#Auswärtsspiel – bei 11Freunde nur auf der Ersatzbank

21 Sep

Die Fußballzeitschrift “11 Freunde” hat die wunderbar lesenswerte Rubrik “Auswärtsspiel”. Meinen Artikel zum Erstliga-Spiel auf den Seychellen hat es leider nicht in das Magazin geschafft, aber diese fußballerische Perle möchte ich nicht versanden lassen und so stelle ich sie an dieser Stelle zum Lesen ein:

Seychelles Division One: Saint Louis Suns United – Light Stars FC
Hauptinsel Mahe, 31. August 2013
Stade Linité, ca. 150 Zuschauer

Ein Land, in dem selbst der Wirtschaftsminister eingewechselt wird, scheint ein besonders fußballverrücktes zu sein.

Auf dem Festland in Afrika bekäme die Nationalmannschaft immer die Hucke voll, teilt mir mein Sitznachbar im Stade Linité mit, aber die Vereinsspiele auf den Inseln würden dafür mit umso größerer Leidenschaft ausgetragen. Ein fußballverrücktes Land sind die Seychellen, in den Straßen sieht man die Kinder mit ihren Messi- und Ronaldotrikots den Bällen hinterherflitzen, im Fernsehen laufen Premier-League und Bundesliga und die Spieler der Profiliga, die neben dem Fußballspielen einem Brotberuf nachgehen müssen, geniessen weitreichende Popularität auf den über unzähligen Inseln der Seychellen. Dabei gerät fast jedes Inselduell zu einem Derby (kein Wunder, wenn man mit Viktoria die kleinste Hauptstadt der Welt sein eigen nennt) und auch mein mitteilungsfreudiger, dauerkartenbesitzender Nachbar war mit zwei Spielern des Teams um acht Ecken verwandt. Dies erklärte mir auch, warum es auf der ganzen Insel keine Hausnummern gibt und die Post trotzdem zuverlässig ankommt: man kennt sich, wozu dann eine überflüssige Nummer einführen?

Die Fußballbegeisterung des kleinen Landes merkte man während des Spiels an den mehrstimmigen Gesängen, dem rhythmischen Dauerklatschen und Fußstampfen (die armen Plastiksitze) und der pausenlosen, reinrufenden Dauerkommentierung. Insgesamt herrschte eine familiäre und friedliche Stimmung (Jeder Auswechselspieler, der vom Platz und an Fans vorbeiging, wurde in ein amüsantes Gespräch mit der Haupttribüne verwickelt). Leider verlor sich jedoch die fanatischen Anfeuerungen der Haupttribüne im weiten Rund des doch in die Jahre gekommenen, tristen Betonbunkers. Die 10000 Plätze waren mit einem wackeren Häuflein von ca. 150 Zuschauern besetzt und das trotz eines Eintrittspreises von 5,5€: Das Spiel war das letzte, nur noch unbedeutende, Gruppenspiel, da Saint Louis sich bereits für die K.O.-Runde qualifiziert hatte, während die Lightstars ihr letztes Spiel der Saison bestritten. So machte sich eine zufriedene Stimmung über dem ganzen Stadion breit.

Ähnlich gelöst das Geschehen auf dem Rasen. Die Trainer experimentierten mit vielen Spielern von der Ersatzbank und es spielte sich ein munteres Treiben vor unseren Augen ab. Beide Teams in einer 4-4-2-Aufstellung ließen den nötigen Ernst vermissen und gaben Kunststückchen zum Besten, um den Gegner auf einem Seybrew-Bierdeckel austanzen zu können. Diese Kabinettstückchen endeten meist jedoch mit einem Fehlpass. St. Louis besaß etwas mehr Glück, so dass es mit einem 1:0 in die Kabinen ging. Zur zweiten Halbzeit setzte zustimmendes Gemurmel ein, der Wirtschaftsminister, ein bulliger Kerl Marke Rooney, wurde im defensiven Mittelfeld eingesetzt, der aber nur wenig Durchschlagkraft besaß. Mein Sitznachbar begann ab diesem Zeitpunkt von dieser jungen, aufstrebenden Mannschaft zu schwärmen und rechnete sich schon große Chancen auf die diesjährige Meisterschaft aus, die größten Konkurrenten waren ihm La Passe von der Nachbarinsel Praslin und St. Michel United aus derselben Stadt. Auch vergaß er zum wiederholten Male nicht, auf ihren seit 2001 als Fifa-Schiedsrichter pfeifenden Eddy Maillet hinzuweisen, der auf dem Festland in Afrika wahre Schiedsrichterwundertaten gepfiffen haben soll.

Auf dem Spielfeld entwickelte sich unterdessen ein zielstrebigeres Agieren auf die Tore zu. Die Heimmannschaft schoß aus einer schönen Aktion heraus das 2:0, woraufhin die Lightstars durch Unachtsamkeit in der Heim-Abwehr fünf Minuten später mit dem Anschlusstreffer nachzogen. Die Light Stars standen in dieser Phase durch gekonntes Passspiel dichter vor dem Ausgleich, Saint Louis setzte aber immer wieder Konter, die aber überhastet verhaspelt wurden. Zehn Minuten vor Schluss der Aufreger des Spiels: Nach einem Eckball und Verwirrung im Strafraum ob des Ballbesitzes flog besagtes Objekt einem Verteidiger an den Arm: Elfmeter! Kurz und schmerzlos ließ der Schütze mit einem humorlosen und trockenen Schuss ins linke obere Ecke dem Torwart keine Chance: 2:2.

Jetzt pfühlte sich Saint Louis an der Ehre gepackt und es kam zu wütenden Attacken Richtung Tor der Light Stars. Der Gegenteil trat ein: In der Nachspielzeit lief ein letzter Konter über drei Stationen und ein sehenswerter 25-Meter-Schuss markierte das 3:2 für die Light Stars. Der Schlusspfiff entließ die Zuschauer schiedlich-friedlich nach Hause. Manche schlachtbummelten prompt in die benachbarte Halle zum Damen-Basketball; die Seychellen, ein sportverrücktes Land auf der Weltkarte des Fußballs.

 

Bilder vom Spiel

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Der stolze Betonklotz des Stadium Linite

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Elfmeter

Zuschauer

Kaum gefüllte Haupttribüne

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Tor für die Gäste nach einer Ecke

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Mittelfeldgeplänkel

Trainee-Programm

29 Apr

Wer soll nächste Saison die Coaching-Zone ausfüllen und die Verantwortung über den Kader übernehmen?

Der propagierte Jugendwahn – natürlich werbewirksam in Szene gesetzt (ist spannend, wie das bei der Hauptversammlung medial aufbereitet wird) und natürlich richtig so, da dies einfach bei jedem Fan ankommt, wenn die Mannschaft aus dem Stuttgarter Kessel und Umland kommt (in Barcelona lief in der Saison 2012/2013 das Team einmal mit 11 Spielern aus dem eigenen Jugendzentrum La Masia auf!) – soll fortgesetzt werden.

Nur, unter welcher Ägide? Der letzte, der dies ab 2001 vorbildlich aufbaute, war der in Wolfsburg und Schalke verschriene Masseneinkäufer Felix Magath, aus Not in Stuttgart zum Jugenddompteur mutiert (erste Einwechslung von Mario Gomez!). Ab dieser Personalie war es erst wieder Thomas Schneider, der sich das engagierte Fördern der Jugend auf die Fahnen schrieb (wobei die Fußnote erlaubt sei, dass ein Timo Werner vom hübschen Bruno das erste Mal eingewechselt wurde). Oder kann sich noch jemand an einen Trapattoni erinnern, der auf alte Dänen setzte..

Verdienste hat sich Stevens in der kurzen Zeit bereits erworben und die Mannschaft steht deutlich stabiler als zuvor, nur murren bereits jetzt die Ersten, die seinen Spielstil zu erlebnisarm bezeichnen und gerne den vielbeschworenen Offensivfußball zelebriert sehen wollen. Hier ist bereits die Kritik angelegt, die später einmal zum Tragen kommen würde. Man bedenke aber in diesem Zusammenhang, dass eine Defensivtaktik wie bei Chelsea hässlich aussieht, aber leider auch in den letzten Jahren sehr erfolgreich war. Also, warum nicht einen Fährmann nehmen, der das Schiff nach dieser Chaossaison in ruhige Gewässer führt und langsam aufbaut? Ich sehe keinen Grund, was dagegen sprechen sollte.

Oder soll man das Ruder rumreißen und einen jungen, aufstrebenden Trainer holen, der den “Stuttgarter Weg”, wie ihn auch Bernd Wahler propagiert, mit neuem Leben einhaucht? Nur, wer steht dafür zur Verfügung und hat bereits genug Erfahrung, dass das Unternehmen glückt? Marc Kienle (wobei sein Abschied kein schöner war)? Wiesinger (zu erfolglos)? … Mir fehlt die Fantasie, hier einen perfekten Kandidaten zu benennen.

Also doch einen erfahrenen Trainer wie Rangnick? Er setzt auf die Jugend und kann etwas aufbauen (man fahre nach Sinsheim und schaue es sich an). Aber ist er von Red Bull loslösbar?

Wie wäre es denn – und hier kommt mein Geheimtipp – mit Geertjan Verbeek? Er hinterließ einen positiven Eindruck, steht auf Offensivfußball und kann etwas aufbauen, besonders mit jungen Spielern. Erfahren genug ist er zudem und von seiner Biographie eine sehr interessante Persönlichkeit.

Daher, wenn Stevens nicht will oder sich der VfB dagegen entscheidet (was sehr schade wäre), dann machen wir weiter mit einem weiteren schillernden Holländer:)

 

Glückliches Ende einer chaotischen Saison

27 Apr

Noch so eine Saison und mein Herz macht das nicht mehr länger mit (oder auch meine Frau;)).

Fragt gerne auch nach bei anderen Leidensgenossen. Ein Auf und Ab und als Stevens noch nicht richtig in der Spur war und man in Nürnberg eine abstiegsreife Leistung zeigte und Schalke, Wolfsburg, Bayern noch warteten, konnte einem schon Angst und Bange werden um diese sympathischen Verein aus dem Schwabenländle.

Aber, ich atme auf. Es sind noch zwei Spieltage und der VfB hat 5 Punkte vor dem Relegationsplatz und 6 Punkte vor Nürnberg mit 17 Toren positiver Tordifferenz. Ich glaube nicht daran, dass HSV noch zweimal gewinnt (besonders nach der Leistung heute in Augsburg), insbesondere, dass es nächste Woche nach München geht (ja, in seltenen Fällen haben die Bayern auch mal etwas Gutes).

Ebenso wird der Club noch eine Toraufholjagd hinlegen und die Kurve kriegen, höchstens in die Relegation könnten sie es noch schaffen. Falls alle Stricke reißen und landauf-landab Wunder geschehen und der VfB zusätzlich alles verliert, dann wartet wohl Paderborn als Aufgabe – machbar (ohne in Arroganz zu fallen, aber mit Stevens Defensivsystem gelingbar).

Ich bin auch nicht in Siegesstimmung, sondern einfach nur erleichtert-beschwingt. Und Vorfreude auf die neue Saison, um diese Katastrophe schnell zu vergessen. Ich beschäftige mich in einem der nächsten Beiträge um die kommende Kaderplanung.

Ostergeschenk

20 Apr

Heute gilt es, Schalke ein Ei ins Tor zu legen. Oder auch zwei, besser ist das. Das Fanspalier heute um 15:45h ist erneut eine tolle Idee, wie der Verein unterstützt wird. Flagge zeigen! Die Chance, gegen einen höherpositionierten Verein in der Liga zu punkten, ist keine geringe, die Statistik (die ich auch nur bemühe, wenn sie mir nutzt;)) spricht eindeutig für den VfB, das Stadion ist ausverkauft und die Spielanlage von Schalke kommt dem VfB entgegen. Stevens ist persönlich involviert, da es gegen “seinen” Verein geht und die Ergebnisse der anderen Spiele weisen den VfB auf einen guten Weg. Warum also nicht. Frohe Ostern!

Bild

Gruezo vom Tabellenkeller

16 Apr

Die Hoffnung steigt, das Programm wird nicht leichter, aber die neuen Mechanismen greifen: Trainer weiß, was er tut. Abwehr viel stabiler und das Mittelfeld glänzt. Das kann was werden bis zum 34. Spieltag:)

Zudem Hamburg, Nürnberg und Braunschweig sich momentan auch mit wenig Ruhm bekleckern. Wir warten die Spieltage ab.

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