Saisonrückblick 2011-2012 mit Einzelbewertung

2 Mai

Da mir gestern am Feiertag etwas langweilig war und ich nix besseres zu tun hatte, hab ich mich mal hingesetzt und meine Gedanken zu jedem an den ersten 33. Spieltagen diese Saison eingesetzten Spieler niedergeschrieben. Viel Spaß beim Lesen.

TOR

Ulreich, Sven – 8/10

Hat trotz der Unruhe zum Saisonbeginn im Zuge der Leno-Leihe in dieser Saison seine starken Leistungen aus der Rückrunde der Vorsaison bestätigt und trug so auch dazu bei, dass der Verein im Dezember Leno für abkömmlich hielt und ihn für kolpotierte 7,5m € endgültig nach Leverkusen ziehen ließ. Wurde im Januar für seine starken Leistungen folgerichtig mit einer langfristigen Vertragsverlängerung belohnt. Hatte nur 2-3 Spiele mit grösseren Fehlern diese Saison und war unterm Strich sehr, sehr solide und hat insbesondere im Bereich Strafraumbeherrschung einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Ich sehe – leider – immer noch tlw. eklatante und in meinen Augen nicht mehr auszumerzende Schwächen im fussballerischen Bereich, weswegen ich mit ihm wohl auch als Torwart nie so richtig warm werden werde, aber das ist bei Torhütern auch Geschmackssache, ob man eher den modernen Typ Neuer oder den Typen Wiese will.

Ziegler, Marc – keine Wertung

Kein Einsatz, soll nächste Saison auf der Bank für Andre Weis platzmachen und wird wohl auch 2013 seine Karriere beenden.

ABWEHR

Boka, Arthur – 6/10

Man ist fast gewillt zu sagen: Eine absolut typische Saison für Arthur Boka. Konnte sich auch in seiner mittlerweile schon sechsten Saison beim VfB nie richtig etablieren (nur eine Saison mit mehr als 20 Einsätzen und insgesamt nur 103 BL-Einsätze in 6 Jahren) und man muss im Sommer seinen Vertrag auslaufen lassen. Hat in der Rückrunde nach der Verletzung von Boulahrouz und dem Positionswechsel von Sakai für viele unverständlicherweise nochmal eine Chance gekriegt und konnte auch diese erneute Chance nicht nutzen. Ist mittlerweile auch schon 29 und er sollte sich auch im Eigeninteresse im Sommer einen neuen Verein suchen. Der Verein kommt mit solchen Spielern – auch als Backups – einfach nicht voran. Ich mag ihn als Person, aber fussballerisch hat er einfach zu viele Schwächen im Defensivbereich, insbesondere beim Zweikampfverhalten.

Boulahrouz, Khalid – 7/10

Hat sich in seinem vierten Jahr endlich, wenn auch zu spät, etabliert und seine stabilste Saison gespielt. Nachdem er die Jahre zuvor, wenn er denn mal spielte, immer zw. IV und RV gewechselt ist, hat er diese Saison bis zu seiner Verletzung die starke Phase als RV zum Ende der Rückrunde der Vorsaison bestätigt und zumindest dafür gesorgt, dass die Position besetzt war, wenn auch in meinen Augen nicht sonderlich gut, da es Boulahrouz für diese Position einfach fussballerisch fehlt, auch wenn er in 1-2 Spielen (Hoffenheim, welches wohl auch ironischerweise sein letztes Spiel für den VfB sein wird) auch eben diese Qualitäten andeuten konnte. Hat es allerdings wie auch Boka nie geschafft, sich hier zu etablieren und hat für sein kolpotiertes Gehalt als einer der Spitzenverdiener einfach zu wenig gebracht und muss deswegen abgegeben werden. 64 Spiele in 4 Jahren sind für einen der Spitzenverdiener einfach zu wenig. Unvergessen allerdings sein Torjubel gg. Freiburg.

Celozzi, Stefano – nicht zu bewerten

Hat hier de facto diese Saison noch seinen Vertrag ausgesessen, hatte nur 2 Einsätze. Einer davon in der Hinrunde in Berlin, als Boulahrouz gesperrt war, und dann der nicht nur für mich komplett unverständliche Einsatz in Gelsenkirchen zum Beginn der Rückrunde, obwohl schon damals klar war, dass Celozzi hier keine Perspektive mehr hat. Seit Mitte Februar suspendiert (Zufall, dass mit der Suspendierung Celozzis der zumindest ergebnistechnische Aufschwung begann? Wohl ja). Konnte trotz zahlreicher Chancen nach seinem Wechsel aus Karlsruhe nie auch nur ansatzweise seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis stellen.

Delpierre, Matthieu – nicht zu bewerten

Schade, dass einer der dienstältesten Spieler im Kader mit so einer verkorksten Saison Abschied nehmen muss. War nach der im Mai 2011 erlittenen Muskelverletzungen lange verletzt, flog dann in „Aufbaueinsatz“ bei den Amateuren vom Platz und wurde in letzter Zeit von Labbadia schlichtweg nicht mehr berücksichtigt. Auch wenn er nach Hoffenheim geht, wünsche ich ihm alles Gute und werde ihn immer in guter Erinnerung behalten. Merci beaucoup für 8 Jahre VfB, Matthieu!

Rodriguez, Francisco “Maza” – 6/10

Neuzugang, kam im Sommer als Ersatz für den verletzten Delpierre aus Eindhoven. Ist am Anfang gut eingeschlagen und hatte grossen Anteil daran, dass die Mannschaft am Anfang der Saison zumindest defensiv sehr solide auftrat, ehe es dann bei ihm mit dem Platzverweis in Mainz einen Bruch gab. Konnte danach nie wieder so richtig an die soliden Leistungen davor anknüpfen und verlor im Februar seinen Platz an Georg Niedermeier. Dürfte auch nächste Saison als IV #3 eingeplant sein.

Molinaro, Cristian – 6/10

Suchte auch in seiner zweiten vollen Saison beim VfB weiterhin seine tolle Form aus der Rückrunde der Saison 2009-2010 und pendelte zwischen Platz, Bank und Tribüne. Ist einer der wenigen echten Aussen im Kader, der auch mal die Aussenlinie besetzen und bis zur Grundlinie gehen kann, leidet aber etwas an Unkonstanz und konnte erst zum Saisonende seinen nach dem Platzverweis in Leverkusen im Februar verlorenen Stammplatz wieder zurückerobern. Auch wenn es Gerüchte um einen Abgang gibt, sollte er dringend gehalten werden, eben auch weil es in meinen Augen kompletter Wahnsinn wäre bei einem traditionell beschränkten Budget in einem Sommer gleich 4 Aussenverteidiger abzugeben. Auch wenn ein Celozzi bspw. kein Verlust ist, so muss seine Kaderposition trotzdem neu besetzt werden.

Niedermeier, Georg – 7/10

Wohl der Aufsteiger der Saison. In der Vorsaison noch – zu Recht! – viel gescholten und meist wegen seiner technischen Schwächen belächelt, strafte er jeden – auch mich – Lügen und bestätigte Labbadias Vertrauen, der ihn für Maza in die Startelf brachte.  Spielt seitdem einen stocksoliden Abräumer, der auch tlw. fussballerisch glänzen konnte (man erinnere sich an seine Vorarbeit zum Tor von Ibisevic in Dortmund). Erlitt kurz vor Saisonbeginn einen Ermüdungsbruch und fiel deswegen für quasi die komplette Vorrunde aus.

Rüdiger, Antonio – nicht zu bewerten

Kam in der Winterpause 2011 aus Dortmunds U19 und war wegen des sehr kurzfristigen Transfers bis Sommer gesperrt. War nach dem Wintertrainingslager kurrzzeitig im Profikader und kam gg. Gladbach auch zu seinem Bundesligadebüt auf der ungewohnten Rechtsverteidigerposition, nur wurde er wie Holzhauser danach von Labbadia quasi ignoriert und kehrte dann zum Sammeln von Spielpraxis zurück zu den Amateuren. Wird wie Stöger und Holzhauser im Sommer fest in den Profikader übernommen werden und dürfte als IV#4 eingeplant sein.

Sakai, Gotoku – 8/10

Mit Abstand DIE Entdeckung der Saison, und das nicht nur zwingend beim VfB Stuttgart. Schon im Sommer gehandelt, wurde er dann im Januar leihweise bis Sommer 2013 verpflichtet und kam dann eigentlich eher zufällig aus Personalnot in die Mannschaft und ist mittlerweile nicht mehr aus dieser wegzudenken. Ein richtig kultivierter Aussenverteidiger, der rechts wie links spielen kann und lt. eigener Aussage selber nicht so richtig weiß, welcher Fuss stärker ist. Wurde von Marco Hagemann während dem Spiel in Augsburg scherzhaft als japanischer Philipp Lahm bezeichnet, für mich ist Lahm der deutsche Gotoku Sakai. Kann – und wird – für eine „niedrige sechsstellige Summe“ fest verpflichtet werden und seine starken Leistungen haben mtlw. sogar schon dafür gesorgt, dass man beim DFB auf ihn aufmerksam geworden ist. Sakai ist zwar Japaner, hat aber eine deutsche Mutter und noch kein Pflichtländerspiel für Japan bestritten. Vom Preis/Leistungsverhältnis her die beste Verpflichtung seit Jahren.

Tasci, Serdar – 8/10

O Captain, my captain! Spielte seine IMO beste und konstanteste Saison im Trikot des VfB Stuttgart und wurde auch völlig zu Recht in der Winterpause als Nachfolger von Matthieu Delpierre zum Kapitän bestimmt. Wird nicht nur bundesweit in meinen Augen teilweise massiv unterschätzt und war der in meinen Augen mit Abstand konstanteste Feldspieler in einer Saison, die er fast ohne grosse Ausrutscher nach unten leider mit der in Köln erlittenen Bänderverletzung vorzeitig beenden musste.

MITTELFELD

Audel, Johan – nicht zu bewerten

Hat diese Saison nach seiner schweren Knieverletzung keine Minute gespielt und hofft lt. eigener Aussage nach der Sommerpause wieder so weit zu sein, dass er in der Vorbereitung „voll angreifen“ kann.

Bah, Mamadou – nicht zu bewerten

Seit 2 Jahren beim Verein und keiner kann ihn bewerten, da man ihn so gut wie noch nie jemand spielen gesehen hat. 152 BL-Einsatzminuten und  5 5 Einsätze seit Sommer 2010.

Gebhart, Timo – nicht zu bewerten

Mobbingopfer von Bruno Labbadia, der hier leider eine Saison verschenkt hat und im Sommer den Verein wohl leider verlassen wird, auch wenn er in meinen Augen der beste Fussballer im Kader ist. Verpasste wegen seiner Sprunggelenkverletzung aus der Vorsaison grosse Teile der Vorbereitung und kam bis Dezember in der Hinserie nie über Kurzeinsätze hinaus. Rutschte in den letzten beiden Hinrundenspielen in die Startaufstellung, nur musste er dort als Aussenverteidiger aushelfen und nachdem er sich nach einer guten Vorbereitung in der Winterpause am Tag vor dem Rückrundenstart verletzte, war de facto auch seine Saison beendet, denn seitdem wird er von Labbadia entweder komplett ignoriert oder maximal zum Zeitschinden eingewechselt, wenn er denn überhaupt mal auf die Bank darf. In meinen Augen DAS Paradebeispiel dafür, dass sich Labbadia leider viel zu häufig den einfachen Weg des geringen Widerstandes sucht, Herausforderungen aus dem Weg geht und jüngere Spieler tlw. komplett ignoriert.

Gentner, Christian – 6/10

Besser wie seine erste Saison nach der Rückkehr, aber in meinen Augen immer noch bei Weitem nicht das, was man sich damals erhoffte und bei seinem kolpotierten Gehalt erwarten muss. Pendelte die meiste Zeit der Saison zw. dem Platz und der Bank während Labbadia fleissig Kuzmanovic und Gentner in der Startelf austauschte und hatte jeweils zum Ende der Halbsaison hin ansehnliche Phasen, nur ist es unterm Strich einfach viel zu wenig und ich wage zu bezweifeln, dass er es hier jemals wirklich packen wird. Rein von seinen fussballerischen Fähigkeiten her einer der besten Spieler im Kader, nur ist er mir im Kopf tlw. einfach zu langsam und würde von seiner Spielweise her besser nach Spanien oder Italien passen. Gentner ist ein Spieler, der permanent Arschtritte und Druck braucht – eben deswegen ist es auch kein grosser Wunder, dass er die beste Phase seiner Karriere unter einem Trainer hatte, der einzig und allein mit Druck arbeitet, Felix Magath.

Hajnal, Tamas – 6/10

Konnte in keinster Weise an die Vorsaison anknöpfen und ist einfach ein Spieler, der einen nicht sonderlich weiterbringt. Hat sicherlich eine recht ansehnliche Scorerstatistik, nur hat er sich über weite Strecken der Saison versteckt und durfte mangels echten Alternativen auf seiner Position (Gebhart wurde ja gemobbt) trotzdem immer spielen. Hajnal ist Mittelmass und es darf nicht nochmal eine Saison geben, in der man einen solchen Durchschnittskicker durchschleppt und das komplette Offensivspiel an dieser Person hängt. Hat sich zwar Mitte der Vorrunde gefangen und ist relativ passsicher, muss allerdings dringend Konkurrenz kriegen.

Kuzmanovic, Zdravko – 7/10

Sicherster Elfmeterschütze beim VfB seit Menschengedenken und ein in meinen Augen von seinen Anlagen her toller Spieler, der es allerdings leider bisher noch nicht geschafft hat, sein Potential wirklich auszuschöpfen. Läßt in manchen Spielen und Momenten sein Können aufblitzen, nur wirkt er auf mich tlw. immer als, wenn er mit angezogener Handbremse spielt. Gilt wg. seiner Vertragssituation als Verkaufskandidat für den Sommer.

Kvist, William – 7/10

Grundsolider Spieler, der sehr stark anfing, dann stark nachließ und sich jetzt zum Ende der Saison wieder gefangen hat. Bringt mir tlw. nach vorne etwas zu wenig, nur würde das vlt. bei einem anderen Nebenmann weniger auffallen. Guter Einkauf, an dem man wenig aussetzen kann. Was er macht hat in den meisten Fällen Hand und Fuss und macht Sinn.

Traore, Ibrahima – nicht zu bewerten

Kam bei 11 Einsätzen nur zu einem Startelfeinsatz gg. sein Ex-Team aus Augsburg und wurde in der Rückrunde nach 8 Einwechslungen in der Hinserie so gut wie gar nicht mehr gesehen. Schneller, dribbelstarker Aussenspieler, der es wohl körperlich leider nicht in der Bundesliga packen wird.

Holzhauser, Raphael – nicht zu bewerten

Wurde nach der Wintervorbereitung zeitweise in den Profikader übernommen, kam zum Anfang der Rückrunde auch zu 2 Kurzeinsätzen, und durfte danach quasi nur noch Däumchen drehend auf der Bank sitzen, ehe man dann ein Einsehen hatte und ihm unten wieder Spielpraxis verschafft hat. Soll sich seiner zweifelsohne vorhandenen Qualität durchaus bewusst sein und soll sich tlw. zu sehr auf sein Talent verlassen, was einem Labbadia natürlich gar nicht gefällt, denn Bruno will Arbeiter und keine Fussballer. Soll und wird im Sommer fest in den Profikader übernommen. Neben Kevin Stöger meine größte Hoffnung was eine dringend benötigte Blutzufuhr im zentralen Mittelfeld betrifft. Fussballerisch begnadet, man muss ihn nur fördern und reizen.

STURM

Cacau – 6/10

Der Absteiger der Saison. In der Hinrunde als Vertreter des verletzten Delpierre noch Stammspieler mit Kapitänsbinde, verlor er in der Winterpause nicht nur die Binde an Tasci und seinen Sitz im Mannschaftsrat, sondern auch seinen Stammplatz an den Neueinkauf Ibisevic. Lieber und netter Kerl, der ausserhalb des Platzes sicherlich als Vorbild taugt, zeigt er auf dem Platz dann doch leider viel zu häufig sein altbekanntes Gesicht und rennt, sobald ihm der Ball zugespielt wird, mit Scheuklappen in Richtung Tor und streitet mit so ziemlich jeder Person, die ihm gerade vor die Augen tritt, wenn es bei ihm gerade mal nicht läuft. Wertschätzung ist keine Einbahnstrasse und Cacau ist wenig überraschend seit seiner Vertragsverlängerung so ziemlich alles schuldig geblieben und ist der gleiche Cacau geblieben, ein höchst unkonstanter Egoist, der seine Klasse maximal in Phasen andeuten kann, ehe er sich dann wieder zum Schmollen in sein Schneckenhaus verkriecht.

Harnik, Martin – 9/10

Die Bewertung oben bezieht sich auf das Gesamtergebnis für diese Saison, wenn ich die Konstanz mitberücksichtigen würde, würde meine Bewertung einen Punkt schlechter ausfallen.

Für die meisten ist der Topscorer und Publikumsliebling wohl der VfB-Spieler der Saison. 17 Tore und 25 Scorerpunkte sprechen für einen meist im Mittelfeld eingesetzten Spieler eine sehr deutliche Sprache, auch wenn – wie oben angesprochen – die Konstanz nicht sein größter Freund ist und er als gelernter Stürmer für die Aussenposition keine Idealbesetzung ist. Hat in der Winterpause seinen Vertrag vorzeitig bis 2016 verlängert und dürfte neben dem ebenfalls langfristig gebundenen Sven Ulreich  für die nächsten Jahre eines der Gesichter der Mannschaft werden.

Ibisevic, Vedad – 8/10

Stareinkauf der Winterpause und endlich mal ein teurer VfB-Transfer, der sein Geld auch wirklich wert ist. Einer der Hauptgründe für den ergebnistechnischen und spielerischen Aufschwung der Rückrunde, so hatte er mit 8 Toren und 7 Assists in 14 Spielen einen sehr grossen Anteil am Erreichen der internationalen Plätze und konnte mehr als nur erahnen lassen, wieso er 08-09 18 Tore während einer Halbserie erzielt hat. Während man sich in der Hinserie mit Cacau als Sturmführer eher schlecht als recht durchgeschleppt hat, hat man jetzt mit Ibisevic einen Spieler, der weit mehr ist als ein reiner Knipser, und echte Qualität reinbringt.

Okazaki, Shinji – 7/10

In der Hinrunde noch unumstrittener Stammspieler auf dem linken Flügel der 3er Reihe im 4-2-3-1, so mußte sich der gelernte Stürmer in der Rückrunde zeitweise seinen Platz mit dem wiedergenesenen Julian Schieber teilen. 7 Tore sind eine sehr ordentliche Bilanz wenn man bedenkt, dass er so gut wie nie vorne spielen durfte (zum Vergleich Okazaki 7 Tore in 1561 Minuten, Cacau 7 Tore in 1965 Minuten), allerdings ist auch er – analog zu Harnik – keine Idealbesetzung für die Aussenposition im Mittelfeld, da es einem mit 2 gelernten Stürmern auf den Aussenpositionen schwer fällt, das Spiel in die Breite zu ziehen und weder Harnik noch Okazaki die Typen sind, die von ihren technischen Fähigkeiten her auch mal ins 1 gg. 1 gehen können.

Schieber, Julian – 6/10

Reiner Arbeiter und kein Fussballer. Hatte nach der guten Saison in Nürnberg Pech, dass er als Folge seines Muskelbündelrisses mehr oder minder die komplette Hinrunde verpasste und dann die Sturmposition mit Ibisevic besetzt war, allerdings hat er in meinen Augen auch schlichtweg nicht die fussballerische Qualität und Klasse, um sich hier durchzusetzen. Hatte selbst während seiner Saison in Nürnberg eine schlechtere Torquote als Pavel Pogrebnyak in seiner gesamten Zeit beim VfB Stuttgart. Ich hoffe inständig, dass man bei ihm nix dummes macht und ihm hier nen Wahnsinnsvertrag gibt, nur weil’s ein Eigengewächs ist.

Hemlein, Christoph – nicht zu bewerten

Entschied sich vor der Saison trotz Interesse von Borussia Dortmund zu einem Wechsel von Hoffenheim 2 zum VfB und schlug in der Vorrunde so gut ein, dass er – als bei den Profis personeller Notstand herrschte – sogar zu seinem BL-Debüt kam, nur hat man danach auch bei den Amateuren mit Ausnahme eines idiotischen Platzverweises gg. Bielefeld nicht mehr sonderlich viel von ihm gesehen.

Standarddiskussion unterm Flutlichmast

20 Feb

Mittlerweile ist es gut ein Vierteljahr her seit ich zum letzten Mal gebloggt habe. Eine lange Zeit mit insgesamt 10 Bundesligaspielen, in der viel passiert ist – und dann auch wieder nicht so viel.

Kurioserweise haben wir in diesem Zeitraum in besagten zehn Partien zwar kümmerliche und eigentlich absolut lächerliche 8 (in Worten ACHT!) Punkte geholt, sind aber dennoch in der Tabelle vom 7. nur auf den 9. Rang gefallen. Und selbst der Rückstand auf das internationale Geschäft ist “nur” um einigermaßen überschaubare 7 Punkte gewachsen in dieser Zeit.

Diese oberflächlich nicht dramatisch wirkende Entwicklung ist es wohl, was den Verein bisher davon abgehalten hat, den in den letzten Jahren schon fast zur Tradition gewordenen personellen Schnitt  vorzunehmen.

Das Problem ist allerdings, wenn man den Blick auf das Geschehen auf dem Platz wendet, wo nicht mal im Ansatz eine positive Entwicklung in der Mannschaft zu beobachten ist. Und auch das Drumherum ist kaum dazu angetan, Hoffnung für die gebeutelte Fanseele auf eine baldige und entscheidende Verbesserung zu geben.

Spielerisch, wie kämpferisch lässt die Mannschaft zwischenzeitlich zwar immer mal wieder aufblitzen zu was sie in der Lage ist -das war am 12. Spieltag gegen Mainz ebenso der Fall wie gestern gegen Hannover-, aber niemals über ein ganzes Spiel, geschweige denn über zwei Begegnungen in Folge.
Offensiv spielt das Team mittlerweile vollkommen ausrechenbar, ohne einen Funken von Inspiration oder Dynamik (das Hertha-Spiel klammere ich da mal etwas aus). Hier und da blitzt mal ein wenig Spielwitz auf aber kaum so, dass man von einem geordneten, durchdachten Spielaufbau oder gar einem Offensivkonzept sprechen könnte.

Zunehmende Defensivschwächen

Das war zu Beginn dieser Saison zwar nicht großartig anders, aber abgesehen davon, dass man eben im Verlauf eines halben Jahres doch etwas Entwicklung erwarten können sollte in solchen Bereichen, kommt noch ein zweiter Faktor hinzu, der mir und vermutlich allen Fans erhebliches Kopfzerbrechen bereitet:
Neben der biederen Offensive ist auch die im Herbst noch sehr standfeste Defensive zu einem Schatten ihrer selbst verkommen ist. Von den mittlerweile 32 Gegentoren haben wir 20 (!) in den letzten 10 Spielen kassiert. Vergleicht man das mit den 8 Gegentoren aus den ersten 10 Saisonspielen, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass hier etwas drastisch in die falsche Richtung läuft.

Natürlich hinkt der Vergleich etwas, da die Gegner nur zum Teil die selben waren. Aber ein Gegentorschnitt von 2 Toren pro Spiel muss bei den Vereinsverantwortlichen die Alarmglocken schrillen lassen! Hochgerechnet auf die Saison hat nur der Tabellenletzte SC Freiburg einen schlechteren Gegentorschnitt. In den letzten 10 Begegnungen gibt es sogar kein einziges Team, das mehr Gegentore kassiert hat. Und überhaupt nur 2 Vereine (die schon erwähnte Hertha mit 4 und Kaiserslautern mit 5), die in diesem Zeitraum weniger Punkte als wir geholt haben.

Ein Faktor bei den Gegentoren, das wurde gestern auch der breiten deutschen Fußballwelt deutlich gemacht, ist in dieser Saison (gefühlt aber auch schon im Jahr zuvor unter Gross!) das Thema Standardsituation. Von den insgesamt 32 Gegentoren wurden 15 per Standard in oder am Strafraum erzielt: 8 nach einer Ecke, 3 nach einem Freistoß, 4 durch Elfmeter.
Auch hier wird die Negativentwicklung wieder drastisch deutlich, wenn man nur einen Blick auf die Rückrunde wirft: Von den nun 12 Gegentoren in 5 Spielen sind alleine 7 durch Standards gefallen! Schon vor dem Hannoverspiel waren es übrigens 4 von 8 – da verzerrt der Auftritt gestern nur bedingt. Falls das jemand anmerken möchte…

Nun gehört es im Fußball wie im echten Leben dazu, dass bestimmte Dinge Schwächen sind. Die Gretchenfrage hüben wie drüben ist dabei aber, wie man als Verantwortlicher mit diesen Schwächen umgeht und was man tut, um diese zu beheben.

Und an diesem Punkt liegt nun der sprichwörtliche Hase im Pfeffer.

Betrachtet man nämlich die Aussagen der Verantwortlichen, also Bobic und vor allem die Aussagen des sportlichen Übungsleiters Labbadia, dann entstehen große Zweifel daran, ob tatsächlich an diesen offensichtlichen Schwächen gearbeitet wird. Schon nach dem Schalke-Spiel (1:3) am 18. Spieltag wurden die 2 Gegentore durch Standardsituationen quasi als “höhere Gewalt” eingestuft (dazu hätte sich übrigens noch ein 3. gesellt, dass fälschlicherweise wegen Abseits abgepfiffen wurde).
Nun, einen Monat später, hat man erneut 3 Tore nach Standardsituationen eingefangen und wieder wird von Vereinsseite die Bedeutung solcher Gegentore heruntergespielt, indem sich anschließend unser Cheftrainer hinstellt und sagt, man habe ja ohne die Standards gut gespielt.

Natürlich sind externe Aussagen und internes Handeln zwei verschiedene Paar Schuhe, aber hier werden meiner Meinung nach falsche Signale von oben an die Mannschaft gesendet, der so vermittelt wird, dass sie eigentlich nicht viel falsch gemacht hätte. Ich kann nur inständig hoffen, dass hier im Training anders gearbeitet wird, als es nach aussen kommuniziert wird, durch Aussagen wie “Wir müssen das Spiel abhaken und vergessen”. Das geflügelte Wort “Aus seinen Fehlern lernen” kommt doch nun mal nicht von ungefähr…

“Ein leichter Gegner”

Doch diese Hoffnung wird neben der oben aufgezeigten Negativentwicklung und eben den externen Aussagen unserer Führungspersonen auch noch durch einen weiteren Aspekt stetig ausgehöhlt:
Die Aussagen der Gegner.

Nach dem Rückrundenauftakt saß Schalke-Stürmer Huntelaar Abends im Aktuellen Sportstudio und sprach auf Nachfrage von einem “leichten Spiel”. Mönchengladbachs Mittelfeldstar Marco Reus erwähnte nach dem 3:0-Sieg bei uns, dass man einfach nur seinen “Stiefel hätte runterspielen müssen”.  Und auch Hannovers Coach Mirko Slomka gab gestern Aussagen von sich, die man getrost als schallende Ohrfeigen für unsere sportliche Leitung interpretieren kann: “Die Stuttgarter haben in den letzten Spielen eine extreme Variante der Raumdeckung praktiziert. Das haben wir analysiert und bei den Standards ausgenutzt.”

Wie kann es sein, dass wir für den Gegner offenbar so ausrechenbar sein und im Grunde schon beinahe verspottet werden (für die glattgebügelten Interview-Verhältnisse der Bundesliga)?

In ein ähnliches Horn stößt übrigens auch die wie üblich exzellente taktische Analyse des Hannover-Spiels auf spielverlagerung.net:

Nach der Analyse des EL-Spiels und Slomkas Aussage, Spielmacher Hajnal die „Luft zum Atmen“ zu nehmen, hätte der VfB sich im Vorfeld der Partie auf das 4-3-1-2 und die damit verbundenen Chancen und Risiken einstellen können. Dass dies offenbar nicht in ausreichender Weise geschehen ist, stimmt zumindest nachdenklich.

Es ist ja nicht einmal so, als würden wir stets im gleichen System oder mit dem gleichen Personal auftreten. In der Rückrunde haben wir nie zweimal hintereinander mit derselben Startaufstellung gespielt, zwischendurch sogar das System von 4-2-3-1 auf 4-4-2 und wieder zurück auf 4-2-3-1 gewechselt (Systemwechsel innerhalb der Begegnungen noch aussen vor). Und dennoch haben die Gegner laut eigener Aussage keine Schwierigkeiten ihr Spiel durchzuziehen?? Wie gesagt, das Personal wird ja auch stets durchgewechselt. Werfen wir nochmal einen Blick zehn Spieltage zurück: Vergleicht man die Startelf aus Mainz mit der Startaufstellung in Hannover so wurden satte 5 Feldspieler ausgetauscht!

Ohne jetzt zu sehr in das Thema gehen zu wollen (das gebührt eigentlich eines eigenen Eintrags und würde hier den Rahmen sprengen):
Absolut bezeichnend ist es, dass wir nicht einen einzigen Spieler mit mehr als drei Einsätzen haben, der nach 1989 geboren ist! Und der eine Spieler mit drei Einsätzen ist Christopher Hemlein, der auf wahnwitzige 55 Spielminuten zwischen dem 10. und 12. Spieltag kam. So viel zum viel beschworenen “Stuttgarter Weg” und der so gerne aufs Schild gehobenen Jugendförderung… Aber wie gesagt, das würde jetzt zu weit führen.

Ich denke, jeder versteht den Punkt und worauf ich hinaus will.

Wie geht es weiter?

Am kommenden Wochenende trifft die Mannschaft nun auf den Tabellenletzten SC Freiburg, die in der Rückrundentabelle sogar mittlerweile einen Platz vor uns rangieren. Danach geht es gegen den Rhetorik-Champions League-Aspiranten Hamburger SV, die sportlich auch etwas hinter den von Fink formulierten Ansprüchen hinterherhinken und mit der Nordderby-Niederlage auch etwas Gepäck mit sich herumschleppen – aber in der Tabelle der letzten 10. Spieltage immerhin 6. sind.
Anschließend steht mit Kaiserslautern ein Gegner auf dem Programm, bei dem es noch(?) erstaunlich ruhig ist, angesichts der sportlichen Talfahrt.

Meine Vermutung ist, dass die geschäftsüblichen Mechanismen irgendwann innerhalb dieser drei Spiele greifen werden, und Bruno dem Arbeitsmarkt wieder zugänglich gemacht werden wird – sollten nicht wider (meinem) Erwarten mindestens 6 Punkte in diesen drei Partien geholt werden und die Niederlage (vermutlich beim HSV) nicht allzu bitter ausfallen.

Sollten weniger Punkte geholt werden, kann ich mir nicht vorstellen, dass Bruno Labbadia im Duell gegen seinen Vor-Vor-Vorgänger bei Hoffenheim noch an der Seitenlinie steht.

Die Frage ist halt, was eine vorzeitige Trennung vom Trainer bringt? Dass wir bei 8 Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze noch unten reinrutschen ist zwar sicherlich nicht ganz ausgeschlossen, allerdings erwecken die Konkurrenten in der unteren Tabellenhälfte allesamt keinen wirklich stabileren Eindruck als das der VfB derzeit tut. Ich kann es mir zumindest nicht vorstellen, dass nicht drei Teams hinter uns landen, selbst wenn man in Cannstatt so weitermacht wie bisher.

Die 8 Punkte Rückstand auf Rang 6 bzw. 7, die für das internationale Geschäft qualifizieren würden, sind wiederum auch nicht unüberbrückbar. Es ist letztlich “nur” nötig, in den letzten 12 Spielen drei Siege mehr als Leverkusen oder Hannover einzufahren. Blöderweise hat man in den letzten Wochen gegen keines dieser beiden Teams gewinnen können und auch so erscheint es derzeit eher unrealistisch, dass man an sie rankommt (in der Hinrunde haben alle drei Teams zwischen Spieltag 6 und 17 quasi identisch viele Punkte geholt).

Die T-Frage

Nach den vorangegangenen Ausführungen dürfte relativ klar sein, dass ich eine längerfristige Zusammenarbeit mit Bruno Labbadia für wenig sinnvoll halte. Dazu sprechen mittlerweile einfach zu viele Faktoren gegen ihn.

Stellt sich also die Frage, ob man ihn jetzt schon los wird, oder ob man im Sommer eine Trennung vollzieht.

Die Trennung im Sommer würde bedeuten, dass man diese Saison quasi abhakt und “auslaufen” lässt. Dafür hätte man den Vorteil, dass man für den Sommer die Position des Cheftrainers nicht unter Zeit- und Mediendruck neubesetzen muss, sondern sich zur Abwechslung mal etwas Gedanken machen kann über Konzepte und Ausrichtung.
Sollte man sich allerdings dazu entschließen, diesen Weg zu gehen, dann sollte Verein Labbadia davon “überzeugen”, sich im letzten Saisondrittel konsequenter der Jugendförderung zu verschreiben.

Die zweite und in Stuttgart quasi schon übliche Variante wäre es, Labbadia umgehend rauszuschmeissen und versuchen, sofort durch einen neuen Cheftrainer Impulse zu setzen, um durch eine Aufholjagd die Lücke zu Platz 6/7 noch schließen zu können. Hier stellt sich die Frage, wen man derzeit auf dem Trainermarkt verpflichten kann und sowohl die kurzfristige, als auch die langfristige Perspektive zutraut. Man kann natürlich hier einiges gewinnen, wenn es gelingt die Saison im internationalen Geschäft abzuschließen, aber es droht selbstverständlich die Gefahr einmal mehr einen übereilten Fehlgriff zu machen.

Daneben existiert natürlich noch das “Berliner Modell”, bei der man eine eindeutige Übergangslösung einstellt mit dem klaren Auftrag die Saison mit Anstand zu Ende zu bringen, um dann im Sommer einen Neuanfang zu starten. Das wäre die Option, die man ziehen müsste, wenn man a) diese Saison abhakt und b) Bruno Labbadia es nicht schaffen sollte, sich einer Jugendförderung zu verschreiben bzw. sich mit der klaren Ansage, im Sommer weg zu sein, nicht mehr ausreichend motivieren kann.

Das mögen naive Wünsche eines Fans sein, der keine Ahnung von der Realität hat, aber ein Weiterwurschteln wie bisher kann nicht die Lösung sein.

Aktion Libero.

16 Nov

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.

Schuldzuweisungen.

8 Nov

Seit nunmehr drei Bundesligaspielen ist der VfB Stuttgart sieglos und scheint damit auf dem besten Weg zu sein, den relativ erfolgreich gestalteten Spätsommer und Frühherbst wieder ein bisschen zu negieren.
Stellt sich die Frage, woran das liegt, wer schuld ist?

Und die Antwort ist einfach: Ich.

Schließlich weilte ich zwischen Mitte September und Mitte Oktober satte 4 Bundesligaspieltage lang in den USA. Vier Bundesligaspieltage, an denen der VfB drei Siege und nur eine Niederlage gegen die Reserve von Chelsea einfuhr. Seit meiner Rückkehr auf diesen schönen Kontinent allerdings folgten dann eben leider zwei Remis gegen Nürnberg und Dortmund, sowie die schmerzhafte Niederlage am vergangenen Freitag beim Krisenverein Mainz.

Dementsprechend liegt die Lösung, den VfB wieder in die richtige Spur zu bringen, tatsächlich auf der Hand:
Überweist einfach jeder 50 Euro zur Subventionierung meiner Flugkosten auf das folgende….

Aber lassen wir mal das Scherzen beiseite und auch Krisengerede will ich hier eigentlich gar kein Forum bieten.
Nürnberg war zwar definitiv eine ziemliche Enttäuschung in spielerischer Hinsicht, hatte aber zumindest den Lichtblick zu bieten, dass das Team nach dem zweiten Rückstand nochmal Reaktion gezeigt hat.
Das Heimspiel gegen Dortmund wurde zwar auch nicht gewonnen, aber zumindest zeigte das Team eine über weite Strecken des Spiels wirklich hervorragende spielerische und kämpferische Leistung – gegen einen Gegner, der wohl zum stärksten gehört, was die Liga derzeit zu bieten hat.

Das letzte Spiel in Mainz nun -die erste Niederlage seit fast eineinhalb Monaten- kann und muss man in erster Linie wohl unter der Kategorie “Freakergebnis” verbuchen, denn unter normalen Umständen hätte der VfB das Spiel vermutlich nicht verloren, eventuell sogar gewonnen. “Normale Umstände” soll dabei natürlich auf die indiskutable Leistung von Schiedsrichter Guido Winkmann anspielen – aber das Thema ist nun wahrlich zur Genüge ausdiskutiert worden, daher möchte ich auf diesem toten Gaul auch nicht weiter rumreiten.

Kaufen kann man sich davon natürlich nichts, aber es lohnt sich in der Retrospektive zumindest noch einmal einen Blick darauf zu werfen, um eventuell ein paar Lehren daraus zu ziehen.

Die Frage, die sich mir zumindest stellte, war diejenige, warum sich das Team zwischen der 54. und 64. Minute derart aus dem Konzept hat bringen lassen. Klar, es ist nachzuvollziehen, dass die Spieler sauer waren und sich über die Entscheidungen des Schiedsrichters aufregten, aber das rechtfertigt nicht, dass die Spieler nach dem albernen Elfmeter für kurze Zeit derart auseinandergeflogen sind, dass sie mehrfach in höchste Not defensiv gerieten und sogar noch das 3:1 fingen. Das war eine Zeit lang wirklich erschreckend kopflos und sollte Labbadia und Co. zu denken geben, da vielleicht ein bisschen dran zu arbeiten.
Und natürlich ist mir klar, dass das eine ziemliche Ausnahmesituation war und das habe ich ja auch schon “honoriert” mit der Bezeichnung als Freakergebnis – aber gerade das letzte Wochenende hat ja wieder mehr als deutlich gezeigt, dass mit einseitigen Benachteiligungen durch Schiedsrichter jederseits zu rechnen ist. Und da muss das Team einfach eine gewisse mentale Stabilität entwickeln, sich davon nicht für ca. 10-15% des Spiels komplett aus der Bahn werfen zu lassen.
Da sind dann auch Spieler wie William Kvist, Serdar Tasci, Khalid Boulahrouz und ja auch Cacau gefragt, den Laden zusammenzuhalten.

Dann fängt man sich trotz der zwischenzeitlichen Benachteiligung eventuell nicht dieses unfassbar dumme dritte Gegentor, weil Molinaro da nicht so zögerlich agiert. Zudem hätte man mit mehr Struktur und Kopf wahrscheinlich auch noch mehr aus den zahlreichen Chancen machen können, die man im Schlussdrittel der Partie noch hatte – so dass das Spiel trotz Winkmann nicht hätte verloren gehen müssen.

Natürlich ist das graue Theorie, aber es ist -meiner bescheidenen Ansicht nach- einer der Ansätze, die man als Trainerteam nach diesem so verlaufenen Spiel verfolgen sollte, um mit solchen Situationen, die so oder so ähnlich unter Garantie wieder kommen werden, besser umgehen zu können.

Nun ja, erst einmal geht es jetzt mit der Niederlage in die Länderspielpause und hat damit zwei Wochen Zeit um an diesen, aber auch ein paar anderen Dingen zu arbeiten, bevor man dann mit dem FC Augsburg eine Pflichtsiegaufgabe vor der Brust hat. Mit einem Sieg dort kann man wieder Anschluss an das Verfolgerquartett gewinnen, was durchaus wichtig ist, wenn der VfB in dieser Saison ein paar Worte in Sachen internationales Geschäft mitreden möchte. Zumal an diesem Wochenende 1 und 2, sowie 3 und 4 gegeneinander spielen werden.

 

Eupho-rien.

24 Okt

In der vergangenen Woche interviewte mich Alex von den Clubfans United für ihren Blog zum anstehenden “kleinen Süd-Derby” (Zitat: kicker.de) und schon die erste Frage brachte  mich stark ins Schwitzen. Er fragte nämlich, wie denn die Stimmung derzeit im Ländle sei in Sachen VfB.

Nun bin ich ohnehin schon selten wirklich repräsentativ, so als Exil-VfB-Fan, aber diesmal war es so, dass das letzte VfB-Spiel, von dem ich mehr als das Ergebnis mitbekommen hatte, der 3:0-Sieg gegen Hannover 96 war, am 5. Spieltag. Danach weilte ich bis Mitte vergangener Woche in den USA und habe dementsprechend selten mehr als das Ergebnis nachlesen können.

Als ich mir allerdings (nach dem Interview) die Blogeinträge, Forenkommentare und Tweets der geschätzten Mit-VfB-Fans so durchlas, dann kam mir der Verdacht, dass ich vermutlich ohnehin keine eindeutige Stimmungslage hätte ausmachen können. Und da half auch der samstägliche Auftritt bei den Clubberern nicht viel.

Irgendwie scheint es mir nämlich so, dass alle VfB-Fans derzeit nicht so richtig wissen, woran sie sind mit dem VfB und was sie mit der bisherigen Saison so anfangen sollen.

Einen Großteil der “Schuld” daran trägt, da lehne ich mich mal aus dem Fenster, vermutlich die Person Bruno Labbadia, bzw. die mit ihm verbundenen Erwartungen, oder vielmehr das Mißtrauen, dass ihm die große Mehrheit der VfB-Fans entgegenbringen dürfte.

Während ich mit Gross in erster Linie Respekt für seine Fachkompetenz verband, bei Babbel lange Zeit eine große Sympathie für seine Art und seine Begeisterungsfähigkeit hegte und selbst bei Veh natürlich noch lange der Meistertitel nachhallte, verbinde ich mit unserem heutigen Trainer in erster Linie ein Gefühl der Reserviertheit (um nicht zu sagen grundsätzlicher Skepsis). So dürfte es vermutlich der Mehrheit gehen, und das ist natürlich keine gesunde Basis, um so etwas wie Euphorie zu erzeugen.

Das mag unfair erscheinen in Anbetracht der teils tollen und insgesamt sehr erfolgreichen Rückrunde unter Labbadia, aber so ist nun mal die interne Gefühlslage. Zumal die bisherige Saison eben dem Vernehmen nach in Sachen Resultate zwar als sehr erfolgreich zu bezeichnen ist (bester Saisonstart seit der Meistersaison…), aber eben spielerisch -allem Vernehmen nach- nur wenig überzeugend verlief. Dem Spiel der Mannschaft fehlt der Esprit, es fehlen die positiven Identifikationsfiguren und zudem gibt es diverse kleinere Nebenschauplätze, die ein insgesamt nicht sonderlich gutes Gefühl hinterlassen, das dadurch verstärkt wird, dass man -mindestens unterbewusst- ständig auf den Labbadia-typischen Einbruch der Mannschaft wartet.

Letzteres schien am Samstag endlich so weit zu sein, als der VfB erst zum ersten Mal seit dem Leverkusen-Spiel in Rückstand geriet und eine absolut unterirdische erste Hälfte ablieferte, die offensiv jeder Beschreibung spottete und defensiv eigentlich gut war – wenn da nicht die altbekannten Schwächen bei Standards gegen uns gewesen wären…
In der zweiten Hälfte schien es dann erst einmal besser zu werden, auch wenn es dann ein mindestens glücklicher, wenn nicht unberechtigter Handelfmeter war, der zum Ausgleich führte. Das Spiel schien sogar kurzzeitig dabei zu sein zu unseren Gunsten zu kippen – wenn da nicht wieder die altbekannten Schwächen bei Standards gegen uns gewesen wären…

Dass es am Ende doch noch zum erneuten Ausgleich reichte, hatte ich nicht mehr zu hoffen gewagt. Womöglich war der Treffer zum 2:2 von Maza begünstigt durch die Unerfahrenheit der von zahlreichen Verletzungen gebeutelten Nürnberger Mannschaft, aber dennoch hat mir der Kampfgeist des VfB-Teams schon ein wenig imponiert, sich auch nach zwei Rückständen nicht aufzugeben.

Ich habe keine Ahnung, wo es diese Saison für den VfB lang gehen wird. Mit Platz 5 und 17 Punkten ist die Ausgangslage rein mathematisch überdurchschnittlich gut und auch im Pokal sollte bei einem Heimspiel gegen den FSV Frankfurt (bei allem Respekt) ein Weiterkommen absolute Pflicht sein.

Auch ich schließe mich übrigens den Forderungen an, dass Timo Gebhart am Mittwoch im Pokal dringend mal wieder etwas Einsatzzeit bekommen muss. Darüber hinaus fehlt es mir an Hintergründen, um die Situation um ihn herum einschätzen zu können, aber ich hoffe, dass Labbadia wieder verstärkt auf ihn setzt, da seine Art und sein Spielstil unserer Offensive eigentlich nur gut tun kann.

Am kommenden Samstag steht mit der zuletzt wieder stabilisierten Borussia aus Dortmund, die zwei Punkte vor uns liegen, ein ziemlich harter Prüfstein an. Ich bin gespannt, ob wir das spielstarke Team knacken können.

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