Erwartungshaltungen im jeweiligen Umfeld nicht direkt vergleichbar – aber wie gesagt, es ist ein Strohhalm. Und zumindest einen erfolgreichen Saisonstart halte ich nicht für ganz ausgeschlossen – was dann im Herbst und Winter passiert, das muss man schauen.

Die Skepsis wird erst einmal steter Begleiter bleiben…

Gedanken zur Sommerpause (1)

12 Jul

Wenn man sich derzeit so durch die einschlägigen Fankommentare rund um den VfB liest -sei es auf Twitter, Facebook oder in Foren- so ist von Euphorie in Bezug auf die kommende Saison eher wenig zu spüren. Zwar sind die meisten Fans nicht komplett negativ eingestellt, aber eine gewisse Skepsis herrscht doch, an die Erfolge früherer Jahre anknüpfen zu können oder auch „nur“ das Resultat der letzten Spielzeit zu bestätigen.

 

Auch ich kann mich selbst davon derzeit nicht ausnehmen. So gerne ich hier Optimismus versprühen würde, wird mir das in Anbetracht der Gesamtsituation wohl kaum gelingen. Dabei stehen derzeit sowohl hinter der Qualität als auch der Quantität des Teams mindestens jeweils ein großes Fragezeichen, wenn man berücksichtigt, dass es aller Voraussicht nach ein nicht gerade unstressiges Europa League-Gruppenprogramm zusätzlich zu den zwei nationalen Wettbewerben zu bestreiten gibt.

 

Nun ist es derzeit eigentlich noch recht früh, um den Kader abschließend zu beurteilen, aber wenn die Vereinsoberen die Öffentlichkeit und die Medien nicht komplett an der Nase herumführen, dann wird es vermutlich nicht mehr als 2 weitere Neuverpflichtungen geben – wenn überhaupt. Zumal es gut möglich ist, dass diesen Neuverpflichtungen gleichzeitig auch Abgänge gegenüberstehen. Aber gut, dass ist derzeit noch graue Theorie.

 

Schauen wir uns also mal den Kader an, so wie er derzeit bestückt ist.

 

Die vermutlich wenigsten Fragezeichen gibt es auf der Torwartposition. Sven Ulreich hat sich in der vergangenen Spielzeit als unumstrittener Stammtorhüter und Leistungsträger etablieren können und zählt sicherlich zu den 6-8 stärksten Torwächtern der Liga. Dahinter gab es tatsächlich ein bisschen Bewegung im Kader. Nachdem man im Winter schon den langjährigen Ersatzkeeper Alexander Stolz in Richtung Karlsruher SC abgab (und nicht zu vergessen auch Bernd Leno endgültig an Leverkusen verkaufte), entstand eine nominelle Lücke, die nun durch André Weis gefüllt wurde.

Weis wechselte selbst erst vor einem Jahr vom TuS Koblenz in unsere zweite Mannschaft, wo er sich auf Anhieb mit starken Leistungen in den Vordergrund spielte und sich eine Chance bei den Profis verdient hat. Der Dritte im Bunde der Torhüter ist nach wie vor der Oldie Marc Ziegler, der sportlich vermutlich eher keine große Rolle mehr spielen wird.

 

In der Abwehr sieht das Bild schon weitaus uneindeutiger aus.

Mit Matthieu Delpierre, Stefano Celozzi und Khalid Boulahrouz gleich drei Abgänge zu verzeichnen. Alle Abgänge sind für sich genommen nachzuvollziehen, auch wenn basierend auf den Leistungen der vergangenen Saison der Verlust von Boulahrouz durchaus etwas schmerzt. Dem gegenüber stehen gerade mal ein externer Neuzugang in Form von Tim Hoogland, sowie ein „interner“ Neuzugang in Person von Antonio Rüdiger, der in der letzten Saison offiziell noch bei den Amateuren spielte, aber schon ein paar Einsatzminuten bei den Profis sammeln konnte.

 

In der Innenverteidigung schaut es dabei noch ganz okay aus. Mit Serdar Tasci und Georg Niedermeier, sowie Maza hat man drei Leute, die allesamt schon punktuell exzellente Spiele hingelegt haben und unter dem Strich zumindest soliden Ansprüchen genügen. Entscheidend ist auf dieser Position sicherlich, ob Tasci an seine starke letzte Saison anknüpfen kann. Er sollte erst einmal gesetzt sein, daneben dürfte Niedermeier die Nase vorne haben, den Labbadia ja bekanntermaßen gerne mag. Rüdiger dürfte seine Chancen als Backup bekommen, wenn es zu Verletzungen kommt.
Schwierig bis kritisch ist die Lage auf den Aussenverteidigerpositionen. Auch hier stehen derzeit vier Spieler unter Vertrag, wobei Arthur Boka und Cristiano Molinaro wohl für links eingeplant sind, während für die rechte Seite Gotoku Sakai und der für ein Jahr von Schalke ausgeliehene Tim Hoogland bereit stehen. Wobei „bereit stehen“ hier etwas irreführend ist.

So fehlt Tim Hoogland nach diversen Verletzungen und Erkrankungen nahezu komplett die Spielpraxis mit gerade einmal 212 Einsatzminuten in 3 Bundesliga- und einem Europa League-Spielen. Und auch Gotoku Sakai, einer der Senkrechtstarter der letzten Rückrunde, ist zumindest mit einem Fragezeichen behaftet, da er aufgrund einer Olympiaabstellung einen Teil der Saisonvorbereitung verpassen wird. Mal ganz davon abgesehen, dass er überhaupt erst einmal gesund wieder zurückkehren muss aus London…

Läuft alles optimal, dann hat man beide Position zwar doppelt besetzt, aber in Anbetracht der gerade erwähnten Voraussetzungen und der vielen Spiele ist dies nicht gerade als wahrscheinlich einzustufen. Es würde also nicht groß überraschen, wenn es im Laufe der Saison einige Wechselspielchen in der Abwehrreihe geben wird (auch Rüdiger kann bspw. RVT spielen). Auch ist nicht ausgeschlossen, dass der eine oder andere Aussenverteidiger von den Amateuren zumindest kurzzeitig hochbeordert wird. Ein Kandidat wäre da der 18jährige Steffen Lang, von dem man sich einiges verspricht.

 

Neben der Kaderbreite stellt sich aber auf der Aussenverteidigerposition auch dringend die Qualitätsfrage. Molinaro hat ohne Frage einige starke Spiele im VfB-Dress abgeliefert, nimmt sich aber auch gerne mal Auszeiten und wurde nicht umsonst immer mal wieder von anderen Spielern zeitweise verdrängt. In noch ausgeprägterem Maße gilt dies für Arthur Boka, der zu selten über einen längeren Zeitraum gute Leistungen abliefern konnte, als dass man auf ihn als klaren Startelfspieler setzen könnte.

Bei Hoogland ist sicherlich Potential da, aber in Anbetracht der schon erwähnten ewig langen Krankheits- und Verletzungsphasen ist es nicht auszuschließen, dass man mit ihm einen Fehlgriff getätigt hat und einen Spieler ein Jahr lang „durchschleppt“. (Dass er offensichtlich ohne Kaufoption ausgeliehen wurde und nach einer guten Saison sofort wieder weg ist, sei an dieser Stelle mal nicht behandelt – es hat mit der anstehenden Saison schließlich nichts direkt zu tun.)

Der vermutlich stärkste der vier Aussenverteidiger, Sakai, wird, wie schon erwähnt, einen Teil der Saisonvorbereitung verpassen. Zudem ist er mit 21 Jahren noch relativ jung, so dass Schwankungen in seiner Formkurve auch nicht komplett auszuschließen sind.

 

Bleiben alle fit und spielen dauerhaft am oberen Limit ihres Leistungsvermögens, dann müssen wir uns in Sachen Aussenverteidigern sicher nicht hinter vielen Teams der Bundesliga verstecken. Die Frage ist aber eben wie realistisch dies ist. Fallen zwei Spieler gleichzeitig weg, sei es aufgrund einer Formkrise oder einer Verletzung, dann wird es auf dieser Position sehr schnell sehr dünn und könnte sich als einer der Schwachpunkte des Kaders herausstellen.

 

In der Gerüchteküche geistern derzeit noch zwei Namen rum, die lose mit dem VfB in Verbindung gebracht werden. Wobei sich die Personalie Stanislav Manolev (Rechtsverteidiger) vom PSV Eindhoven wohl mit der Verpflichtung von Hoogland erst einmal erledigt hat. Auch der andere Kandidat erscheint mir nur bedingt realistisch: Reto Ziegler, Linksverteidiger, seines Zeichens unter Vertrag bei Juventus Turin – finanziell eher nicht vorstellbar ohne dass man einen anderen Spieler abgibt…

Teil 2 mit Mittelfeld und Sturm sowie einem allgemeinen Ausblick gibt es dann morgen.

Saisonrückblick 2011-2012 mit Einzelbewertung

2 Mai

Da mir gestern am Feiertag etwas langweilig war und ich nix besseres zu tun hatte, hab ich mich mal hingesetzt und meine Gedanken zu jedem an den ersten 33. Spieltagen diese Saison eingesetzten Spieler niedergeschrieben. Viel Spaß beim Lesen.

TOR

Ulreich, Sven – 8/10

Hat trotz der Unruhe zum Saisonbeginn im Zuge der Leno-Leihe in dieser Saison seine starken Leistungen aus der Rückrunde der Vorsaison bestätigt und trug so auch dazu bei, dass der Verein im Dezember Leno für abkömmlich hielt und ihn für kolpotierte 7,5m € endgültig nach Leverkusen ziehen ließ. Wurde im Januar für seine starken Leistungen folgerichtig mit einer langfristigen Vertragsverlängerung belohnt. Hatte nur 2-3 Spiele mit grösseren Fehlern diese Saison und war unterm Strich sehr, sehr solide und hat insbesondere im Bereich Strafraumbeherrschung einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Ich sehe – leider – immer noch tlw. eklatante und in meinen Augen nicht mehr auszumerzende Schwächen im fussballerischen Bereich, weswegen ich mit ihm wohl auch als Torwart nie so richtig warm werden werde, aber das ist bei Torhütern auch Geschmackssache, ob man eher den modernen Typ Neuer oder den Typen Wiese will.

Ziegler, Marc – keine Wertung

Kein Einsatz, soll nächste Saison auf der Bank für Andre Weis platzmachen und wird wohl auch 2013 seine Karriere beenden.

ABWEHR

Boka, Arthur – 6/10

Man ist fast gewillt zu sagen: Eine absolut typische Saison für Arthur Boka. Konnte sich auch in seiner mittlerweile schon sechsten Saison beim VfB nie richtig etablieren (nur eine Saison mit mehr als 20 Einsätzen und insgesamt nur 103 BL-Einsätze in 6 Jahren) und man muss im Sommer seinen Vertrag auslaufen lassen. Hat in der Rückrunde nach der Verletzung von Boulahrouz und dem Positionswechsel von Sakai für viele unverständlicherweise nochmal eine Chance gekriegt und konnte auch diese erneute Chance nicht nutzen. Ist mittlerweile auch schon 29 und er sollte sich auch im Eigeninteresse im Sommer einen neuen Verein suchen. Der Verein kommt mit solchen Spielern – auch als Backups – einfach nicht voran. Ich mag ihn als Person, aber fussballerisch hat er einfach zu viele Schwächen im Defensivbereich, insbesondere beim Zweikampfverhalten.

Boulahrouz, Khalid – 7/10

Hat sich in seinem vierten Jahr endlich, wenn auch zu spät, etabliert und seine stabilste Saison gespielt. Nachdem er die Jahre zuvor, wenn er denn mal spielte, immer zw. IV und RV gewechselt ist, hat er diese Saison bis zu seiner Verletzung die starke Phase als RV zum Ende der Rückrunde der Vorsaison bestätigt und zumindest dafür gesorgt, dass die Position besetzt war, wenn auch in meinen Augen nicht sonderlich gut, da es Boulahrouz für diese Position einfach fussballerisch fehlt, auch wenn er in 1-2 Spielen (Hoffenheim, welches wohl auch ironischerweise sein letztes Spiel für den VfB sein wird) auch eben diese Qualitäten andeuten konnte. Hat es allerdings wie auch Boka nie geschafft, sich hier zu etablieren und hat für sein kolpotiertes Gehalt als einer der Spitzenverdiener einfach zu wenig gebracht und muss deswegen abgegeben werden. 64 Spiele in 4 Jahren sind für einen der Spitzenverdiener einfach zu wenig. Unvergessen allerdings sein Torjubel gg. Freiburg.

Celozzi, Stefano – nicht zu bewerten

Hat hier de facto diese Saison noch seinen Vertrag ausgesessen, hatte nur 2 Einsätze. Einer davon in der Hinrunde in Berlin, als Boulahrouz gesperrt war, und dann der nicht nur für mich komplett unverständliche Einsatz in Gelsenkirchen zum Beginn der Rückrunde, obwohl schon damals klar war, dass Celozzi hier keine Perspektive mehr hat. Seit Mitte Februar suspendiert (Zufall, dass mit der Suspendierung Celozzis der zumindest ergebnistechnische Aufschwung begann? Wohl ja). Konnte trotz zahlreicher Chancen nach seinem Wechsel aus Karlsruhe nie auch nur ansatzweise seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis stellen.

Delpierre, Matthieu – nicht zu bewerten

Schade, dass einer der dienstältesten Spieler im Kader mit so einer verkorksten Saison Abschied nehmen muss. War nach der im Mai 2011 erlittenen Muskelverletzungen lange verletzt, flog dann in „Aufbaueinsatz“ bei den Amateuren vom Platz und wurde in letzter Zeit von Labbadia schlichtweg nicht mehr berücksichtigt. Auch wenn er nach Hoffenheim geht, wünsche ich ihm alles Gute und werde ihn immer in guter Erinnerung behalten. Merci beaucoup für 8 Jahre VfB, Matthieu!

Rodriguez, Francisco “Maza” – 6/10

Neuzugang, kam im Sommer als Ersatz für den verletzten Delpierre aus Eindhoven. Ist am Anfang gut eingeschlagen und hatte grossen Anteil daran, dass die Mannschaft am Anfang der Saison zumindest defensiv sehr solide auftrat, ehe es dann bei ihm mit dem Platzverweis in Mainz einen Bruch gab. Konnte danach nie wieder so richtig an die soliden Leistungen davor anknüpfen und verlor im Februar seinen Platz an Georg Niedermeier. Dürfte auch nächste Saison als IV #3 eingeplant sein.

Molinaro, Cristian – 6/10

Suchte auch in seiner zweiten vollen Saison beim VfB weiterhin seine tolle Form aus der Rückrunde der Saison 2009-2010 und pendelte zwischen Platz, Bank und Tribüne. Ist einer der wenigen echten Aussen im Kader, der auch mal die Aussenlinie besetzen und bis zur Grundlinie gehen kann, leidet aber etwas an Unkonstanz und konnte erst zum Saisonende seinen nach dem Platzverweis in Leverkusen im Februar verlorenen Stammplatz wieder zurückerobern. Auch wenn es Gerüchte um einen Abgang gibt, sollte er dringend gehalten werden, eben auch weil es in meinen Augen kompletter Wahnsinn wäre bei einem traditionell beschränkten Budget in einem Sommer gleich 4 Aussenverteidiger abzugeben. Auch wenn ein Celozzi bspw. kein Verlust ist, so muss seine Kaderposition trotzdem neu besetzt werden.

Niedermeier, Georg – 7/10

Wohl der Aufsteiger der Saison. In der Vorsaison noch – zu Recht! – viel gescholten und meist wegen seiner technischen Schwächen belächelt, strafte er jeden – auch mich – Lügen und bestätigte Labbadias Vertrauen, der ihn für Maza in die Startelf brachte.  Spielt seitdem einen stocksoliden Abräumer, der auch tlw. fussballerisch glänzen konnte (man erinnere sich an seine Vorarbeit zum Tor von Ibisevic in Dortmund). Erlitt kurz vor Saisonbeginn einen Ermüdungsbruch und fiel deswegen für quasi die komplette Vorrunde aus.

Rüdiger, Antonio – nicht zu bewerten

Kam in der Winterpause 2011 aus Dortmunds U19 und war wegen des sehr kurzfristigen Transfers bis Sommer gesperrt. War nach dem Wintertrainingslager kurrzzeitig im Profikader und kam gg. Gladbach auch zu seinem Bundesligadebüt auf der ungewohnten Rechtsverteidigerposition, nur wurde er wie Holzhauser danach von Labbadia quasi ignoriert und kehrte dann zum Sammeln von Spielpraxis zurück zu den Amateuren. Wird wie Stöger und Holzhauser im Sommer fest in den Profikader übernommen werden und dürfte als IV#4 eingeplant sein.

Sakai, Gotoku – 8/10

Mit Abstand DIE Entdeckung der Saison, und das nicht nur zwingend beim VfB Stuttgart. Schon im Sommer gehandelt, wurde er dann im Januar leihweise bis Sommer 2013 verpflichtet und kam dann eigentlich eher zufällig aus Personalnot in die Mannschaft und ist mittlerweile nicht mehr aus dieser wegzudenken. Ein richtig kultivierter Aussenverteidiger, der rechts wie links spielen kann und lt. eigener Aussage selber nicht so richtig weiß, welcher Fuss stärker ist. Wurde von Marco Hagemann während dem Spiel in Augsburg scherzhaft als japanischer Philipp Lahm bezeichnet, für mich ist Lahm der deutsche Gotoku Sakai. Kann – und wird – für eine „niedrige sechsstellige Summe“ fest verpflichtet werden und seine starken Leistungen haben mtlw. sogar schon dafür gesorgt, dass man beim DFB auf ihn aufmerksam geworden ist. Sakai ist zwar Japaner, hat aber eine deutsche Mutter und noch kein Pflichtländerspiel für Japan bestritten. Vom Preis/Leistungsverhältnis her die beste Verpflichtung seit Jahren.

Tasci, Serdar – 8/10

O Captain, my captain! Spielte seine IMO beste und konstanteste Saison im Trikot des VfB Stuttgart und wurde auch völlig zu Recht in der Winterpause als Nachfolger von Matthieu Delpierre zum Kapitän bestimmt. Wird nicht nur bundesweit in meinen Augen teilweise massiv unterschätzt und war der in meinen Augen mit Abstand konstanteste Feldspieler in einer Saison, die er fast ohne grosse Ausrutscher nach unten leider mit der in Köln erlittenen Bänderverletzung vorzeitig beenden musste.

MITTELFELD

Audel, Johan – nicht zu bewerten

Hat diese Saison nach seiner schweren Knieverletzung keine Minute gespielt und hofft lt. eigener Aussage nach der Sommerpause wieder so weit zu sein, dass er in der Vorbereitung „voll angreifen“ kann.

Bah, Mamadou – nicht zu bewerten

Seit 2 Jahren beim Verein und keiner kann ihn bewerten, da man ihn so gut wie noch nie jemand spielen gesehen hat. 152 BL-Einsatzminuten und  5 5 Einsätze seit Sommer 2010.

Gebhart, Timo – nicht zu bewerten

Mobbingopfer von Bruno Labbadia, der hier leider eine Saison verschenkt hat und im Sommer den Verein wohl leider verlassen wird, auch wenn er in meinen Augen der beste Fussballer im Kader ist. Verpasste wegen seiner Sprunggelenkverletzung aus der Vorsaison grosse Teile der Vorbereitung und kam bis Dezember in der Hinserie nie über Kurzeinsätze hinaus. Rutschte in den letzten beiden Hinrundenspielen in die Startaufstellung, nur musste er dort als Aussenverteidiger aushelfen und nachdem er sich nach einer guten Vorbereitung in der Winterpause am Tag vor dem Rückrundenstart verletzte, war de facto auch seine Saison beendet, denn seitdem wird er von Labbadia entweder komplett ignoriert oder maximal zum Zeitschinden eingewechselt, wenn er denn überhaupt mal auf die Bank darf. In meinen Augen DAS Paradebeispiel dafür, dass sich Labbadia leider viel zu häufig den einfachen Weg des geringen Widerstandes sucht, Herausforderungen aus dem Weg geht und jüngere Spieler tlw. komplett ignoriert.

Gentner, Christian – 6/10

Besser wie seine erste Saison nach der Rückkehr, aber in meinen Augen immer noch bei Weitem nicht das, was man sich damals erhoffte und bei seinem kolpotierten Gehalt erwarten muss. Pendelte die meiste Zeit der Saison zw. dem Platz und der Bank während Labbadia fleissig Kuzmanovic und Gentner in der Startelf austauschte und hatte jeweils zum Ende der Halbsaison hin ansehnliche Phasen, nur ist es unterm Strich einfach viel zu wenig und ich wage zu bezweifeln, dass er es hier jemals wirklich packen wird. Rein von seinen fussballerischen Fähigkeiten her einer der besten Spieler im Kader, nur ist er mir im Kopf tlw. einfach zu langsam und würde von seiner Spielweise her besser nach Spanien oder Italien passen. Gentner ist ein Spieler, der permanent Arschtritte und Druck braucht – eben deswegen ist es auch kein grosser Wunder, dass er die beste Phase seiner Karriere unter einem Trainer hatte, der einzig und allein mit Druck arbeitet, Felix Magath.

Hajnal, Tamas – 6/10

Konnte in keinster Weise an die Vorsaison anknöpfen und ist einfach ein Spieler, der einen nicht sonderlich weiterbringt. Hat sicherlich eine recht ansehnliche Scorerstatistik, nur hat er sich über weite Strecken der Saison versteckt und durfte mangels echten Alternativen auf seiner Position (Gebhart wurde ja gemobbt) trotzdem immer spielen. Hajnal ist Mittelmass und es darf nicht nochmal eine Saison geben, in der man einen solchen Durchschnittskicker durchschleppt und das komplette Offensivspiel an dieser Person hängt. Hat sich zwar Mitte der Vorrunde gefangen und ist relativ passsicher, muss allerdings dringend Konkurrenz kriegen.

Kuzmanovic, Zdravko – 7/10

Sicherster Elfmeterschütze beim VfB seit Menschengedenken und ein in meinen Augen von seinen Anlagen her toller Spieler, der es allerdings leider bisher noch nicht geschafft hat, sein Potential wirklich auszuschöpfen. Läßt in manchen Spielen und Momenten sein Können aufblitzen, nur wirkt er auf mich tlw. immer als, wenn er mit angezogener Handbremse spielt. Gilt wg. seiner Vertragssituation als Verkaufskandidat für den Sommer.

Kvist, William – 7/10

Grundsolider Spieler, der sehr stark anfing, dann stark nachließ und sich jetzt zum Ende der Saison wieder gefangen hat. Bringt mir tlw. nach vorne etwas zu wenig, nur würde das vlt. bei einem anderen Nebenmann weniger auffallen. Guter Einkauf, an dem man wenig aussetzen kann. Was er macht hat in den meisten Fällen Hand und Fuss und macht Sinn.

Traore, Ibrahima – nicht zu bewerten

Kam bei 11 Einsätzen nur zu einem Startelfeinsatz gg. sein Ex-Team aus Augsburg und wurde in der Rückrunde nach 8 Einwechslungen in der Hinserie so gut wie gar nicht mehr gesehen. Schneller, dribbelstarker Aussenspieler, der es wohl körperlich leider nicht in der Bundesliga packen wird.

Holzhauser, Raphael – nicht zu bewerten

Wurde nach der Wintervorbereitung zeitweise in den Profikader übernommen, kam zum Anfang der Rückrunde auch zu 2 Kurzeinsätzen, und durfte danach quasi nur noch Däumchen drehend auf der Bank sitzen, ehe man dann ein Einsehen hatte und ihm unten wieder Spielpraxis verschafft hat. Soll sich seiner zweifelsohne vorhandenen Qualität durchaus bewusst sein und soll sich tlw. zu sehr auf sein Talent verlassen, was einem Labbadia natürlich gar nicht gefällt, denn Bruno will Arbeiter und keine Fussballer. Soll und wird im Sommer fest in den Profikader übernommen. Neben Kevin Stöger meine größte Hoffnung was eine dringend benötigte Blutzufuhr im zentralen Mittelfeld betrifft. Fussballerisch begnadet, man muss ihn nur fördern und reizen.

STURM

Cacau – 6/10

Der Absteiger der Saison. In der Hinrunde als Vertreter des verletzten Delpierre noch Stammspieler mit Kapitänsbinde, verlor er in der Winterpause nicht nur die Binde an Tasci und seinen Sitz im Mannschaftsrat, sondern auch seinen Stammplatz an den Neueinkauf Ibisevic. Lieber und netter Kerl, der ausserhalb des Platzes sicherlich als Vorbild taugt, zeigt er auf dem Platz dann doch leider viel zu häufig sein altbekanntes Gesicht und rennt, sobald ihm der Ball zugespielt wird, mit Scheuklappen in Richtung Tor und streitet mit so ziemlich jeder Person, die ihm gerade vor die Augen tritt, wenn es bei ihm gerade mal nicht läuft. Wertschätzung ist keine Einbahnstrasse und Cacau ist wenig überraschend seit seiner Vertragsverlängerung so ziemlich alles schuldig geblieben und ist der gleiche Cacau geblieben, ein höchst unkonstanter Egoist, der seine Klasse maximal in Phasen andeuten kann, ehe er sich dann wieder zum Schmollen in sein Schneckenhaus verkriecht.

Harnik, Martin – 9/10

Die Bewertung oben bezieht sich auf das Gesamtergebnis für diese Saison, wenn ich die Konstanz mitberücksichtigen würde, würde meine Bewertung einen Punkt schlechter ausfallen.

Für die meisten ist der Topscorer und Publikumsliebling wohl der VfB-Spieler der Saison. 17 Tore und 25 Scorerpunkte sprechen für einen meist im Mittelfeld eingesetzten Spieler eine sehr deutliche Sprache, auch wenn – wie oben angesprochen – die Konstanz nicht sein größter Freund ist und er als gelernter Stürmer für die Aussenposition keine Idealbesetzung ist. Hat in der Winterpause seinen Vertrag vorzeitig bis 2016 verlängert und dürfte neben dem ebenfalls langfristig gebundenen Sven Ulreich  für die nächsten Jahre eines der Gesichter der Mannschaft werden.

Ibisevic, Vedad – 8/10

Stareinkauf der Winterpause und endlich mal ein teurer VfB-Transfer, der sein Geld auch wirklich wert ist. Einer der Hauptgründe für den ergebnistechnischen und spielerischen Aufschwung der Rückrunde, so hatte er mit 8 Toren und 7 Assists in 14 Spielen einen sehr grossen Anteil am Erreichen der internationalen Plätze und konnte mehr als nur erahnen lassen, wieso er 08-09 18 Tore während einer Halbserie erzielt hat. Während man sich in der Hinserie mit Cacau als Sturmführer eher schlecht als recht durchgeschleppt hat, hat man jetzt mit Ibisevic einen Spieler, der weit mehr ist als ein reiner Knipser, und echte Qualität reinbringt.

Okazaki, Shinji – 7/10

In der Hinrunde noch unumstrittener Stammspieler auf dem linken Flügel der 3er Reihe im 4-2-3-1, so mußte sich der gelernte Stürmer in der Rückrunde zeitweise seinen Platz mit dem wiedergenesenen Julian Schieber teilen. 7 Tore sind eine sehr ordentliche Bilanz wenn man bedenkt, dass er so gut wie nie vorne spielen durfte (zum Vergleich Okazaki 7 Tore in 1561 Minuten, Cacau 7 Tore in 1965 Minuten), allerdings ist auch er – analog zu Harnik – keine Idealbesetzung für die Aussenposition im Mittelfeld, da es einem mit 2 gelernten Stürmern auf den Aussenpositionen schwer fällt, das Spiel in die Breite zu ziehen und weder Harnik noch Okazaki die Typen sind, die von ihren technischen Fähigkeiten her auch mal ins 1 gg. 1 gehen können.

Schieber, Julian – 6/10

Reiner Arbeiter und kein Fussballer. Hatte nach der guten Saison in Nürnberg Pech, dass er als Folge seines Muskelbündelrisses mehr oder minder die komplette Hinrunde verpasste und dann die Sturmposition mit Ibisevic besetzt war, allerdings hat er in meinen Augen auch schlichtweg nicht die fussballerische Qualität und Klasse, um sich hier durchzusetzen. Hatte selbst während seiner Saison in Nürnberg eine schlechtere Torquote als Pavel Pogrebnyak in seiner gesamten Zeit beim VfB Stuttgart. Ich hoffe inständig, dass man bei ihm nix dummes macht und ihm hier nen Wahnsinnsvertrag gibt, nur weil’s ein Eigengewächs ist.

Hemlein, Christoph – nicht zu bewerten

Entschied sich vor der Saison trotz Interesse von Borussia Dortmund zu einem Wechsel von Hoffenheim 2 zum VfB und schlug in der Vorrunde so gut ein, dass er – als bei den Profis personeller Notstand herrschte – sogar zu seinem BL-Debüt kam, nur hat man danach auch bei den Amateuren mit Ausnahme eines idiotischen Platzverweises gg. Bielefeld nicht mehr sonderlich viel von ihm gesehen.

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